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! 8. Jahrgang
Mittwoch, den 11. März 1891.
Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).
Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
eine erwünschte Gewähr für seine fernere Entwicklung begrüßen; einstweilen lassen wir uns daran genügen, daß eine solche Wendung selbst von bisherigen Gegnern für möglich und wahrscheinlich erachtet wird."
Ob Fürst Bismarck wirklich in den Reichstag kommt? Wir möchten es kaum für möglich halten. Es werden da sehr leicht Lagen entstehen, in welchen der frühere Reichskanzler sich unmöglich dauernd behaglich fühlen kann. Es ist etwas anderes, am Bundesrathstisch mit der Fülle der Macht ausgestattet die Regierung zu vertreten, und aus dem Hause heraus lediglich als gleichberechtigtes Mitglied des Reichstages seine Anschauungen geltend zu machen. Diesen Unterschied dürfte Fürst Bismarck sehr bald in unliebsamer Weise erfahren.
Zunächst haben die Wähler das Wort, und da ist es nicht ganz ausgeschlossen, daß der Kandidatur des Fürsten ein Unglück zustößt. Bei der Reichstagswahl von 1890 erhielt der national-liberale Kandidat von 17,128 Stimmen im ersten Wahlgange 8068, der deusch - freisinnige 1798 , der sozial-demokratische 4888, der deutsch-hannoversche 2332; erst in der Stichwahl gegen den Sozial-Demokraten siegte Gebhard, allerdings mit sehr starker Mehrheit; Deutsch-Frei- sinnige und Deutsch-Hannoveraner scheinen fast geschlossen für ihn eingetreten zu sein. Sicher ist also der Wahlkreis nicht, und ob die Kandidatur Bismarck von vorn herein mehr Aussichten hat als die Kandidatur Gebhard, darüber läßt sich streiten. Anders freilich würde die Sache sich stellen, wenn die Angabe richtig ist, die Sozialdemokraten würden aus Bosheit den ehemaligen Reichskanzler nicht bekämpfen, weil sie sein Erscheinen im Reichstag behufs Ausgleichung eini- ger alten Rechnungen wünickten.
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Fürst Sismarck versöhnt?
(Aus der Kölnischen Volkszeitung.)
Das officiöse Telegraphen-Bureau verzeichnet die Nachricht, daß die national-liberalen Vertrauensmänner des 13. hannoverschen Wahlkreises einstimmig den Fürsten Bismarck als Reichstags-Kaudidaten aufgestellt haben. Da der natiosial-liberale Landtagsabgeordnete Schoof kurz vorher in Friedrichsruh war, so scheint es, daß der frühere Reichskanzler, wenn auch nicht direkt, die Zustimmung zu seiner Aufstellung nun doch gegeben hat. Er soll „keine neue Antwort mitgebracht" haben, was aber das Wahlkomite in dem Sinne aufgefaßt zu haben scheint, daß keine Antwort auch eine Antwort sei. Da die Kandidatur des Fürsten Bismarck in dem gedachten Wahlkreise gegen die Regierung kaum aussichtsvoll wäre, so müßte ferner angenommen werden, Fürst Bismarck habe sich vergewissert , daß ihm die Regierung keine Schwierigkeiten bereiten würde. Das werde dann eine vollständige Wendung der Dinge bedeuten, die man wohl mit der sensationellen Rede des Reichskanzlers von Caprivi in der Reichstagssitzung vom vorigen Samstag in Verbindung zu bringen hätte.
An gewissen Andeutungen in diesem Sinne fehlt es nicht. Das ,Deutsche Tageblatt', das Organ des Herrn v Helldorff, hatte ausgeführt, daß Herr v. Caprivi in der Samstags-Rede, mit „feiner über das Maß des von der Loyalität Gebotenen hinausgehenden vornehmen Auslassung über die Angriffe des Freisinns auf den Fürsten Bismarck, mit seiner bedingungslosen Verurtheilung dieser Angriffe dem alten Reichskanzler selbst in hoch anerkennenswerther Weise eine Genugthuung bereiten würde." Man müsse erwarten, daß dies auch auf den Fürsten Bismarck einen starken Eindrnck machen würde und daß wir am Morgen einer neuen Periode stehen, in der eine unheilvolle Kluft sich schließt und der unschätzbare, in Treuen gebotene Rath unseres alten Reichskanzlers dem Kaiser und dem Vaterlande, in welcher Form auch immer, wiedergewonnen wird. Die Münchener Allgemeine Zeitung', eines der publieistischen Sprachrohre des Fürsten Bismarck, nahm mit Genugthuung von diesem Artikel Kenntniß. Diese Steuerungen kündigten eine Wandlung an, für welche die Münchener Allgemeine Zeitung' seit dem Sommer gestritten habe. Schon am 22. Februar habe sie es als Sache der Regierung bezeichnet, „die Form zu finden, in welcher der kostbare Schatz der politischen Erfahrung des Fürsten Bismarck für das Vaterland verwerthet und dem Altreichskanzler die Ertheilung seines Rath es möglich gemacht werden könnte. Sollte diese Form gefunden sein, so würden wir dies als ein Ereigniß von großem Segen für das Vaterland, als
Aus Irrwegen.
