Einzelbild herunterladen
 

i K

Für die Redaktion verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

-Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.

Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

18. Jahrgang

Druck u. Berlag der Fuldaer Acttendruckerei (A. Dillmann).

7. März 1891.

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer­lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

* Frankreich und Deutschland

treffen sollte. Er wurde über sich selbst schließlich un­willig in dem Gedanken, daß er einem Fremden nach­eilte, in dem Wahne, es wäre sein Feind Hausmann.

| Er war froh, seinen Freunden diesen Gedanken nicht verrathen zu haben; sie hätten ihn sonst gewiß gefoppt, wenn auch Gesicht und Gestalt des Fremden mit der Erscheinung seines früheren Kollegen Hausmann über­einstimmten. Aber findet man nicht zuweilen Doppel­gänger? Die Sprache des Fremden klang auch etwas anders als die von Hausmann. Und was lag schließ­lich daran, wenn es auch wirklich Hausmann gewesen war. August Elmenreich hatte ja mit seinen früheren Verhältnissen gebrochen; er war jetzt ein reicher Mann geworden, der nichts mehr nach der armen Marie Reichenstein zu fragen brauchte.

Um sich nun einigermaßen die Zeit zu vertreiben, sah sich Elmenreich die Gegend an, durch welche er schritt, was er in Gesellschaft seiner Kameraden nur höchst selten zu lhun pflegte. In der Thal, die Gegend war entzückend schön; das mußte er zugeben. Vor ihm in der Ferne erhoben sich über alle vorlagernden Bergkegel hinweg das Wetterhorn und das Schreckhorn mit ihren gewaltig großen Gletschern, zur Seite links das stolze Haupt des Titlis; hinter sich in der Ferne erblickte August noch den langgestreckten Pilatus mit seinen sieben Hörnern, etwas näher in der Tiefe die bläulichen Fluthen des Sarner Sees, und noch näher, ganz unten im Thalkessel das liebliche Dörflein Melch-

dem wir diese politischen Betrachtungen entnehmen, die Tragweite eines Besuches der Kaiserinwittwe und ihrer Töchter in Paris wohl überlegt worden, die Mutter des Kaisers sollte damit gewissermaßen die französischen Künstler zur Beschickung der Berliner Kunstausstellung einladen und durch ihre Anwesenheit an der Seine be­weisen, daß das deutsche Kaiserhaus keinen Groll gegen Frankreich hegt, sondern gerne bereit ist, in ein freund­schaftliches Verhältniß zu treten. Anfangs schien es, als ob dieses Streben auch in Paris gewürdigt würde, es schien, als ob die Franzosen geschmeichelt wären von der Anwesenheit der Wittwe desselben Kaisers Friedrich, der vor 20 Jahren an der Spitze der deut­schen Armee vor Paris stand. Aber auf einmal schlug infolge der taktlosen Hetzereien einiger chauvinistischen Boulevardblätter die Stimmung um und Kaiserin Victoria verließ Paris mit dem Gefühle der Kränkung, welches dann sehr rasch auch nach Deutschland reffet« tirte.

ftrömungen und deutschfeindlichen Demonstrationen kein jüngst in Paris geübten Mißbrauch, unter dem jetzt k-c- <T'--Lrx'-"^ •-■-t-t - Elsaß-Lothringerrzu leiden habe, energisch zu protestiren.

Der Etat wurde genehmigt, sowie der des Reichseffen- bahnamts, wobei Graf Stolberg die Einführung einer Einheitszeit befürwortete. Der Direktor des Reichs­eisenbahnamts, Dr. Schultz, theilte mit, daß die Ein­heitszeit für den inneren Dienst der mitteleuropäischen Eisenbahnen eingeführt würde. Die Frage wegen allge­meiner Einführung der Einheitszeit werde erwogen. Frhr. v. Stumm (Rp.) sprach sich gegen eine solche Einführung aus. Abg. Richter wandte sich gegen die Bevorzugung der Kohleuausfuhr durch die Eisenbahn- Ausnahmetarife, wodurch der Konsument geschädigt werde. Abg. Dr. Hammacher wahrte dem gegenüber die Interessen der deutschen Kohlen-Jndustrie. Schließ­lich wurde auf einen Antrag Richter das Ersuchen an den Reichskanzler gerichtet, dem Reichstag Uebersichten über die bestehenden Tarife für Kohlen vorzulegen. Dann wurde in die Berathung des Marine-Etats eingetreten, wobei Staatssekretär Hollmann auf eine Anfrage des Abg. Jebsen erwiederte, daß die über­seeischen Marine - Stationen durch Entsendung eines

