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Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (St. Dillmann).

Samstag, den 7. Februar 1891.

Zur Jesuitenfrage.

* Eine seltene Erscheinung, die aber gerade um so freudiger begrüßt werden soll, je seltener sie leider bei uns geworden, ist ein Protestant, Der nicht nur offen über Katholisches gerecht zu urtheilen sich be­strebt, sondern auch wieder einmal au die Pflicht und Nothwendigkeit des Zusammenhaltens und des gemeinsamen Kampfes aller positiven Christen gegenüber den destruktiven Elementen aller Art erinnert und dazu mahnt. Solche Protestanten sind Herr Geheimer Regierungsrath a. D. Humbert in Berlin (früher in Oppeln) und Herr v. Ger lach, der bekannte konservative Landtagsabgeordnete. Ersterer ließ der katholischen .Schlesischen Volkszeitung' unlängst einen Artikel, „zur Jesuitenfrage", zugehen, dessen Abdruck die ,Kreuzzeitung' ohne Angabe von Gründen abgelehnt hatte. Derselbe lautet:

„Ne quid nimis!

Von ganz unparteiischem Standpunkt betrachtet, gibt doch die übrigens sehr wohlgemeinte Petition gegen die Aufhebung des Jesuitengesetzes, vom 12. v. Mts. v. I. (vergl. Kreuzztg. Nr. 3) und deren Motivirung, zu einigen Bedenken Veranlassung.

Der berühmte Geschichtsforscher Robertson, pres­byterianischer Prediger und Erzfeind der römischen Kirche, schreibt irgendwo: „Kein Orden hat sich so sehr durch die Sittenreinheit seiner Mitglieder ausge­zeichnet, als der Jesuiten-Orden." Es war aber dies der tiefere Grund des Hasfes, den von jeher der Welt- finn auf ihn warf, ihn bei jeder Gelegenheit zum Sündenbock stempelnd. Konnte man doch z. B. noch im Jahre 1831 in Berlin in den Schaufenstern der Buchläden eine Brochüre hängen sehen, betitelt: „Akten­mäßiger Nachweis, daß die Cholera von den Jesuiten nach Europa geschleppt worden und dort für ihre Zwecke von ihnen dirigirt wird." Solcher Unsinn wurde im damaligen aufgeklärten, meist noch rationalistischen Berlin bona fidc geglaubt, weil auch schon damals die Dummen nicht alle wurden. Es war dies noch ein Nachhall jenes berüchtigten, von Göthe in der Faust'- schen Walpurgisnacht so trefflich persiflirten Nieolai'- schen Systems der Jesuiten-Riecherei.

Die Petition nun wird wesentlich dadurch motivirt, daß der Orden die Bekämpfung und Vernichtung der evangelischen Kirche sich zur Hauptaufgabe gemacht habe. Wenn das richtig ist, dann hat der Orden nicht mehr Anspruch auf Duldung, als die Sozialdemokratie, deren Hauptaufgabe in der Vernichtung alles Religiösen besteht, während der Orden nur die evangelische Kirche bekämpft. Die bekannte frühere Gegenreformation war aber am Ende doch nur eine natürliche Reaktion, in­dem ja jede Macht darauf ausgeht, verlorenes Terrain wieder zu gewinnen. Intolerant ist übrigens ihrer Natur nach jede Kirche, weil jede sich vorzugsweise für die wahre hält und darum unmöglich gegen die vermeintlichen Jrrthümer der Gegnerinnen tolerant sein kann. Sie würde ja dann einen Selbstmord be­gehen. Auch die evangelische Kirche will (von ihrem Standpunkt mit Recht) Rom brach legen, und ebenso (von seinem Standpunkt mit Recht) bekämpft Rom, auch vermittelst der Jesuiten, die evangelische Kirche. Warum macht man jenen dasjenige zum Vorwurf, was man selber thut?

Wer nun das vorhin Gesagte nicht anerkennt, der dürfte doch wenigstens das allgemeine Gute nicht ver­kennen, was der Orden gewirkt hat. Ein Jesuit, Graf

Sonnenried.

Roman von Marga Brechten.

(79. Fortsetzung.)

