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Donnerstag den 12. Februar 1891.

18. Jahrgang

Fuldaer Zeitung

—_ ku. n..i - ______ Tlritrf it Si.rfnn h.r Stirtha.r Actienbruckerei kA. Stilmann).

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

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durch Gottes Barmherzigkeit und des heiligen apostolischen Stuhles Gnade

Bischof von F«lda,

Doktor der Theologie,

Sr. Päpstlichen Heiligkeit Hausprälat entbietet der hochwürdigen Geistlichkeit und allen Gläubigen des Bisthums Graß und Segen int Herrn!

(Schluß statt Fortsetzung.)

O göttliche Tugend der Hoffnung, so groß in deinem Ur­sprung, so erhaben und umfassend in deinen Gegenständen, so felsenfest begründet in den Verheißungen des allmächtigen, barm­herzigen und getreuen Gottes und in den unermeßlichen Ver­diensten Jesu Christi! Wie könnte, wie dürfte je unser Vertrauen auf Gort nnb alles von ihm um der Verdienste Jesu willen verheißene und von uns erwartete Gute wanken? Wenn aber zu keiner Zeit des Jahres so lebhaft wie in der hl. Fastenzeit bei der Verehrung des leidenden Gottmcnscheu, die Verdienste des Etlösers und die Verheißungen des barmherzigen Gottes uns vor die Seele treten, muß dann nicht diese Gnadenzeit auch eine Frühlingszeit für die Tugend der Hoffnung, eine Zeit des Wachsrhums und neuer Triebkraft für diese herrliche Tugend fein, die von so großer Bedeutung für die Reinigung des sünden- befleckten Herzens, für die Heiligung und Erneuerung des in­neren Menschen ist? O hoffet doch in eurem ganzen Leben und besonders in der Stunde, welche über Alles entscheidet, beim Nahen des Todes aus Gottes Barmherzigkeit, die allen buß­fertigen Sündern so gerne verzeiht!

Betet aus Herzensgrund, namentlich so ost ihr das un­vergleichlich schöne Rosenkranzgcbet beginnt, „daß Jesus in Euch die Hoffnung stärke," daß sic Euch als unversiegliche Trostesquelle durch die Wüste des Erdendaseins ins ewige Leben geleite! Wenn ihr darum vertrauensvoll und beharrlich betet, dann werdet ihr einerseits von Kleinmuth und von Verzweiflung, welche mit dem Glücke dieses auch die Seligkeit des anderen Lebens rauben, bewahrt bleiben, anderseits Euch aber auch nicht zu jener Gott versuchenden Vermessenheit überhebcn, welche die Furcht vor der göttlichen Gerechtigkeit verloren hat. Glaubet mir, Geliebte, und berechnet es selbst nach Eurer Erfahrung, es sind verderbenbringende Gegensätze, welche wir mit gleicher Be- sorgniß vermeiden müssen: die Vermessenheit und die Verzweif­lung. Wenn Euch je derselbe Verführer, welcher vor der Ein­willigung in seine teuflischen Versuchungen die Sünde als etwas Geringfügiges darstellt, nach begangener Sünde den surchtbaren Gedanken des unglückseligen Kain einflüstert: „Meine Missethat ist größer, als daß ich Verzeihung verdiente" (1. Mos. 4, 13), so belebet Eure Hoffnung auf die göttliche Barmherzigkeit. Denket: wer dem Schächer am Kreuze zugerufen hat: „Noch heute wirst du bei mir int Paradiese sein:" wer der früher so sündhaften, später so reich begnadigten Maria Magdalena ge­sagt hat: „Dir werden viele Sünden vergeben," der läßt auch mich nicht ohne Hoffnung.

Werdet also nicht wankend in der Hoffnung, gestattet kleinmüthigen, mißtrauischen Gedanken keinen Raum im Herzen. Das Mißtrauen ist die Vorbotin der Verzweiflung Das Miß­trauen hofft nicht fest genug, die Verzweiflung hofft gar nicht mehr. Sie ist die Mutter der schwersten Sünden. Sie führet, wie der hl. Apostel Paulus iu seinem Briefe an die Epheser so ergreifend ausführt, insbesondere zu jener leider das Glück vteler Herzen und den Frieden zalloser Familien zerstörenden Sünde der Unlauterkeit, die nach der Mahnung desselben Apostels (Eph. 5, 3,) „unter nns nicht genannt werden soll, wie es Heiligen geziemt." Dies nun, so rufe ich Euch in väterlich wohlmeinen­der Liebe mit dem hl. Paulus zu, „dies sage ich und bezeuge ich

Sonnenried.

