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Samstag, den 14. März 1891

18. Jahrgang

Druck tt. Berlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

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Fuldaer

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kunft, daß es etwas besser gehe. Se. Majestät fügte bei, die Kaiserin wünsche einen Strauß Blumen zu senden und hoffe, daß die Sendung dem Kranken an­genehm sein werde.

Heute Morgen schon versammelten sich zahlreiche katholische Abgeordnete um die Altäre, zu Gebeten für die Erhaltung des kostbaren Lebens unseres unersetz­lichen Führers.

Deutsches Keich.

Berlin, 12. März.

* Der .Staatsanzeiger' veröffentlicht amtlich die Entbindung des Kultusministers v. Goßler seinem Ansuchen gemäß von seinem Amte unter Belassung des Titels und Ranges eines Staatsministers sowie unter Verleihung des Sterns der Großkomthure des König!. Hausordens von Hohenzollern, ferner die Ernennung des Oberpräsidenten von Posen, Grafen v. Zedlitz- T r ü tz s ch l e r zum Kultusminister und des Landraths a. D. Freiherrn v. Wilamowitz-Möllendorf zu Markowitz zum Oberpräsidenten der Provinz Posen.

* Der Hannöversche Kourier' läßt sich melden, daß der Rücktritt des Reichskanzlers von Caprivi be­vorstehe und nennt den Finanzminister Dr. Miquel als Nachfolger. Die Nachricht findet hier ebensowenig Glauben, wie früher ähnliche Meldungen.

* Der Reichstag genehmigte heute entsprechend den Anträgen der Budgetkommission die ersten Raten für die Panzerfahrzeuge S. und U. (je 1 Million Mark) und beschloß dagegen die im Etat 1890/91 eingestellte i 1. Rate zum Bau der Kreuzerkorvette K. (2,300,000 Mark) in Wegfall zu bringen. In der Debatte erklärte Staatssekretär v. Bötticher die Zustimmung der preußischen Regierung zu diesem Beschluß und stellte die Zustimmung des Bundesraths in Aussicht. Gleich­zeitig theilte er mit, daß der Nordostseekanal im Früh­jahr 1895 fertig gestellt sein werde. Gegen den obigen Beschluß stimmten Sozialdemokraten, Volksoarteiler, eine Minderheit der Freisinnigen mit dem Abgeordneten Richter und einige Mitglieder des Centrums. Die Novelle zum Patentgesetz wurde nach den Beschlüssen der Kommission in 2. Lesung einstimmig en bloc an­genommen. Schließlich wurde der Präsident ermächtigt, dem Prinz-Regenten von Bayern zu dessen 70. Geburts­tage die Glückwünsche des Hauses telegraphisch zu übermitteln. — Morgen 3. Berathung des Etats.

* Das Abgeordnetenhaus beendete heute die 2. Lesung der Gewerbesteuer-Vorlage. Bei der Berathung über die Verwendungsbestimmungen (§ 81) entspann sich eine längere Debatte. Ein hierzu vom Abg. Bachem- Crefeld (Ctr.) gestellter Antrag, welcher den Ueber- schuß aus der Steuer zum gleichmäßigen Erlaß von

I Monatsraten der Gewerbesteuer derjenigen Steuer­pflichtigen verwendet wissm will, welche den Mittel­satz der untersten (IV.) Stufe oder weniger zahlen, wobei der Erlaß nicht mehr als 6 Monatsraten im Jahr betragen und der dann noch etwa verbleibende Ueberschuß gleichmäßig auf alle übrigen Klaffen ver- theilt werden soll — wurde abgelehnt und der § 81 unverändert angenommen. Darauf wurde noch in der Gesammtabstimmung die Erbschaftssteuervorlage in 3. Lesung angenommen. — Freitag: Fortsetzung der 2. Etatsberathung.

* Zu den Schwierigkeiten, welche der Veranlagung der Einkommensteuer auf der Grundlage der Dekla­rationspflicht in Preußen sich entgegenstellen, gehört der Mangel eines besondernPersonals der direkten Steuern. In den meisten deutschen Staaten gibt es i eine besondere, vollständig organisirte Verwaltung der ■ direkten Steuern bis herab in die Lokalverwaltung. In Preußen besteht dagegen zwar eine vollständig aus­gebildete Organisation der Verwaltung der indiretten Steuern, während die diretten Steuern in Preußen unterhalb der Bezirksregierung von den Organen der allgemeinen Landesverwaltung mit verwaltet werden. Wie die ,Berl. Pol. Nachr.' erfahren, wird der Ge­danke erwogen, wenigstens für die erste Zeit das Per­sonal der indirekten Verwaltung für die Zwecke der Veranlagung der Einkommensteuer mit nutzbar zu machen. Es würde sich dabei natürlich insbesondere um das Personal zur Konttole der Verbrauchs-Ab­gaben, Obertteuerkontroleure usw. handeln.