„Ah, qu’il est beau!“ rief eine ältere Französin und präsentirte ihrem vis-ä-vis eine kleine Schüssel; es blieb ungewiß, ob sie das saftig gebratene Hühnchen auf der angeführten Platte mit diesem Aufruf meinte, oder den jungen Kapitän, gegen welchen sie graziös lächelnd ihr Glas erhob.

„0 mother dear, did you ever see such a man?“

Sie war sehr schön, die kleine Engländerin, welche diese enthusiastische ,Frage that, leise wie sie glaubte, aber auf dem Schiffe, gegen das die nimmer ruhenden Wogen stark rauschend anschlugen, hatte man sich eine lautere Sprache angewöhnt. Jhno hörte es, er fühlte sich belästigt und senkte sein ernstes, bleiches Gesicht. Er aß nur wenig und wünschte noch weniger sprechen zu müssen, aber dies stand nicht gleich Dem ersten Punkte in seiner Macht. Und so verschiedenartig, wie die Persönlichkeiten der Mitspeisenden, so. unähnlich waren sich auch die Gegenstände, über welche in liebens­würdigster Weise Auskunft von ihm begehrt wurde. Da waren Großhändler, welche sich nach den mitge­führten Maaren erkundigten und dann unter einander den Zustand besprachen, in welchem sich die Kollis jetzt vermuthlich befänden. Ein Gelehrter ver-

Spee, war es, der, einer der ersten, den Muth hatte, die Hexenprozesse zu bekämpfen, für welche noch recht gelehrte Nichtjesuiten schwärmten. Der Name Paraguai erinnert an das eminente organisatorische Missions­talent des Ordens. Für die Sittlichkeit der Jugend sorgte er in seinen Schulen, wenn auch vielleicht in der Kastrirung der alten Klassiker zu weit gehend. Viele treffliche Prediger erzeugte er, und es waren z. B. die Predigten des Jesuiten Bourdaloue die beste Widerlegung aller gegen den Orden erhobenen Be- ^chulDigungen. Ein ehrendes Denkmal setzte dem Orden der liebenswürdige Dichter Gresset in seinem pietät­vollen Gedicht: Mes adieux aux Jesuites. Sittliche Mächte waren es daher nimmer (man denke an die Pombals, Pompadours u. a.), welche den Papst Clemens XIV. zur Aufhebung des Ordens drängten. Seine jesuitische Vergiftung ist längst als Fabel er­wiesen, gleich dem das Mittel heiligenden Zweck, dem Königsmord rc. Eine furchtbare Beschuldigung gegen den Orden erhob Ranke in der ersten Auflage seiner Papstgeschichte, nahm sie aber, nach genauer Prüfung in der zweiten Auflage zurück. Gewiß haben manche einzelne Jesuiten menschlich gefehlt, aber kann man denn überhaupt die Fehlgriffe einzelner ihren Gemein­schaften zur Last legen? Hat nicht der Orden selbst die gefährlichen Aussprüche einzelner Genossen verworfen, welche Pascal in seinen lettres provinciales dem Orden aufbürdete, meist aus Unmuth, weil das janseni­stische port royal den Jesuiten nicht genehm war. Ver­gesse man endlich nicht, wie günstig der Große Friedrich und andere Potentaten über den Orden urtheilten, und in wie vorurtheilsfreier Weise Kaiser Wilhelm I. seiner Zeit dm in Bonn studirenden Kronprinzen zur An­hörung jesuitischer Missionspredigten veranlaßte.

Ich kann schließlich nicht umhin, zweier edelster und bedeutendster Jesuitenschüler meiner Bekanntschaft zu gedenken. Der erste ist der im Jahre 1846 Heim­gegangene Staatsrath Schmedding, ein Universalgenie ersten Ranges, seiner Zeit Bearbeiter der katholischen Angelegenheiten int Kultusministerium und erstes Mit­glied der Ober-Examinationskommission für Verwal­tungsbeamte. Der zweite ist ein verewigter Schulfreund, der einstige Bundestagsgesaudte von Savigny, dessen Vater, der berühmte Rechtsgelehrte und gläubige evan­gelische Christ, seinen Sohn dew.Jc7m^n in Rom npd Neapel zur Erziehung anvertraute, (wahrlich nicht bloß seiner katholischen Gattin, geb. Brentano, zu Gefallen.

