Beilage zu Nr. 61 -er „Fuldaer Zeitung".
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I Sonntag, dm 15. März 1891.
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Die Wordthaten in Maffauah
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bezüglich gemeinschaftlichen Vorgehens in Verbindung zu setzen.
Etwaige Zuschriften nimmt der erste Vorsitzende Herr F. C. Günther in Halberstadt dankend entgegen.
ö’ Porto-Gebühr bei Post-Auweisungs- Gin;ahlMgen von Kleinen Beträgen.
Der Verein für Handel und Gewerbe zu Halberstadt ist in seiner Februar-Sitzung einer Frage näher getreten, die wohl als eine der wichtigsten für den gesammten Handels- und Gewerbestand angesehen werden dürfte, nämlich die unverhältnißmäßig hohe Porto-Gebühr bei Post-Anweisungs-Einzahlungen von kleinen Beträgen. m r « «
Die Gebühr von 20 Pfg. und 5 Pfg. Bestellgeld für Beträge von 100 Mk. bis zu den kleinsten bis 10 Pfa. belastet in ungerechtfertigter Weise gerade diejenigen Zahlungen, die ein Porto kaum ertragen, was sich besonders bei Bezahlungen von G e r i ch t s k o st e n fühlbar macht, weil es sich gerade hierbei in der Mehrheit um Kostenbeträge von 20 Pfg., 30 Pfg., 40 Pfg. bis 1 00 Mk. rc. handelt, so daß schließlich bei Gerichtskosten in Summa ca. 1 Mk. 20 Pfg. in drei Malen allein incl. Bestellgeld 75 Pfg. Porto bezahlt werden.
Haus- und Landwirthschaft.
* Praktische Futterraufen. Eine praktische, leicht herzustellende Futterraufe, welche für Kälber und Schafe in Laufställen aus Weiden rc. gut zu gebrauchen ist, erhält man nach der Pandwirthschaftlichen Zeitung für Westfalen und Lippe', wenn man in einem größeren Fasse seitwärts Löcher macht durch welches die Thiere das hineingeschüttete Futter erreichen können. Es wird bei solcher Raufe kein Futter vertreten und schwächere Thiere können nicht abgestoßen werden, namentlich nicht, wenn man ca. einen Fuß vom Faß dem ganz gebliebenen Faßdaum gegenüber Pfähle einschlägt.
In Oesterreich ist das Geld-Porto für kleine Beträge bedeutend billiger, dasselbe beträgt dort ... -- x ar 5 Kr.
Ueber die Mordthaten in Massauah bringen die italienischen Blätter immer weitere Einzelheiten, die mehr Licht rn das Dunkel bringen, das über die Affaire gebreitet ist. Der Hauptschuldige scheint der Polizeilieutenant Livraghl zu fern, der jetzt in Lugano, wo er sich verborgen hielt, verhaftet worden ist. Er beschuldigt den Obersten Cossato, seinen Vorgesetzten, die Mordthaten befohlen zu haben. Die Regierung hat in der Kammer versichert, daß sie eine gründliche Untersuchung anstellen und die harte Bestrafung dor Schuldigen, wer sie auch seien, veranlaßen werde. Das Signal zu den Enthüllungen gmg, so schreibt die ,Franks. Ztg/ von dem Korrespondenten der ,Ttt- buna' in Massauah, Herrn Corrazzini aus. Darauf veröftent- lichte der ,Secolo' Theile eines Memorandums, das ihm dieser schon vor längerer Zeit mitgetheilt hat, das aber das Blatt wegen der Unwahrscheinlichkeit des Inhaltes nicht mitgetheilt hatte. Livraghi soll das Memorandum gleichzeitig auch dem Kriegsministerium unterbreitet haben. Heute bringt der ,Secolo weitere Theile, so daß damit das Material ziemlich vollständig vorliegt Wir greifen Einiges davon heraus. Den Anlaß zur Entdeckung gab die Auffindung eines Verzeichnisses unter den Briefen des in den Hochverrathsprozeß Mussa-el-Accads verwickelten Sekretärs Cagnafsi. Aus diesem Verzeichnisse der Freunde und Genossen Kantibay's, der wegen Hochverraths zum Tode verurtheilt, dann aber vom König begnadigt worden ist, sand sich bei dem Namen eines gewissen Ligg Hagos em mit rother Tinte gemachtes Kreuz. Ligg Hagos war ein reicher Mann, und da er feit längerer Zeit verschwunden war, so kam dem Gerichte der Verdacht, daß er ermordet