u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).
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Für die Redaetion verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
Endlich erblickte der Geängstigte eine Höhle.
„Hier bin ich etwas geborgen, dachte er, gegen die schrecklichen Blitze" und kroch in die Höhle. Kaum hatte er sich in dieselbe begeben, so erfüllte wieder ein schreckliches Krachen die Luft. Die Höhle wurde mit einem Male für einen Augenblick mit einem hellen, bläulichen Lichte erleuchtet; der Blitz war in eine Tanne dicht vor der Höhle gefahren und hatte dieselbe in der Mitte gespalten, sodaß sie geborsten umfiel; jedoch hatte der Blitz nicht gezündet.
Das war die Stimme des Herrn, welche soeben zu August Elmenreich gesprochen, und die ihn aus seinem Traume zu neuem Leben, vor Allem aber zur Buße und Reue über seine Sünden gewaltsam aufgerüttelt hatte. Ja, er schien seither in einem Traum befangen gewesen zu sein, so däuchte es ihm wenigstens; sonst hätte er nicht so rücksichtslos gegen seine Mutier und seine Braut verfahren können, welche ihn doch mit Liebesbezeugungen fast überhäuften; sonst hätte er nicht zuletzt den frechen Diebstahl begehen und eine so gemeine Rache an dem Schlosser nehmen können.
Nun fiel es wie Schuppen von seinen Augen: sein ganzes sündhaftes Leben lag vor ihm in dem klaren Spiegel der Gerechtigkeit abgebildet.
Da mdlich das Gewitter vorübergegangen war, kroch Elmenreich aus der Höhle wieder heraus, fiel
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Aus Irrwegen.
Original-Novelle von Ferdinand Hartdegen.
(15. Fortsetzung.)
Der Donner wurde immer schrecklicher. Tausendfältiges Krachen von den Bergen rechts und links gellte August in die Ohren; und vor seinen von der Ängst erwarteten Augen wurden die häufig herniederschießenden Blitze zu einem fortwährenden Feuermeere.
„Ach Gott! Ach Gott!" stöhnte und seufzte er fast immer zu. „Jetzt kommt die Rache des Herrn an mir wegen meiner frevelhaften Thaten."
Die Stimme des Gewissens wurde immer lauter und mächtiger in dem Herzen des Sünders; sie schien zu wachsen mit dem Rollen des Donners. Das gewaltige Brausen des Wmdes durch die Wipfel der hohen Bäume im dunkelen Walde flößte ihm Entsetzen ein; der Sturm schien seine Sünden zu erzählen.
Hunderterlei Gedanken jagten wie die schnellen Blitzstrahlen durch sein Gehirn. Jetzt dachte Elmenreich auch an seine Mutter, gegen die er zuletzt gefühllos und hartherzig gewesen war; er hörte vor Allem ihre mahnenden Worte: „Fürchtest du dich nicht vor der Gerechtigkeit Gottes?" Dann sah er Eckard und Lehmann wie zwei Teusel vor sich stehen; sie grinsten ihn an und sprachen hohnlachend zu ihm: „Du hast es gut gern acht!"
* Ansprache des heil. Vaters an das Kardinals-Kollegium
in der feierlichen Audienz vom 2. März.
Mit dem heutigen Tage ist wieder ein Jahr Unseres intisikates vollendet. Auch dieses ist verlaufen in Sorgen d Bitterkeiten, in Folge der von allen Seiten gegen die Kirche erhobenen Widerwärtigkeiten. Was das neue Jahr, wenn die göttliche Güte es uns vollenden läßt, Uns bringen wird. Wir wißen es nicht. Aber die gegenwärtigen Zustände der menschlichen Gesellschaft lassen Uns ein an neuen Prüfungen ebenso fruchtbares Jahr vermuthen. — Und so nehmen Wir die Wünsche, die das heilige Kollegium der Kardinäle, wie es sie durch den Mund seines Dekans aussprechen läßt, als sehr angebrachte und Uns angenehme entgegen. Was den Werth dieser Wünsche in Unseren Augen erhöht, sowie die Genugthuung, die Unser Herz darüber empfindet, ist, daß Ihr sie mit der Fürbitte des Papstes Gregors des Großen verbunden habt, da heute, beim dreizehnten Centenarium seiner Wahl, die Thaten dieses denkwürdigen Ponttfikates wieder ruhmvoll aufleben.
Ferne von Uns sei cs, auch nur den Schatten der Gedankens erwecken zu wollen, als wollten Wir auch nur im entferntesten Uns mit einem aus so vielen Gründen so großen Papste in Vergleich stellen. Seine Größe kann für Uns nur ein Antrieb sein, seinem leuchtenden Beispiele von ferne zu folgen. — Aber die Zeitverhältnisse gleichen sich in mancher Hinsicht und es ist nützlich, aus dieser Aehnlichkeit durch Vergleiche sich zu unterrichten über die Uebel und die Bedürfnisie unserer Zeit.
