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Deutsches Keich.
Berlin, 10. März.
* Zum „konservativen" Sperrgeldcr-Entwnrf schreibt man der ,($erm.' u. a.:
„Als die Staatsregierung sich endlich entschloß, die auf Grund des unglücklichen Gesetzes voin 22. April 1875 zurückgehaltenen Gelder zurückzugcben, standen ihr zwei Wege offen. Sie konnte im Verein mit d e N B i s ch ö f e n die Restitution durchführen oder ohne Mitwirkung der Letztern vorgehen. Die Staatsregierung hat den erstern Weg eingeschlagen. Der von der Regierung vorgelegte Gesetz-Entwurf überläßt in richtiger Würdigung der für sie sich im andern Falle ergebenden Schwierigkeiten den Bischöfen bezw. den auf Grund des Gesetzes von den Bischöfen bestellten Kommissionen die Befriedigung der Berechtigten und überweist den nach derselben verbleibenden Rest den Bischösen zur Verfügung für Diözesanzwecke. Das ganze schwierige Geschäft würde sich voraussichtlich in nicht zu langer Zeit zur Zufriedenheit aller Betheiligten abgewickelt haben. Diese Hoffnung zerstören die konservativen Anträge vollständig, dieselben stehen der Regierungsvorlage schnurstracks entgegen. Während die letztere den Bischöfen volles Vertrauen entgegenbringt, bedeuten die Anträge ein vollständiges Mißtrauensvotum gegen die Bischöfe. Der Staat reseroirt sich die Annehmlichkeit der Vertheilung der Gelder, das Odium der Unzufriedenheit überläßt er der Kirche. Es liegt auf der Hand, daß den Bischöfen in dieser Diözesan-Kommission eine ihrer Stellung nicht würdige Rolle zugemuthet wird. Reichen verständige praktische Erwägungen nicht aus, um konsessionelle Vorurtheile zu überwinden, fürchtet man die Autorität der Bischöfe so sehr, daß man sie von vorn herein zur Niederstimmung verurtheilen zu müssen glaubt, so versuche man doch lieber, ohne jede Unterstützung der Bischöfe, die Restitution der Gelder zu vollführen. Das ist der zweite der oben bezeichneten Wege. Wie der Staat das Sperr - gesey ohne und gegen den Willen der Kirche gemacht hat, so kann er ohne Zweifel feinen Fehler und dessen Konsequenzen auch ohne die Mitwirkung der Kirche gut zu machen versuchen. Es stände meines Erachtens nichts im Wege, daß ein Centrums- initglied für einen Entwurf stimmen könnte, der lediglich die Rückgabe der gesperrten Gelder an die Gesperrten bezw. deren Rechtsnachfolger festsetzt, mit der Prüfung der Legitiniation und mit der Auszahlung eine Staatsbehörde betraut und im Streitfälle den Rechtsweg frei läßt. Die gesperrt gewesenen Geistlichen und Institute machen ihre Ansprüche geltend und erhalten die Beträge ausgezahlt. Freilich werden sich mancherlei Unzuträglichkeiten und Ungerechtigkeiten Herausstellen; allein dafür könnte einzig der Staat verantwortlich gemacht werden, der, wie er das Odium des Sperrgesetzes allein zu tragen hat, auch allein die Schwierigkeiten und das Odium bei der Restitution verkosten müßte. Will man die Mitwirkung der Bischöfe, welche für die glückliche Abwickelung des Gefchäftes meines Erachtens absolut nothwendig ist, gewinnen, so muß man es den Bischöfen möglich machen, sich an der Arbeit zu betheiligen. Der konservative Antrag stellt das in Frage und will es, wie es scheint, aus- schliehen. Dann mag man aber ganze Arbeit machen und der st a a t l i ch e n Kommission noch das arme kirchliche Mäntelchen ganz abnehmen. Man barst gespannt sein, wie Herr v. Goßler sich zu den konservativen Anträgen stellen wird. Wir wollen noch hoffen, daß Herr v. Goßler den besten Gesetz-Entwurf, der unter feinem Regime aus dem Kultusministerium gekommen ist, mit Wärme, Energie und — Erfolg vertheidigen werde."