worden sein könnte. Während man der Sache nachforschte, stieß man auf die Spuren eines zweiten Mordes, und diese führten wie beim ersten zu der Thäterschaft der eingebornen Polizei, die unter dem Befehle des Carabinieri-Lieutenants Livraghi, des Chefs der Lokalpolizei, stand. Bald kam die Wahrheit an den Tag; Ligg Hagos war plötzlich verschwunden; des Nachts war er hinausgesuhrt und an einer einsamen Stelle mit Revolverschüssen getödtet worden. Sein Leichnam war nicht mehr zu finden. Der andere Mord wurde an einem reichen abessynifchen Kaufmann, Namens Ajnb Getehon, begangen, der im Dezember 1889 verschwand. Er galt als das Haupt der abessynischen Kaufleute in Massauah und I war ebenfalls sehr reich. Aus Andrängen Cagnassis, des Polizei- I Sekretärs, hak Livraghi ihn verhaften lassen; der angebliche Hochverrath hatte den Zweck, von dem General Baldissera dem Höchstkommandirenden in Masiauah, eine Vermögenskonsiskation zu erwirken und davon einen Theil als Belohnung einzuitecken. Die Anklage behauptete, bei Getehon habe sich ein Bries Ras Alula's gefunden, der chm die Summe von 15,000 Thalern schickte. Daraus wurde der Hochverrath gefolgert und bie Konfiskation von 15,000 Thalern motivirt. Livraghi selbst vollzog die Konfiskation und deponirte das Geld in der Militärkasse; er behauptete, das erste Verhör Getehon's habe ergeben, daß die Summe habe dazu dienen sollen, Waffen und Mumtwn für die Feinde der Italiener zu beschaffen. Alle Reklamationen und Betheuerungen des Verhafteten, das Geld sei sein rechtmäßiges Eigenthum, nützten nichts. Damit er aber nicht dazu käme, seine Unschuld vor Gericht zu beweisen, wurde er aus dem Wege geschafft Eines Abends im Dezember 1889 wurde er an einen einsamen Platz geführt. Livraghi kommandirte; an der Exekution nahmen noch der Brigadier Ombark Jdris und noch vier Polizisten Theil, welche an diesem Tage Dienst hatten. Der Brigadier Zdris feuerte zwei Revolverschüsse auf Getehon ab, und da der Getroffene nur verwundet war und um Gnade flehte, wurde I er mit Knitteln und Steinen vollends tobt geschlagen. Sein I Grab war daneben schon gegraben; man brauchte ihn nur noch hineinzulegen und die Erde darüber zu schaufeln. Der Lieutenant Livraghi wohnte dem Morde zu Pferd bei und er bewegte sich erst als er mit einer Fackel dem Ermordeten ins Gesicht leuchtete, um sich zu überzeugen, daß er nicht mehr athme. Die Erde auf dem Grabe half er mit seinen Füßen festtreten und dann stieg er wieder zu Pferd und ritt zurück, als ob er von einem Spaziergang käme. In Folge der Ergebnisse der angestellten Nachforschungen wurden der Brigadier Jdris und seine Begleiter verhaftet. Im Kreuzverhör gestanden sie noch andere Mordthaten zu, die sie alle auf Befehl Livraghi's vollbracht hatten. Ebenso ergab sich auch die Mitschuld Cagnassi's, der eine Art Diktatur ausübte, da er neben den kolonialen auch die Angelegenheiten der Eingeborenen verwaltete. Unter den anderen Fällen ist dre Ermordung Naib Osman's bemerkenswerth. Das war em alter, muhamedanischer Heiliger, den Livraghi auf Anstiften von dessen Nebenbuhler Adam Aga verhaften ließ. Er wohnte in Arkiko, wurde nach Massauah transporttrt und seither ist er veychwun- den. Livraghl streute aus, er sei nach Italien gebracht worden. In Wahrheit wurde er auf dieselbe Weise getödtet wie Getehon. Livraghi begleitete den Zug, ließ an einer einsamen Stelle ein Grab graben und als die muhamedanischen Polizisten zögerten, den muhamedanischen Heiligen zu tödten, schoß ihn Livraghl
