alle fassen konnte. Zn den Wachsthumbediiigungen der Kulturpflanzen gehören Wasser, Wärme, Luft, Licht und Düngstoffe. Auf die von Herrn Direktor Fuest in klarer und gemeinverständlicher Weise geschilderten Einzelheiten näher einzugehen, würde hier zu weit führen. Nach Beendigung seines interessänten und mit Aufmerksamkeit angehörten Vortrages sprach bei, Vorsitzende des Vereins über das Thema: Wie läßt sich die Ertragsfähigkeit unseres Bodens verdoppeln? Während der Vortrag des Herrn Fuest mehr einen theoretischen Charakter trug, waren die Ausführungen des Vorsitzenden mehr auf das Praktische gerichtet. Als Hilfsmittel zur Erhöhung des Boden-ErtragS bezeichnete er gewissenhafte Bearbeitung des Bodens, gute Ackergeräthe, richtig angewandte Tiefkulrur, Bodenverbesserung durch Drai- nirung, Kalken, Düngen mit Stallmist und richtige Anwendung von Thomasphosphatmehl und Chilisalpeter. Auch müsse man auf Beschaffung guten Samens Bedacht nehmen. Es sei nicht genug, landwirthschaft- liche Kenntnisse sich anzueignen, man müsse auch Energie und Ausdauer besitzen, das Begonnene auszuführen. Dabei dürfe nie vergessen werden, daß an Gottes Segen Alles gelegen sei. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten wurde noch dem geselligen Bedürfniß Rechnung getragen, io daß nach Verlauf mehrerer, gemüthlich verbrachter Stunden Niemand den Versammlungsort verließ, ohne sich zu sagen, das sei wieder einmal ein recht schöner Tag gewesen.
* lieber die in voriger Nummer unseres Blattes besprochene Erhöhung der Milchpreise schreibt man einem auswärtigen Blatte aus hiesiger Stadt: „Der von den Molkereien gebildete „Butrerring" hat sich nun noch auf Kosten des Publikums mit einem „Milchring" verkoppelt. Die Molkerei Fulda schlägt zum 1. Februar mit 2 Pfg. per Liter Milch auf, nachdem sie vorher die Landwirthe der Umgegend zu gleichem Vorgehen oder zur Ablieferung ihrer entbehrlichen Milch an die Molkerei angegangen hat. Auf diefe Weise hat sie 40 Unterschriften gesammelt, bereit Zeichner die Milchvertheueruna mitmachen. Somit scheinen die Konsumenten gezwungen, die theuere Milch zu kaufen und sich einer Maßregel zu unterwerfen, welche weder durch die Folgen eines Futtermangels, noch durch Erhöhung der Betriebsmittel gerechtfertigt ist."
* Das große Laos der preußischen Klassenlotterie mit 600,000 Mark, das auf Nr. 125,583 fiel, kam in die Kollekte des Herrn Eduard Lejeune in Frankfurt. Drei Viertel des Looses wurden in Frankfurt, ein Viertel auswärts gespielt.
* Bei der gegenwärtigen, besseren Witterung sei daran erinnert, daß das Schneide» lebendiger Hecken bis zum 28. Februar beendigt sein muß, da dasselbe in der Zeit vom 1. März bis zum 30. Juni verboten ist. Das Schneiden der Hecken darf nur mittels der dazu bestimmten Werkzeuge (Heckenfcheeren usw.) erfolgen; auch sind die Eigenthümer von Hecken an öffentlichen Wegen verpflichtet, letztere von den Abfällen rein zu halten.
* Einem Mitglied! des Ausschusses der Jnvali- ditäts- und Altrrsoersicheruugs-Anstalt Hessen-Nassau verdankt der ,Thür. Hsrd/ die Mittheilung, daß seine Annahme, sämmtliche Beamten stellen bei dieser Anstalt seien schon besetzt, eine irrige ist. Es ist vielmehr von einer Anstellung dieser Beamten vorläufig abgesehen und deut Landesdtrektor Herrn v. Hundelshausen seitens des Ausschusses die Vollmacht ertheilt worden, nach seinem Ermessen und je nach Bedürfniß
dem 10. September und endet mit dem 14. Juli. Die letztere Eintyeilung tritt auch für die Industrieschulen, Schullehrerbildungsanstalten, die Erziehungsinstitute der männlichen und weiblichen Jugend und für die Volksschulen an jenen Orten ein, an welche sie sich schon seither den betreffenden Einrichtungen der Mittelschulen thunlichst anschlossen.
