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Mittwoch, den 25. Februar 1891

18. Jahrgang

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

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* In den Beziehungen Frankreichs zu Deutschland,

fchreibt die ,Köl. Vztg.' in ihrer jüngsten Wochenrund- schau, ist neuerdings einige Besserung eingetreten. Zu­nächst sei die Erleichterung verzeichnet, welche französi­schen Besuchern der Reichslande hinsichtlich des Paß- und Meldewesens künftig gewährt wird; viel schwerer -ist ins Gewicht gefallen das Schreiben, welches im Namen des deutschen Kaisers an die Akademie der schönen Künste erging und dessen Beileid für den Tod des Malers Meisionier ausdrückte. Dazu kamen entsprechende, für die französische Kunst insbesondere schmeichelhafte Aeußerungen des Kaisers auf dem Esten, welches der französische Botschafter Herbette in Berlin ihm zu Ehren gab. In Folge dessen werden sich etwa fünfzig der bedeutendsten französischen Maler an der diesjährigen internationalen Kunstausstellung in Berlin betheillgen, unbekümmert darum, daß Pariser Blätter früher behauptet haben, die französischen Künstler seien nur nach Berlin geladen, und die Berliner Ausstellung sei überhaupt nur zu dem Zwecke veranstaltet worden, itm der geplanten französischen Ausstellung in Moskau — einer, wie es schon heute scheint, verfehlten Speku­lation — Abbruch zu thun. Eben jene Blätter finden sich jetzt sehr leicht in das nun einmal Unabwendbare; einige sind sogar eifrig für die Betheiligung, von denen man das am allerwenigsten erwartet hätte. Uebrigens dürfte es den Anschauungen sehr weiter 'französischer Kreise entsprechen, wenn die Liberte, ein gemäßigtes Blatt, schreibt: „Wir ehren die Bedenken Derer, welche aus Patriotismus nicht mitmachen wollen oder sonst das Unternehmen scheel ansehen, welches ge­gen leider schon tief eingerostete Geistesgewohnheiten verstößt. Aber unsere Künstler haben aus einem auf­geklärten, besonnenern Patriotismus die Einladung an­genommen. Von allen Seiten hören sie sagen: der französische Einfluß muß gegen den überhandnehmenden deutschen kämpfen. Und im Augenblicke, da sich ihnen •ein neuer, freundlich angebotener, aber ernster Turnier­platz eröffnet, sollten sie fahnenflüchtig werden? Gibt

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Aus Irrwegen.

Original-Novelle von Ferdinand Hartdegen.

(6. Fortsetzung.)

„Liebster August," hatte sie ost zu ihm gesprochen, 'wenn sie allein waren, „Du kennst meine innige Liebe zu Dir, welche so groß ist, daß sie der harten Schelt­worte meiner Eltern über unsere häufige Zusammen­kunft nicht achtet, diese mächtige, wahre Liebe, welche alles duldet und trägt." „Ich bin auch überzeugt da­von, daß Du mich liebst." Um dieses Bandes der Liebe willen, welches uns beide verknüpft, bitte ich Dich nun, laß Deine falschen Freunde fahren. „Bringe mir dieses Opfer; Du möchtest es sonst zu spät be­reuen, daß Du meinem und Deiner Mutter Rathe nicht gefolgt bist!"

Dann pflegte August lächelnd zu antworten:

„Ich glaube, Du irrst Dich, meine liebe Marie. Ich kenne Lehmann und Eckard schon seit mehreren Jahren und habe niemals einen Zug von Falschheit in ihrem Wesen gefunden. Ich freue mich sogar den Umgang mit solchen Männern genießen zu können, deren Ansichten mit den meinigen vollständig überein- Pimmen, und deren treue und wahre Freundschaft zu mir in meinen Augen unzweifelhaft feststeht; auch Dich hoffe ich noch davon zu überzeugen." Und in der That, es war ihm gelungen. August Elmenreich war

kerungsvermehrung durch den Ueberfchuß der Auswan­derung über die Einwanderung verloren gegangen ist. Die Volkszunahme ist diesmal eine viel größere ge­wesen als im vorhergehenden Jahrfünft und wird in den letzten 5 Zählumläufen nur von einem einzigen, dem vom 1. Dez. 1875 bis 1880 reichenden, um einen geringen Betrag übertroffen.

* Die Störungen im Befinden des jüngst gebore­nen kaiserliche» Prinzen, welche in dm letzten Tagm zu Besorgnissen Anlaß gegeben habm, sind im Wesent­lichen als gehoben zu betrachten.

