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18. Iah-gang

Donnerstag, den 5. Februar 1891

Fuldaer Zeitung

—. . .... « ' ftrurt I, 9?prfnn h.r Fuldaer Actiendruckerei (91. Dillmann).

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

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Ausruf des Verstandes des Volksvereins für das Katholische Deutschland.

* Nachdem der Volksvereüi für das katholische Deutschland in allen Gauen des weiten deutschen Vater­landes Freunde und Beförderer gefunden, nachdem der heilige Vater das schöne Werk, dem der Volksverein sich zu widmen gedenkt, gesegnet und alle gutgesinnten Männer zur Theilnahme an demselben ermahnt und aufgesordert hat, wendet der Volksverein sich abermals mit folgendem Ausruf an seine katholischen Mitbürger und bittet sie, dem ganz Deutschland umfassenden Bunde nunmehr auch ihrerseits beizutreten. Der Aufruf lautet:

Schwere Jrrthümer und bedenkliche Umsturzpläne treten überall in die Erscheinung; die bestehende Staats- und Gesell­schaftsordnung ist in ihrer Grundlage bedroht. Die Sozial­demokratie ist es vor allem, welche diese Irrlehren nicht nur verbreiten, sondern auch praktisch ins Leben einführen will. Wohl fühlt sie, daß im katholischen Volke Deutschlands der stärkste Widersacher gegen derartige Bestrebungen vorqanden ist; deshalb hat sie aus dem Parteitage in Halle dem Katholi­zismus förmlich den Krieg erklärt. Es ist darum dringend geboten, dem anrückenden Feinde mit vereinter und fest organisirter Kraft furchtlos entgegen zu treten.

Katholische Männer aus allen Theilen Deutschlands traten dieserhalb zu wiederholter ernster Berathung zusammen und kamen nach reiflicher Ueberlegung zu dem Entschlusfe, einen Verein zu bilden, dessen Zweck sei, die Jrrthümer und Um­sturz-Bestrebungen auf sozialem Gebiete zu bekämpfen und die christliche Gesellschafts-Ordnung zu vertheidigen. Dieser Zweck wird erstrebt durch die persönliche Thätigkeit der Einzel-Mit- glikder, durch belehrende Vorträge und durch Verbreitung guter Druckschriften. Mitglied des Vereins ist jeder großjährige katho­lische Deutsche, welcher jährlich eine Mark in dieBereinskasse zahlt.

Wohlan denn! Treten wir dem neuen Feinde in geschlos­senen Reihen entgegen! Sammeln wir uns zu einem großen, alle Gaue des Vaterlandes umfassenden Bunde! Dieser Bund soll unsere Kräfte organisiren, unfere Mittel mehren, unsere Thätigkeit in Presse, Flugschriften und Verfammlungen plan­mäßig leiten und steigern, auf daß der Gegner auch das letzte Dorf gerüstet finde und überall im Lande der Irrlehre sofort die Wahrheit mit Macht entgegentrete. Möge jedes Vereins- Mitglied zunächst in feinem engern Kreise, dann auch in öffent­lichen Verfammlungen mit Schrift und Wort den Zweck des Vereines fördern. Dieser will nicht allein die Abwehr der falschen Lehren, sondern auch die Förderung und Bethätignng der richtigen Grundsätze auf sozialem Gebiete; namentlich will er, daß Arbeitgeber rote Arbeitnehmer sich immer mehr der ihnen in ihren gegenseitigen Beziehungen obliegenden Pflichten bewußt werden, und daß die Erkenntniß der Interessengemeinschaft beider Theile sich immer mehr Bahn breche.

Allzeit besorgt um des Vaterlandes Wohlfahrt, haben un­sere Bischöfe jüngst in Fulda aus die drohenden Anzeichen der kommenden Gefahren mahnend hingcwiesen, Unser festes Zusammenschließen soll ihnen den Beweis liefern, daß das Volk ihren Hirtenruf verstanden hat.

