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18. Iah-yang

Dienstag, den 10. Februar 1891.

F 32

W» MnÜh »«ailt»örtlich: Ludwig Deibel in Fulda.

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Sie hörte ihn, verstand auch, aber es ging lang­sam bis sie Alles begriff. Dann tastete sie nach seinem Arme, und einen Augenblick schien es, als ob sie an seine Brust sinken wolle. Aber so groß war rhr weib­liches Zartgefühl, so stark die durch den jahrelangen Kampf gewonnene Selbstbeherrschung, daß auch der Augenblick der höchsten Freude sie die eigene Wurde wiederfinden ließ. Ihm ihre Hände entziehend, verbarg sie die überströmenden Augen. Er ließ sie ruhig ge­währen, wartete, bis sich ihr Schluchzen gelegt, und sagte dann, auf eine der schwarzen Schleifen an ihrem Kleide^deutend , ^ll hat es mir gesagt nur einem sehr traurigen Ereignisse verdanke ich die Freude, Dich wiederzusehen. Sage, überbringst Du mir einen Stufe, irgend ein freundliches Wort zum Zeichen, daß er an' den fernen Sohn dachte?"

Diese Frage gab ihr die äußere Ruhe zuruck. Sich aaiu den blinden, liebevollen Greis vergegenwärtigend, schilderte sie ihm seine letzten Lebensjahre, sprach von dem raschen Ende und erzählte, wie sein letzter Ge­danke ausschließlich ihm, dem Sohne, gegolten hatte. Nur die wenigen bedeutungsvollen Ausrufe, die darauf­folgenden Enthüllungen theilte sie nicht gleich mit, sondern sagte: „Morgen, wenn der ersten Trauer ihr Recht ge chehen, glaube ich nochEtwas hmzufügen zu müssen, was Dich allein betrifft." Sie redete lange,

und er hörte ihr bewegt zu, bis er zuletzt seinerseits von den Unfällen erzählte, welche fein Schiff ver­schlagen hatten. Als er an das letzte Unglück kam und ihr die Leiden der vergangenen Nacht vorfuhrte, da weinte sie schmerzlich und war fast außer Stande, ihm ihre wahre Empfindung zu verbergen, sie hatte rufen mögen: Ich habe für Dich gebetet, ich war ja bei Dir im Geiste, wie in jeder Sturmnacht, — aber sie that es nicht, im Andenken an ihren verstorbenen Gatten, von dessen Tode sie noch eben geredet. Man sah es deutlich es schwebte ein Wort auf Beider Lippen, das sie nicht auszusprechen wagten. Sie waren allein, ihre Herzen schlugen einander entgegen und dennoch hielt ein Jedes an sich. Nach einer Weile sagte Jhno:

„Ich glaube jetzt selbst, daß des Vaters ganze Liebe auf Dir und mir geruht hat, und diefe Gewlfe- heit thut mir unendlich wohl. Nun stehen wir Beide allein, o daß ich Dich schützen könnte mit einem größe­ren Rechte als mir zusteht! Denke nichts Schlimmes von mir — dieser Wunsch drängt sich mir auf, wenn ich an Deine vereinsamte, schutzlose Lage denke , denn wie um des Himmels willen kommst Du auf ein nach Amerika gehendes Schiff?" .

Alle Nachforschungen der Behörden blieben frucht­los, "da war ich gezwungen, das meinem Gatten g^ gebens Versprechen zu erfüllen, nämlich mich felbft nach

* Die Budgetkommission des Reichstags hat heut die Berathunq des Militäretats beendet. Abgelehnt wurden noch die für dieArtillerie-Prüfungskommisilon in Berlin geforderten 500,000 Mk., sowie 147000 Mark als Baurate sür eine Fachwerks-Jnfanterie- Kaserne in Metz, im Extraordinarium wurden 300000 Mark als erste Rate für eine Artillerie-Kaserne m Stettin gestrichen, doch 6000 M. zur Herstellung des Bauplans bewilligt. Zur Beschaffung für artilleri­stische Zwecke u. s. w. wurden statt der geforderten 10 Millionen nur 9 Millionen und statt der mr die Kavalleriekaserne in Saarburg geforderten 1 Million nur 9OO,OOO Mark bewilligt. Alle übrigen Forderungen des Extraordinarium blieben unbeanstandet.

* Die Wahlpriisungskommission des Reichstags be­schloß, dem Reichstage vorzuschlagen, die Wahlen der Abgeordneten Grumdt (Rg.) (8 sachsen) und Moller (ntl.) (6. Arnsbrrg) zu beanstanden.