Kriegsschiffes nach Chile nicht geschwächt werden könn-

läßt. Gerade aus diesem Grunde ist das Vorgehen der französischen Krakehler doppelt ärgerlich; diese Leute nennen sich „Patrioten", aber sie schaden mit ihrem kindischen Vorgehen dem eigenen Vaterlande mehr, als es selbst Feinde thun könnten. Mit einer politischen Annäherung hätte sich vielleicht auch eine wirthschaft- liche allmählich vollzogen und es würde damit den Franzosen sehr gedient gewesen sein; aber für solche Dinge haben Chauvinisten keinen Sinn und so zer­stören sie int blinden Fanatismus jeden Weg einer Annäherung; Frankreich trägt den Schaden dieser Thorheiteu und auch die deutschen Steuerträger müssen darunter wenigstens indirekt leiden. Wann wird es

gesicherter Friede bestehe und daß Deutschland infolge dessen auch für die Zukunft gerüstet bleiben müsse. Reichskanzler Caprivi hat bereits in diesem Sinne ge-

Jetzt ist freilich im deutschen Reichstage keine Aus­sicht auf Ermäßigung der Militärlasten, denn nun kann die Regierung auf die dunkeln Wölkchen an der .... ,a. Seine Hinweisen und sagen, daß bei derartigen Revanche- genheit, gegen den mit dem Namen Elsaß-Lothrinaens

bedauern. Denn Frankreich darf jetzt warten, bis ihm wieder ein Entgegenkommen gezeigt wird. Der Vorfall ist aber um so peinlicher, als damit der Kaiser persön­lich verletzt und seine Bestrebungen für ein freundliches Nachbarsverhältniß eine so schroffe Durchkreuzung er­

möglich sein, diesen unchristlichen Chauvinismus aus­zurotten?

j thal, welches er vorher verlassen hatte. Elmenreich sah ferner mit* Schaudern die tiefen Bergschluchten, in welche mit Brausen und Tosen die Giesbäche sich er­gossen. Er sah auch hier und dort die Senner ober Sennerinnen auf den grünen Alpenmatten ihr Vieh

I treiben und hörte das seltsame Läuten der Glocken.

Da, wie wunderbar, erwachten neue Gefiihle in feiner Brust! Elmenreich betrachtete mit immer größerem Wohlgefallen die Schönheit der Natur, namentlich der Alpenwelt, welche jetzt erst in ihrer ganzen Erhaben­heit sich thm zu zeigen schien. Er blickte sich aber­mals und abermals um und suchte dieses Bild ganz in seine Seele zu prägen. August schalt sich schließ­lich einen Thoren, daß er die Gegend nicht schon früher betrachtet hatte.

„Wer war denn schuld daran? dachte er weiter. Niemand anders als Lehmann und Eckard, welche für die Reize der Natur keinen Sinn haben. Ich freue mich nun eigentlich doch, daß sie nicht mit mir ge­gangen find; es wären mir sonst auch diese wahrhaft erhabenen Bilder verloren gegangen. Weshalb bereisen denn alljährlich so viele Fremde die Schweiz? Doch lediglich aus dem Grunde, um ihr Herz an der schönen Natur zu erfreuen. Und weshalb bin ich hierher ge­reist ?

In der Heimath war ich meines Lebens satt ge­worden. Lehmann und Eckard verhießen mir hier ein glückliches, ftöhliches Leben; darum folgte ich ihnen

* Die ,Nordd. Allg. Ztg., erklärt alle Gerüchte über einen Zwiespalt zwischen dem Kaiser und dem Reichskanzler für erfunden.

* Für die Rückberufung der Jesniten waren bis Ende voriger Woche beim Reichstag Petitionen mit rund 980,000 Unterschriften, gegen dieselbe mit rund 985,000 Unterschriften eingegangen. Berücksichtigt man, daß das Deutsche Reich 29,369,000 Evangelische und nur 16,785,000 Katholiken zählt, so erscheint die Zahl der Petitionen für Rückberufung der Jesuiten in einem ganz anderen Lichte, als die Zahl der gegnerischen Petitionen. Unter den gegnerischen Unterschriften be­finden sich dazu mehrere Hunderttausende aus Gegen­den, in denen seit Menschengedenken niemals ein Jesuit gesehen wurde, so namentlich aus Württemberg, wo die Jesuiten seit jeher verfassungsmäßig ausgeschlossen sind. Ob solche Petitionen beim Reichstag ein be­sonderes Gewicht haben werden, ist mindestens zweifelhaft.

* Der Reichstag setzte die Berathung des Reichs- eisenbahn-Etats fort. Abg. Höffel nahm dabei Gele-

Deutsches Keich.

Berlin, 5. März.

* Das Centrum beschloß in der heutigen Fraktions- Sitzung einstimmig, an den von der Kommission vor­genommenen Abstrichen des M^ine-Etats festzuhalten und auch im Plenum sämmtliche neuen Kriegsschiffe abzulehnen.

Ich muß dich lieben.