Original-Novelle von Ferdinand Hartdegen.
(17. Fortsetzung.)
Der Diener erhielt von seiner Herrin, weil er Derselben schon lange Jahre treu gedient hatte, nur einen Verweis für seine Geschwätzigkeit; zugleich wurde ihm aber für die Folge streng verboten, irgend einen Fremden in den Garten einzulassen. —
Die Gerichtspersonen waren sehr erstaunt und auch sehr erfreut über diese unerwartete Aufklärung des geheimnißvollen Diebstahls. Es wurde nun ein Termin bestimmt, an welchem die endgiltige Entscheidung und die Befreiung des noch in Untersuchungshaft befindlichen Schlossers erfolgen sollte. Unterdessen suchte man der beiden früheren Genosfen Elmenreich's habhaft zu werden, aber es gelang nicht so schnell, trotzdem, daß Elmenreich ihr Aussehen genau beschrieben und ihre wirklichen, sowie ihre angenommenen Namen angegeben hatte. — ,
Der Gerichtstermin brach an. Elmenreich und Waidele wurden vorgeführt. Sie standen sich nun gegenüber und sahen sich einander an, die beiden Männer, welche sich gegenseitig ins Unglück gestürzt hatten: der Schlosser, welcher durch Betrug den Vater Elmenreich s und damit die ganze Familie um eine große Erbschaft
* Der Reichstag führte heute die 2. Berathung des Reichshaushaltsetats für 1891/92 zu Ende. Bei der Marineverwaltung wurden die ersten Raten für die Panzerfahrzeuge S. und U. nebst der Forderung für die artilleristische Armirung dieser Schiffe an die Budgetkommission zurückverwiesen; im Uebrigen wurden entsprechend dem Kommissionsantrage alle ersten Raten für neue Schiffsbauten gestrichen. Was sonst noch an Einzeletats zu erledigen war, gab zu Erörterungen im Plenum keinen Anlaß. Dann wurde die 1. Berathung des Telegraphengesetzes vorgenommen. Es wurden mehrfache juristische Bedenken gegen einzelne Bestimmungen geäußert und schließlich die Vorlage an eine 21er Kommission verwiesen. An dieselbe Kommission ging das internationale Uebereinkommen über den Eisenbahnfrachtverkehr. Der Präsident im Reichseisenbahnamt, Dr. Schultz, theilte mit, daß im Anschluß an die Vorlage eine Umarbeitung des Betriebsreglernents der deutschen Eisenbahnen Hand in Hand mit der Urn- arbtitung des Reglements für die österreichischen Bahnen gehen werde. — Morgen: Novelle zum Strafgesetzbuch. — Schutztruppe für Östafrika. — Wahlprüfungen.
* Das Abgeordnetenhaus setzte heute die 2. Berathung der Gewerbesteuervorlage mit dem § 5, welcher die Besteuerung von Vereinen und Genossenschaften regelt, fort und nahm denselben nach Ablehnung der dazu gestellten Anträge Parisius (dfr.) und Robert- Tornow (kons.) mit einem lediglich redaktionellen Anträge Tiedemann-Bomst (frk.) an. (Der Antrag Parisius wollte die Konsumvereine ganz steuerfrei lassen und die Bedingungen, unter denen Steuerpflicht ein- treten soll, beseitigen, während der Antrag Robert nur diejenigen Konsumvereine rc. steuerfrei lassen wollte, die von steuerpflichtigen Unternehmen im Nebenbetriebe unterhalten werden und einen offenen Laden halten). — Weiterberathung morgen.
* Die Budgetkommission des Reichstags hat den Antrag Richter, betreffend die Vergütung für Reisekosten in folgender Fassung angenommen: „Der Reichstag wolle beschließen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, die Reglements in Betreff der Vergütung für Reisekosten, den veränderten Verhältnissen entsprechend, einer Revision zu unterziehen und hierbei für die Dienstreisen , welche auf Eisenbahnen oder Dampfschiffen zurückgelegt werden, an Stelle der Kilometergelder die Beträge für die Fahrkarten zu vergüten.
