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Samstag, den 31. Januar 1891.

! 8. Jahrgang

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Fuldaer

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

Die ,F«ldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.

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Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer­lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

* Zur Arbeiterschuhgesetzgebung,

Der sehr umfangreiche Bericht der Arbeiterschutz- Kommission i|t dieser Tage erschienen. Der Bericht ist mit großer Exaktheit und Uedersichtlichkeit von dem Centrumsabgeordneten Hitze ausgearbeitet. Die erste Lesung des Gesetzeuuvurfes war bekanntlich nach der dreitägigen Debatte im Mai des verflossenen Jahres von der Kommission noch im November in einer Reihe von Sitzungen vor Zusammentritt des Reichstags- Plenums erledigt worden; die zweite Lesung bean­spruchte ebenfalls mehrere Berathungen, die am 14. Januar mit der Festsetzung des Berichts und der Ab­stimmung über das ganze Gesetz endigten.

Von besonderem Interesse sind die eingehenden Erörterungen zu Artikel 1 über die allgemeinen Verhältnisse der Sonntagsarbeit und Sonntags­ruhe auch in den nichtdeutschen Ländern, sowie über die einschlägigen Zustände, Wünsche und Forderungen innerhalb der einzelnen Gewerbszweige, sowie die Darlegungen über die Aufsichtsorgane („Arbeitsamt") und die generelle Frage der Ausnahmegewährungen, die dem Bundesrathe oder auch den höheren und unteren Verwaltungsbehörden zugestanden werden sollen. In Bezug auf die Sonntagsruhe im Eisenbahn- d lenste wurde in zweiter Lesung mit großer Mehr­heit die Resolution angenommen, wonach der Reichs­kanzler zu ersuchen ist, behufs Förderung der Gewährung ausreichender Sonntagsruhe beim Eisenbahndienste seine Vermittlung bei den verbündeten Regierungen eintreten zu lassen, insbesondere aber dahin zu wirken, daß der Güterverkehr , an Sonn- und Festtagen möglichst ein­geschränkt werde. Eine ähnliche Frage war im preußischen Abgeordnetenhause Gegenstand einer Anregung seitens der Abgeordneten Richter und Hitze. Daß auch der bayerische Landtag sich wiederholt mit dieser wichtigen, aber auch schwierigen Frage beschäftigt hat, ist bekannt. Die zum Theile einschneidenden neuen Bestimmungen, welche auf die Verhältnisse der Gesellen und Ge­hilfen, die Aufkündigung, Entschädigung im Falle des Vertragsbruches („Buße"), die Verleitung zum Kontraktbruche u. a. Bezug haben, werden in will­kommenster und klarer Weise in dem Berichte klar­gelegt.

Ein weiterer Abschnitt über die Verhältnisse der Fabrikarbeiter, beschäftigt sich in eingehender Weise mit den Arbeiterausschüssen und der „obligatorischen Arbeitsordnung" und ihren Bestimmungen bezw. dem Verhalten der Arbeiter innerhalb und in gewissen Fällen auch außerhalb der Fabrikbetriebe, dann mit der Frage der „Auslöhnung der Minderjährigen", in Bezug worauf man schließlich sich auf die Formulirung einigte (§ 119 a), daß durch statutarische Bestimmung

Sonnenried.

Roman von Marga Brechten.

(74. Fortsetzung.)

Den ersten Anzeichen des Sturmes folgten andere. Der Wind stand voll im Segel und das Schiff schoß, von der hochgehenden See getragen, förmlich dahin. Der Himmel war mit dunklem Gewölk bedeckt, es war finster, nur das Meer leuchtete weiß — das war der Schaum der vom Sturme gepeischten Wogen.

Längst hatte der Kapitän seine gewöhnliche, sichere Haltung wiedergewonnen. Stark und voll tönte seine Stimme durch das tosende Wetter, klar und deutlich lauteten seine Befehle. Die Mannschaft arbeitete ange­strengt. Jeder war an seinem Posten, sich an den schwankenden Tauen mit einer Hand haltend, bald hier, bald dort in der Finsterniß verschwindend, aber immer wieder an der Stelle auftauchend, wo der Wille des Schiffsherrn ihn hin befchied. Sie wußten, die Nacht war ernst, es galt das Leben, und wenn der Tag graute, hatte das Meer wohl seine Opfer gefordert.

Die Dunkelheit verhüllte das wetterharte, aber sorgenvolle Gesicht des Steuermanns, nur schwer ge­horchte das Rad seiner starken Hand. Die Maschine stöhnte und ächzte, das Schiff krachte unheimlich. Manchmal senkte es sich vorn, als wolle es sich tief in das Meer bohren, dann wieder wurde es von einem

einer Gemeinde oder eines weiteren Kommunalverbandes für alle Gewerbebetriebe oder für gewifse Arten der­selben Auszahlung des Lohnes an die Eltern oder Quittung der Eltern, oder durch regelmäßige Mit­theilung an die Eltern vorgeschrieben werden kann.