* DieBolksschulgesetz-Kommission des Abgeordnetenhauses hat, wie bereits gemeldet, nach Beendigung der ersten Berathung der Vorlage ihre Arbeiten für längere
Aus Irrwegen.
Original-Novelle von Ferdinand Hartdegen.
(18. Fortsetzung.)
Hier nahm sie am darauffolgenden Tage der Sekretär Schreiber, welcher auf die Bitte feines Freundes Eckard das gewonnene Vermögen bis auf den geringen in die Schweiz gesandten Theil zurückbehalten hatte, gastlich auf und wußte ihnen nicht genug Freudebezeugungen wegen ihres großen Glückes im Spiele darzubringen.
„Ihr könnt ja," meinte er, „das Geld gar nicht durchbringen, und wenn ihr noch so verschwenderisch lebt. Was wollt ihr denn jetzt anfangen, und wohin wollt ihr nun eure Schritte wenden?"
„Was wir jetzt anfangen, lieber Freund," entgegnete Eckard, „liegt auf der Hand. Wir können ja nun als Rentiers leben. Und als unsere fernere Heimath haben wir Amerika gewählt. In der Schweiz hat es uns nicht mehr gefallen."
„Ihr seid, bei Gott, zu beneiden, Freunde," sprach darauf Schreiber. Ich armer Mensch habe kein Glück im Spiele gehabt, und bin hier auf dieser Scholle an meinen Schreibtisch gefesselt, wo ich kaum den nöthigen Lebensunterhalt verdiene." ,
„Du weißt, lieber Schreiber," wandte Ludwig Eckard ein, „daß ich dir einen Antheil an meinem
Donnerstag, den 12. März 1891.
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u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).
Druck
Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
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dem ,Hambg. Korresp.' zufolge, aller Voraussicht nach demnächst zu erwarten. Der Besuch soll anläßlich einer projektirten Reise des Kaisers nach Kiel erfolgen. Der Kaiser gedenkt bei seiner Anwesenheit in Altona Wohnung beim kommandirenden General Grafen von Waldersee zu nehmen.
* Der Kaiser empfängt am Samstag die die Adresfe überreichende Abordnung des elsaß-lothringischen Landes-Ausschusses, bestehend aus dem Präsidenten Schlumberger, dem ersten Schriftführer Baron Charpentier und wahrscheinlich aucy Baron Zorn v. Bulach, North, Petri, letztere zugleich dem Reichstag und dem Landes-Ausschuß angehörend. Der Empfang der Abordnung wird hier freudig begrüßt als em Zeichen der Erwiderung des Vertrauens der reichsländischen Volksvertreter.
* Die Kaiserin Friedrich gedenkt am 18. d. M. von England nach Deutschland zurückzukehren.
* Das Centralcomito der nationalliberalen Partei gibt bekannt, daß es dem Abg. Schoof in Bezug auf die Kandidatur des Fürsten Bismarck im 19. Hanno- ver'schen Wahlkreis weder ein Auftrag, noch eine Ermächtigung ertheilt habe.
* Die .Volkszeitung' schreibt: Alle zu erlangenden Nummern des ,Wiener Tageblattes' vom Mittwoch, den 4. d. M., wurden hier gestern anscheinend von Geheimpolizisten aufgekauft. Das Wiener Blatt soll unter dem Titel: „Geheime Fondsgeschichten" sensationelle Enthüllungen über ein angebliches Manko im Welfenfonds gebracht haben. Die ,Hamb. Nachrichten' werden in dem Artikel um gewisse Aufklärungen ersucht.
