Dienstag, den 24. Fevruar 1891.
Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).
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Thüre hastig hinter sich zu. Die arme Wittwe sank halb ohnmächtig in den Lehnsessel nieder. Ein Thränen- strom, den sie schon vorher nur mühsam zurückgehalteu hatte, brach aus ihren dunkele» Augen hervor. „O Gott", rief sie laut und händeringend, „wie wird er mit meinem Sohne enden, wenn er fortfährt auf Irrwegen zu wandeln! — Bringe ihn weg von der bösen Gesellschaft, welche ihn zum Schlechten verleitet, damit er recht bald wieder auf den Weg der Tugend gelangt O Gott, erhöre, was eine Mutter für ihr einziges Kind erfleht!" Darauf erhob sie sich und ging in ihr Schlafgemach; dort aber brachten die Leidende die Gedanken an ihren Sohn um den Schlummer.
III.
Es folgten schwere, kummervolle Tage für die Registrators - Wittwe. Ihre Hoffnung, daß August nun seinen Lunn umwenden und seinem Berufe wieder nachgehen werde, zeigte sich bald als eine eitle. Denn schon am folgenden Tage nach dieser Scene im Elternhause hatte der junge Elmenreich um seine Entlastung nachgesucht; dieselbe wurde ihm auch alsbald ertheilt, da man höheren Ortes seiner längst überdrüssig geworden war.
Die Stunden, welche Elmenreich früher der Arbeit widmete, wodurch alle schlechten Gedanken verscheucht wurden, vertrieb er jetzt unter seinen liederlichen Genossen mit Spiel und übermäßigem Trinken. Besaß er früher schon einige Abneigung gegen die geistige
und zudem ein Herz und ein warmes Jntereste für 7tCr Ache haben — ganz abgesehen davon, daß die christliche Wahrheit in allen menschlichen Beziehungen unser Leitstern sein muß.
Der Hirtenbrief trägt das Datum des 15. Febr und die Unterschriften der sämmtlichen österreichischen Bischöfe, 32 an der Zahl.
Deutsches Keich.
Berlin, 21. Februar.
* Bei dem gestrigen Festmahle des Brandenburgischen Provinziallandtags hat der Kaiser, wie schon kurz erwähnt, eine bedeutungsvolle Rede gehalten. Wir lassen im Folgenden die markantesten Stellen daraus folgen:
Original-Novelle von Ferdinand Hartdegen.
(5. Fortsetzung.)
Still und in sich versunken hatte die Mutter den Worten des Sohnes gelauscht; welche Theilnahme sie -an dem Seelenleiden ihres Kindes nahm, konnte man an ihrem Seufzen und Händeringen erkennen. Endlich sprach sie: „Lieber August, glaube nicht diesen elenden Menschen, welche sich nur an Deinem Schmerze weiden wollen bUT$ Qr3en ^den in ihre Netze ziehen
Äte es auch nicht," erwiderte Elmenreich, als Lehmann die Sache erzählte ■ aber dar°uf hat Eckard die Geschichte bchätigl da mchte ich es wohl glauben Doch genug davon; mein Leben unter diesen falschen Menschen hier hat bald sein Ende rrre-cht; in 14 Tagen ungefähr gehe ich mit Lehmann und Eckard m die Schweiz; wir spielen jetzr Lotterie vielleicht gewinnen wir das große Loos, dann haben die schlimmen Tage für mich ein Ende. Auf jeden Fall aber gehen wir in die Schweiz. Morgen schon auittire ich der Steuerdirektion.
Diese Worte sprach August in wachsender Aufregung, seine Augen funkelten vor Zorn; zuletzterfaßte <r die Thürklinke und wollte sich in seine Stube beheben. Seine Mutter, welche vor Schrecken über den soeben entdeckten Entschluß ihres Sohnes todtenblaß
geworden war, hielt ihn mit Gewalt zurück; denn sie wußte, wenn sie ihren Sohn umstimmen wollte, so mußte es sogleich geschehen, war schon eine Nacht darüber hingegangen, daß der Eisenkopf den einmal gefaßten Entschluß noch mehr befestigte, so war es damit lchon zu spät Höre mich einen Augenblick an," sprach
Wittwe mit festen Worten, nachdem sie sich selbst Muth zugesprochen hatte. Wenn sich wirklich Marie Reichenstein, was ich aber nicht glauben 'Ach gegen Dich zeigte und einen Anderen mehr uebte als Dich, so denke doch daran, daß ich, Deine Mutter, noch am Leben bin. Ich muß Dir doch unter allen Personen am nächsten stehen und wenn Du ein Christ fein und Dich als braver Sohn gegen mich zeigen willst, so wirst Du Deine Mutter in ihrem Alter nicht allein lassen, Du mein einziges Kind, an das ich immer denke, für welches ich immer bete. Darum kränke mich nicht mehr, bleibe hier, meide die bösen Gesellschaften und harre in deiner Stellung aus mit Geduld, dann wird es bald bester werden."