Auch die „Schutzbestimmungen" für „Kinder", „junge Leute" und die Arbeiterinnen und die hierfür zulässigen Ausnahmen werden nach ihrer allgemeinen Seite hin und in allgemein verständlicher Weise und in Vergleichung mit der Gesetzgebung anderer Staaten besprochen.

Endlich verdient noch besondere Beachtung, daß an mehreren Stellen des Berichts ausdrücklich darauf hingewiesen wird, daß die zu weitgehende Ausdehnung einzelner vorgeschlagener Gesetzesbestimmungen auf das Kleingewerbe und speziell wiederum einzelner Schutzvorschriften auf „Lehrlinge" schwer thunlich und theilweise mit großen Schwierigkeiten verbunden sein würde.

Noch immer laufen Vorstellungen und Wünsche einzelner Gewerbebetriebe zu der in Aussicht stehen­den Abänderung der Gewerbe-Ordnung ein; so ganz jüngst eine Petition deutscher Kellner, welche sich dagegen beschweren, daß die Gastwirthsgehilfen von § 105a—105k des Arbeiterschutzgesetzes (Sonntagsruhe) ausgeschlossen sein, und zur Erwägung geben, daß sie zwar nie eine Sonntagsruhe, wohl aber nach sechs­tägiger Arbeit einen Ruhetag im Laufe der Woche erstreben wollen, der sich ganz nach den Einrichtungen eines jeglichen einzelnen Geschäftes richten könne, aber vom Staate ihrem Stande zugesichert werden solle. — Andererseits petitioniren die sämmlichen 13 Bäcker­bezirksvereine Berlins dahin, daß für ihren Ge­werbebetrieb behufs Anfertigung des stets nur im frischen Zustande gesuchten „kleinen Gebäckes" aller Art auch die, wenn auch eingeschränkte, Sonntagsarbeit als statthaft erklärt werde, ähnlich wie diese Ausnahme­bestimmung für das Gast- und Schankwirlhschafts-, wie für das Verkehrsgewerbe statuirt worden sei (§ 105i). Die Lage des kleineren Müllereigewcrbes gegenüber Dem neuen Gesetzentwürfe haben wir bereits dargestellt. Sachverständige hier bestätigen die Richtigkeit dieser Erörterung.

Die sozialdemokratische Reichstags-Fraktion bringt übrigens zur zweiten Lesung des Arbeiterschutz- Gesetzes eine Reihe, circa 70, von Anträgen ein, von denen wir als prinzipiell wichtig hervorheben: Ein­führung des lOstündigen Maximal-Arbeitstages, des achtstündigen Arbeitstages bei Arbeiten unter Tag, Ein- und Ausfahrt eingerechnet. 36stündige Sonntagsruhe. Verbot der Kinderarbeit bis zum vollendeten 14. Jahre. Verbot der Nachtarbeit für jugendliche und weibliche Arbeiter. In § 153 sollen auch die Arbeitgeber für

mächtigen Wogenkamme in die Höhe geschleudert. So theils gehoben, theils geschleudert, tanzte es über das wüthende Element, das noch vor kaum einer Stunde in tückischer Ruhe friedlich kosend um seine Planken gespielt. Eine Sturzwelle stürzte über das Verdeck, ihr schäumender Gischt näßte die dunklen Gestalten, ein Krachen, ein Bersten erfolgte — als das Wasser sich dumpf rollend zurückwälzte, war die Spitze des Hauptmastes fort. t .

„Kappt die Taue!" tönte die Stimme des Kapi­täns',' denn die Gewalt der hinwegfluthenden Taue drohte das Fahrzeug auf die Seite zu reißen Hoch auf blitzten die Beile, noch war das Unglück nicht groß, die Spitze des Mastes konnte ersetzt werden. Aber ein zweites, drittes Krachen erfolgte, da lag der aanze, gewaltige Mast zerbrochen über Bord. _

Die schreckliche Dunkelheit und das Getöfe des Sturmes dauerten fort. Die wenigen Laternen waren verlöscht, die Raaen abgerissen und die Segel schwam­men in den Fluthen. Alles bewegliche Gut war von dem Verdecke hinweggeschwemmt worden, nur zuweilen ertönte ein Rasseln und Klirren, und dieser Ton hatte etwas Beruhigendes für die Mannschaft, er kam von den Ketten her, an welchen die Rettungsboote befestigt waren. So lange er ertönte, so lange hingen auch jene noch an ihrem Platze.