«e ch muß dich lieben innig, tief und rein, 23» Du Antlitz hold wie Maiensonnenschein,

Dem noch die schnöde Welt nicht konnte rauben Im Herzen dir den sel'gen Kinderglauben.

Ich muß dich lieben, innig, tief und rein Du Stirne, blendender als Elfenbein Zuch Wangen, drauf sich Ros' und Lilie einen, Ern Fruhlichtstrahl aus Paradieses Hainen.

Ich muß euch lieben innig, tief und rein Ihr Augensterne, mild wie Seraphsschein, Wie sie das Herz, das müde, kampfeswunde Noch schauen möchte in der letzten Stunde.

E. v. B.

Auf Irrwegen.

Original-Novelle von Ferdinand Hartdegen.

(14. Fortsetzung.)

August ahnte nicht, daß schon seit einiger Zeit seine vermeintlichen Freunde den Plan gefaßt hatten, ihn zu verlassen, und daß sie gerade zu diesem Zwecke heute die Wette mit ihm eingegangen- waren. Er ahnte ferner nicht, wie schmählich er von ihnen bei dem Lot­teriespiele hintergangen war. Er hielt sie immer noch für seine wahren Freunde, welche ihm zum Reichthum verhalfen hatten. Darum wurde Elmenreich jetzt, wo er allein ging, fast mißmuthig und sehnte sich nach der Stunde, in welcher er wieder mit ihnen zusammen-

Wiederholt haben sich berufene kirchliche Autoritäten gegen den übertriebenen nationalen Chauvinismus, der die Tugend der Vaterlandsliebe zum Zerrbilde macht, ««c ,u jujivne Lmrmrreuzuna er

ausgesprochen und ihn geradezu als sündhaft bezeichnet, fuhren. Es war gewiß, schreibt das ,Fränk. Volksbl. Er hat auch schon viel Unheil in der Welt geschaffen 1------! r ™ '

und zu blutigen Kriegen Anlaß gegeben. Gerade in den jüngsten Tagen haben wir abermals gesehen, zu welchen Taktlosigkeiten sich in Frankreich gewisse Chau­vinistenkreise hinreißen ließen und wie leicht durch ein solch unverantwortliches und taktloses Gebühren die schwersten Konflikte heraufbeschworen werden können. Man kann dabei nur die traurige Schwäche der jetzigen republikanischen Regierung bedauern, die nicht den Muth besaß, gleich von Anfang mit aller Energie den chauvinistischen Renommistereien entgegenzutreten. Das jetzige Kabinet hat sich damit kein gutes Zeugniß aus­gestellt und in Berlin an leitender Stelle große Ver­stimmung wachgerufen, die auch sofort ihren kräftigen Ausdruck in der Wiederherstellung der strengen Paß- vorschriften an der ftanzösisch-deutschen Grenze fand. Das in jüngster Zeit durch das weitergehende Ent­gegenkommen Deutschlands angebahnte bessere Verhältniß mit Frankreich, welches wesentlich zu einer friedlicheren Gestaltung der Gesammtlage in Europa beitrug, hat einen sehr starken Riß erhalten, ja es schien einen Moment sogar, als ob die Hetzereien der Patrioten- I liga traurigen Angedenkens zu einem ernsteren Konflikt i von unabsehbarer Tragweite führen könnten, zumal sich mtch die Nachricht bestätigte, der Komödiengeneral Boulanger fei in Gewärtigung eines Krieges bereits in Brüssel eingetroffen.

Nachrichten haben auf den Börsen einen sprachen und man darf unter den jetzigen Verhältnissen

Mpftndltchen Coursrückgang herbeigeführt, die nach leider nicht darauf rechnen, daß die Regierung sich zu

Crletchterung ihrer Lasten seufzenden Steuerträger aber irgend welchen Erleichterungen der Militärlast herbei­sehen damit eine durch die friedliche Lage der letzten '"r'‘ " c ~ r ~

Wochen genährte Hoffnung auf Herabminderung der hohen Militärlasten schwinden. Und das alles, weil einige thörichte Spektakelmacher an der Seine so un- gentlemanlik gegen die als Gast incognito in Paris weilende Mutter des deutschen Kaisers verfahren sind und die schwache Regierung diese Chauvinisten nicht rechtzeitig in die Schranken gewiesen hat! Zum Glücke hat sich die öffentliche Meinung bereits wieder beruhigt und dank der klugen Zurückhaltung der deutschen Reichs- Tegierung dürfte die französische Betise keine weiteren ernsteren Folgen haben, zumal es auch in Frankreich doch noch vernünftige Leute gibt, welche das chauvini- stifche Gebühren nicht gutheißen und die speziell im vorliegenden Falle die Störung der mühsam ange- ftlüpfteu freundlicheren Beziehungen mit Deutschland