„Hast Du nun ausgepredigt?" entgegnete in höhnischem Tone der ungerarhene Sohn. „Glaubst Du viel- leicht, ich ließe mich durch Dein Geschwätz von meinem
Abschlüsse abbringen? Wenn ich gewinne, er- . st Du Demen Antheil. Und nun genug, ich habe EnWort" verpfändet, es bleibt dabei, ich gehe mit
Mit diesen Worten eilte er hinaus und warf die
__l8. Jahrgang
Fuldaer Zeitung.
' “ a -> ■ «4 R Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei
3ch weiß sehr wohl, daß in dieser Zeit und im vergangenen Jahr Manches geschah und sich ereignet hat, was Ihre Herren und Gemüther bewegt; Ich freue Mich, daß meiner Aufforde- rung zum gemeinsamen Arbeiten, zum einigen Thun im Lande welche Ich damals in Schleswig-Holstein und später in Schlesien aussprach, so gern und willig in jeder Beziehung in der Bevölkerung entsprochen worden ist, ebenso auch hier In der Mark r-f w*1n^ur9- 3^ meine aber zu gleicher Zeit einen gewissen «nllstano wahrnehmen zu können, ein gewisses Zagen und ein gewisses Zaudern; Ich meine zu sehen, daß es den Herren nicht ben Weg zu erkennen, den Ich beschreite und den Ich Mir vorgezeichnet habe, um Sie und Uns Alle zu Meinem Ziel und zum Heil deS Ganzen zu führen. Wenn wir Schritte thun und arbeiten wollen zum Heile des Ganzen, so müssen wir auch immer das Ganze im Auge haben. Zu diesem Avecke thut es wohl gut, sich zuweilen in Unsere Geschichte rückblickend zu vertiefen . . . Ich weiß sehr wohl, daß in der Jetztzeit
ei versucht wirb, die Gemüther zu ängstigen. Es schleicht der des Ungehorsams durch das Land; gehüllt in schillernd- verführerisches Gewand, versucht er die Gemüther Meines Volkes und die mir ergebenen Männer zu verwirren; eines Ozeans von Druckerschwärze und Papier bedient er sich, um die Wege zu verschleiern, die klar zu Tage liegen und liegen müßen für Jedermann, der Mich und Meine Prinzipien kennt. Ich kaffe Mich dadurch nicht beirren. Es mag Meinem Herzen wohl wehe thun, zu sehen, wie verkannt die Ziele sind, die Ich verfolge; aber Ich hege das Vertrauen, daß Alle diejenigen, die monarchisch gesonnen sind, es gut mit Mir meinen, und daß vor allen Dingen die brandenburgischen Männer nicht einen Augenblick wankend geworden sind und nie gezweifelt haben an dem was Ich that. Wir müssen vorwärts streben, wir müffen arbeiten und im Innern kämpfen. Aber wenn das Ganze gedeihen soll, so seien Sie sich dessen klar, müssen hier und da im Einzelinteresse Opfer gebracht werden. Unsere jetzigen Parteien sind ge* strandet auf Interessen und verfolgen dieselben oft zu sehr, eine jede für sich. Es ist ein hohes Verdienst Meiner Vorfahren, daß sie sich nie zu den Parteien gesellt, sondern daß sie stets darüber gestanden haben, und daß es ihnen gelungen ist, die einzelnen Parteien zum Wohle des Ganzen zu vereinigen. Nun, Sie sehen ia, wie der Erfolg diese Bemühungen gekrönt hat zum Heile des Ganzen, zum fortschreitenden Gedeihen Unserer Arbeit. Ich hoffe und spreche die feste Zuversicht aus, daß ein Jeder von Ihnen in seiner Arbeit und in seinem Wirkungskreis verstehen wird, daß er für das Ganze wirken und arbeiten soll, daß er Mir treu zur Seite stehen und Mir helfen muß.
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Der Wahl-Hirtenbrief des österreichischen Episkopates.
* Wie es bei allgemeinen Wahlen schon seit ae- ranmer Zeit üblich ist, haben sich die Erzbischöfe und Bischöfe von ganz Oesterreich auch diesmal zu einem gemeinsamen Hirtenschreiben vereinigt, welches den Zweck hat, die katholische Bevölkerung auf die Bedeutung der bevorstehenden Reichsrathswahlen aufmerk- S? r3Lmac^n und ihnen die Wahl katholischer, nämlich solcher Männer an's Herz zu legen, welche die Bertherdigung der kirchlichen Interessen voranstellen und die gesammte Gesetzgebung von diesem Gesichtspunkte aus zu behandeln entschlossen sind.