* Prinz Heinrich verabschiedete sich gestern vor seiner Rückkehr nach Kiel persönlich vom Reichskanzler v. Caprivi und vom kommandirenden Admiral Frhr. v. d. Goltz.

* Der Reichstag, dem das neue Telegraphengesetz zugegangen ist, setzte die Berathung des Arbeiterschutz­gesetzes bei den Bestimmungen über die Lohnzahlung fort. § 115, der dieselben umfaßt, fand schließlich in nachstehender Fassung Annahme: „Die Gewerbetreiben­den sind verpflichtet, die Löhne ihrer Arbeiter in Reichswährung zu berechnen und baar auszuzahlen. Sie dürfen den Arbeitern keine Waaren kreditiren. Doch ist es gestattet, den Arbeitern Lebensmittel für den Betrag der Anschaffungskosten, Wohnung und Landnutzung gegen die ortsüblichen Mieths- und Pacht­preise, Feuerung, Beleuchtung, regelmäßige Beköstigung, Arzneien und ärztliche Hülfe, fowie Werkzeuge und Stoffe zu den ihnen übertragenen Arbeiten für den Betrag der durchschnittlichen Selbstkosten unter An­rechnung bei der Lohnzahlung zu verabfolgen. Zu einem höheren Preise ist die Verabfolgung von Werk­zeugen und Stoffen für Accordarbeiten zuläffig, wenn derselbe den ortsüblichen nicht übersteigt und im Voraus vereinbart ist. Lohn- und Abschlagszahlungen dürfen ohne Genehmigung der unteren Verwaltungs­behörde nicht in Gast- und Schankwirthschaften oder Verkaufsstellen erfolgen." Von den Sozialdemokraten war beantragt worden, daß Gewerbetreibende ihren Arbeitern überhaupt nicht Waaren verkaufen dürfen, daß die Lohnauszahlung weder Sonnabends noch Sonn­tags und auch unter keinen Umständen in Schank­wirthschaften oder Verkaufsstellen erfolgen dürfe. Auch sollte, soweit die Lohnzahlung nicht wöchentlich statt­findet, den Arbeitern wöchentlich eine entsprechende Abschlagszahlung gewährt werden. — Weiterberathung morgen.

* Das Abgeordnetenhaus setzte heute die 2. Lesung der Einkommensteueroorlage mit den Verwendungs­bestimmungen und in Verbindung damit die Novelle zur lex Huene, wonach 20 Millionen aus den land- wirthschaftlichen Zöllen zur Unterstützung der Gemein­den bei Volksschulbauten vorweg genommen werden derselben Gluth ihrer Seele liebte sie ihn auch jetzt noch, sie, welche durch die lügenhaften Worte des Winkeladvokatm und des Reisenden vor seinen Augen als eine falsche und treulose Braut hingestellt war und nun von ihm sichtlich verschmäht wurde. Marie suchte ihn noch auf, so lange und so gut sie konnte.

„Ich kann es nicht glauben, redete sie nun oft mit sich selbst, daß er, welcher mit treuer Liebe mir er­geben war, durch schändliche Lügen seiner vermeint­lichen Freunde an meiner Treue sich irre machen läßt.

„Ich will es versuchen durch liebevolle Worte ihn umzustimmen und auf den rechten Wegzurückzuführen, damit seine Seele gerettet und sein Herz mir und seiner Mutter erhalten bleibt. Fürwahr, er soll eS merken, daß meine Liebe nicht so wankelmüthig ist, wie diese schlechten Menschen ihn glauben machen wollen. Ja, noch mehr, und dabei richtete sie sich stolz auf: Er soll wie ehedem liebeflehend zu meinen Füßen liegen und mich dann tausendmal wegen 'der schnöden Kränkung, die ich erduldet habe, um Ver­zeihung bitten; und ich werde sie ihm unter der Be­dingung gewähren, wenn er sich auch als reuiger Sohn seiner Mutter gegenüber zeigt."