* In Betreff der polnischen Lehrer, welche fett dem Jahre 1886 aus den Provinzen Pofen und Westpreußen nach dem Westen des preußischen Staates versetzt worden sind, wird der.Allgem. Reichs-Korr.' geschrieben: Man hat einigen dieser Lehrerfamilien, welche sich durchaus in die neuen Verhältnisse nicht finden konnten, die Rückkehr in die Heimath gestattet. Vier Lehrer, welche im Rheinland, bez. in Elsaß-Lothringen Stellungen ^^^^m^^t^^^^^äche^^ün^n^^^ö^^^M^P^ache, was der Schlosser nicht hören wollte. - »Ach Gott , seufzte nun Waidele, wie wunderbar find Derne Wege und wie gerecht bist du! So hat der Sohn das von mir verschuldete Unglück des Vaters an nur gerächt!
Und als der Richter nun Waidele fragte, ob es wahr wäre was Elmenreich soeben ausgesagt hätte, da konnte er nur durch ein Nicken mit dem Kopse diese Aussage bestätigen, der Schrecken hatte seine Zunge gelähmt. —
Das Verhör war zu Ende. Das Urtheil lautete auf Freisprechung und sofortige Entlassung des Schlossers und auf eine Gefängnißstrafe Elmenreich's von 18 Monaten, unter den mildernden Umständen, daß er sich selbst zur Bestrafung gestellt hatte und hauptsächlich nur ein Werkzeug seiner schlechten Kameraden gewesen war. , . ~ . -c
So war denn Waidele wieder frei. Das Gehelmniß des Diebstahls war enthüllt worden, seine eigene schlechte That hatte der Schlosser nun vollständig gesühnt; letzt ging er noch einmal so freudig, aber halb so stolz zum Gerichtssaale hinaus, als -r vor em Paar Stunden eingetreten war. Mit Wehmuth sah ihm August Elmenreich nach. „Du bist frei!" dachte er. „Ach, wäre ich 68 Ährmd" nun Waidele von feinen Kindern zu
Deutsches Keich.
Berlin, 9. März.
* Seit dem Heimgange Kaiser Wilhelm I. sind mit dem heutigen Tage 3 Jahre abgelaufen. Der Kaiser und die in Berlin anwesenden Mitglieder der kaiserl. Familie, sowie die Großherzogl. Badischen Herrschaften waren Mittags zu einer stillen Gedächt- nißfeier im Mausoleum zu Charlottenburg an der mit Blumen reich geschmückten Grabstätte Kaiser Wilhelms I. versammelt. Die Kaiserin konnte derselben mit Rücksicht auf die ihr bei dem ungünstigen Wetter noch immer auferlegte Schonung nicht beiwohnen. Auch in den Schulen wurde das Gedächtniß des großen Kaisers in angemessener Weise gefeiert.
* Die Sperrgelder-Kommisfion wird am 10. d. M. ihre Berathungen aufnehmen. Zur Vereinfachung des Geschäftsganges werden, wie der,Germania' versichert wird, Anstrengungen gemacht, vorher eine Verständigung über die leitenden Gesichtspunkte herbeizuführen.
gebracht, und Elmenreich, welcher gleichfalls aus schnöder Geldbegierde den Schlosser als den vermeintlichen Dieb in das Gefängniß geliefert hatte. Wie wunderbar hatte doch der Herr die schlechten Thaten beider an ihnen selbst gerächt! Keiner von beiden konnte sich vor dem Anderen rühmen, daß sein Gewissen unbefleckt wäre. Allein die-Schuld des Schlossers lag, wie er selbst meinte, vor aller Welt unbekannt oder in ferner Ver- gessenheit; hier war ja nicht seine Heimath, wo er den Betrug vor langer Zeit verübt Haire. Darum trat er stolz auf und frohen Sinnes über die bevorstehende Rückkehr zu feinen Kindern. Die Schuld Elmenreich's dagegen war frisch und wurde jetzt in dem ganzen Lande bekannt; er befand sich an dem Orte seines Verbrechens. Deshalb ging August gebeugten Kopses und wagte nur von Zeit zu Zeit einen ernsten Blick auf den ihm bis gegenwärtig unbekannt gebliebenen Uebelthäter seines Vaters zu werfen.
Das höchst interessante Verhör Elmenreich's begann. Da August seinen Namen und seine Herkunft nannte, erblaßte der Schlaffer sichtlich, fah ihn genau an und erkannte jetzt in feinem Gesichte die Züge feines Vaters. Und je lebhafter August sprach, je mehr seine Augen in unheimlichem Feuer erglänzten, desto offenbarer wurde die Aehnlichkeit des Sohnes mit dem Vater. Doch horch! Was redet nun Elmenreich von
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