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Samstag, den 28. Februar 1891.

18. Jahrgang

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♦ Me Handwerker-Konferenz.

Im Auftrage des Kaisers ist dem Vorsitzenden des Central-Ausschusses der vereinigten Jnnungsver- -ände Deutschlands, Herrn Obermeister Fast er in Berlin, von dem Staatssekretär von Bötticher und dem Handelsminister Frhr. v. Berlepsch folgendes vom 11. d. M. datirtes Schreiben zugegangen: ~ „Auf die von Euer Wohlgeboren und dem Vorsitzenden des Allgemeinen deutschen Handwerkerbundes zu München unter dem L. Juni v. Js. eingereichte Immediateingabe erwidern wir Ihnen auf Grund der uns ertheilten Allerhöchsten Ermächtigung, daß Seine Majestät der Kaiser die Berufung einer Jmmediat-Kom- mission zur Untersuchung der Fragen der gesammten deutschen Handwerkerbewegung und zur Berathung von Aenderungen der für die Berhältnifle des Handwerks gegenwärtig geltenden ge­setzlichen Vorschriften nicht für angemessen erachten.

Dagegen haben Seine Majestät zu genehmigen geruht, daß Vertretern der beiden Handwerker-Bereinigungen Gelegenheit ge­geben werde, vor Beauftragten des Reichsamts des Innern und des kgl. preußischen Ministeriums für Handel und Gewerbe die in ihren Kreisen empfundenen Mängel der in.Betracht kommen­den Gesetze mündlich darzulegen und die zur Hebung derselben von ihnen vorzuschlagenden Maßnahmen zu begründen.

Dem Centralausschuß der vereinigten Jnnungsverbände Deutschlands und dem Allgemeinen deutschen Handwerkerbunde iu München, besten Vorstand Euer Wohlgeboren von dem In­halte dieser Erwiderung gefälligst in Kenntniß setzen wollen, stellen wir demnach anheim, sich über die Bestellung geeigneter Vertreter zu dem erwähnten Zwecke zu verständigen und eine Anzeige über die getroffene Wahl hieher gelangen zu lasten. Mit dieser Anzeige würde eine genaue Bezeichnung derjenigen Fragen der Gesetzgebung zu verbinden sein, über welche die ein­zelnen Vertreter nach dem Wunsche ihrer Auftraggeber sich zu äußern haben würden.

Weitere Mittheilungen, namentlich übe; den Zxitpunkt des Mgimls der Berathungen, bleiben Vorbehalten."

Es wird sich also die Konferenz, von deren Ein­berufung wir unlängst Mittheilung machen konnten, auf Delegirte der selbstständigen Handwerker und auf Beauftragte des Reichsamts des Innern und des preußi­schen Handels- und Gewerbe-Ministeriums beschränken, währmd ursprünglich gemeldet wurde, daß auch Geg­ner der Handwerker-Bewegung zugezogen werben soll­ten. Letzterer hätte eigentlich auch keinen rechten Sinn gehabt.

Sache der Handwerkerverbände wird es nunmehr sein, geeignete Persönlichkeiten zu den Konferenzen zu entsenden, welche das Herz auf dem rechten Fleck haben und die Wünsche der Handwerker in überzeugender und zielführlicher Weise darzulegen vermögen. Für die Vertreter des Handwerkes gilt es jetzt, das Eisen zu schmieden, so lange es warm ist.

Im Uebrigen charakterisirt sich das ministerielle Einladungsschreiben als die Antwort des Kaisers auf die Immediateingabe, welche gelegentlich des vorjäh­rigen deutschen Handwerkertages in Berlin dem Kaiser von einer Handwerker-Deputation in besonderer Audienz überreicht werden konnte. Der Kaiser hat damals die

Auf Irrwegen.

Original-Novelle von Ferdinand Hartdegen.

(9. Fortsetzung.)

Es schien ein heißer Tag zu werden; die Sonne sandte, obgleich es noch früh am Morgen war, glühende Strahlen herab, und an dem Himmel zeigte sich kein einziges Wölkchen. Desto freier und klarer war die Aussicht nach den schneebedeckten mächtigen Alpen­häuptern, ein großartiger Anblick, der bei einem jeden Naturfreunde seine erhebende Wirkung nicht verfehlt, aber bei unseren Reisenden, welche nur Sinn für leib­liche Genüsse hatten, und nur aus Langeweile in der schönen weiten Welt herumreisten, keine besondere Auf­merksamkeit erregte.