* Der .Staatsanzeiger' veröffentlicht die Ernennung des Unterstaatssekretärs im Kultusministerium Dr. Barkhausen unter Beilegung des Charakters als Wirklicher Geheimrath mit dem Prädikat Excellenz zum Präsidenten des evangelischen Oberkirchenrathes.
* Der am 7. ds. zu Paderborn verstorbene Bischof Dr. Franz Caspar Drobe stand schon im 75. Lebensjahre und hatte schon sein fünfzigjähriges Priesterjubiläum um fast ein Jahr hinter sich, als ihn die einstimmige Wahl des Paderborner Domkapitels auf den uralten Bischofssitz an der Pader berief. Er folgte dem am 5. Januar 1875 durch den mittlerweile glücklich in Wegfall gekommenen königlichen „Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten" adgesetzten Bekenner- Bischof Dr. Konrad Martin, welcher am 16. Juli 1879 in der Verbannung, selbst der Staatsangehörigkeit verlustig erklärt, zu Mont St. Guibert bei Brüssel gestorben war. Ihm hatte Drobe, der schon 1854, noch unter der Regierung des thatkräftigen Bischofs Franz Drepper, in das Domkapitel gekommen war, während seiner von 1856 an reichenden Amtsthätigkeit brüchen der Freude umarmte er seinen Freund Eckard und rief laut: „Herzensbruder, es ist zu viel."
Nicht doch," erwiderte Eckard, „Du hast es längst verdient für Deine Freundschaft aus früheren Jahren."
Ich, Herr Sekretär," sprach nun Lehmann, „habe als armer Winkeladvokat mir nicht viel ersparen können, es sind nur 1000 Gulden. Aber damit Sie nicht glauben, ich wäre weniger freigebig als mein Freund Eckard hier oder weniger dankbar für die Gefälligkeit, welche Sie auch mir durch die getreue Erhaltung meines Gewinnes erzeigt haben, so bitte ich Sie dringend, auch von mir als Belohnung Ihrer Mühe diese Obligation annehmen zu wollen."
Bei diesen Worten legte Lehmann die andere gestohlene Obligation über 1000 Gulden ebenfalls auf den Tisch. Nach einigem Zögern und Zureden Leh- mann's nahm Schreiber auch diese Obligation an.
„Damit Sie nicht denken, verehrter Freund," fügte er hinzu, „ich verschmähte Ihre Güte." Der schlecht besoldete Sekretär gehörte eben nicht zu jenen stolzen Menschen, welche Geldgeschenke entschieden zurückweisen, auch wenn sie sich in großer Roth befinden.
„Aber nun," sprach er weiter, „müßt ihr den Gedanken an Amerika einstweilen wenigstens fahren lassen, damit ich einigermaßen für euere große Güte mich erkenntlich zeigen kann. — .
„Uebermorgen beginnt em großes Schützenfest in
Zeit unterbrochen; sie beabsichtigt, die zweite Berathung erst nach Ostern vorzunehmen. „Diese Anordnung", so bemerkt die ,Nat.-Lib. Corr.', „entsprang einem Wunscye der Konservativen und des Centrums, und man wird nicht zu viel behaupten, wenn man darin die Absicht erkennt, das Volksschulgesetz für diese Session zu Fall zu bringen. Da die Session doch nicht ganz ungemessen in den Sommer hinein sich ausdehnen kann, würde es schon an Zeit fehlen, bei fo später Beendigung der Kommissionsberathnng den schwierigen und weitläufigen Gesetzentwurf noch in den beiden Häusern des Landtags durchberathen zu lassen, zumal dieselben ohnehin sehr stark in Anspruch genommen sind."