* Auf der Kölner Gürzenich-Versammlung, welche der Volksverein für das katholische Deutschland am 15 d veranstaltet, werden von auswärts die Herren Dr. Siben (Deidesheim) und Prof. P. Weiß (Frei­burg-Schweiz) als Redner auftreten. „Wir begrüßen es mit besonderer Genugthuung, schreibt die ,Koln. Volksztg/ daß zwei Bayern (auch der berühmte Do­minikaner ist aus Bayern gebürtig) der Einladung ihrer rheinischen Freunde gefolgt sind: das ist die ein­fachste Antwort auf die feltsamen Befürchtungen, welche ein kleiner Theil der bayerischen Presse an die Grün­dung des Vereins geknüpft hat.

* Würtingen, 6. Fedr. Der anwemiMche Abge- 'ordnete Liebermann' von Sonnenberg hielt am Scmis- tag hier vor einer Zuhörerschaar von mindestens 1000 Personen eine zweite Versammlung, m welcher er wieder über das Thema „Was wollen die Antisemiten. redete. Er äußerte sich bei dieser Gelegenheit auch über die Petition gegen das Jesnitengesetz und über die Angriffe, die seiner Erklärung in Leipzig wegen auf ihn gemacht worden waren, 4.rotz den gegen ihn erhobenen Vorwürfen, obwohl man ihm in anonymen und offenen Schreiben Verrath an der evangelischen Kirche vorgeworfen habe, stche er jetzt noch auf dem Boden seiner damaligen Rede. (sr habe sich in fünfzehnjährigem Studium über die ^esuiten- frage überzeugt, daß die Vorwürfe, die man der Ge­sellschaft Jesu mache, nicht wahr seien, daß das protestantische Volk nichts von den Jesuiten zu befürchten habe, und daß es eine Beleidigung jedes protestantischen Geistlichen, ja jedes protestantischeu Mannes sei) wenn von protestantischer Seite aus der Versuch gemacht würde, gegen die Beseitigung dieses Restes des Kulturkampfes, den wir Alle schwer genug empfunden, zu agitiren. Es war nicht so leicht, diese

Sonnenried.

Roman von Marga Brechten.

(81. Fortsetzung.)

Das Meer rauscht weiter, aber dann setzen die Wogen eine Sekunde lang aus, und diese Pause trägt den Schrei fort. Die Kajütenthür öffnet sich — der Mann, der herein will, muß sich tief bücken. Sie sieht ihn nicht, aber sie fühlt, daß eine sanfte Hand ihr die eigenen Hände vom Gesichte ziehen will.

„Hanna" — sagte sie fast unwillig.

„Es ist nicht Hanna, sondern der, den Du eben gerufen hast." . .

Ein kurzer, angstvoller Laut, ein Starren in sein Gesicht — dann sinkt sie zurück, tödttich erbleichend. Jhno fühlt, daß er zu schnell, zu unvorbereitet für ihre schwache Kraft gekommen. Mit einer jähen Bewegung fetzte er sich auf das Ende des Ruhebettes nieder, nimmt ihre kalten Finger in seine Hand und sagt so leise begütigend, wie eine Mutter zu ihrem geängstigten ^^Erschrick nicht vor mir, ich bin keine Vision, sondern eben jener Schiffbrüchige, den man bet Tages­anbruch gerettet hat — es war mein Fahrzeug die „Meeresbraut", — welche zu Grunde gmg. Hast Du mich verstanden ? Liebe Felicitas, Jhno, Deines Gatten Sohn, spricht zu Dir!"

Deutsches Reich.

■Hirtin, 7. Februar".

* Der Kaiser hat, wie die , Kreuz-Zig ' versichert, den Oberquarliermeister, Generallieurenanl Grasen Al­fred Schlieffen zum Chef dcö tzstneralstadcS der Armee zu ernennen geruht.

* Die Begebung der neuen deutschen Reichsanleihe und preußischen Konsuls, insgesammt im Betrage von 400 Millionen, zu einem Eröffnungskours von etwa 85 pCt. soll unmittelbar bevorftehen.