Roman von Marga Brachte n.

(83. Fortsetzung.)

Auf dem amerikanischen Dampfer wurde der Tag stets frühe begonnen. Die Freude hatte auch Felicitas nicht lange schlafen lassen, und viel eher, als sie ge­dacht, trat Jhno bei ihr ein. Sein männlich schönes Gesicht zeigte die Spuren tiefer Bewegung; er streckte ihr beide Hände entgegen und sagte:

„Nun komme ich, um das theuerste, mir von dem Vater hinterlassene Erbe in Anspruch zu nehme« — Du, sein liebstes Gut, bist mein, mir verlobt durch ihn! Ist es denn möglich, kann es ein solches Glück noch für mich geben?"

Sie lag weinend an seiner Brust, laut ausschluch­zend im Uebermaße des Glücks. Diese eine Stunde entschädigte sie reichlich für Alles, was sie in den ver­gangenen Jahren gelitten; die reine, ungetrübte Freude, einander endlich anzugehören aber wurzelte in dem sicheren Bewußtsein, daß der Segen des Heimgegan­genen auf ihnen ruhe-

„O, nun bin ich nicht länger arm und heimathlos," rief Jhno; „der Verlust meines Fahrzeuges schmerzt mich kaum mehr, denn mußte nicht die „Meeresbraut" untergehen, da meine wirkliche Braut mir entgegen schiffte?"

IM Herrn, daß ihr nicht mehr wandeln dürst, so wie auch die Heiden wandeln ... die der Hoffnung entsagend sich selber üheranwortet haben in der Unlauterkeit zur Verübung jeglicher Unreinheit, zur Unersättlichkeit." zEph. 4, 17 u. 19). Haltet die Hoffnung auf Vergebung im Himmel fest, selbst bei zahlreichen und großen Vergehen. Wären Euere Sünden zahlreich wie die Sandkörner am Meere, sie könnten Euch vergeben werden, und wären sie roth wie Purpur, sie sollten w-iß werden wie frisch gefallener Schnee. Euer bester Gedanke sei: „Auf Dich, Herr, habe ich gehofft, ich werde nicht zu Schanden werden für ewig." Roch an Eurem Sarge und in Eurem Grabe erfüllt das hoff­nungsvolle Gebet der Kirche die Herzen mit süßem Tröste: Bei dem Herrn ist Barmherzigkeit und überschwängliche Erlösung. (Ps.129,7) Mit Vertrauen aus die Verheißungen des getreuen Gottes, mit Hoffnung auf die unendlichen Verdienste des Erlösers, der „für Alle gestorben ist, damit auch Diejenigen, welche da leben, nicht mehr sich selber leben, sondern dem, welcher für sie gestorben und auferstanden ist" (II. Kor. 5, 15) — gehet stets zum heil. Bußgericht und beruhigt Euch nach dem Empfange desselben in vollkommenem Frieden, wenn Ihr, so gut Ihr es eben vermöget, reumükhig und ausrichtig gebeichtet habet. Aus ganzer Seele rufe ich Euch mit dem hl. Paulus die Worte zu, in denen alles enthalten ist, was ich Euch von der christlichen Hoffnung gesagt: „Der Gott der Hoffnung ersülle Euch mit aller Freudigkeit und mit Frieden im Glauben, damit Ihr überreich seiet in der Hoff­nung durch die Krast des hl Geistes." (Röm. 15, 13.)

Der Apostel nennt zuerst Gott selbst einen Gott der Hoff­nung. Was hat das für einen Sinn? Sott selbst kann nichts mehr hoffen, weil er in sich unendlich glückselig ist. Er wird vielmehr darum ein Gott der Hoffnung genannt, weil er der Ursprung, der Gegenstand und Grund unserer Hoffnung ist. So lange wir festhalten an dem dreifältigen Gott und dem menschgewordenen Gottessohne, der unser immciwähreitder ®itt 1er und Fürsprecher bei dem Vater ist, der bei der Kirche bleibt bis an das Ende der Welt — haben wir einen Gott der Hoff­nung. Diejenigen aber, welche Gott und seiner hl. Kirche treu­los geworden sind, in den Fesseln sündhafter Gewohnheiten, die sie nicht abschütteln mögen, dahin leben — haben keinen Gott der Hoffnung mehr. Ihr Gott ist das trostlose Naturgesetz, .das zur Verzweiflung sührende Schicksal, ihr Gott ist der Genuß oder der Mammon oder die Ehre vor der Welt: das Alles ist aber kein Gott der Hoffnung.