* Auf die in einem Theil der Presse mehrfach auf­geworfene Frage, aus welchen Gründen die Marine­verwaltung von der Verwendung amerikanische« Salz­fleisches für die Verpflegung der Mannschaften absehe, antwortet der ,Reichsanzeiger': Da die Marinever­waltung dafür zu sorgen hat, daß die Mannschaften nicht nur billige, sondern auch gute Nahrung er­halten, so hat sie sich außer Stande gesehen, den erklär­lichen Bestrebungen amerikanischer Exporteure, ihren Erzeugnissen in der deutschen Marine Eingang zu verschaffen, nachzugeben. Jm Uebrigen werden die Ver­suche mit verschiedenen Sorten amerikanischen Salz­fleisches von der Marineverwaltung fortgesetzt.

* Reichskommissar von Wißmann ist von seiner Kilimandscharo-Expedition nach Bagamoyo zurückgekehrt.

* Der Hochw. Herr Bischof von Kulm, Dr. Redner, ist an einer Darmentzündung bedenklich erkrankt.

* Eine stehende liberale Redensart ist, so wird aus Süddeutschland geschrieben, „der Niedergang der katholischen Presse", und immer wieder kehrt dieser unbegründete Vorwurf wieder, so oft er auch wider­legt worden. Werfen wir einen kurzen Blick auf die Entwicklung der katholischen Presse in den letzten zehn

* Unser Windthorst ist sehr gefährlich krank — er leidet an rechtsseitiger schwerer Lungenentzündung, und bei einem Alter von 80 Jahren ist da die Gefahr des Verlustes weit wahrscheinlicher als die Hoffnung auf Genesung. Nachdem wir gestern, sagt die ,Germ.', stufenweise darauf vorbereitet, zumal auch die nächsten Angehörigen Windthorst's unser Blatt lesen, sagen wir jetzt, selbst tief ergriffen, wir müssen fürchten, den Mann zu verlieren, vielleicht schon in wenigen Tagen zu verlieren, ohne den die Vertretung der katholischen Sache und unser ganzes öffentliches Leben uns zu denken wir sehr schwer über uns bringen können. Kop und Herz sträuben sich in gleicher Weise.

Bis gestern Nachmittag durste man an ein heftiges Katarrhfieber, vielleicht an Influenza glauben; am Nachmittag wurde der Kranke, der am Morgen lebhaft phantasirt hatte, ruhiger, aber nun konnten die Symp­tome einer Lungenentzündung konstatirt werden. Schon um 6 Uhr empfing Windthorst in großer Andacht und vollem Bewußtsein die hl. Sterbesakramente. Am späten Abend ging die Temperatur bis etwas über 40. Das Bulletin von heute Morgen lautete:

„Nach einer unruhigen Nacht hat sich gegen Morgen leichter Schlaf eingestellt und im Gefolge desselben eine Besserung der Beschwerden bemerklich gemacht. Tem­peratur 38,2, Puls 112, Respiration 36.

Berlin, 12. März 10'/, Uhr früh

gez. Dr. Schmidt."

Ueber die Theilnahme und Stimmung in Centrums- kreisen und in allen katholischen Kreisen Berlins, so­bald die Kunde von der Gefahr eines so theueren und gerade gegenwärtig wieder so besonders werthvollen Lebens sich verbreitete, brauchen wir gewiß kein Wort der Schilderung. Aber auch in allen übrigen politischen Kreisen ist die Theilnahme überaus groß. Heute Morgen zählten, obgleich kein Besuch angenommen wurde, die Zahl der in der Wohnung des Kranken sich Erkundigenden nach Hunderten, und die offiziellen Kreise Berlins schließen sich nicht aus.

Se. Majestät der Kai)er, welcher gestern Abend spät die Nachricht erhalten hatte, daß Windthorst's Zustand eine lebensgefährliche Lungenentzündung sei, sandte noch in der elften Nachtstunde den dienstthuen- den Adjutanten um Nachrichten über das Befinden, die von dem Centrumsabgeordneten Grafen Preysing, leider nicht tröstlichen Inhalts, ertheilt wurden. Heute Morgen fuhr der Kaiser in Person an der Wohnung Windt­horst's vor, und ließ, auch im Auftrage der Kaiserin, durch einen Adjutanten sich nach dem Befinden des Kranken erkundigen. Herr Graf Ballestrem war zu­fällig bei Herrn Dr. Windthorst anwesend und er­stattete persönlich Sr. Majestät am Wagen die Aus-

Auf Irrwegen.