I selbst mit einem Revolver nieder. Dann stieg er wieder zu Pferd und rauchte eine Cigarette, während das Opfer begraben wurde. Dann ritt -er auf dem Grabe herum, um durch das Pferd den Boden fester stampfen zu lassen. Andere Fälle verliefen in derselben Weise. Ein unblutiges Verfahren zur Er- vresiung von Geld war das folgende. General Baldissera hatte den Verkauf und Gebrauch von Haschisch (das arabische Opmm) verboten Da gingen nun verkleidete Polizeisoldaten in die Läden reicher Kaufleute, kauften irgend etwas und praktizitten bei Vieler Gelegenheit ein Quantum des verbotenen Haschisch unter die übrigen Waaren. Kurz darauf kamen die unverkleideten Polizisten, suchten und fanden die verbotene Waare und schleppten die Kaufleute trotz ihrer Unschuldsbetheuerungen in's Gesangniß. Dort verhandelte Livraghi mit ihnen um den Preis ihrer Frei- beit der kein geringer war. Aber die Bettoffenen konnten froh lein' so billig davon zu kommen. Was nun das Memorandum Livraabi anbelangt, so setzt es in dem ersten Theil ine angebliche Schuld Kantibay's, Musst- el Accards Naib Osmans u s w^ auseinander Die Eingeborenen werden des Einverständnisses mit den feindlichen Stämmen, mit Ras Alula und Ras Man- aascka sowie der Spionage beschuldigt; sie seien kriegsgerichtlich korrekt verurtheilt worden. Ueber Naib Osman erzählt er: Der Spruch lautete, man solle sich seiner entledigen, und deß- ' meaen wurde den Geheimagenten der Befehl gegeben, ihn zu beseitigen. Die Aufgabe war fehr schwer, da Osman ein eifriger
Vermischtes
* Die Leiden eines Auswanderers. Ein nach Amerika auswandernder Oesterreicher läßt durch die Presse folgende ein- dringllche und ersichllich wahrheitsgetreue Schilderung feiner traurigen Fahrt verbreiten. „Morgens langte ich in Oderberg an. Dort mußten ich und meine Gefährten fünf Stunden warten, bis wir einwaggonirt wurden. Wir wurden in Waggons vierter Klasse nntergebracht. Wer nie in solchen Matterräumen saß, der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte! Denken Sie sich ein miserabeles Loch, vollgepfropft mit Menschen ohne die geringste Bequemlichkeit, ohne Sitze und darin eine Fahrt von 24 Stunden, stehend, Leib an Leib gepreßt, dann wieder in zahlreichen deutschen Stationen aussteigen, Paß und Geld vorweisen müssen, hin- und hergestoßen, chikanirt werden u. s. w. und Sie haben einen allerdings nur schwachen Begriff von den Leiden eines Auswanderers. Aber es sollte noch ärger kommen. Gegen 10 Uhr Nachts langten wir in Hamburg an nnd wurden von Schutzmännern in das Hotel der Gesellschaft gebracht. Hotel! Ein uraltes, schmieriges Haus, an einem Kanal in der Nähe des Hafens gelegen, voll eklem Duft, elendem Lager, eine wahre Mördergrube — das wird Hotel geschimpft! Nun, auch das ging vorüber. Am 26. November 1890 schiffte man uns ein. Ehe man die Anker lichtete, wurden uns die Plätze angewiesen .....Als ich in's Zwischendeck hinunterkam, war ich entsetzt. Ich erwartete durchaus keinen angenehmen Aufenthalt, gewiß nicht aber fo was! In einem Verschlage, nicht breiter als meine ausgestreckten Arme reichten, auch nicht viel länger, soll- ten ich und noch neun, sage neun Männer schlafen. Meine Genossen waren durchwegs arme russische Juden, in defektester Kleidung, verkommen, den Stempel des Elendes im abgehärmten Gesicht. Stumm ergaben sie sich in ihr Schicksal. Ich protestttte gegen eine derartige „Verstauung". Vergebens! Natürlich mußte ich mich fügen. Ebenso natürlich, daß wir Alle sobald das Schiff im atlantischen Ozean schaukelte, die Seekrankheit bekamen Möglicherweise hat sie nicht nur Poseidon verursacht ondern auch die sogenannte „Kost", die wir bekamen, eme „Kost , die man in der Heimath nur zögernd einem sogenannten — Russel- thiere vorsetzen würde. Zu allem Unglück hatte ich auch noch einen drei Tage und drei Nächte währenden entjetzlichen Orkan mttzumachen, der uns jede Minute unser Ende erwarten ließ. Es war grauenhaft. Man konnte nicht stehen, nicht gehen, ja