Nach diesen kurzen Andeutungen, die ich noch be­deutend vervielfältigen könnte, scheint es mir doch, als wenn die Petition der evangelischen Kirche ein ge­wisses testimonium paupertatis ausgestellt hätte, wenn sie von der Mobilmachung einer Handvoll Jesuiten wesentliche Gefahren für die Kirche befürchtet.

Sollte das alte Wortspiel: „8i cum Jesuitis non cum Jesu itis“ auf Wahrheit beruhen, sollten also die Jesuiten hiernach des Herrn beraubt sein, so würde jede Furcht sogar lächerlich erscheinen.

Die Petition gegen die Aufhebung des Gesetzes und auf Anlaß derselben der etwaige Beschluß seiner Fort­dauer dürste dem konfessionellen Frieden viel weniger dienen, als die etwaige Aufhebung des Gesetzes.

Humbert, Geh. Regierungsrath a. D., keinem Menschen, nur der Wahrheit und der Gerechtigkeit dienstbar.

Der andere der beiden oben genannten Protestanten, Herr v. Gerl ach schreibt im konservativen .Volk' breitete sich über die Winde und Meeresströmungen und wollte genau die Stelle beschrieben haben, an der das Fahrzeug den Stoß erlitten. Ehe noch der Ge­fragte antworten konnte, wandte sich eine lebhafte, etwas hysterisch aussehende Frau an ihn. Sie wünschte sehnlichst, zu erfahren, was er gefühlt, als er sich so allein auf der weiten, ungeheuren Wasserwüste befunden hatte.

„Ich bedauere, Ihnen nichts Näheres darüber mit­theilen zu können, meine Gnädige," lautete die verbind­liche Antwort. „Kälte und Erschöpfung versetzten mich , allmälig in einen Zustand von halber Bewußtlosigkeit; — meine anfänglichen Empfindungen werden wohl denen eines jeden Menschen gleich gewesen sein, welcher sich in einer ähnlichen Lage befand."

„Ja, erschöpft, das war das richtige Wort, und er war es noch, ermüdet dazu von der allzu großen Be­rücksichtigung, welche man ihm zu Theil werden ließ. Mit einer unwillkürlichen Bewegung wandte er sich ei ter anderen Gruppe zu, deren Mitglieder ihn noch nicht zum nochmaligen Durchleben jener entsetzlichen Stunden genöthigt hatten. Das Haupt derselben bil­dete ein sehr nobel aussehender alter Herr, dessen milde Züge gar wohl zu dem weißen Haar und Bart paß­ten. Er neigte sich lächelnd zu einem jungen, sehr lieblich aussehenden Mädchen an seiner Seite und fragte:

„Was willst Du denn, mein Manschen?" Gerade

unter der Ueberschrift „Die Aufhebung des Jesniten- Gesetzes, eine Forderung der Gerechtigkeit" wörtlich folgendes:

„Mit gewaltiger Erbitterung wird der Kampf um die Aufhebung des Jefuitengesetzes von evangelischer wie katholischer Seite geführt. Fast scheint mir aller­dings, als ob die Protestanten größeren Eifer für die Erhaltung als die Katholiken für die Aufhebung des Gesetzes entwickelten. Zwar haben letztere einige Volks­versammlungen dieserhalb abgehalten. Aber jene sind doch ganz anders bei der Arbeit. Alle Kräfte des „Evangelischen Bundes" sind in Bewegung ge­setzt. Entweder mit offener Flagge oder auch nicht— wie letzteres leider in der Rheinpfalz festgestellt wurde — agitirt derselbe gegen die.Zulassung des katholischen Ordens. Täglich hört man von neuen „Protest"-Ber- sammlnngen und „Massen"-Petitioneu. In der Hitze des Gefechts geht ein Geistlicher so weit, wie un­widersprochen aus Bayern gemeldet wurde, die Je­suiten mit Rebläusen und anderem Ungeziefer zu vergleichen.