* Abg. Hitze tritt in einem an den Landtags­abgeordneten v. Eynatten gerichteten schreiben der von sozialdeinokrati cher Seite verbreiteten Verleumdung, als trage die Cent rums patt ei, insbesondere Herr Hitze, die Schuld an dem Zustandekommeii des AlterS- und Jilvaliditats-Versichernngsgesetzes, entgegen Das Schreiben lautet: Sehr geehrter Herr Baron. Wie ich brieflichen Mittheilnugeii entnehme, herrjchen viel­fach unrichtige Auffassungn bezüglich der Stellung, welche die Ceiitriunsfraktion zu dem Invaliditats- und Altersversicherungsgesetz von 1887 eingenommen hat und einnahm. Vielleicht nehmen sie Gelegenheit, die Sache klar zu stellen. Erinnern Sie gütigst daran, daß vier Fünftel, also saft die ganze Centrum»- fraktion, darunter sämmtliche rheinische Centrums­abgeordnete, gegen das Gesetz gestimmt haben,Paß speziell von der Centrumssraltion in zweiter Lesung im Plenum noch der Versuch gemacht wurde, wenig­stens die landmirthschastltchen Arbeit er, v i e Dienstboten und die Lehrlinge und Ge­sellen des Handwerkerstandes votz-der Ver­sicherungspflicht auszunehmen, bafe J enbli-! die Centrumsfraktion eine Reihe von Anträge n für eine andere Gestaltung des Gesetzes gestellt hat, die sammt- lich abgelehnt wurden, so daß man uns also ge­wiß nicht für das Gesetz verantwortlich machen kann. Wenn ich nun trotzdem, daß das Gesetz meine Zu­stimmung nicht gefunden hat, eine Zusammenstellung der Hauptbenimmungen in dem Büchlein „Was jeder­mann bezüglich der Jnvaliditats- und Altersversiche­rung wissen muß" gegeben habe - trotz vieler sonstiger Arbeit — so hat mich nur die Rücksicht auf unsere kleinen Arbeitgeber u 'd Arbeiter , die sich jetzt nach Annahme des Gesetzes nun doch mit demselben be­kannt machen müssen, dazu bestimmt. Mein Zweck war, diesen eine billige zuverlässige, klare Anweisung zu geben, was sie zu thun haben, speziell auch, wie sie sich die Vergünstigungen der lieber gangs- bestimmungen (welche Verbesserung wiederum wesentlich der Centrumsfraktiou zu danken ist) möglichst sichern könnten. Ich glaubte damit den Be- theiligten nachdem das G.setz einmal angenommen

”roar und sich nichts mehr an dieser Thatsache ändern I läßt, einen guten Dienst zu leisten."

* Der Reichstag beriet!) in 1. Lesung die Novelle j zum Branntweinsteuergesetz. Staatssekretär Frhr. ; von Maltzahn bemerkte in seiner Begründung der Vorlage, daß die vieljach angegriffene Zollbestimmung, durch welche der Eingangszoll auf Rum, Cognac und Arrac heraufgesetzt wird, lediglich durch zolltechmsche Schmierigkeiten veranlaßt sei. Abg. H u g (Ctr.) kündigte einen Antrag an, wonach eine in landwirthschastlichen Brennereien als Haustrunk aus Wem uud Obstruck­ständen mit einfachen Brennvorrichtungen hergestellte Jahresmenge von 10 Liter reinen Alkohols steuerfrei sein soll. Der badischeVuudesbevollmüchtigte v. Scherer tagte Unterstützung dieses Antrages tm Bundesrathe ui Abg. Zorn v. Bulach trat im Interesse Elsaß- Lothringens für den angekündigten Antrag warm ein. Abg. Holtz (Rp.) begrüßte, Paß die Vorlage das Branntweinsteuergesetz, in das-stich die landwrrihschaft- liche Brennerei kaum eingelebt, nicht schon wieder grundsätzlich ändere, und sprach sich gegen die Zollbe­stimmung aus. Abgg. Dr. Barth (jy.) und Wurm (Soz.) verlangten eine grundsätzliche Aenderung des Branntweinsteuergesetzes, welches nur einer kleinen Anzahl wohlsituiner Großbrenner Privilegien auf Kosten der Allgemeinheit verschaffe. Abg. Dr. Buhl (ntl) befürwortete eine Anzahl von Erleichterungen in der Ausführung des Ge'etzes. Dr. Windthorft kon- statirte, daß das Branntweinsteuergesetz durch finanzielle Rücksichten veranlaßt wurde und daß dabei vermieden werden mußte, wichtige Erwerbszweige zu zerstöreru Abg. Menzer (kons.) trat für die Vorlage ein, ebenso Dr. Höffel (Rp.), der zugleich für Freilafiung des Haustrunks playdirte. Nachdem noch Abg. Dr Bromel gegen das Branntweinsteuergesetz überhaupt gesprochen, wurde die Vorlage einer 21er Kommiss i o n zur Vorberathung überwiesen. — Montag: Wahlprüfungen.

* Das Abgeordnetenhaus setzte heute die zweite Lesung des Etats fort. Der Etat der Gestutsver- waltunq und der landwirthschastlichen Verwaltung wurde bewilligt, ohne daß es zu wichtigeren, Debatten kam. Es wurden nur in üblicher Weye allerlei Wünsche und Anfragen bei zahlreichen Positionen vorgebracht Das Abgeordnetenhaus erledigte weiter­hin, wie die ,Germania' kurz berichtet, das Extra­ordinarium der Forstverwaltung und der Domänen­verwaltung, den Etat der Zentralverwaltung der Domänen und Forsten, die Rente des Kronfidelkommife- fonds, den Etat der Lotterieverwaltung und den des Seehandlungsinstituts. Zu bemerkenswerlheren Debatten kam es dabei nirgends. Tie "öchste Sitzung mürbe auf Dienstag anberaumt. (Wildschabengesetz und ; Anträge). __