nicht einmal halbwegs liegen; auf dem Verdeck durften wir nicht verweilen weil beständig Sturzwellen über Bord drangen, unten harschte eine athemverfetzende Atmosphäre und Weiber, Kinder, ja selbst Männer schrieen, meinten und beteten wie toll, so daß ich selbst vermeinte, wahnsinnig werden zu muffen .... Nun, wir wurden gerettet. Nach lötägiger Fahrt landeten wir an Amerikas Küste. Ich bin am Ziel. Aber, auf Ehre, so wollte ich ihm nicht ein zweites Mal entgegensteuern. Heute erst fühle ich mich als Mensch, denn nahezu 3 Wochen wurde ich nicht besser und eher schlechter als das liebe Vieh verfrachtet und — behandelt. Wer nicht als Passagier nach Amerika fahren kann, wer sich nur als Frachtgut hinüberspediren lassen muß, der — ich rathe es ihm gut — bleibe daheim, so lange ihn ein widriges Schicksal nicht mit Peitschen davonjagt ..."
Muhamedaner und von Allen hochgeschätzt war; es begreift sich, daß Niemand zu einer solchen Thal sich hergeben wollte, auch aus religiösen Gründen nicht. Mau mußte abessynische M euchel- mörder zu Hilfe nehmen, deren Sttllschweigeu theuer erkauft wurde. Man führte Osman nächtlicher Weile aus dem Kerker in die Ebene zwischen Otumlo und Emberemi; dort wurde er genau an der Stelle begraben, wo er getödtet wurde." Man sieht, Livraghi gibt zu; nur beruft er sich auf einen kriegsgerichtlichen Spruch, ohne daß er diesen jedoch weiter begründet. Ist der Spruch wirklich erfolgt? Auch die Ermordung Getehon's wird bestätigt. „Kantibay", erzählt Livraghi, „marin steter Verbindung mit einem gereiften Getehon, einem abessynischen Kaufmann, der zmeimal im Jahr nach Maffauah kam, um Einkäufe zu machen. Von Massauah begab er sich häufig nach Monkullo, reo er über Nacht blieb. Bei einem solchen Aufenthalt überfielen ihn Geheimpolizisten unter irgend einem Vorwande. Getehon setzte sich zur Wehre, aber er wurde überwältigt und wegen Beleidigung und Widerstands gegen die Agenten ber öffentlichen Sicherheit (!) ins Gesangniß geworfen. Bei einer Haussuchung fanb man einen Sack mit Maria-Th eresia- Thalern im Werthe von 66,000 Sire, bie ber Kommandant der Kolonialkaffe überwies. Getehon selbst wurde in der Nacht unterhalb des Forts Umberto I. getödtet." Einen anderen Fall erzählt Livraghi wie folgt: „Ligg Garemunden und Tesfai hatten dem Kommandanten den Huldigungseid geleistet und waren in einer Spezialmission in die Umgegend von Saganeiti geschickt worden. Statt zu gehorchen, verlegten sie sich auf allerlei Razzias. Sie wurden verhaftet und auf die gewöhnliche Art hinter der schwedischen Mission umgebracht. Garemunden, ein ungemein starker Mann, setzte sich zur Wehre; es gab einen heftigen Kampf, in welchem Garemunden einen Agenten durch einen Biß schwer verwundete. Es begreift sich, daß Garemunden deßhalb in schrecklicher Weise förmlich zerrissen wurde. Mit ihm wurde auch ein Beduine getödtet, der herbeigeeilt war und ihm helfen wollte." Solche Fälle erzählt Livraghi viele; im Ganzen schätzt er die Zahl der Ermordungen auf 800. Aber wie war es möglich, daß diese Dinge keinen Lärm verursachten? Livraghi gibt darauf die Antwort: „Obgleich die Operationen in aller Stille und mit großer Umsicht vollzogen wurden, so erhoben sich doch Stimmen des Protestes gegen die barbarische Art mit der man verfuhr, aber diese Stimmen wurden schnell mit Zwangsmitteln erstickt. Auch im Kerker wurden die Gefangenen, die doch nur politische Gefangene waren, auf jede Art mißhandelt, theils um sie zum Bekenntniß ihrer Schuld, theils zur Angabe von Mitschuldigen zu zwingen. Ich erinnere hier nur an den Tod Akitu's, des Sohnes des Sultans von Beilul, der verhaftet und eingekerkert wurde zu einer Zeit, reo die Bevölkerung Miene machte, sich gegen die Italiener zu erheben.
