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Sonntag, den 1. Februar 1891

18. Jahrgang

Fuldaer Zeitung

FE» Ke Rcbactien verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

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Seit Juni ist nun ein deutscher Orientexpreßzug von Berlin regelmäßig nach Konstantinopel gefahren. Damit erhebt sich die Frage der Verlegung der Reichspostdampferlinie Brindisi' Port Said. Das Gesetz vom 6. April 1885 hatte bestimmt, daß im Anschluß an die Hauptlinien nach Ostasien und Australien eine Zweiglinie von Triest über Brindisi nach Alexan­drien eingerichtet werden sollte. Die wesentlichsten Gesichts­punkte für diese Linie waren: rascheste Beförderung der deut­schen Post, bequeme und schnelle Beförderung der deutschen Passagiere, sowie Zuwendung der Bortheile der Reichspostdampfer­linien für die Industrie und den Handel Süddeutschlands, für die der Ausgangshafen an der Nordsee zu entlegen war. Dem­gemäß mußte der Norddeutsche Lloyd in Bremen auf der Mittelmeerlinie Triest-Brindisi-Alexandrien jährlich 26 Fahrten in jeder Richtung zum Anschluß an die Linien nach und von Ostasien und Australien ausführen. Für diese Linie waren zwei Dampfer eingestellt. Die Reichsunterstützung betrug für diese Linie 400,000 M Sehr bald aber stellte sich die Unzweckmäßig­keit der gewählten Linie heraus. Sperrmaßregeln wegen der

dampfer den gehegten guten Erwartungen entsprochen. Er hat zur Beschleunigung und Verbesserung des Post- und Pafsagier- dienstes wesentlich beigetragen. Er hat die Frachten ermäßigt und fest geregelt. Er hat unserem Handel entschieden genützt und den guten Namen der deutschen Flagge im fernen Osten und Süden erhöht.

■w Wegen des Festes Mariä Lichtmeß erscheint die nächste Nummer ds. Ztg. erst am DienqAag.

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Deutsches Keich.

Berlin, 30. Januar.

* Ueber das heutige Befinden unseres verehrten Führers Dr. Windthorst ist die ,Germania' in der Lage mitzutheilen: Die Wunden heilen nicht nur nor­mal, sondern rasch, das Allgemeinbefinden ist gut, und Anfangs nächster Woche glaubt der Arzt die Wieder­aufnahme der parlamentarischen Thätigkeit wieder ge­statten zu dürfen.

Sonnenried.

Roman von Marga Brechten.

(Fortsetzung aus der Beilage.)

„Sehr schön," rief die junge Dienerin, drückte dem Schifier ein Silberstück in die schwielige Rechte und eilte durch die Kinderschaar dem Hause zu.

Eine Stunde später sagte die Baronin Felicitas zu Hanna:

„Sorge dafür, daß die Koffer bereit stehen; schon morgen früh reisen wir nach Antwerpen und scMffen uns von dort nach England ein."

Dem plötzlichen Entschlüsse folgte die That, nur mit dem Unterschiede, daß statt des englischen Dampfers ein nach Amerika bestimmtes Schiff bestiegen wurde. Ein unbestimmtes Gefühl sagte Felicitas, daß sie in jenem Erdtheile Kunde von dem, welchen sie suchte, erhalten würde.

Erst als das Schiff auf offener See schaukelte, ließ die gewaltsame Spannung ihrer Nerven nach; sie sah ein, waS sie mit diesem äußersten Schritte ge­wagt hatte, und blickte fast erschrocken nach dem sich mehr und mehr entfernenden Lande zurück. Immer größere Wassermengen thürmten sich zwischen ihr und der hell schimmernden Küste auf — halb war auch