Uno als die Kunde von unserm Beginnen nach Rom ge­drungen, hat Freude das Herz des hl. Vaters erfüllt, weil die deutsche» Katholiken es verstanden haben, die Anforderungen einer neuen Zelt rechtzeitig zu erkennen und ihnen in einträch­tigem Zusammenwirken gerecht zr werden. Dieser Freude hat der hl. Baler Ausdruck gegeben in einem herrlichen, an den Vorstand des Bolksvereins gerichteten Schreiben, in welchem er

Sonnenried.

Roman von Marga Brechten.

(77. Fortsetzung.)

O, diese schreckliche Nacht! Noch immer spendete der Mond sein bleiches, kaltes Licht, und fort und fort flutheten die Wogen mit eintönigem, fast gleich­mäßigem Geräusche. Das Brausen im Wrack war stärker geworden, aber sein Schwanken ließ nach. Es lag ruhiger da und noch unbeweglicher verharrte der Mann auf feinem Decke. Einer Bildsäule gleich, stand er regungslos in jenem verwirrten, träumenden Zu­stande, welcher auf allzu große körperliche Anstrengung folgt. Die Hände gehorchten nur mehr einem instink­tiven Antriebe, ein Ruck, ein leichter Stoß — und sie lösten sich.

Stunde auf Stunde verrann. Ob er noch irgend etwas fühlte oder dachte? Der steinerne Ausdruck feines Gesichtes verneinte diese Vermuthung, aber die zum Himmel gerichteten Augen deuteten doch auf ein Flehen um längere Kraft.

Das Licht der Sterne erblaßte und fahlgraue Dämmerung senkte sich nieder. Später wurde es heller, der Himmel röthete sich im Osten, und mit dem ersten Anzeichen des jungen Tages stieg in der Ferne em dunkler Punkt auf. Niemand kann sagen, ob er be-

dem schönen Werke aus ganzem Herzen den besten Erfolg wünicht und allen Theilnehmern seinen epostolischen Segen ertheilt.

Wenn der deutsche Kaiser im Verein mit den deutschen Fürsten die Bahnen einer Politik verlassen hat, welche mit äußeren polizeilichen Mitteln Ideen bekämpfen wollte, so geschah dies ge­wiß auch in dem festen Vertrauen, daß der christliche Geist im Volke noch stark genug sei, um die für Kirche und Staat gleich verderblichen Ideen in freiem Kampfe zu überwinden. Katho­liken Deutschlands, roir werden die Letzten sein, die dieses Ver­trauen täuschen! „ ,

Drum sammle Dich, katholisches Volk, erprobt in Opsersinn und Treue gegen Kirche und Vaterland! Sammle Dich zurBer- theidigung der ch rist l ich en G es ells ch aft! Schütze Thron und Altar, Haus und Herd! 9llle Stände, hoch und niedrig, Geistliche und Laien, Arbeitgeber und Arbeiter, sollen sich in dem einen Vereine zusamwenfinden, um dem einbrechenden Feinde zu wehren, die Irrenden zu belehren, die Schwankenden zu stützen und den Eifer der Treuen noch mehr zu erwärmen. So wird dem Volke der heilige Glaube erhalten, und das ist die wichtigste, die größte soziale Thal.

Mainz, im November 1890.

Ter Vorstand des Volks-Vereins für das kathol. Deutschland: Dr. Windthorst, Staatsminister a. D., Ehrenpräsident.

Frz. Brandts jr., Fabrikbes. inM.-Gladbach, 1.Vorsitzender. Karl Trimborn, Rechtsanwalt in Köln, II. Vorsitzender. Frz. Hitze, Landtags- und Reichstags-Abg, Schriftführer. Dr. Jos. Drammer in Köln, Geschäftsführer.

Joh. Elkan, Bankdirektor in Köln, Schatzmeister.