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i.Deutschlanl für Beträge bis von mehr als 100 ......200
und wird Bestellgeld erhoben.
Man sieht hieraus also, daß in Oesterreich-Ungarn i ein Betrag von 5 Gulden (— ca. 8x/2 Mk.) zu 5 Kreuzer — ca. Pfg. befördert und Bestellgeld nicht erhoben wird, währmd bei uns die gleiche Summe 25 Pfg. inkl. Bestellgeld kostet, ein Verhältniß, welches dahin führt, daß bei Gertchtskosten im Betrage von 20 Pfg. oftmals über 100°/o mehr Porto, wie Kosten gezahlt werden. Dem billigeren Oesterreichischen Porto von 5 Kr. steht aber keineswegs ein höheres Porto bei größeren Einzahlungen gegenüber, denn diese werden - wie aus der oben vermerkten Skala ersichtlich ist — zu annähernd denselben Sätzen wie bei uns ^fördert, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß Bestellgeld in Oesterreich überhaupt nicht erhoben wird. Man sollte doch wohl annehmen, daß bei einem geringen Ent- gegenkommen seitens der Reichs-Postverwaltung auch in Deutschland möglich wäre, was in Oesterreich längst eingeführt ist! ,
Der Verein für Handel und Gewerbe hat dieser- halb ein Gesuch an die Handelskammer zu Halberstadt gerichtet und dieselbe gebeten, „geeigneten Orts dahin zu wirken, daß für Beträge bis zu 10 Mk. beim Post-Anweisungs-Verkehr das Min- I dest-Porto auf 10 Pfg. incl. Bestellgeld herabgesetzt würde und ist diese Eingabe in der Sitzung der Handelskammer am 17. Februar er. vor- gelegt. Die darauf erfolgte Antwort entspricht jedoch nicht den Wünschen des Vereins für Handel und Gewerbe und wohl auch denjenigen weiterer Kreise des Handelsstandes nicht! Die Handelskammer scheint zwar die Wichtigkeit der Frage und die Zweckmäßigkeit des Gesuchs vollkommen anerkannt zu haben, denn es ist ja auch der Beschluß gefaßt, diese Angelegenheit in dem Jahresbericht mit aufzunehmen, der Verein für Handel und Gewerbe glaubte hingegen doch wohl erwarten zu dürfen, daß diese ihm wichtig genug scheinende Angelegenheit auch entsprechend behandelt und energisch weiter verfolgt werden müsse; die Aufnahme in dem Jahresbericht allein entspricht seinen Erwartungen bei Weitem nicht!
Die unverhältnißmäßige Eintheilung der Skala in Deutschland beim Post-Anweisungs-Porto, trifft sicherlich den größten Theil der Geschäfts- welt, weshalb es recht wohl zu verstehen ist, wenn diese Frage lebhaft und sachgemäß auch von den Handelskammern behandelt wird, erscheint sie denselben jedoch nicht wichtig genug, dann ist es doch wohl zu wünschen, daß sich die kaufmännischen Vereine und sonstigen Interessenten-Kreise damit beschäftigen und auch ohne Hülfe ihrer berufsgemäßen Vertretungen g e m e i n s ch a f t l i ch an zuständiger Stelle ihre bezüglichen Gesuche vorbringen!
Der Verein für Handel und Gewerbe zu Halberstadt wird diese Angelegenheit im Auge behalten, und bittet die sich dafür interessirenden Kreise sich mit ihm
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