So sprach sich Marie muthig Trost zu und klatschte dabei siegesgewiß wie ein Kind sich freuenb in ihre kleinen Hände. Und wer sie in dieser fteudig erregten Sfimmung gesehen hätte, die schlank gebaute, aber nicht

es denn über der blutigen Revanche nicht eine fried­liche? Unsere Staatsmänner und Gelehrten gingen voriges Jahr zum Kongresse nach Berlin, unsere Aerzte erst vor wenigen Wochen, um die Wirkungen der Koch'schen Lymphe zu studiren. Alle wurden mit der schuldigen Achtung behandelt. Noch vor wenigen Tagen erhielt der deutsche Maler Uhde des Kreuz der Ehren­legion; in Rouen findet Lohengrin eine begeisterte Aufnahme, und jüngsten Sonntag ließ Lamoureux in seinem Konzert Wagner deutsch singen. So holen die Deutschen bei uns Auszeichnungen, Lorbeeren und Geld, und wir sollten bei ihnen nicht das Gleiche thun dürfen? Man verwechsele den Patriotismus doch nicht mit schmollender Enthaltung!" In der Presse wurde auch die Behauptung aufgestellt, die Kaiserin Fried­rich, die Mutter des deutschen Kaisers, welche mit der Prinzessin Margarethe zu achttägigem Aufenthalt in Paris eingetroffen ist, wolle gleichfalls die französische Kunst zur Betheiligung in Berlin aufmuntern. Dessen bedarf es wohl nicht mehr; dagegen dürfte dieser Be­such in der Besserung des gegenseitigen Verhältnisses beider Länder keine geringe Rolle spielen. Während so die Beziehungen zu Deutschland angenehm zu wer­den scheinen, gibt es wieder neuen Aerger über Eng­land, und zwar wegen Aegyptens, wo die Franzosen den Engländern die von diesen dort erworbene Stel­lung von Herzen mißgönnen. Die gegenwärtige Reform des ägyptischen Justizwesens kommt nach französischer Auffassung auf eine Stärkung des englischen Einflusses hinaus, und nachdem die Pariser Presse sich schon eine Zeil lang deshalb ungeberdig gezeigt, hat jetzt auch die Regierung selbst durch ihren Vertreter in Kairo Vorstellungen erheben lassen. Da England den Fuß, den es einmal auf einen Fleck gesetzt, nicht zurückzu­ziehen pflegt, kann es zu langwierigen Auseinander- setzungen kommen.

Deutsches Keich.

Berlin, 23. Februar.

* lieber die Zutheilung der neuen Anleihe» wird morgen Beschluß gefaßt. Die Reichsanleihe ist 46'/,, die preußische Anleihe ca. 30 Mal gezeichnet.

* Nach dem nunmehr vorliegenden vorläufigen Er- gebniß der Volkszählung hat die Zahl der ortsan­wesenden Bevölkerung im preußischen Staat am 1. Dez. 1890 betragen 29,957,302 (gegenüber der vorläufigen Ermittelung 1885: 28,313,833 und der definitiven 28,318,470). Die Bevölkerung hat sich demgemäß in den letzten 5 Jahren um 1,643,469 Personen — 5,79% des Bestandes vom 1. Dez. 1885, oder durchschnittlich jährlich um 1,13% vermehrt, obschon auch in diesem Jahrfünft ein erheblicher Theil der natürlichen Bevöl- blind im Vertrauen auf die Freundschaft seiner Kame­raden, und Marie Reichenstein blind in der Liebe. Aber jetzt sollte sie es erfahren, welche schrecklichen Folgen diese ihre beider Blindheit nach sich zog.

Als Marie am Tage nach der Zusammenkunft von August mit seinen beiden Freunden in der Laube, in ihrem Herzen bekümmert um den Bräutigam, weil er sich nicht blicken ließ, zu seiner Mutter geeilt war, hatte ihr dieselbe unter Thränen erzählt, was ihr Sohn beabsichtigte, und wie er sich von ihr betrogen glaubte. Da wurde sie starr vor Schrecken und sank, einer Ohnmacht nahe, zusammen. Als sie wieder zu sich gekommen war, beschwor sie es unter vielen heißen Thränen hoch und hehr, daß die Erzählung der beiden Kameraden rein erdichtet und eine schändliche Verleum­dung wäre. In ihrer verzweifelten Lage wußte sie sich kaum zu faffen, sodaß die alte Witwe, welcher es selbst an Trost mangelte, nicht Worte genug finden konnte, ihr zu zeigen, daß sie von ihrer Unschuld völlig überzeugt wäre, und daß sie sich gleichfalls in ihr Schicksal fügen müsse, weil ihr Sohn den einmal ge­faßten Entschluß niemals aus den Augen lassen würde und jetzt leider zu sehr in die Netze seiner arglistigen Freunde verstrickt wäre.

Die Braut aber konnte ihren Geliebten nicht so leicht fahren lasten; das litt ihr Herz nicht.

Denn so wie Marie ihn ftüher geliebt hatte, mit