Ausland.
* Der italienische Ministerpräsident Crispi hat seine Entlassung eingereicht, und zwar in Folge einer heftigen Kammerdebatte über die geplanten Steuererhöhungen. Der Verlauf der Debatte macht, soweit man dies nach den vorliegenden telegraphischen Meldungen beurtheilen kann, fast den Eindruck, als ob Herr Crispi ein ungünstiges Votum provoeirt habe um der Ministerbürde ledig zu werden. Er erklärte auch selbst, daß er nur gegen seine Neigung auf seinem Platze verblieben sei. Die Konservativen, auf deren Mitwirkung das Ministerium Crispi angewiesen ist, griff er mit ungewöhnlicher Schärfe an; , unter der konservativen Regierung 1866—1874 seien die Finanzen Italiens schlechter und die Politik dem Auslande gegenüber servil gewesen. Das verletzte nicht nur die Konservativen, sondern auch viele Liberale. Ob Crispi nun wirklich von der Bildfläche vorläufig verschwinden wird, steht noch dahin.
* Barcelona, 2. Febr. Bei den hiesigen Wahlen kamen gestern mehrere Ruhestörungen vor. Ein Hause von Personen drang in die Wahllokale ein und zerbrach die Urnen. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen.
* Der erfolgreiche Ausgang der Revolution in Brasilien hatte eine lebhafte republikanische Bewegung in Spanien und Portugal zur Folge gehabt. Die republikanischen Parteigänger entwickelten seitdem eine fieberhafte Thätigkeit, die wohl geeignet war, Besorgnisse zu erzeugen. Die Bewegung war aber offenbar mehr lärmend, als tiefgehend. Sie hat erst neuerdings zu einer nenneuswerthen Explosion geführt, und zwar in Oporto. Hier kam es zu einem Militäraufstand, an dem etwa 400 Mann Infanterie, einige niedere Offiziere der dortigen Garnison und eine Anzahl Zollbeamte tAilgenommen haben. Die Aufständischen bemächtigten sich des Rathhauses und verschanzten sich in demselben. Hier errichtete ein Advokat Alves Veiga ein republikanisches Direktorium. Der Putsch hatte bald ein Ende; das Rathhaus wurde von den treuge- bliebenenTruppen gestürmt, worauf das „Direktorium" mit seinem Anhang das Hasenpanier ergriff. Im Lande fand die Erhebung keinen Widerhall, so ist auch von der Verhängung des Belagerungszustandes Abstand genommen worden.
* Athen, 31. Jan. Im Bezirke Athamana bei Trikala ging eine Lawine nieder, wobei gegen 80 Häuser verschüttet, etwa 25 Personen getöbtet und zahlreiche Menschen verletzt worden sein sollen.
Dämmerung senkte sich über das Meer, und als es dunkler wurde, blitzten die Sterne auf wie freundliche Himmelsboten. Nicht lange, so kam auch der Mond, langsam aufsteigend fluthete sein silbernes Licht über das friedliche, aber so traurige Bild. Jhno von Freidorf wandte sein ernstes bleiches Gesicht nach oben. „Felicitas!" rief er leise. Ob sie wohl eine Ahnung von seiner letzten Roth hatte? Würde, wenn sie jetzt neben dem blinden Greise saß, keine innere Unruhe, keine jähe Sorge ihre Hände falten zum Gebete für ihn? Nein, denn sie gehörte ja seinem Vater an und so konnten die Gedanken dieses reinen Wesens auch nur diesem gelten. Aber er erinnerte sich, daß sie einst gesagt hatte, sie pflege an jedem Abend für diejenigen zu beten, welche sich in der anbrechenden Nacht in der höchsten Seelen- ober Leibesnolh befinden würden. Gab es eine verlassenere Lage, als die seinige? Nein, und gewiß kam ihr Flehen auch ihm zu @ute; Dieses damals so gleichgültig hingeworfene Wort tröstete ihn jetzt. Und wieder befahl er den erlahmenden Gliedern auszuharren, fester und fester schmiegte er sich an das feuchte Holz. Es war noch ein Fünkchen Hoffnung in seiner Seele, ein kleiner Rest von Liebe zum Leben, und als er es in der aufrechten Stellung nicht mehr aushalten konnte, kauerte er sich nieder und drückte die kalte Wange gegen das Mästende. Dann schnellte er wieder empor, schüttelte die starre Betäubung ab und versuchte die steigende Schwäche zu überwinden. Es durfte kein Schlaf über ihn kommen, nur fo, mit offenem Auge und klarem Bewußtsein, wollte er das Ende erwarten.