Original-Novelle von Ferdinand Hartdegen.

(20. Fortsetzung.)

X.

Als Lehmann der plötzliche Tod seines Freundes gemeldet wurde, befiel ihn ein heftiger Schrecken; denn nun war jede Aussicht auf Rettung ihm genommen. Mit seinem Verstände, mit feiner List konnte Lehmann sich jetzt nicht helfen; nur mit Gewalt hätte seine Be­freiung bewirkt werden können, und das hätte nur Eckard vermocht; denn Lehmann war nur kühn, wo sein Verstand es ihm erlaubte, das rohe Element der Gewaltthätigkeit fehlte ihm gänzlich.

Bald folgte diesem Schrecken ein neuer, größerer. Da die von dem Gerichte in Interlaken gegen Eckard und Lehmannn gestellten Nachforschungen in der Schweiz vergeblich waren, so wurde ein Steckbrief in alle aus­wärtigen Länder gegen sie erlassen. Alsbald meldete das Polizeipräsidium in Straßburg, daß der eine der steckbrieflich Verfolgten sich wegen Majestätsbeleidigung in Haft befände, der andere um das Leben gekommen wäre. Lehmann wurde darauf vor dem Gerichte in Straßburg auch wegen des Diebstahls verhört. Wie groß war sein Erstaunen, als er vernahm, daß der so listig und fein durchdachte Plan des Diebstahls nun doch offenbar geworden war. Er konnte es sich nicht

erklären, bis er hörte, daß Elmenreich sich selbst und ihn nebst Eckard verrathen hatte. Da verfluchte und verwünschte er die Dummheit Elmenreichs in seinem Innern und bereute es, ihn verlassen zu haben. Aber äußerlich ließ er die Gefühle der Erregung und des Zornes durchaus nicht merken, sondern wagte es trotz aller vorliegenden gegen ihn sprechenden Thatsachen jede Kenntniß von dem Diebstahle abzuleugnen.

„Wie gut war es", sprach er nach dem Verhöre zu sich selbst in seiner Zelle, daß Eckard meinem Rathe, )ie gestohlenen Obligationen dem Sekretär Schreiber angeblich zur Belohnung zu geben, beistimmte! Nun wird es schwieriger sein, mir den Diebstahl vollständig zu beweisen."

Aber bald sollte Lehmann erfahren, daß auch dieser listig durchdachte Plan zu Schanden wurde.

Die beiden dem Sekretär Schreiber geschenkten Ob­ligationen waren vom Staate gekündigt worden; Schreiber mußte sie deßhalb an ein Bankhaus abliefern, um ihren Geldes-Werth oder andere Papiere dafür zu erhalten. Das Bankhaus bemerkte aber jetzt, daß diese Obligationen dieselben waren, nach welchen vom Ge­richte in Interlaken gesucht wurde, da die Serien und Nummern derselben öffentlich bekannt gemacht waren und vor dem Ankauf derselben gewarnt wurde.

Wie sehr erschrack nun der Sekretär Schreiber, als er mehrere Tage nach der Ziehung statt des gehofften

Geldes für die beiden Obligationen, um derselben willen eine Vorladung vor das Gericht in Karlsruhe erhielt, welchem von der Bank dortselbst die beiden Papiere mit der entsprechenden Anzeige abgeliefert waren! Wie erstaunte der Sekretär, als er hörte, daß diese beiden Obligationen gestohlen worden wären! Er vermochte nicht sofort auf die Frage, wie er in den Besitz dieser Papiere gekommen wäre, Antwort zu geben. Die Lösung eines Räthsels und zugleich ein neues Räthsel traten vor seine Seele und verwirrten seinen Sinn.

Die ungewohnte große Freigebigkeit und auch die abscheuliche Hinterlist seines früheren Freundes wurden jetzt Schreiber klar. Der Tod Eckards, welcher ihn Anfangs, schmerzlich berührt hatte, erfüllte nun seine Seele mit einer gewissen Freude und Beruhigung, weil er die Bande der falschen Freundschaft zerrissen hatte und ihn vor einem weiteren Schaden bewahrte. Schreiber verfluchte jetzt seine frühere Anhänglichkeit an Eckard, er verwünschte auch seine unbändige Freude über das großartige Geschenk mit den beiden Obligationen, die er kaum empfangen, nun wieder §ergeben mußte.

Aber wie konnten Eckard und Lehmann, welche doch so viel Geld gewonnen hatten, sich dazu ent=» schließen, einen Diebstahl zu begehen? Waren sie viel­leicht selbst von einem Gauner überlistet worden? —

Solche Gedanken beschäftigten mehrere Minuten lang den Geist des armen betrogenen Sekretärs, welcher