Schon Stunden lang hatte das Unwetter gewährt.

den Fall, daß sie die Koalitionsfreiheit hindern,k^wirt,am getroffen und in § 154 eine Bestimmung ausgenommen werden, wonach die Aufstchtsbeamten auch die Haus- industie zu konrroliren berechtigt sind.

Die Berathung im Plenum des Reichstags, welche jeden Tag zu erwarten ist, und jedenfalls gegen drei Wochen in Anspruch nehmen dürfte, wird über Ein­zelne Punkte noch näheres Licht verbreiten und manche Abänderungen hervorbringen. Im Großen und Ganzen indessen bildet der treffliche Bericht mit den darin niedergelegten Resultaten einer eingehenden und mühe­vollen Kommisstonsberathung sicherlich die feste und erfreuliche Grundlage zu einem allseitig begrüßten Fort- schreiten auf der Bahn der großen sozialpolitischen Gesetzgebung, wie sie das Centrum jetzt vor beinahe 13 Jahren bestimmt und nachdrucksvoll zu inauguriren bemüht gewesen ist.

Deutsches Keich.

Berlin, 29. Januar.

* Der Rücktritt des Generals Lesezynski, Kom­mandeur des 9. Armee-Korps, hat sehr überrascht, da noch vor wenigen Monaten der General als zukünf­tiger Nachfolger des angeblich zurücktretenden Grafen Waldersee bezeichnet worden war, und er sich des persönlichen Vertrauens des Kaisers erfreute. Bei dem Suchen nach Gründen für den Rücktritt ist man auch auf die Thatsache gekommen, daß Fürst Bismarck kürz­lich einer offiziellen Festlichkeit beim General bei­wohnte. Es hat das damals allerdings einiges Auf­sehen erregt, indeß ist es doch kaum glaublich, daß dieser Umstand den Rückrritt des als sehr befähigt geltenden Offiziers zur Folge haben sollte. Auffällig ist es allerdings, daß die ,Hamb. Nachr.', das Leib­blatt Bismarck's, sich bereits der Angelegenheit be­mächtigt.

* Die ,Nordd. Allg. Ztg.' meldet: Dem Vernehmen nach wird der Chef des Generalstabs, Graf Waldersee, als Nachfolger Lesczynskis das Kommando des neunten Armeekorps übernehmen.

* Im Reichstage wurde heute die gestern abge­brochene Debatte über die Ermäßigung der Telegramm- gebühren für Zeitungen fortgesetzt, wobei die Abgeordneten Münch, Vollrath und Richter scharfe Angriffe auf den Staatssekretair richteten, letzterer insbesondere auch das Wolff'sche Bureau scharf fritifirte.

* Das Abgeordnetenhaus erledigte heute ohne sonder­lich bemerkenswerthe Debatten eine ganze Anzahl kleine­rer Vorlagen, zumeist in erster und zweiter Berathung, darunter auch die Helgoland-Vorlage. Bei dieser nahm der freikonservative Abg. Dr. Arendt die Gelegenheit wahr, seinem bedrückten kolonialpolitischen Herzen Lust Die See brüllte und raste, und trotz der immer höher aufschäumenden Wogen bewegte sich das Schiff jetzt nur mühsam vorwärts. Es war ungewiß, ob die ur­sprünglich südwestliche Richtung ganz genau eingehalten worden war, denn dem tobenden Elemente waren Menschenkräfte auf die Dauer nicht gewachsen. Noch drehten die ermatteten Hände des Steuermanns das Rad, aber das Fahrwasser schien immer weniger zu werden.

„Achtzehn Faden!" meldete der Matrose an der Logleine. Gleich daraus zeigte seine Stimme an, daß man den Grund schon auf sechzehn Faden finden könne.

Ein neuer Befehl des Kapitäns erfolgte, noch ein­mal gehorchte das Schiff den gewaltigen Anstrengungen der Bemannung — es wendete sich. Zugleich däm­merte in der Ferne der erste Streifen des neuen Tages herauf und mit ihm legte sich in etwas die Gewalt des Sturmes. Die Männer athmeten auf — es wurde Heller und Heller, aber das erfahrene Auge des Schiffs- Herrn erkannte in unmittelbarer Nähe ganze Berge hoch- anfspritzenden Schaumes, an deren Fuß das Wasier eine eigentümliche, wirbelnde Bewegung machte.

„Gott! Was wird das Schicksal meines schönen, stolzen Fahrzeuges sein?" — Ein knirschender Laut, ein Stoß dann ein Krachen, dem ein wilder, ver­zweifelnder Schrei der ganzen Besatzung folgte — das war die Antwort auf jene stumme Frage.