* * *
(Fortsetzung folgt.)
diagnostischer Beziehung betreffe, fo seien die Untersuchungen darüber abgeschlossen. Das Resultat ist leider ein negatives. In therapeutischer Beziehung habe Koch das Ideal, den Bacillus zu tobten, nicht erreicht. In keinem einzigen Fall have man Heilung oder auch nur Besserung beobachten können. Jetzt wolle sich kein Patient mehr der Injektion unterziehen; man könne heute keinem Patienten das Mittel mit gutem Gewissen mehr anrathen.
* Die Budgetkümmissiau des Reichstags hat die Pferdeanschaffungsgelder bis zum Bataillonskommandeur incl. Oberstlieutenant aufwärts für die Fußtruppen bewilligt. Allen Offizieren, welche hiernach keine Pferdegelder erhalten, bleiben die Rationen belassen, soweit der Etat überhaupt den Stelleninhabern Rationen bewilligt. Die Dienstzeit der Chargepferde wurde der Regierungsvorlage entsprechend von 5 aus 4 Jahre herabgesetzt.
* lieber die Rangverhältniste der Lehrer uni) 'Richter in Preußen wirb dem ,Hamb. Korresp/ geschrieben: „Wie bekannt, wird sich die Schulkommission in Preußen auch mit den Rangverhältnissen der Direktoren unb Lehrer an den höheren Unterrichtsanstalten beschäftigen. Da die Ghmnasialdirektoren den Rang der Räthe 4. Klaffe haben, welcher auch den Oberlandesgerichts- räthen, den Landesdirektoren und ersten Staatsanwälten beigelegt ist, unb ben ordentlichen Lehrern vor einigen Jahren der Rang der Räche 5. Klasse verliehen ist, zu welcher Rangklasse auch die Land- und Amtsrichter gehören, so könnte die Verleihung eines höheren Amtscharakters an die Direktoren und Lehrer nur bezwecken, sie den Verwaltungsbeamten gleichzustellen, die ja bekanntlich in Preußen in Bezug auf die Rangstellung vor den Richtern erster Instanz bevorzugt sind. Man darf deswegen mit Sicherheit ccknehmen, daß das preußische Justizministeriimi die Interessen der Juristen, soweit deren äußere Verhältnisse in Betracht kommen, wahrnehmen wird, damit man nicht dahin gelangt, daß auch der Lehrerstand an den höheren Schulen in Preußen vor den richterlichen Beamten Prärogative voraus hat. In Preußen erhalten die Richter und Staatsanwälte erst fünfzehn Jahre nach Ablegung der großen Staatsprüfung oder zwanzig Jahre nach absol- virtem Referendar-Examen einen Rang, der sie den Regierungs-, Land-, Jntendanturräthen :c. gleichstellt. So lange rangiren die genannten Beamten, deren Stellung doch ein gewisses äußeres Ansehen erfordert, da ihre Amtsthätigkeit wesentliche materielle unb ideelle Interessen des Publikums berührt, mit bestimmten Subalternbeamten der Ministerien. Es ist zu bedauern, daß der Justizminister Dr. Leonhard bei der Neuorganisation der Gerichte 1879 den Richtern erster Instanz und den Staatsanwälten nicht eine bessere Rangstellung erwirkt hat. Der Rang allein macht gewiß nicht den Mann, aber es ist doch nicht zu billigen und erregt Unzufriedenheit in den betheiligten Kreifen, wen» völlige gleichwerthige Beamtenkategorien wie die Verwaltungsjuristen und die Richter in Bezug auf die äußere Lebensstellung staatlicherseits derart geschieden werden, wie dies in Preußen geschieht, zumal die Rangstellung auch eine gewisse finanzielle Tragweite hat. Auf die Dauer wird die Unterscheidung unhaltbar sein."