Der Apostel sagt weiter: „Der Gott der Hoffnung ersülle euch mit jeglicher Freude". Natürlich, wo Hoffnung ist, da muß auch Freude sein, denn etwas Trauriges hofft man nicht Darum haben Diejenigen, welche keine wahre Hoffnung haben, auch keine wahre Freude. Jene Genüsse, an denen die Welt sich ergötzt, verdienen nicht den Warnen Freude. Sie haben keinen Bestand und verwandeln sich nur zu schnell in Ueberdruß, in Traurigkeit und Verzweiflung. Die Kirche, welche die wahre Hoffnung be­sitzt, hat darum auch allein die wahre Freude und wer ein treues Kind der Kirche ist, der brütet nicht finster vor sich hin, der hat ein heiteres Gemüth.

Ich erinnere Euch hier an ein Vorkommniß, das ich einmal im Leben eines frommen Ordensmannes gelesen habe. Der wurde von zwei Weltleuten besucht und, weil er ungeachtet seiner einsamen Zelle so freundlich und fröhlich war, befragt, ob er niemals einen Kummer gehabt oder ein Leid getragen habe. C ja, antwortete der Ordensmann, das war wohl oft der Fall, aber Gott hat mir immer ein Mittel gegeben, um die Trauigkeit in Freude zu verwandeln. Ich branche nur an das Fensterchen meiner Zelle zu gehen, dort sehe ich einen Gegenstand, welcher mich stärkt und tröstet. Sogleich ging einer von den Männern an die Oeffnung, sah aber nichts als eine gegenüberstehende Klostermauer, welche die Aussicht versperrte. Schaut doch ge­nauer nach, versetzte der Mönch. Allein Jener konnte nichts

22. Kapitel.

tim Ziel.

Aus diese Nacht der Sorgen, Auf diese Nacht der Pein, L Liebste, welch' ein Morgen Boll Glanz und Sonnenschein!

Ter lichte Himmel blauet Allfreundlich über mir, Und mein Gemüth vertrauet Von ganzer Seele Dir!

P. I. Willazen.

XL VIII.

Sonnenried! langsam anssteigend wand sich der Pfad den kleinen Hügel hinan bis zu der Stelle, wo das alte Pächterhaus stand — mit feinem verwitterten Unterbau und dem überhängenden, hell von der Mor­gensonne beschienenen Dache!

Der ehemals hübsche Vorgarten war in einem trost­losen Zustande; die Latten des hölzernen Gitterwerkes hingen nur lose an der morschen Querstange, und seit vielen, vielen Jahren hatte wohl keine ordnende Hand mehr die Beete berührt. Nur ganz hinten keimten nimmermüde Schlinggewächse empor, rankten sich an der alten Mauer herauf und gaben so dem Haufe ein liebliches, seine Schäden mitleidig verhüllendes Kleid. Das frischgrüne, sich an der Hinterseite hinziehende Land war offenbar bewirthschaftet worden, nur um das Wohngebäude selbst schien sich Niemand zu küm-

entbeefen, als nur eine kleine Spanne vorn Himmel. Gerade das, antwortete der Ordensiuann, ist der Gegenstand, welcher mich tröstet. Sooft die Traurigkeit mich beschleichen will, brauch' ich bloß jenes Fleckchen des Himmels zu betrachten und sogleich erwacht in meinem Herzen die Hoffnung aus die ewigen Güter und Freude kehrt in meine Seele zurück. Ja so düster auch für die fromme gläubige Seele die Wolken der Trübsal sich austhür- men, so groß das sie bedrängende Elend ist, sie dars doch alle­zeit beim Anblick des Himmels zu sich sagen: Dort oben wohnt mir ein Vater, der mein Leiden sieht und mich davon eines Tages befreien wird.

