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Mittwoch, den 11. Februar 1891.
18. Jahrgang
Fuldaer Zeitung
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Joseph.
durch Gottes Barmherzigkeit und des heiligen apostolischen Stuhles Gnade
Bischof von Fulda,
Doktor der Theologie,
S r. Päpstlichen Heiligkeit H a u s p r ä l a t entbietet der hochwürdigen Geistlichkeit und allen Gläubigen des Bisthums Gruß und Segen im Herrn!
Das Evangelium des Sonntags Quiuquagesima erzählt uns, wie der göttliche Heiland, welcher durch Samaria und Galiläa gen Jerusalem zum letzten Osterfeste feines Erdenlebens zog, seinen Jüngern klar und vestimml verkündigte:
„Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird 9llles in Erfüllung gehen, was durch die Propheten über den Menschensoün geschrieben ist. Er wird nämlich den Heiden ausgeliefert, verspottet, gegeißelt und angespieen werden; und nachdem sie ihn gegeißelt haben, werden sie ihn tödten und am dritten Tage wird er wieder auserstehen."
Indem nach diesem Berichte der Erlöser vor dem geistigen 9luge seiner angsterfüllten Apostel den Vorhang entfernt^ welcher das schauerliche Gemälde seines Bittern Leidens und Sterbens verhüllte, läßt er am Schluffe zugleich den Triumph seiner Auferstehung auslenchten. So pflegen die Gläubigen bei dem Beginn der hl. Fastenzeit von ihren Oberhirten an das Opferleiden des menschgewordenen Gottes erinnert und aufgefordert zu werden, dankbaren und liebenden Herzens das große Bersöhnungsopfer auf Golgatha zu betrachten, aber auf dem düstern Hintergründe der Passion des Herrn sehe ich auch einen glänzenden Lichtstrahl aufleuchten, auf dem blutgetränkten Boden der Leidensstätten in ewigem Frühling eine Passionsblume von wunderbarer Schönheit erblühen: Hoffnung heißt diese, Golgathas Höhen entsproßte Blume, Hoffnung, die aus dem gläubigen Erfassen des Leidens Christi erwachsende Kraft, welche in allen Stürmen aufrecht hält und vor Verzagen und Sichselbstaufgaben bewahrt. Wie der Epheu sich um die starke Eiche schlingt und fest in dieselbe hinein- . wurzelt, so schlingt sich die Hoffnung um das Kreuz und wurzelt in bem Glauben an den unbesiegbaren Wcltüberwinder, den Gekreuzigten. Was ist in der That dem Herzen süßer als die Hoff- nnng, was ist mehr geeignet, uns arme Sterbliche ans dem Meere der Trübsale zurechtzusühren und zn trösten wie diejes Himmelsgeschenk.
O gewiß, Geliebte, wenn auch Euere Herzen in Mitleid zusammengepreßt nud in Reueschmerz vergehen möchten bei der Betrachtung des schuldlos geopferten Lammes, so werden sie doch auch wieder gestärkt und getröstet werden in der Erwägung, daß er uns, als wir noch Feinde waren, (Röm. 5, lO) Feinde Gottes nämlich durch unsere schweren Sünden, „mit Gott versöhnt hat" dnrch seinen Tod. Jesus Christus hat sich, wie der hl. Apostel Paulus im ersten Briefe an seinen bischöflichen Schüler Timotheus so tröstlich versichert (I. Tim. 2, (>), zum Löfegeld für Alle hingegeben. Darum haben wir nach den Worten desselben Apostels an die Judenchristen (Hcbr. 10, 19. 20) „zuversichtliche Hoffnung, in das Heiligthum (des Himmels) durch das Blut Christi einzugehcn, wohin er uns einen neuen und lebendigen Weg bereitet hat." Von dieser tröstlichen Frucht der Passionsbetrachtung, von der Tugend der christlichen Hoffnung, möchte ich heute an der Schwelle der hl. Fastenzeit zu Euch reden.
Was versteht man denn unter christlicher Hoffnung? Jst's die Erwartung von Erdenglück, von Erfolgen unserer Bestrebungen und Unternehmungen, von Genesung für die Kranken, von Unterstützung für die 9trmen, von einer Besserung unserer sittlichen Lage, die so tiefe Abgründe der Verkommenheit zeigt, daß unsere Zeitgenossen vielfach zu der entsetzlichen Anschauung
Sonnenried.