* Der Reichstag nahm die Novelle zum Strafgesetzbuch, betreffend die Bestrafung der Postdelikte und der Beschädigung von Telegraphen-, Fernsprech- und Rohrpostanlagen in 2. Lesung an, ebenso das Gesetz, betreffend die kaiserliche Schutztruppe für Ostafrika. Die Genehmigung zur strafrechtlichen Verfolgung des Abg. Metzler-Hamburg (Soz.) wegen Beamtenbeleidigung wurde abgelehnt, dann wurden Wahlprüfungen erledigt. Die Beschlußfassung über die Wahl des Dr. Schier (kons.) wurde ausgesetzt und beschlossen, amtliche Erhebungen über angebliche Unregelmäßigkeiten bei dieser Wahl zu veranlassen. Die Wahl des Abg. Evers (Ctr.) wurde für gültig erklärt. Die Freisinnigen hatten Ungültigkeit wegen angeblicher amtlicher Beeinflussung der Wahl durch den Landrath beantragt. Bei der Abstimmung über die Gültigkeit der Wahl des Abg. Grumbt (Rchsp.) ergab sich Beschlußunfähigkeit. Morgen: Kleine Vorlagen, Petitionen.
* Das Abgeordnetenhaus setzte heute die 2. Berathung der Gewerbesteuer-Vorlage bei dem § 6 (Feststellung der Steuerkassen) fort und erledigte die §§ der Vorlage bis inkl. £ 58. Abgelehnt wurde der zu 8 6 gestellte Antrag Metzner (Ctr.), der die Minimalgrenze für das steuerpflichtige Einkommen anstatt von 1500 von 2000 Mk. an festgesetzt wissen will, ebenso ein vom Abg. Broemel (dfr.) zum § 22 gestellter Antrag, die Schuldenzinsen für abzugsberechtigt zu erklären. Nach der Kommissions-Vorlage gestattet der § 26 die Vernehmung von Bediensteten des Steuerpflichtigen nur dann, wenn letzterer damit einverstanden ist. Abg. Brandenburg (Ctr.) beantragte, diese Beschränkung zu streichen, wie er denn auch dem Steuerausschuß das Recht der eidlichen Zeugenvernehmung nicht gewähren wollte. Es wurde dieser Antrag Brandenburg abgelehnt. Angenommen wurde endlich ein Antrag von Tiedemann-Bomst (frk.), wonach das Oberverwaltungsgericht als oberster Steuergerichtshof eingesetzt und der Jnstanzenzug dem entsprechend geregelt wird.
* Ein Besuch Kaiser Wilhelms in Altona ist, Vermögen zugesagt habe, und mein Versprechen will ich nun erfüllen. — Hier sind 20,000 Gulden, welche ich zum Theil geerbt, zum Theil feit vielen Jahren schon heimlich gespart habe. Ich brauche das Geld jetzt nicht mehr, und deine ärmlichen Verhältnisse habe ich schon längst bedauert. Ich mache dir das Geld zum Geschenk, als Lohn für deine treue Freundschaft, welche du immerdar an mir erwiesen hast. Es wird genügen, deine Noch zu lindern, und du wirst damit zufrieden fein. Nicht wahr, lieber Freund?"
Bei diesen Worten legte Eckard die eine der gestohlenen Obligationen auf den Tisch nieder, an welchem sie saßen. Da ließ der ahnungslose arme Sekretär vor freudigem Schrecken seine lange Pfeife, aus welcher er soeben geraucht hatte, zur Erde fallen. Darauf tanzte der kleine und für seine Jahre schon ziemlich beleibte Mann wie närrisch in seinem langen braunen Schlafrocke in dem kleinen Zimmer herum, wobei die lange grüne Quaste feines schwarzen Hauskäppchens den Takt zu seinem Tanze schlug.
Es war ein komisches Bild, welches die beiden Gäste unwillkürlich zu lautem Lachen reizte,, in das Schreiber zuletzt selbst einstimmte. Seine schwarzen Aeuglein funkelten dabei in freudiger Gluth wie zwei Sterne, und sein rundes, frisches und glattes Gesicht, welches die schwarzen Haare noch mehr hervorhoben, er- glänzteHwie der Vollmond. Nach seinen tollen Aus-