Weiter fuhren sie durch das anmuthige Aarethal, an goldigen Aehrenfeldern und saftigen Weiden vor­bei , durch viele Dörfer mit reinlichen Bauernhäusern, welche meistentheils in einem hübsch angelegten Gar­te n standen, bis mdlich nach vollen vier Stunden die Stadt Thun mit ihrer ehrwürdigen Kirche und dem malerisch gelegenen Schlosse Kyburg vor ihren Blicken lag. Bald fuhr der Wagen in der alten Stadt ein, an der Pfarrkirche mit der angrenzmden, eine weite Aussicht gewährenden Kirchhofsterrasie vorbei, vor das erste Hotel der Stadt, welches dm Namen Hotel de Bellevue führt, in reizender Gartenumgebung mit der

Handwerker seiner Sympathien versichert und die Hand­werker dürfen deshalb überzmgt sein, daß seitens der Regierung sowohl, wie seitens der handwerkerfteund- lichen Parteien des Reichstages Alles geschehen wird, was unter den obwaltenden Verhältnissen auf dem Ge­biete der Gesetzgebung und der Berwaltungs - Praxis zur Hebung des selbstständigen Handwerkerstandes ge­schehen kann. Nur mögen die Handwerker immer ein­gedenk bleiben, daß auf dem Wege der Gesetzgebung allein nicht Alles zu erreichm ist, sondern daß in erster Linie auch Gemeinstnn, Opferwilligkeit und Soli­daritätsgefühl nöthig sind, was keine Gesetzgebung schaffen kann.

Das offizielle Organ des „Allgemeinen dmtschen Handwerkerbundes", die Münchener Allgemeine Hand­werker-Zeitung', begrüßt die kaiserliche Entschließung „mit vollster Freude". „Mit klarem Scharfblick wie immer — fährt das Blatt fort — hat unser zielbe­wußter jugendlicher Kaiser die wahre Sachlage erkannt, und in Folge der ihm überreichten Petition eine En­quete derart veranlaßt, daß von Seiten des dmtschen selbstständigen Handwerkerstandes eingehende Berathun- gen und Auseinandersetzungen mit dm betteffenden Re- giemngs - Organen zu pflegen sind. Das ist, was wirwollen und wünschen. Hoffentlich siegt unsere gerechte Sache, wenn auch nicht in allen Punttm."

Vorläufig ließt also Alles bei den Handwerkern selbst und man wird zunächst dm Verlauf der in Aus­sicht genommenen Konferenzen und deren Ergebnisse ab- zuwartm habm. Unter diesm Umständen wäre es auch ganz verfchlt, wmn die handwerkersrmndlichm Parteim des Reichstags dem Wunsche einer Reihe von JnnungS- vorständen folgen und den Bundesrath über seine Stel­lung zu dem vorjährigen Beschluß des Reichstages über die Wiedereinfühmng des Befähigungsnachweises inter- pelliren wollten. Durch eine solche Interpellation könnte leicht der Gang der Sache gestört werden. Den Hand- toerfem darf es genügen, daß durch die Einberufung der Konferenz seitens der maßgebenden Kreise die Be­reitwilligkeit bekundet wird, die Wünsche des Hand­werkerstandes zu untersuchen und das offiziöse Organ des allgemeinen deutschen Handwerkerbundes erklärt ja selbst: „Das ist, was wir wollen und wünschen." Wir können den Konferenzen nur dm bestm Erfolg wünschen.

Deutsches Keich.

Berlin, 26. Febmar.

* Die Reichstagsbeschlüsse über die Sonntagsruhe bedeuten dieses Mal glücklicherweise einen Fortschritt. Die Sonntagsruhe soll sich auf die gesammte gewerb­liche Thätigkeit, einschließlich der Handelsgewerbe, be­ziehen. Ausgeschlossen erscheinen nur noch die Schank- Aussicht auf die Aare, an dem Landeplatz der Dampf­boote herrlich gelegen.

Darauf brachte sie ein Dampfschiff über den mit glänzenden Villen und anmuthigen Gärten eingefaßten Thuner-See hinüber nach Reuhaus, wo sie wiederum ein Wagen aufnahm und nach Interlaken führte, je­nem an Pensionen so reichm und so herrlich gelegenen Orte zwischen dem Thuner- und dem Brienzer-See. Jetzt war ihr vorläufiges Ziel erreicht; sie konnten nun wieder ihren Leib pflegen, was sie auch thaten, indem sie vor dem Vittoria-Hotel in Interlaken aus- stiegen.

Jedoch die Schönheit dieser Gegmd ist zu er­greifend, um nicht selbst auf den rohesten Sinn einen angenehmen Eindruck auszuüben. Auch die Kameraden konnten sich nicht eines Ausrufes der Bewunderung erwehren, da vor ihrem Blicke die ganze Pracht und Erhabenheit der Berner- und der Vierwaldstätter- Alpen und ihrer Seen, wie in einem Rundkreise aus­gebreitet lag. Dort im Süden hoben das Finsteraar- Hom, das Schreckhorn und die Jungfrau ihre mäch- tigen mit ewigem Schnee und Eis bedeckten Häupter empor; sie schimen bis in dm azurblauen Himmel zu ragen. Die Gletscher schimmerten im Glührothe der sinkenden Abendsonne. An dm Abhängm der Berg- riesm, in den Schluchten, bildeten die dunkelen Föhrm­und Fichtmwälder einen wirkungsvollen Gegensatz zu