* Personen, die während des jüngsten Aufenthaltes des Kaisers in Cuxhaven zugegen waren, bezeugen, daß sich der Kaiser fast nur mit dem Hamburger Bürger­meister Dr. Bersmann unterhalten habe, für den an­wesenden General v. Lesczynski dagegen nur einige flüchtige Worte übrig hatte. Bald darauf reichte der General, der erst seit einem Jahre das Generalkom­mando in Altona inne hatte, seinen Abschied ein, den er allerdings — wie dies immer zu geschehen pflegt Cholera verhinderten das Anlaufen von Triest^e^oEexanI I ^^ltnisse^begründete. Was an

drien in der störendsten Weife; der Fracht- und Passaqierverkehr dieser Nachricht wahr und erfunden ist, vermögen wir, ... - ■ - Jr schreibt man aus Berlin, nicht zu entscheiden. Die

weitere Meldung, Graf Waldersee übernehme als Nachfolger des Generals v. Lesczynski das Kommando des 9. Armeekorps, bedarf erst noch der Bestätigung. — Als Nachfolger des Grafen Waldersee in der Lei­tung des Großen Generalstabes wird von verschiedenen Seiten neuerdings wieder der kommandirende General des XVI. Armeekorps, Graf Häseler, genannt.

,* Der Kaiser von Oesterreich hat als Pathe des Kaiserprinzen Joachim (Franz Humbert) der Kaiserin durch den Erzherzog Eugen einen prachtvollen Schmuck als Taufgeschenk überreichen lassen.

* Nach der ,Deutschen Medizin-Wochenschrift' liegt' es nicht in der Absicht der preußischen Regierung, in der bis jetzt bestehenden Einrichtung der Herstellung und des Vertriebs des Koch'schrn Mittels eine Aen- derung eintreten zu lassen.

* Das plötzlich eingetretene Thauwrtter ließ bei dem voraufgegangenen schweren Frost und den nieder­gegangenen Schneemassen eine vielleicht nie dagewesene Hochwassergefahr befürchten. Glücklicherweise haben sich bisher die langen Besorgnisse, die gehegt rourben, nicht erfüllt. Allerdings hat die Fluth an verschiedenen Punkten Verheerungen angerichtet, aber zu großen Katastrohen ist es bisher nicht gekommen.

* Der Reichstag berieth den Justizetat. Abg. Frhr. p. Bu ol (Ctr.) wandte sich gegen die Trennung der Strafrechtssprechung von dem Strafvollzüge und gegen das Vorherrschen kurzzeitiger Freiheitsstrafm und empfahl Erwägung der Frage der bedingten Ver- urtheilung. Abg. Dr. Böcke! (Antisemit) erklärte

* Die deutsche» Deichs-Dostdampfer fahren seit I. Juli 1886 mit namhafter Unterstützung durch das Reich und zwar hat der Nordd. Lloyd in Bremen diese Fahrten übernommen.

Eine der wichtigsten Linien ist die nach Australien und nach China und Japan; sic haben seitdem an diesen zukunft­reichen Gestaden mit Glück und mit Erfolg die deutsche Handels­flagge zu Ehren gebracht, und cs unterliegt keinem Zweifel, daß sie für den deutschen Handel von großer Anregung und Förde­rung gewesen sind. Eine weitere mächtige und gesunde Entwick­lung ist sicher zu erwarten.

Während des einen Jahres 1887 88 haben diese Reichspost­dampfer sowohl auf der ostasiatischen wie auf der australischen Linie, und zwar sowohl auf der Ausreise wie auf der Heimreise zusammengenommen 57,000 Tonnen im Werthe von 75,373,000 Mark befördert, und zwar 26,412 Tonnen im Werthe von 31,345,000 M. auf der Ausreise und 30,588 Tonnen im Werthe von 44,028,000 M. auf der Heimreise. Von den Gütern der Ausreise fallen ans Maaren deutscher Herkunft 23,416,000 Mk. (74,7 o/o), von denen der Heimreise waren Güter int Werthe von 10,734,000 M (24,4 o/n) für Deutschland bestimmt. Dieser letztere geringe Prozentsatz erklärt sich im wesentlichen daraus, daß der Norddeutsche Lloyd sich vor allem große Mühe geben mußte, in China und Japan die Fracht von Rohseide, in Australien von Wolle und Häuten/ in Singapore von Tabak zu erhalten, und daß nach dein gegenwärtigen Stande der Handelsbeziehungen diese Waare, wenn sie auch zu einem großen Theil in Deutsch­land ihren Absatz finden dürften, doch zunächst durch eine aus­ländische Zwischenhand gehen und demgemäß in der Uebersicht als nicht für Deutschland bestimmt ausgenommen werden; sie wurden u. a. in Genua Rohseide im Werthe von 8'/- Mill. Mark, in Antwerpen Tabak im Werthe von über 10 Millionen, Wolle im Werthe von 2,400,000 M. gelöscht und selbst von den 4,400,000 M. Wolle und 1 Mill. Mark Häute, die in Bremer­haven gelöscht worden sind, wär ein Theil (900,000 M. Wolle und etwa 750,000 M. Häute) für das Ausland, namentlich England bestimmt. Sehr beachtenswerth ist, daß die Dampfer auch insoweit ihren Zweck erfüllen, als sie ihre Ladungen meist sofort in Bremerhaven und Antwerpen voll an Bord I nehmen und sie durchweg bis zu den Endpunkten der Fahrten: I Shanghai, Äjokohama, Sydney und Melbourne, laden und um- I gekehrt. Auf der ostasiatischen Linie betrug dieser unmittelbare I Verkehr 94,7 o/, des ganzen auf der Ausreise, 90,7 °/0 auf der I Heimreise; auf der australischen Linie 87,8 und 74,7 o/o.