Ich meine zunächst, man regt sich unnütz auf, die ,Kreuz-Zeitung' hat auf Grund amtlicher Quellen uach- getoiefen, daß nach Aushebung des Gesetzes von 1872 höchstens zwei Dutzend Jesuiten aus dem Aus­land zu uns zurückkehren könnten.

Sollten diese zwei Dutzend Jesuiten mehr in Deutschland wirklich im Stande sein, den „konfessionellen Frieden zu un­tergraben" und die Existenz der evangeli­schen Kirche zu bedrohen?

Nach den Erfahrungen, die ich im Gespräch mit sehr vielen Protestanten aller Klassen gemacht habe, beruht die Aufregung über die beantragte Aufhebung des Jesuitengesetzes vornehmlich auf Unkenntniß über den wahren Inhalt dieses Gesetzes. Zur Aufklärung laste ich daher den Wortlaut des Je­suitengesetzes nebst der Ausführungs-Bekanntmachung dazu unter der Rubrik „Kirche und Schule" folgen.

Durch das Gesetz von 1872 sind nicht, wie sich zahlreiche Protestanten einbilden, die Jesuiten aus Deutschland ausgewiesen worden. Nein, kein einziger deutscher Jesuit konnte auf Grund dieses Gesetzes vertrieben werden, nur die ausländischen. Die em- heimischen sind daher auch zumeist im Lande geblieben. Es"war ihnen ja nur untersagt, Ordenskleidung zu tragen, Missionen abzuhalten, Niederlassungen zu haben, in Kirche und Schule thätig zu sein. Die gefährlichste Thätigkeit, die in der Familie, hat ihnen bisher unbeschränkt frei gestanden. Ob sie, in Niederlaffungen zufammenwohnend und mit Ordenskleidern angethan, gefährlicher sein werden als jetzt, wo sie, Überall ver­streut und für das große Publikum unerkennbar im Laienrock einhergehen, erscheint mir zweifelhaft.

Allerdings verleiht das Gesetz dem Staate auch das Recht, ihnen den Aufenthalt an bestimmten Orten zu versagen oder anzuweisen. Von dieser Befugniß dürfte jedoch zur Zeit so gut wie kein Gebrauch ge­macht werden.

Der Thatbestand ist also der, daß die ausländischen Jesuiten ausgewiesen sind, die deutschen dagegen frei schalten und walten, nur nicht an Schulen lehren, in Kirchen predigen, Missionen abhalten, Niederlassungen haben und Ordenskleider tragen dürfen.

Nach Aufhebung des Gesetzes werden zwei Dutzend fremde Jesuiten zurückkommen, und die einheimischen werden, nach Wegfall der schon auferlegten Beschränk-

als sie antwortete, sah Jhno zu den Beiden hinüber. Sie erröthete und barg das hübsche Gesicht hinter einer der großen Blattpflanzen, welche die Tafel zierten.

„Ach so, ist es das?" lachte der alte Herr, bann sagte er, sich artig verneigend:

„Herr Kapitän, meine Enkelin, dieses große Kind dort, bittet um einen Bescheid, und da dieselbe Sie nicht selbst fragen will, muß ich es wohl übernehmen. Also Anni wünscht zu wissen, ob Sie sich einfach Kapitän Freidorf nennen oder von Freidorf?"

Der junge Mann lächelte.

„Ich nenne mich einfach Kchfitän Freidorf, doch ist mein vollständiger Name allerdings Jhno von Freidorf."

„Ah, ich danke Ihnen. Hast Du's gehört, mein Mäuschen? Du scheinst auf den Adel viel zu halten."

„O Großpapa," rief das junge Mädchen unter dem Scherze erglühend aus, „wie kannst Du nur!“

„Da muß ich Anni denn doch in Schutz nehmen," sagte eine alte Dame, offenbar die Gattin des freund­lichen Herrn. „Ich bin überzeugt, sie fragte aus einem anderen Grunde. Ist es nicht so, mein Mädchen?"

„Ja, Großmama; ich dachte an die Dame, welche mit uns an Bord ging. Erscheint es nicht sonderbar, daß sie den gleichen Namen mit dem Herrn Kapitän führt?"

„Gewik, aber ich glaube nicht, daß sie zusammen verwandt sind." Oorts. im Hauptblatt.)