Der Apostel fährt fort: „Der Gott der Hoffnung erfülle Euch mit jeglicher Freude und mit Frieden". Der Gott der Hoffnung bewirkt in uns die wahre Freude deshalb, weil er durch das am Kreuze vollbrachte Erlösungswerk uns den ver­lorenen Frieden wieder erworben hat. Die Welt ist ja deshalb so freudeleer, so hoffnungslos, so unglücklich, weil sie ihren Er­löser und in ihm den wahren Frieden noch nicht erkannt bat, weil die Leidenschaften regieren, die sündhaften Gewohnheiten über bas arme menschliche Herz iriuiuphiren. Die Kirche aber, die ihren Erlöser kennt und die Erlösungsgnaden besitzt, ist da­rum auch reich an Frieden. Wenn sie auch von der Welt noch so sehr angefeindet wird, geht ihr Friede darum doch nicht ver­loren. Und wenn auch ihre Glieder bekämpft, unterdrückt, miß­handelt werden, ist doch keine Macht auf Erden im Stande, ihnen den Frieden zu rauben. Die Hoffnung sagt uns, daß Gott uns nicht über unsere Kräfte versucht werden läßt, daß er uns das Kreuz voraus getragen hat und tragen hilft und daß er uns die geduldig ertragenen Leiden in der Zeit vergelten wird mit ewiger Herrlichkeit. In dieser Hoffnung fürchteten sich die hl. Märtyrer nicht vor den Gefängnissen und Foltern, vo brennenden Scheiterhaufen und vor den Zähnen wilder Thiere vor siedendem Oel und vor dem Schwert. Die Hoffnung au die ewige Herrlichkeit ließ sie all' jene Qualen geduldig ertrage und gab ihnen einen Frieden, den die Welt nicht geben kann Diese Hoffnung giebt auch uns Kraft, um Christi willen Opfer zu bringen und zu leiden. Ja, sie ist die feste Brücke, auf welcher man sicher aus diesem Leben in das Jenseits gelangt. In dieser Hoffnung ist der Tod kein Tod, sondern das Vater­land nach der Verbannung, der Hafen nach "bem Sturm, di? Abendruhe nach mühevollem Tagewerk. Mag der Priester kommen und, dem Sterbenden das Bildniß des Gekreuzigten vorhaltend, sprechen: „Fahre hin, christliche Seele" — er verzagt, und bangt nicht in der hl. Hoffnung, er gleicht dem Kinde, welches sich am Morgen dem Bettchen entwindet, um sich fröh­lich in die Mutterarme zu werfen. Damm heißt es in den Psalmen: „In Frieden will ich schlafen und ruhen, denn Du o Herr hast in der Hoffnung mich stark gemacht."

Endlich schließt der Apostel mit den Worten: „Damit ihr überreich seid an Hoffnung durch die Krast des hl. Geistes." Was haben diese Worte für einen Sinn? Als einst in ihrer verborgenen Kammer zu Nazareth die Jungfrau aller Jung­frauen^ die demüthigste, reinste und darum gebenebeite unter allen Weibern betete, da trat der Engel des Herrn zu ihr und sprach: „Der hl. Geist wird über dich kommen und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten; darum wird das Heiligste, welches aus dir geboren wird, Sohn Gottes genannt werden." Also durch die Kraft des 1 l. Geistes, der Maria über­schattet hat, sind wir überreich geworden an Hoffnung. Sie hat uns ja den Erlöser gegeben, aus ihr hat er seinen heiligsten Opferleib gebildet, das Werkzeug, durch das die unendlichen Güter der göttlichen Barmherzigkeit uns verdient wurden. Damm begrüßen wir sie im Salve Regina als Mutter der Barmherzigkeit, als unser Leben, unsere Süßigkeit und unsere Hoffnung. Groß und Klein, Gelehrte und Ungelehrte, Reiche und Arme, die Glücklichen der Erde und die Enterbten des ment. Und doch bot sich gerade von dort ans ein Blick über die Düne und vas hinten auffchäumende Meer, wie er nicht schöner und großartiger gedacht werden konnte.

Das verlaffene Anwesen lag hart an der Bucht. Schlanke Birkenbäume faßten den Weg nach dem Meere zu ein, und wenn das Ganze so wie jetzt von einem warmen, leuchtenden Lichtschimmer getroffen wurde, da konnte man sich leicht den kleinen Garten blühend und gepflegt von liebender Hand, das öde Haus belebt und wiederhallend von den Stimmen glücklicher Menschen denken. Noch Jeder hatte den Platz traulich gefunden, aber dann, wenn er die Geschichte von dem Ende des vorletzten Pächters vernahm, fröstelte es ihn plötzlich mitten im warmen Sonnenschein, das Haus erschien so spukhaft düster, und der nur flüchtig aufgetauchte Gedanke, es für ein Geringes zu kaufen, wurde schnell wieder verworfen.

So war es immer gewesen, wenn sich ein Reisen­der an diesen abgelegenen Punkt verloren, und der Be­sitzer des ländlichen Gasthauses an der anderen Seite der Anhöhe hätte die Kenntniß von dieser längst ver­gangenen, in der Umgegend vergessenen Begebenheit nur ungern vermißt. Sie ließ sich trefflich ausschmücken und ausnützen, und Meister Fangarm, der stattliche Wirth, erstaunte nicht wenig, als er eines Morgens den Eigenthümer des Pachthofes auf sich zukommen sah.