Damals wie auch jetzt hatte die Kirche und dasPavst- thum hartnäckige Feinde zu bekämpfen. Die Longobarden und andere Barbaren stellten lange Zeit die Gedulv und die Standhaftigkeit des heil. Gregor auf die Probe; vielleicht aber bereiteten ihm mehr Schmerz die Thaten anderer, innerer Feinde, die zwar weniger wild als die Barbaren waren, aber gefährlicher und ränkevoller. Die Barbaren legten wenigstens in Folge der Predigt des Evangeliums ihre Wildheit ab, wurden sanfter und bekehrten sich, nahmen christliche Bräuche und civilisirte Sitten an. Jene aber, die inneren Feinde, dagegen blieben inmitten des Lichtes der Wahrheit blind, dem Papste feindlich gesinnt und aufsässig gegen die Kirche. Diese Art Feinde gibt es heute mehr als je; je rafßnirter ihre Bosheit ist, um so unversöhnlicher ist ihr Haß. Dennoch werden ihre schlimmen Listen, ihre Nachstellungen, ihre Angriffe den Felsen nicht überwältigen, auf welchem die Kirche von Gott gegründet ist; auch heute wird diese unversehrt und siegreich aus dem harten Kampfe, den sie durchmacht, hervorgehen.
Uebrigens war St. Gregor inmitten der erbittertsten Feinde und der zahllosen Schwierigkeiten seines so geprüften Pontifikates voll Sorge für alle Völker der Erde; und während er seine Sorge dem Orient widmete, um dort den Glauben rein zu bewahren, sowie die Einigkeit mit der Kirche von Rom, dem Centrum aller anderen — sandte
Mission der Kirche überein, die darin besteht, auf der Erde das Reich Jesu Christi auszubreiten und die Früchte der Erlösung allen denen zu kosten zu geben, die noch in den Finsternisien und im Schatten des Todes sitzen.
Möge es Gott durch die Fürbitte des hl. Gregor gefallen, Blühen und Gedeihen zu geben diesen Bestrebungen welche die Zeiten fordern, und sie mit glücklichem Erfolge zu krönen.
In dieser Hoffnung sprechen Wir wiederholt dem hl. Kollegium Unsere Befriedigung aus und Wir gewähren von Herzensgrund den apostolischen Segen allen seinen Gliedern, sowie den Bischöfen, den Prälaten und allen hier Gegenwärtigen.
Deutsches Keich.
Berlin, 6. März.
* Die Osterferien des Reichstags und preußischen Landtages sollen vom 20. März bis zum 7. April d. I. dauern.
* Aus dem Volksschulgesetz wird in dieser Session nichts. Auf Anregung der Centrumspartei haben die Konservativen sich dafür ausgesprochen, die zweite Be- rathung des Volksschulgesetzes in der Kommission erst nach Ostern zu beginnen. Unter diesen Umständen erscheint es sogar fraglich, ob in dieser Session auch nur eine Berathung des Gesetzentwurfs im Plenum des Abgeordnetenhauses erfolgt. Zur Verhandlung im Her- renyause kann es jetzt unter keinen Umständen mehr kommen. HW
* Der sozialdemokratische Parteivorstand veröffentlicht zum Zwecke der einheitlichen Gestaltung der Maifeier ein Programm. Danach soll am 3. Mai Nachmittags 4 Uhr, überall, wo Arbeiter versammelt sind, ein Massengesang angestimmt werden. Es folgen Ansprachen und Annahme von Resolutionen, deren Wortlaut das Festblatt zur Arbeiter-Maifeier bringen wird. Die Feier soll wiederum mit Massengesang schließen.
* Dem ,Reichsanz.' zufolge ergaben die polizeilichen Erhebungen über den Umfang der Arbeitslafig- feit in Berlin während des Winters insgesammt 20,000 als die höchste Ziffer der Arbeitslosen. Diese waren überwiegend Bauhandwerker oder Arbeiter, deren Beschäftigung mit der Bauthätigkeit zusammenhängt. Die Zahl ist etwa um ein Drittel höher als in der entsprechenden Jahreszeit früherer Jahre. Der Grund liege vorzugsweise in den diesjährigen Witterungsverhältnissen , dann in dem starken Zuzug fremder Arbeiter, endlich in vermehrter Arbeitslosigkeit verbunden mit Mangel an Vertrauen seitens der Ärbeitgeber gegenüber den Arbeitern in Folge der vorjährigen Streiks. Sonach liege allerdings eine bedauerliche Zunahme der Arbeitslosen vor, jedoch kein außergewöhnlicher Noth- stand, die Zahl der Arbeitslosen sei vielmehr in den
er apostolische Männer nach England, um es mit den Wohl- khaten des Glaubens zu bereichern, die in der That aus diesem Volke ein Land der Heiligen machten. Nach dem Beispiele eines so großen Papstes bringen auch wir den berühmten Kirchen des Orients die größte Sorge entgegen, damit sie in enger Verbindung mit dem Centrum der katholischen Einheit in neuem Leben aufblühen. Auch Wir ersehnen mit den heißesten Wünschen Unseres Herzens den Augenblick, wo die ttostvollen Fortschritte des Katholizismus in England das erwünschte Ziel erreichen.