* München, 31. Jan. Das Hauptsächlichste der Schulreform für die humanistischen und Realgymnasien und Realschulen wird heute durch einen Erlaß im Verordnungsblatt eingeführt. Das laufende Schuljahr schließt mit dem 14. Juli. Fortan beginnt bas Schuljahr mit
Wann konnte es sein? Vielleicht heute? Nein, denn das Brausen wuchs nur langsam, aber dann gewiß in der kommenden Nacht. Ob er so lange auf seinem Posten aushalten konnte? Wahrscheinlich nicht. Früher oder später würde seine Willenskraft erlahmen, die Hände ihre Stütze loslassen unb bie Füße aus ihrer krampfhaften Stellung weichen. Ein Schritt vorüber rückwärts aber mußte ben Tob bringen.
Die glühenden Strahlen der Mittagsfonne fielen fast fentrecht auf den kleinen braunen Fleck, der sich scharf von dem weißen Schaum der rings aufspritzenden Wasser abhob. Zuweilen stürzte ein Wogenkamm hoch empor, strahlend und leuchtend wie goldene Funken hüpfte das leichte Geriefel an dem stillen Wächter herab, bis er das schmerzende blaue Auge schloß und wünschte, daß bie Wogen stark genug sein würden, ihn wider seinen Willen hinabzureißen.
Es war eine bittere Stunde. Dem Sohne des reichen Hauses bot sich kein schützendes Dach, keine rettende Hand, und von all den funkelnden, glitzernden Tropfen, welche um ihn her sprühten, netzte auch nicht einer feinen dürstenden Mund.
Der Mittag war vorüber und noch stand er da. Seine Körperkraft war ungewöhnlich, seine Willensstärke noch größer, und doch machte sich auch bei ihm das Bedürfniß nach Ruhe und Nahrung in peinigender Weife geltend. Er berechnete, wann er zum letzten Male unten in feiner kleinen, gemächlichen Kajüte gesessen hatte. Gestern Abend! War das wirklich möglich? Ihm kam es vor, als ob seit jenem Momente und der darauffolgenden Sturmnacht eine viel längere Spanne Zeit, wenigstens mehrere Tage, verstrichen fein müßten, fo verändert, fo geschwächt an Geist und
Aus Staat, Komm und Aachdargebiet.
Fulda, 3. Februar.
* Der Direktor der hiesigen landwirthschaftlichen Winterschule, Herr Fuest, hielt in einer am Samstag Nachmittag zu Böckels abgehaltenen Generalversammlung des Bauernvereins für Böckels und Umgegend einen Vortrag über die Wachsthumsbedingungen der Kulturpflanzen. Die Versammlung war in Folge dessen so stark besucht, daß das Lokal die Anwesenden nicht Körper kam er sich vor. Was lag nicht Alles zwischen gestern und heute! Um diese Zeit war es gewesen, da er dem Bericht des neuen Matrosen gelauscht — diese Stunde und bie darauf folgende Nackt — sie hatten ihm Alles geraubt. Zuerst ben Glauben an seinen Vater. Eine Beute der wildesten Zweifel kehrte fein Geist immer wieder zurück nach jener fremden Küste, gleichsam hinausgestoßen aus dem stolzen Schlosse, der ganzen vornehmen Kaste, wünschte er dort anfragen zu können: Wo gehöre ich hin? Warum kam der Tod nicht und wies ihm eine bleibende Stätte an? Wenn es wahr war, besaß er ja doch nichts mehr, weder hier, koch dort war seine eigentliche Heimath; das eine Vaterhaus war ein Gebilde der Phantasie, das andere umdüsterte sich, als wollte es ihm hohnlachend zurufen: Hast Du denn nie gefühlt, daß Du keiner der Unseren warst?" Ja, er hatte es gefühlt, und eben diefe Empfindung ließ ihn an Hans Sturen's Erzählung glauben. Warum trat sie ihm jetzt in dieser furchtbaren Lage fo klar vor die Seele? Vielleicht weil der Tod ihm winkte; man sagt ja, daß der menschliche Geist gegen das Ende des Lebens gerne zur Kindheit zurückkehrt. Er hatte in Wahrheit Schiffbruch gelitten an Allem, was ihm theuer gewefen — an feiner Liebe, an seiner Heimath und an seinem Gute! Sein Schiff, sein schönes, stolzes Fahrzeug! Von Allem, was ihm vielleicht je gehört, war nichts so ganz sein eigen gewesen als die „Meeresbraut". Erworben auf mühevollen, gefährlichen Fahrten, hatte Niemand ein Anrecht darauf gehabt als er. Aber noch war es ja fein, das unter seinen Füßen zitternde Wrack; der kleine, braune Fleck, auf welchem er stand, war ihm geblieben. Er wollte ihn behaupten mit letzter Kraft.