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18. Jahrgang

Sonntag, den 22. März 1891.

67

Druck u. Verlag der Fuldaer Acttendruckerei (A. Dillmann).

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

eingeführt.

Ausland.

Di« »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.

Auferate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum

16 Ps., bei Medrrholungen entsprechender Rabatt.

* Aus Siidfrankreich werden große Ueberschwem- mungen gemeldet. Bei Montluel verursachte dieSeraine,

* In Paris ist der 20. Jahrestag der Kommune durch allerlei sozialistische Demonstrationen festlichen Charakters begangen worden.

* Die französische Presse ohne Unterschied der Par­tei widmet dem entschlafenen Führer der Centrumspar­tei Dr. Windthorst, warme Nachrufe. Alle ange­sehenen Blätter veröffentlichen ausführliche Schilderungen des öffentlichen Lebens Windthorst's: tote mannhaft er gestritten und gelitten und wie er, der Sohn ein­facher Landleute, Dank seiner Kenntnisse, der Energie und der entwickelten rastlosen Tätigkeit als der ein­flußreichste, mächtigste Politiker Deutschlands aus dieser Welt scheidet.

* Petersburg, 20. Mär. Inder katholischen Kirche fand heute ein Requiem für Windthorst statt.

* Turin, 20. März. Die Leiche des Prinzen Na­poleon wurde nach einer kurzen religiösen Feier m der Superga in Gegenwart der Prinzessinnen Clodilde und Laetitia, des Prinzen Victor und des He^ogs von Genua beigesetzt. Nach der Beendigung der Feier reisten Prinzessin Clotilde und Prinz Victor nach Mvn- calieri ab.

* London, 20. März: In der deutschen Bonifa- tiuskirche im Osten-Londons wurde ein Todtenakt stir Windthorst abgehalten. Verres hielt die Gedacht- nißrede, in welcher er die staatsmännischen Verdienste Windthorst's pries. Der Herzog von Norfolk sandte ein Schreiben, in welchem er sein Bedauern aussprach, daß er verhindert sei, an der Feier theilzunehmen. — Aus Gibraltar wird gemeldet, daß derKapltan der Utopia" von der Leichenschauer-Jury fahrlässiger Tödtung angeklagt und verhaftet, jedoch gegen Bürg­schaft wieder freigelafsen worden ist. Die Taucher haben die Zwischendecke und das Kartenhaus voll Todten und die Luken von Leichen verstopft gefunden, überall Zeichen eines fürchterlichen Todeskampfes.

* Aus Chile wird gemeldet, daß sich die Lage der Regierung von Tag zu Tag bessert; die Aufständischen haben nur die Häfen von Jquique und Pffagna m den Händen; der übrige Theil des langgestreckten Küsten­landes soll ruhig sein.

daer Aetiendruckerei hergestellte, von dem Direktor der landwirthschaftlichen Wrnter- schnle dahier redigirte

Rathgcber

Deutsches Keich.

Berlin, 20. März.

* Die Centrumsfraktionen des Deutschen Reichs­tags und Preußischen Abgeordnetenhauses haben, an Frau Staatsminister Windthorst solgendes Beileids­schreiben gerichtet:

„Excellenz, Frau Staatsmimster! Gnädige Frau!

Die Todtenklage um den Unersetzlichsten von Allen, welche wir bis jetzt beweint, vereinigt heute die 164 Mitglieder und Hospitanten des Centrums am Deutschen Reichstag und am Preußischen Haus der Abgeordneten vor Euerer Excellenz.

Bon unserm eigenen Verlust und unserer eigenen Trauer schweigen wir. Der höchste Schmerz ist stumm und Worte fassen den Werth des Mannes, der uns entrissen, nicht; Gedan­ken ermessen nicht die ganze Folgenreihe des Ereignisses, das uns betroffen.

Uns drängen in diesem Augenblick allein Gefühl und Pflicht, der hochverehrten, tiefgebeugten Gemahlin des geliebten Führers die Theilnahme und Dankbarkeit, die wir ihr schulden, zu be-

Aus des Verstorbenen Munde wissen wir, bei jedem An­laß hob er es in rührender Bescheidenheit hervor, wie groß der Antheil Eurer Excellenz an dem, was er uns war, gewesen. Und wenn er bis zum Ende seiner körperlichen Kräfte bei uns ausgeharrt, so hat er uns gelehrt, darin den Sporn der starken Frau" der heiligen Schrift zu ehren, die, selbst dem Äauie vorstehend, ihren Mann aufs ösfeniliche Leben weist und auf die Aufgaben, die er dort zu lösen hat, „der Edelsten Einer in den Versammlungen, wenn er sitzet unter den Gesetzgebern

hänglichkeit

Berlin, den 14. März 1891.

Euerer Excellenz treu gehorsamste Centrumsfraktionen des Deutschen Reichstags und des Preußischen Hauses der Abgeordneten.