Graf Ballestrem, Planowitz (Schlesien). Landrath Fritzen, Düsseldorf. Graf Galen, Dinklage (Westfalen). Dr. G a l l a n d, Münster. Landgerichtsrath Gröber, Heilbronn. Graf Hoensbroech, Schloß Haag bei Geldern. Dr. Lieber, Camberg (Nassau). Dr. M a r b e, Freiburg i. Br. Dr. O r t e r e r, Freising. Chefredakteur Otto, Crefeld. Dr. Porsch, Bres­lau. Graf Konrad Pretzfing, München. Dr. Siben, Deidesheim. Bibliothekar Dr. Stamminger, Würzburg. Redakteur Stützet, Essen.

Der Volks-Verein für das katholische Deutschland umfaßt 23 Sektionen, darunter an elfter Stelle die Sektion Hessen-Nassau. Der Ausruf ist von etwa 1400 der angesehensten Männer unterzeichnet. Aus der Sektion Hessen-Nassau haben die folgenden Herren den Aufruf unterfchrieben: *)

Buchard, Geistl. Rath, Frankfurt.

s-C a h e n s l y, Kaufmann und Abgeordneter, Limburg. Diefenbach, Inspektor, Frankfurt.

Dr. Fösser, Frankfurt.

Grimm, H. F-, Frankfurt.

Hasten, Oberlandesger.-Rath, Frankfurt.

Hisgen, W. F-, Montabaur.

Hilpifch, Direktor an St. Leonard, Frankfurt.

Ken ter, Landger.-Rath, Wiesbaden.

Meckel, M-, Diözesan-Baumeister, Frankfurt.

*Rang, Justizrath, Fulda.

Rintelen, Rechtsanwalt, Limburg.

*) Die mit einem f versehenen Namen bezeichnen die Lan­desvertreter des Vereins, während die nyt einem * bezeich­neten die Geschäftsführer des Vereins in den einzelnen Kreisen kenntlich machen. Obschon die Listen zur Einzeichnung Jedem zugeschickt werden, so bleibt es dem Einzelnen dennoch unbenommen, sich bei dem betreffenden Geschäftsführer behufs Beitritts zu dem Verein anzumelden.

merkt wurde, ein leichter Wind wehte aus Westen und eine Schaar junger Möven umkreiste das Wrack. Der Punkt kam näher und als die Sonne schon ziemlich hoch stand, hätte Jemand, der darauf achtete, leicht ein großes Schiff erkannt. Es fuhr rasch und thürmte die Wogen vor sich auf, welche hinter ihm mit lautem Getöse wieder zusammenschlugen. Als es noch einige hundert Schritte von dem Wrack entfernt war, gerieth dieses ins Schwanken und dadurch kam es, daß es aussah, als ob sich der stille Mann langsam bewege. Sogleich entfaltete sich eine kleine Flagge an dem fremden Dampfer, und im Näherkommen fah man weiße Tücher, welche von der Ballustrade aus ge­schwenkt wurden. Mit jeder Minute aber wurden die Schwankungen des gestrandeten Schiffes stärker, ein leeres Boot, welches drüben herabgelassen wurde, kippte um, ehe noch ein Matrose es besteigen konnte.

Da segelte der Dampfer langsamer; als er der „Meeresbraut" fast gegenüber gekommen war, stoppte er. An Bord aber war es lebendig, Stimmengewirr schallte herüber und es schien fast, als ob ein Hand­gemenge dort stattfände. Zugleich sprang eine Gestalt auf einen erhöhteren Standpunkt, ein schwarzer Arm tauchte über den Anderen auf und warf mit der Kraft und Gewandtheit, wie sie nur den Wilden eigen ist, etwas auf das hin- und herschaukelnde Wrack. Es war

*S kein le, Dr. Ritter von, Frankfurt.

Dr. med. Thewalt, Königstein. Walderdorff, Graf W. von, Molsberg. Wolf, Dekan, Camberg.

Deutsches Keich.

Berlin, 3. Februar.