Roman von Marga Brechts n.
(82. Fortsetzung.)
„Ich danke Dir," sagte Felicitas herzlich. „Ich fürchtete mich, es Dir zu sagen, weil ich mich scheute, einen Schatten auf sein Andenken fallen zu lassen. Darum sollte seine Hand zuerst zu Dir sprechen durch dieses für Dich mitgebrachle Dokument. Lies es in deiner Kajüte; es ist an uns Beide adressirt, aber ich wünschte, daß Du die Siegel brechen und es zunächst allein lesen solltest. Was es auch immer enthalte, beurtheile ihn milde und sei überzeugt, daß die Sühne in keinem Verhältnisse stand zur Schuld."
In diesem Augenblicke schwebte wohl ein Engel über Beiden; der Geist des Abgeschiedenen sah, daß sie einander werth waren und segnete sie. Vielleicht sühlten sie es. Als Jhno sich erhob, war es, als ob er noch eine Frage an sie richten wollte. Felicitas erröthete tief und flüsterte: „Nicht jetzt, diese erste Stunde gehört dem geliebten Todten; — laß uns warten! Gottes Fügungen sind wunderbar."
„Ja, es sei, denn Er, der uns zusammengeführt hat, schenkt uns wohl auch den morgigen Tag, antwortete Jhno und verließ sie mit einem langen, innigen Blick.
kommen, als biete die Zukunft nur Schatten ohne einen Strahl von Licht und Freude und als komme nirgend wahre Erlösung als durch die Rückkehr zum Nichts? 'Nein, Geliebte, von irdischer Hoffnung rede ich zunächst nicht: meine oberhirtliche Pflicht gebietet es vielmehr, Euere Blicke von der Erde emporzuheben und hinzulenken auf die Mahnung unseres Erlösers: „Suchet vor Allem das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, so wird Euch alles Andere (das Irdische nämlich) zugegeben werden." (Matth. 6. 33.)
Die christliche Hoffnung, die ich in Euch beleben und kräftigen will, ist nach der Lehre des Katechismus eine von Gott verliehene Tugend, durch welche wir mit festem Vertrauen Alles erwarten, was uns Gott um der Verdienste Jesu Christi willen verheißen hat. ......
Gott selbst hat uns diese herrliche Tugend der christlichen Hoffnung verliehen. Sie ist nicht eine sittliche Tugend, die wir durch unsere beharrliche Hebung uns erwerben können. Nein, sie kommt unmittelbar von Gott her, der sie uns als Wiegengeschenk am Tage unserer Taufe zugleich mit der heiligmachenden Gnade gespendet; sie ist eine kostbare Gottesgabe, durch welche unsere Seele zu übernatürlichen, des Himmels würdigen Handlungen fähig und geneigt gemacht wird. Als das Taufwasser' über unser Haupt floß, ist sie ohne unser Verdienst in unser Herz eingegossen worden, mit einem Worte, sie ist eine der drei göttlichen Tugenden. Seht wie erhaben ihr Ursprung ist, der unmittelbar auf Gott zurückgesührt werden muß.
Nicht minder erhaben ist der Gegenstand unserer Hoffnung. Wie Gott ihr Ursprung ist, so ist er auch ihr Gegenstand; seine Anschauung, sein ewiger Besitz in der Glückseligkeit des Himmels ist Gegenstand unserer christlichen Hoffnung, wie das der „englische Lehrer", der hl. Thomas von 9lquin, so schön ausdcückt: „Es ist nichts Geringeres von Gott zu hoffen, als er selbst ist, da ja seine Güte, vermöge welcher er dem Geschöpfe Gutes mittheilt, nicht geringer ist als sein Wesen; und darum ist der eigentliche und hauptsächliche Gegenstand der Hoffnung die ewige Seligkeit." Darm besteht ja das „Reich Gottes", welches uns der Heiland vor allem Andern zu suchen befiehlt, und welches wir eben darum auch vornehmlich erhoffen müssen, daß, indem wir „Gott von Angesicht sehen" (I. Cor. 13, 17) und mit ihm in der innigsten vollkommensten-Liebe vereinigt sind, wir auch alles und jedes Gute, ewige unermeßliche Freude und Herrlichkeit in der unzertrennlichen Gemeinschaft mit allen Engeln und Heiligen genießen. Der Himmel, „das Reich, welches uns bereitet ist seit Grundlegung der Welt" (Matth. 25, 34), ist das Erste, was uns Gott um der Verdierifte Christi willen verheißen hat, der Himmel, das Höchste, was uns Christus durch sein Leiden und Sterben erworben hat.