* Der Bnndesrath genehmigte gestern den Etat und die damit zusammenhängenden Gesetze nach den Beschlüssen des Reichstags, ebenso die Verordnung, betr. die Einführung von Reichsgesetzen auf Helgoland. Der Handelsvertrag mit Marokko, der elfaß-lothr. Lan­deshaushaltsetat und ein elsaß-lothringisches Gesetz über die ärztlichen Hausapotheken wurden den zuständigen Ausschüssen überwiesen. c _

* In der heutigen Sitzung nahm das Herrenhaus zunächst die Novelle zur evangelischen Kirchenversassung für die älteren Provinzen an und verwies sodann das Wildschadengesetz nach längerer Debatte an eine Kom­mission von 15 Mitgliedern. In der hierauf folgen- | den Beratung des Antrags v. Frankenberg wird der Kommissionsbeschluß über diesen Antrag, wonach die Regierung unter näherer Darlegung des Organifatwns- planes um Errichtung von Behörden zur Wahrnehmung der Interessen der Wasserwirthschaft ersucht wird, ab- qelehnt und der unsprüngliche Antrag angenommen, der die Regierung nur auffordert, die Bildung einer Wasserbehörde zu erwägen, aber keine detaillirten Vor­schläge enthält. Nächste Sitzung: Samstag. Tages­ordnung: Kleine Vorlagen.

* Die deutsch-österreichischen Zollverhandlungen sind i noch immer zu keinem Abschluß gelangt und die häu­figen Unterbrechungen lassen erkennen, daß nicht uner­hebliche Schwierigkeiten zu bewältigen sind, ^m ueb- riqen sind sämmtliche Angaben über die bisherigen Er­gebnisse mit Reserve aufzunehmen, da diese Ergebnisse eben vorläufig geheim gehalten werden.

* Der Kaiser hat die Einladung der Stadt Köln I -u einem Festmahl auf dem Gürzenich angenommen, j Ende April oder Anfang Mai wird Se. Ma,, dieser Einladung Folge leisten, jedoch sind bestimmte Rerse- dispositionen noch nicht getroffen.

* Reichskommissar v. Wlßmann hat am 1. Marz ein Pulver- und Waffenmonopol für Deutsch-Ostasrika

auf die

,Fuldaer Zeitung'

für das am 1. April d. I. beginnende

2. Guartal 1891

wolle man nicht bis auf die letzten Tage des laufenden Monats verschieben, sondern möglichst bald dem nächsten Postamte zustellen, damit uns dieselben rechtzeitig übermittelt werden können und prompte Zu­sendung ermöglicht wird.

Der Post - Abonnementspreis auf die ,Fuldaer Zeitung' mit der illustrirten Sonntagsbeilage Sterne und Mumm = beträgt pro Quartal nur 1 Mk. 50 Pfg. excl. Be-

«ietteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer­lohn und Bestellgeld mit der brlletristifchen Sonntagsbeilage .Sterne undBlumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Aus Stadt, Drovms und Nachbargebiet.

Fulda, 21. März.

• Das Programm des Realprogymnafiums zu Fulda enthält außer den von Herrn Rektor Dr. Bergmann zusammengefaßten Schulnachrichten über das abgelaufene Schuljahr 1890/91 einen „Methodischer Lehrplan der Anstalt für den Unterricht in der Math ematik und im Rechnen" von Oberlehrer Dr. Balthasar Wagner. Den Schulnachrichten entnehmen wir Folgmdes: Das Lchrer- kollegium besteht aus dem Rektor, Oberlehrer, 4 or­dentlichen Lehrern, 1 Real-Elementarlehrer, 1 katho­lischen und 1 evangelischen Relrgionslehrer, 1 Zeichen­lehrer und 1 Turnlehrer auf welche sich 1S2 wöchent­liche Unterrichtsstunden so verteilen, daß das Maxi­mum 26, .das Minimum 4 Unterrichtsstunden betragt. Die Gesamtzahl der Schüler bezifferte sich auf 188 die Frequenz am Anfang des Sommersemesters aus 177, am Ansang des Wintersemesters aus 169. Die Reli'qions- und Heimathsverhältnisse der Schüler warm am 1. Februar 1891: 60 Evangelische, 45 Katholiken, 60 Israeliten; 115 Einheimische, 48 Auswärtige und 2 Ausländer. Das Zeugniß für den einjährigen Mili­tärdienst erhielten Ostern 1890: 7, Herbst: 3; davon sind 8 zu einem praktischen Berufe übergegangen. Dem Abiturientenexamen unterwarf sich Ostem 1891 und er­hielt das Zeugniß der Reife: Wilhelm Kremer aus Fulda, welchem auf Grund guter Jahresleistung und günstigen Ausfalls der schriftlichen Prüfung das münd­liche Examen erlassen wurde. Derselbe besuchte 4 /« Jahre die Anstalt und will Geometer werden Das neue Schuljahr beginnt am 7. April An Vorstehend^ knüpfen wir noch die Mittheilung, daß bei dem geg n- wärtigen Schluß des Schuljahres 1890/91 molf der Untersekunda das Zeugniß der Befähigung zum einjährigen Militärdienste erhalten haben.