St. Gregor war außerdem zu seiner Zeit das Heil Roms, die Stütze des italienischen Volkes. Ebenso wie die unsterbliche Gestalt Leo's des Großen die Geißel Gottes, Attila, über den Mincio zurückweichen ließ, ebenso ließ auch seine Majestät und sein Wott bis zum Tessin zurückweichen Agilulf und sein Volk, die, nachdem sie Zerstörung und Ruinen um sich verbreitet hatten, auf dem Punkte standen, die Ewige Stadt zu bestürmen. Und was das italienische Volk angeht, welches von den Kaisern von Byzanz fast vollständig verlaßen war und von ihren Statthaltern gequält wurde, so hat Gregor es beständig ver- theidigt, vertrat seine Beschwerden, widersetzte sich seinen Unterdrückern, sorgte für seine Bedürfnisie und ermuthigte die italienischen Bischöfe, desgleichen zu thun. So bestätigt auch die Geschichte dieser Zeiten glänzend das, was Wir dem heutigen Italien unaufhörlich vorgehalten haben, daß die Kirche und die Päpste seine größten Wohlthäter und seine besten Freunde sind; und daß, sie zu bekämpfen und als Feinde zu behandeln, nicht nur pietätlos, sondern eine wahre politische Dummheit ist.
Endlich widersetzte sich, wie Sie, Herr Kardinal, es hervorgehoben haben, St. Gregor mit Wort und That der Sklaverei, und scheute kein Opfer, um, so viel er konnte, den Sklaven die Freiheit wiederzugeben. In dieser Beziehung sind die heutigen Zustände weit-besiere; der Kampf gegen die Sllaverei findet überall den größten Beifall; Fürsten und Regierungen sind heute dabei bethei- ligt. Wir, die Wir zur Zeit Unseres Priesterjubiläums durch eine Encyklika den Plan, den Sklaven Brasiliens die Freiheit zu geben, ermuthigt haben, haben seitdem nichts unterlassen, um, zumal in Äftika, diesem großen Werke des Glaubens und der Civilisation zum Triumphe zu verhelfen. Die im höchsten Grade erziehende und sit- tigende Mitwirkung der Kirche ist zum Gelingen unentbehrlich : vergebens würde man den Handel, die Sklaventransporte, die Sklaverei unterdrücken, wenn die Geister und Sitten barbarisch blieben. Deshalb spielen die katholischen Missionen auf diesem Terrain eine Haupt- und fast ausschließliche Rolle. Aus allen Völkern müßten sie dort- hin eilen und es ist höchst wünschenswerth, daß die Gunst und die Hülfe der verschiedenen Regierungen ihnen nicht mangelt. Ehre sei denjenigen, die ihnen schon die Hülfe leisten, und die bereit sind, es zu thun. — Was Uns an- delangt, wenn der Herr in seiner Güte Uns gestattet zu Unserem Bischofsjubiläum zu gelangen, so werden Wir einen großen Theil der Mittel, die die Freigebigkeit der Katholiken bei dieser Gelegenheit in Unsere Hände legen wird, zu diesem edlen Zwecke bestimmen. Er stimmt in der That wunderbar mit der eigentlichen und göttlichen
Nun sah August seine Braut, wie sie weinte und sich um ihn grämte, weil er sie schnöde verstoßen hatte und dabei hörte er die Porte seiner Freunde: „Haben wir dich angeführt? Hahaha!"
Dazwischen stieg immer wieder ein anderes Bild vor ihm auf. Er" glaubte eine vornehme Dame zu sehen; sie stand vor der Villa seiner verbrecherischen That, schaute ihn zornigen Blickes an und zeigte mit der rechten Hand nach einem Gefängnisse, wo ein armer Manu auf den Knieen lag und Gott klagte: „So muß ich unschuldig den Diebstahl einem Fremden büßen!" Dann rief August laut in seinem Schmerze: „Ach Gott, ich bin nicht allein schuld an deinem Elende: Lehmann und Eckard haben mich dazu verleitet. Ich wollte Rache an dir üben für das, was du uns Uebels gethan hast." Nun schien ihm ein heftiger Windstoß die Worte zuzurufen: „Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr."
Solche Gewissensbisse folterten und quälten Elmenreich, während das schreckliche Gewitter noch fortdauerte. Der Regen ergoß sich wie in Strömen auf die Erde, er wurde jedoch zum Glück für August durch die nahe aneinanderstehenden Bäume etwas aufgehalten. Elmenreich war der Verzweiflung nahe; er hätte am liebsten durch einen Sturz in den Abgrund seinem qualvollen Leben ein Ende gemacht; doch hielt ihn eine innere Stimme davon zurück.