Ein weiterer Gegenstand unserer Hoffnung ist alles, was uns zur ewigen Seligkeit nothwendig oder nützlich ist; — denn das alles ist Mittel zur Erreichung jenes ersten Zweckes, und es ist das Werk eines und desselben Tugendaktes, das Ziel und die zur Erreichung dieses Zieles dienenden Mittel zu wollen. Diese Mittel aber sind die wirklichen Gnaden, durch welche Gott unfern Verstand erleuchtet und unfern Willen bewegt und stärkt, um die Wahrheit zu erkennen, die Tugenden zu üben, die böse Begierlichkeit, „das Gesetz" der Sinnlichkeit „in den Gliedern" (Röm. 7, 28) zu überwinden und die Sünde zu meiden. Ja, wir dürfen sogar als weiteren Gegenstand unserer Hoffnung auch zeitliche Güter von Gott erwarten, insofern sie uns zur Erlangung der ewigen Seligkeit dienlich oder doch nicht hinderlich sind. Nun saget mir, geliebte Diözesanen, umfaßt die christliche Hoffnung nicht alles, was man nur wünschen und verlangen kann, wenn man sich bewußt ist, das Ebenbild Gottes in seiner Seele zu tragen? Ja, es ist endlich alles, was wir von Gott erbitten, Gegenstand unserer Hoffnung, denn das Gebet erwächst ja aus der Hoffnung.
Welches ist aber der Grund unserer Hoffnung ? Die Treue
Auf dem Deck des „Graham" war es still geworden. Die Nachtwache hatte bereits ihren Posten angetreten, und noch immer saß Jhno von Freidorf an einem Ecktische des großen Salons und las in den für ihn bestimmten Papieren. Auf dem inneren Umschlag standen die Worte:
„Meinem Adoptivsohne Jhno Skandenberg von Freidorf, geboren auf Sonnenried in Ostfriesland, nach meinem Tode zu übergeben."
Skandenberg und Sonnenried! Das waren die Namen, welche in Hans Sturen's Erzählung vorgekommen waren und welche dieser mit echt friesischer -Zähigkeit so oft wiederholt hatte. Dann folgte fein Taufschein, mehrere Angaben, welche auf seine wirklichen Eltern Bezug hatten, und zuletzt das Bekennt- niß seines Pflegevaters. Mit tiefer Bewegung folgte der einsam Lesende den Zeilen, welche die Hand des Todten für ihn niedergeschrieben halte. Es war ein kurzer Lebensabriß, die Angabe, daß Felicitas Eltmann seine erste und einzige Gattin gewesen, und eine ausführlichere Mittheilung über die Vorgänge auf Sonnenried. Diese stimmte int Wesentlichen mit dem schon Gehörten überein, namentlich mit Maren Kil- dcrs genauerem Bericht. Auch von der Amme war die Rede, ferner von dem unverbrüchlichen Schweigen
Gottes und die Verdienste unseres Erlösers. Gott, der getreu ist, „der Bund und Gnsde hält denen, die ihn lieben (5 Mos. 7, 10), ist auch ein starker, allmächtiger Gott, zugleich gütig, so daß er, wenn auch ein Weib ihres eigenen Kindes vergessen konnte, doch Deiner nicht vergessen will (Js 49, 15) und seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben". (1. Joh. 4, 9) Dieser getreue, allmächtige Gott verbindet in der unendlichen Vollkommenheit seines Wesens mit seiner Güte unergründliche Barmherzigkeit, die „nicht den Tod des Sünders will, sondern daß der Gottlose sich bekehre von seinem Wege und lebe". (Ezech. 33, 11), und geduldig harrende Langmuth, die Zeit zur Buße läßt und „nachsichtig gegen die Sünden der Menschen ist um der Buße willen (Weish. 11, 24). O, so laßt uns denn mit unerschütterlichem Vertrauen auf den in seiner Liebe gütigen und in seiner Barmherzigkeit langmüthigen, auf den allmächtigen und getreuen Gott hoffen!