Mit uns nehmen sie auch Theil an dem Verlust und an der Trauer. Wohin die Kunde dringen wird „Windthorst ist tobt", von Petri Stuhl bis zu der fernsten, verlassensten Mis­sionsstation in Afrika, Amerika und Polynesien, vom stolzesten Palast bis in die ärmste Hütte, vor allem da, wo deutsche katho­lische Herzen schlagen, wird sie mit gleicher Erschütterung ver­nommen , mit gleicher Ergriffenheit weiter getragen, wird der Verlust als eigener empfunden werden, und zwar der schwersten einer und wird die Trauer gleichermaßen Alle umfaffen, denen er im Leben die leuchtendste Verkörperung katholischer zugleich und deutscher Tüchtigkeit gewesen, der strahlendste Held mt Geister- kamvfe der Gegenwart, der unbesiegte und unbesiegbare sichrer, das unerreichte Vorbild in der politischen und parlamentarischen Vertretung von Wahrheit, Freiheit und Recht .

Die Trauer, daß er nicht mehr ist, daß diefer Mund, der seines Gleichen nicht unter den Lebenden gehabt, verstummt nimmermehr. Aber auch der Stolz; >nn er war unser und wird unser bleiben, so lange die Geschichte großer Manner Bilder zeichnen und ihre Großthaten der Nachwelt aufbewahren wird Und Gott sei Dank! er lebte lang genug, um endlich seinen Werth auch da erkannt und anerkannt zu sehen wo man sich Jahre auf Jahre ablehnend gegen ihn verhalten hatte. Mit den Männern der Kirche trauern heute die,enigen des Staates um diesen großen und edlen Sohn, um diese seltene Zierde des deutschen Vaterlandes, wie sie nur in Jahrhunderten geboren werden. Der volksthümlichste Mann der Welt, ist er gestorben. Und das muß Eurer Excellenz den Trost gewähren, dessen Sie an der Leiche des geliebten Gatten in so hohem Maß bedürfen. Dies und der Gedanke, daß er den Stempel wahrer Größe, die selbstloseste Uneigennützigkeit, mit sich ins Grab nimmt, verbunden mit dem ergebenen Ausblicke zu Gott, dessen Dienst das reiche Leben des reich begabten Mannes verzehrte, dessen Ratschluß seinen Mühen, Arbeiten und Leiden jetzt ein Ziel gesetzt und dessen Gerechtigkeit Seinem treuen Diener gewiß bereits em vollqerütteltes Maß ewigen Lohnes zugemessen hat. Gehend gingen sie und weinten und streuten ihren Samen aus; kommend kamen sie in Frohlocken, die vollen Garben tn ihren Armen tragend." Gott schütze, segne und erhalte Eure Excellenz!

In tiefster Verehrung und der treuesten dankbarsten San«

für Lanbwirthschast, Gartenbau u. Hauswese« wirb vom 1. April b. I. ab auch der ,Ful­daer Zeitung' W* gratis bergefugt werden. ..

Diese unseren seitherigen Lesern gewrtz sehr willkommene Mittheilung dürste geeig­net sein, der ,F«ldaer Zeitung' wettere Abon­nenten zu gewinnen. Der

bevorstehende Guartalsrvechsel bietet zur Neubestellung der ,Fuldaer Zei­tung' passende und erwünschte Gelegenheit.

Neu zngehende Abonnenten erhalten die Zeitung nebst der Sonntagsbeilage gegen Einfen- dung der Post-Quittung bis Ende März gratis.

§ Do d haben Eure Excellenz ein langes Opferleben besiegelt mit einem Akte schmerzlichster Entsagung! Sw haben dem, bTr in aesunden Tagen fast nur ein Gast im eigenen Heim £ konnte auch in der letzten Krankheit nicht zur Seite stehen, im Tode nicht die lieben Augen schließen dürfen. Und weil er selbstlos ganz der Unsrige geworden, darum suhlen m Eurer Ercellenz nur zu gerechtem Schmerze wir uns ganz als die Ihrigen^ die Ihrigen in inniger Antheilnahme, die Ihrigen 8or G^mhm'iqen^ Eu?E?ellenz^den Ausdruck dieses Dank-s I sndem sie die Eisenbahn Überschwemmte, große Schäden, der nie erlöschen wird, und welcher nicht der unsrige allem ist! 2)ie Rhone, deren Nebenflüffe stark angefchwollen sind, Mit und durch uns dankt Ihnen das katholische Volk tn * aesjieaen

Deutschland, ja die katholische Christenheit au weitem Erdenrunde. I ist UM 8 JKeter fliegen.