Bei Errichtung dieser Dampferlinien wollte die Regierung I auch eine Linie nach Kamerun Vorschlägen. Aber sie wurde vom Reichstage abgelehnt und heute bezweifelt wohl Niemand mehr, daß der Reichstag damit weise gehandelt hat. Ein Be- dürfniß für diese Linie in solchem Maße, daß der jährliche Zu­schuß von anderthalb Millionen sich rechtfettigen ließe, besteht I nicht. Neuerdings wird auch eine Linie nach Ostasrika und eine nach Neuguinea angeregt. Aber auch diese sind zur Zeit nicht dringend. Unsere Reichspostdampfer, dann die großen I Dampfer, welche von Hamburg und Bremen und Calcutta I fahren, legen sämmtlich in A d e n an und von dort fehlt es nie I an reichlicher Schisfgelegenheit aller Art nach Sansibar. Ferner I legen unsere ostasiatischen Reichsdampfer alle in Singapore I an, so daß auch dem Bedürfniß des Verkehres nach Neu- I Guinea für jetzt einigermaßen Genüge geschehen ist. Aendern sich die Verhältnisse, so kann man die Linien nach Ostafrika I und Neu-Guinea immer noch einttchten, einstweilen besteht dafür I nur ein sehr untergeordnetes Bedürfniß und nicht die geringste I Aussicht auf eine nothwendige Rentabilität.

Im Uebrigen aber hat der Dienst der subventionirten Reichs-

ber letzte schmale Streifen verschwunden. Ihre Lippen zuckten, und eine, dem Heimweh ähnliche bedrückende Empfindung legte sich um ihr Herz; sie war abge- I schnitten von der Heimath und den wenigen, aber ihr sehr theuren Personen, angewiesen auf die Hilfe frem- ber, bezahlter Menschen. Die alten Schiffer bes bel­gischen Dorfes hatten erzählt von dem Anschwemmen der herrenlosen Güter, — da war Vieles, was als verdorben und nutzlos befunden wieder zurück ins | Meer geschleudert wurde, wieder Anderes umdrängte | die habsüchtige Menge, gierig es an sich reißend — es war ja herrenlos! Würde sie nicht ganz ähnlich in jenem fremben Welttheile ankommen, verlassen unb unerkannt von Allen, welche ben Lvndungsplatz um­ringen würden, ein Strandgut?

Doch es war nun zu spät. Ein leichter Wind er­hob sich und spielte mit ihrem Schleier, er wurde stärker und zwang sie endlich, hinunter zu gehen. Die junge, vornehme Wittwe in der eleganten Halbtrauer hatte das Interesse des Kapitäns, eines älteren men- schenfteundlichen Mannes, erregt, und durch seine Für­sorge war ihr eine sehr schöne, auf das Bequemste eingerichtete Kajüte angewiesen worden. Hier lag sie nun, eine Amte der lästigen Seekrankheit, welche zwar alsbald wich, aber eine solche Schwäche zurückließ, daß

den Entwurf des Reichscivilgesetzbuchs für eine große Gefahr des ländlichen Grundbesitzes und verlangte Reform der Gebührenordnung für Rechtsanwälte und

an ein Hinausgehen in den ersten Tagen nicht zu denken war.