Das ist wahrlich eine wohlbegründete Hoffnung, welche die Güte und Barmherzigkeit zugleich mit der Allmacht und Treue Gottes zu Stützen hat, eine Hoffnung, die auch dem größten Sünder Vertrauen einflößt. Für Gottes Barmherzigkeit und Treue ist fürwahr keine Sünde zu groß. O wie erleichtert akhmet auch das gedrückteste Sünderherz auf, wenn es der Verheißung des getreuen Gottes gedenkt: „Wenn der Gottlose Buße thut über'alle seine Sünden und alle meine Gebote hält, der soll leben, ja leben und nicht sterben". (Ez. 18, 21.) Warum aber dürfen wir so Großes, die Verzeihung aller, auch der schwersten Sünden, die Gnade Gottes zur Vollbringung übernatürlich guter Werke und das ewige Leben hoffen? Weil uns das, was uns Gott verheißen, Christus durch sein Leben, Leiden und Sterben verdient hat. Er, der seiner menschlichen Natur nach gelitten, hat doch in seinem Leiden und Sterben eine Genugthuung von unendlichem Werthe für unsere Sünden geleistet, weil eben eine göttliche Person, nämlich die zweite Person der Gottheit in menschlichem Fleische sie leistete. Unendlich groß wie der Werth ist auch das Verdienst dieser Genugthuung. Dieses Verdienst ist auf der einen Seite unsere Erlösung von der Erbsünde und von allen anderen Sünden, unsere Befreiung von der Knechtschaft des Satans, der uns durch die Sünde überwältigt hatte, und unsere Errettung von der einigen Verdammniß, welche wir durch die Sünde verdient hatten, und anderseits unsere Versöhnung mit Gott, die Wiedereröffnung des für die gefallenen Menschen verschlossenen Himmels und die Erwerbung der reichsten Gnaden, durch deren Benutzung wir heilig und selig werden können. Gott hat uns eben, wie uns der hl. Geist versichert, nicht zum Zorne (d. h. zur Verdammung) bestimmt, sondern zur Erlangung der Seligkeit durch unfern Herrn Jefum Christum, der für uns gestorben ist. (I. Theff. 5, 9, 11.)
(Fortsetzung folgt.)
Deutsches Keich.
Berlin, 9. Februar.
* Der Kaiser empfing heute den neuernannte» Chef des Großen Generalstabes der Armee, Grafen Schlieffen, der sich in dieser feiner neuen Eigenschaft meldete.
* Der deutsche Reichskommissar für Ostafrika, Major v. Wißrnanu, foll nach sansibaritischen Meldungen aus englischer Quelle in Kämpfe gegen Neger bei Masindi in der Nähe des Kilimandscharo verwickelt sein.
* Der »Rücktritt des Ministers Maybach scheint nunmehr wirklich bevorzustehen, nachdem derselbe wiederholt ohne thatsächlichen Hintergrund angekündigt worden ist. Hr. Maybach hat seit langem die Gunst ein- und der treuen Anhänglichkeit der verwandten Familie Werner.
„Du siehst in Lieutenant Viktor, jetzt Pfarrer Werner, und seinem Bruder Reinhard Deine beiden Oheime, in ihrer Schwester Adelheid Deine Tante", so lautete eine Stelle des Schriftstückes. „Die Ursache, warum ich Dir die wahre Sachlage verschwieg, war in der Furcht begründet, Du möchtest in mir stets den Mörder Deines Vaters erblicken. Ich hätte Dich nicht ansehen können, ohne aus Deinen kindlichen Augen die stete Anklage herauslesen zu müssen; denn Du mit der ruhigen, besonnenen Art Deines Stammes konntest das rasche feurige Temperament der Freidorf's nicht verstehen. Dein Vater, Jhno Skandenberg, edel, schlicht und offen von Gemüth, war mein Jugendfreund. Ich raubte ihn Dir, durch eine einzige, leichtsinnige Bewegung meiner Hand; — unzählige Stunden der Reue, ein langes, vergälltes Leben, dessen letzte Jahre einer einzigen Leidensnacht glichen — sind die Sühne dafür gewesen. Urtheile selbst, ob sie für eine so große Schuld genügte, und wenn Dein Herz mir zu vergeben im Stande ist, so stelle neben das Bild des schönen blonden Friesen — er trug Deine Züge! auch das des Mannes, der Dir Vater zu sein versuchte, so gut er es zu sein vermochte! Ich habe die Liebe zu dem theuren Freunde auf dich übertragen, aber mein