Gast- und Berkehrsgewerbe, deren Regelung durch ein besonderes Gesetz von dem Regierungsvertreter in der Kommission in Aussicht gestellt worden ist. Im All­gemeinen hat sich die Regierungsvorlage an die vom Reichstage bereits 1888 genehmigten Grundsätze ge­halten und es berücksichttgt, daß bei der 1885 vorge­nommenen Sonntagsenquete sich zwei Drittel der Unter­nehmer und drei Viertel der Arbeiter für ein Verbot der Sonntagsarbeit, sei es mit, sei es ohne Einschränk­ung , erklärt haben. Die Dauer der Sonntagsmhe soll für jeden Sonn- und Festtag mindestens 24, für zwei auf einander folgende Sonn- und Feiertage 36, für das Weihnachts-, Oster- und Pfingstsest 48 Stun­den betragen. Die Ruhezeit soll von 12 Uhr Nachts an gerechnet werden; in gewissen Bettieben mit regel­mäßiger Tag- und Nachtschicht und da, wo der Bundes­rath es für nothwendig erachtet, frühestens von 6 Uhr Abends des vorhergehenden Werktages, spätestens von 6 Uhr Morgens des Sonn- oder Festtages; bei zwei aufeinander folgenden Ruhetagen bis 6 Uhr Abends des zweiten Tages. Die Sonntagsmhe im Handels- gewerbe soll auch für den Unternehmer und seine Fa- milie gelten; Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter sollen am ersten Weihnachts-, Oster- und Pfingsttage über­haupt nicht, an den übrigm Sonn- und Festtagen nur fünf Stunden beschäftigt werden. Die Ausübung der Hausirgewerbes ist Sonntags unterfagt. Der Landes­gesetzgebung wird ein ziemlicher Spielraum zur Ver­schärfung dieser Bestimmungen gewährt, und auch die Gemeinde oder ein weiterer Kommunalverband kann die Thätigkeit im HemdelSgewerbe an Sonn- und Fest­tagen durch OrtSstatut noch einschränkm. In den letzten vier Wochm vor Weihnachten darf jedoch eine bis zehnstündige Arbeit int Handelsgewerbe an dm gesetzlichen Ruhetagen gestattet werden, wobei aber Rücksicht auf die für den öffentlichen Gottesdienst be­stimmte Zeit zu nehmm ist. In einer Resolution soll außerdem der Reichskanzler ersucht werdm, seine Ver­mittelung bei den verbündeten Regierungen dahin ein­treten zu laffm, daß der Güterverkehr an Sonn- und Festtagen möglichst eingeschränkt werde.

* Ueber das Verhältniß zwischen dem Kaiser und Bismarck werdm der ,Voss. Ztg.' folgende Meinungs­äußerungen der englischen Blätter telezrophitt: ,Momingpost' und .Times', welche dem Thmm lange Leitartikel widmen, nehmen entschieden Partei für den Kaiser und dessen Kanzler v. Caprivi. Momingpost' meint, selbst Fürst Bismarck müffe dem großm sozialen Gesetze gehorchen, welches erklärt, daß Niemand noth- wendig für die Wohlfahrt des Staates sei. Hätte die Leitung der Staatsangelegenheiten in Deutschland Zeichen der Schwäche bekundet, so würde die Rückkehr des Fürsten Bismarck nur eine Frage von Monaten dm großen Schnee- und Eisflächen, welche hoch obm auf des Gebirges Rücken bis in die nebelige Ferne sich hineinzogeit, int Osten und Westen die dunkelen Seen, bekränzt mit einem schönen Rahmen von lieb­lichen Dörfern und von großartigen Villen und Schlöffem; die Aare verbindet sie mit ihren klaren Fluten; und im Norden die Ausläufer der Vierwald­stätter-Alpen, welche an Reizen den anderen Gebirgs­zügen durchaus nicht nachstehm. — Hier gefiel es ihnen am besten; von hier aus, dem Herzen der Schweiz, konnten sie am schnellsten nach allen Orten des Landes kommen; deshalb kehrten sie von allen ihren Touren stets hierher zurück. —

V.

Drei Monate feit der Abreise der drei Genossen aus ihrer Heirnath waren schon versttichen. Sie hatten die ganze Schweiz dnrchstteist, fast alle ihre Thäler und Berge; ihre reizend gelegenen Dörfer und Städte besucht, nicht um die mannichfaltigen Naturschönheiten, welche in der Schweiz in einem verhältnißmäßig kleinen Flächenraum vereinigt sind, zu betpunbem und in ihre Seele aufzunehmen zu einem bleibenden schönen An­denken, auch nicht um die eigenartigen und so einfach natürlichen Sitten und Gebräuche der bärtigen Be­wohner kennen zu lernen und damit ihren Gesichtskreis zu erweitern, sondern hauptsächlich deshalb, damit sie für reiche und vornehme Leute gehaltm mürben; beim