* Die Ernennung des Grasen Waldersee zum Kom­mandeur des 9. Armeekorps ist gestern vollzogen worden. Im Eingang der betreffenden kaiserlichen Kabinetsordre heißt es:

„Ihrem Abschiedsgesuch vom 30. v. M. vermag Ich nicht zu entspechen, denn Ihre bisher geleisteten Dienste sind Mir zu werthvoll, als daß Ich schon jetzt ans dieselben verzichten möchte. Ich habe Sie für den Fall eines Krieges zur Führung einer Armee in Aussicht genommen und erachte es zu diesem Zwecke — da Sie seit langer Zeit dem Truppendienst entzogen gewesen sind — im Interesse der Armee für geboten, Sie zunächst an die Spitze eines Armeekorps zu stellen, wo Sie Ihre vortreff­lichen Führereigenschaften zur Geltung zu bringen in der Lage sein roerben."

Der Kaiser erkennt die Verdienste des Grafen Waldersee in warmen Worten an und hebt u. a. die noch bei den letzten Manöver» besonders hervorge­tretenen ausgezeichneten Leistungen in Anlage großer Truppenübungen hervor. Damit werden diejenigen Angaben beseitigt, nach denen die Quelle der heutigen Vorgänge bei den letzten Manövern zu suchen sei. Es verlautet übrigens, daß der Generallieutenant, Ober­quartiermeister Graf v. Sch liessen II., zum General- stabsches ernannt fei.

* Der.Reichsanzeiger' veröffentlicht eine kaiserliche Kabinetsordre, mittelst welcher General v. Leseinski auf sein Abschiedsgesuch mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt wird. Gleichzeitig ist General v. Lescinski zum Chef des Jnsanterie-Regts. Markgraf Karl (7. Brandenburgisches Nr. 60) ernannt worden.

* Zur größten Freude der Centrums-Mitglieder erschien Abg. Windthorst schon am Samstag wieder im Abgeordnetenhause, um den Beratungen der Volks- schul-Kommision beizuwohnen. Er wurde von Abge­ordneten aller Parteien herzlich begrüßt. Er ist in vortrefflicher Laune.

* Der deutsche Landwirthschaftsrath hält gegen­wärtig in Berlin seine neunzehnte Plenarversammlung ab. Derselbe wurde heute vom Minister für Land- wirthfchaft, von Heyden, Namens der Regierung begrüßt.

* Am Hose des Großherzogs von Surcmburg soll ein eigner Vertreter für das deutsche Reich beglaubigt werden. Ein bezüglicher Nachtragsetat liegt dem Bundesrathe vor, danach ist die Errichtung einer ständigen Ministerresidentur beabsichtigt, welche aus einem Missionschef und einem Kanzlisten bestehen soll. Für den Ministerresidenten ist vorbehaltlich näherer Ersahrungen eine Besoldung von 24,000 Mk., für eine fest aufgerollte Seine, deren eines Ende auf dem Decke des fremden Schiffes befestigt war. Mit einem dumpfen Schlage fiel sie zur Seite des regungslosen Mannes nieder, aber entweder sah er sie nicht, ober er war unfähig, sich zu rühren. Das Tau rollte weiter, die nächste Welle mußte es hinabspülen. Da, als es dicht bei seinen Füßen angekommen war, streckte sich eine Hand nach ihm ans, nicht die {einige, sondern eine von hinten, wie aus dem Wasser auftauchende Hand. Dann folgte eine zweite, das Tau wurde ent­wirrt und mit der Kraft der Verzweiflung um das Holzstück geschlungen. Jetzt stürzte sich der Mann, dem die beiden hilfreichen Hände gehörten, über den Stumpf, löste die erstarrten Arme des Anderen und drängte ihn mit Gewalt dem straff angespannten Seile zu. Den einen Arm um den Leib desselben schlagend, sah er zu, wie die kalten Finger das Tau krampfhaft um­faßten und die Betäubung in demselben Augenblicke von ihm wich. Da ließ er ihn los und umklammerte nun seinerseits den verlassenen Posten. Schritt für Schritt tastete sich der Schiffbrüchige weiter, jetzt war er mitten über dem Meere, das Seil zitterte — großer Gott, wenn er losließ — doch nein, er kämpfte sich vorwärts. Nun war er drüben, jetzt hoben sie ihn empor und legten ihn sanft auf das Verdeck. Ein Jubelruf schallte herüber, dann winkten sie dem Zurück-