Der Wahl-Hirtenbrief betont zunächst, daß man nicht das Gute, die Fortschritte, verkennen dürfe, das nnsere Zeit biete; allein daneben zeigt sich auch viel Böses, es treten höchst beklagenswerthe Erscheinungen zu Tage. Er schwinden christlicher Glaube und christliche Sitte; eine zügellose, dem ?U8iauben huldigende Presse (die aber vom katholischen Hof, vom katholischen Adel und auch vielfach von katholischen Klöstern und hohen Geistlichen begünstigt wird) schwächt täglich alle bestehende Autorität; in der arbeitenden Klasse schüren die überallhin agltirenden Umsturzmänner die Unzufriedenheit und den Klassenhaß; Mangel an wahrer Nächsten- uebe und rücksichtslose Ausbeutung durchziehen das Erwerbsleben, gegenseitiges Mißtrauen und einseitige 9nteressenherrschaft vergiften das öffentliche Leben. — „Wir sind weit davon entfernt", heißt es in dem Hrrtenschreiben weiter, „die andersgläubige Minderheit zurückfetzen oder kränken zu wollen; wir wünschen auch, ihre Vertreter mit uns im Reichsrathe vereinigt zu sehen zu gemeinsamer Arbeit für des Reiches Wohlfahrt und Größe. Aber das katholische Volk hat das Recht und diePflicht, durch katholische Vertreter dieRechte der kat holischenKirche zurGeltung zu bringen und die Regierung seines Kaisers darüber aufttären zu lassen." Der Hirtenbrief
behandelt dann die soziale Frage und Gesetzgebung, sowie die Schulfrage, in welcher der Episkopat selbst leider bis zur Stunde ohne den gewünschten Erfolg thatlg gewesen fei. „Eure und unsere Pflicht ist es, auf die Abstellung dieser Schäden unablässig hlnzuwirken und die Herstellung solcher Einrichtungen *n Volksschule zu erstreben, bei denen ihr der katholischen Erziehung eurer Kinder sicher sein könnt. So wie eine Schuld, die man nicht gleich bezahlen kann, doch auf uns lasten bleibt und jeden Augenblick zur Zahlung drängt, bis sie bezahlt ist, so bleibt auch diese Pflicht, für die Herstellung katholischer Schulen zu sorgen, so lange für uns bestehen, bis wir dieses Ziel erreicht haben."
Weiter heißt es: „Nach katholischen Grundsätzen darf die Liebe zur eigenen Nation nicht wider das Gesetz der Nächsten- und Bruderliebe sich wenden und znm heidnischen Ra-en hasse herabsinken. Ja, geliebte Diözesanen, das ist ja die bedeutsame Erscheinung unserer Zeit, daß in dem Maße, als die heutige Welt von den christlichen Anschauungen sich entfernt, der heidnische Nationalitätenhaß wächst, und daß Diejenigen seine lautesten Prediger sind, welche sich vom christlichen Glauben und Leben am weitesten abgekehrt haben. Nein, Geliebte im Herrn, ein treu- katholischer Mann wird nicht einstimmen in die Anfeindungen der Völker desselben Reiches, sondern in der höheren Einheit des katholischen Glaubens und der katholischen Interessen bei dem Widerstreite der nationalen Interessen, die glückliche Lösung ist das Glück des Vaterlandes und die Erfüllung der heißesten Wünsche unseres geliebtesten Koffers!" — „Wähl eck überzeugungstreue katholische Männer' Diese eignen sich auch allein zur Vertretung der Interessen eurer heiligen Kirche. Lasset euch nicht irre machen durch den Einwand, die Politik habe mit der Religion nichts zu schaffen. Wenn es nur wahr, wenn es nur aufrichtig gemeint wäre! Aber ihr sehet ja selbst alle Tage, wie oft sich die Parlamente mit den innersten und eigensten Angelegenheiten der Religion und der Kirche befassen. Kann also jener Einwand ehrlich gemeint sein? Die so sagen ind eben Diejenigen, welche mit aller Macht aus ben Parlamenten treu katholische Männer fern halten möchten, um ihren eigenen antireligiösen und antichristlichen Standpunkt in allen Reichs- angelegenheiten um so rücksichtsloser zur Geltung bringen zu können. Seitdem die Parlamente nur zu oft die Rechte von Kirchenversammlungen sich beimessen, ist es eine ganz besondere Pflicht der Katholiken, solche Manner als ihre Vertreter in dieselben zu entsenden, welche mit den kirchlichen Fragen wohl betraut sind