So passirte das Fahrzeug die Straße von Dover und steuerte weiter in den Kanal hinein. Die Fahrt ging langsam, denn es war Windstille. Hanna konnte die Fenster öffnen, und als man an der Insel Wight vorüber kam, drangen die Töne der herrlichen Musik, jenes fteundlicheu Grußes des schönen Eilandes, auch bis in die unterste Kajüte. Gar bald aber wurde die See unruhiger, und als der Abend anbrach, hatte das Schiff jenen furchtbaren Sturm zu überstehen, welchem in derselben Nacht die „Meeresbraut" zum Opfer fal­len sollte. Wenn auch das schreckliche Unwetter für alle Passagiere gleich furchtbar war, so empfand doch Felicitas dasselbe vielleicht am härtesten.

Mit eigenthümlicher Zähigkeit hatte sie stets an dem Glauben festgehalten, daß Jhno's Fahrzeug nicht untergegangen sei, und nun dachte sie sich dasselbe, gleich dem Dampfer, auf welchem sie weilte, im Kampfe mit dem rasenden Sturme, den haushoch gehenden Wogen preisgegebm. Es war ihr, als müffe sie ihm zu Hilfe kommen, ihm, den sie ja jetzt lieben durfte! Aber wie wenig ahnte sie, daß die Gebilde ihrer Phan­tasie genau mit der Wirklichkeit zusammenttafm! Die kleine Hängelampe gab kein Licht mehr, es war stock-

I zwischen Triest und Brindisi war nicht nennenswetth, und so hat der Reichstag auf Antrag der Reichsregierung nach kaum zwei-

I jähriger Dienstzeit diese Linie Triest-Brindisi-Alexandrien wieder I aufgehoben und das Anlaufen in Genua angeordnet.

I Die Verwirklichung des Orient-Expreßzuges über Saloniki führt nun rasch in den Orient. Die Entfernung zwischen Ber- I Im und Port Said ist über Brindisi 3745 km und über Salo- I niki nur 3362 km, die Abkürzung mithin nicht weniger als 383 km. Die Post kann daher aus dem Wege Berlin-Saloniki

I um etwa 19 Stunden schneller befördert werben als auf dem Wege über Bttndisi, selbst unter, der Voraussetzung, daß die türkischen Züge nur 40 km die Stunde fahren und den Nacht­dienst vermeiden. Dazu kommt, daß auf dem Wege über Salo­niki nur 735 Seemeilen vom Dampfer zurückzulegen sind, da­gegen von Brindisi nach Port Said 940 Seemeilen. Diese Er­sparung von 205 Seemeilen, d. h. von 17 Stunden Seefahrt,

I ist selbstverständlich für den Passagier-Verkehr von hoher Bedeu­tung. Es soll ein Versuch mit der Linie Saloniki - Port Said thunlichst mit Ausdehnung nach Alexandrien gemacht werden. Die vom Reiche bewilligte, noch für etwa 12 Jahre laufende Unterstützung für die Mittelmeer-Linie ermöglicht es eben, diesen Versuch gründlich und umfassend zu unternehmen. Es wird sich dann Herausstellen, daß gerade jetzt der günstigste Zeitpunkt ge­kommen ist, in Saloniki festen Fuß zu fassen und die Einfuhr einerseits nach Mazedonien, Albanien und selbst Serbien I und Bulgarien und anderseits nach Egypten zu heben und zu fördern. Sowohl England wie Frankreich haben die Bedeutung dieses Theiles des Orients für die heimische Industrie erkannt und treffen Vorbereitungen, diesen neuen Handelsweg nach Mög­lichkeit auszunutzen. Deutschland ist in der glücklichen Lage, hier einen nennenswerthen Vorsprung nehmen zu können. Die Wich­tigkeit dieses Handelsweges geht schlagend aus folgenden wenigen Zahlen hervor: Egyptens Einfuhr ist 1887 auf etwa 171 Mil­lionen Mark geschätzt; davon entfielen auf England 68 Millio­nen, auf Frankreich 19 Millionen, auf Oesterreich-Ungarn 16 Mill., auf Deutschland nur 465,000, auf Belgien allein 2,600,000 Mark. Daß es da der Mühe lohnt, gegen den alten Schlendrian anzukämpfen und mit allem Ernst und weitem Blick in die Zu­kunft die kräfttgsten Anstrengungen zu machen, um deutschen Handel und Verkehr auch in Egypten, sowie über­haupt im Orient die ihm gebührende Stellung zu verschaffen, bedarf keiner weiteren Mahnung.