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18. Jahrgang

ormtag, den 25. Januar 1891.

Fuldaer Zeitung

-- _ . .... „....... - .... T-rurf u. Bftiao her Änlbae* Actienöruckerei («. Sitlmann).

$rud u. »erlag der Fuldaer Actiendruckerei (1. DiLmaml).

Ftr die Rebection verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

die Einrichtung wesens entzogen, .weit es-, sich «nt des „Verkehrs" begründet sei.

nebst der illustrirten Gratisbeilage ,Sterne und Blumen' von allen Postanstalten, Land- briefträgern, Zeitnngsträgern und von der Ervedition (Katholisches Bereinshaus .Har monie'l zum Preise von 1 M. (nebst Bestell­gelds jederzeit entgegengenommen.

Vierteljährlicher Abonnement<prei« »-» Dring**» lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumes in Fulda und auswärt» 1 Mark 50 Pfennig.

und Verwaltung des Telegraphen- daß durch dieselbe auch positiv, inio- Benutzung dec-Telegraphie zu Zwecken handelt, em Alleinrecht des Reiches

ist. Katholiken Preußens, seid auf der Hut! nnter- schätzet die Gefahr nicht, welche hier droht. Hoffentlich werden die demnächstigen Verhandlungen dazu bei­tragen, die Sachlage zu klären. Wen die Verant­wortung trifft, in unserer von llmsturzbestrebuugen er­füllten Zeit die guten staatserhaltenden Elemente durch ein solches Kampfgesetz zu zersplittern, darüber kann kein Zweifel herrschen. Videant consules!

Für die Monate Februar und März werden Abonnements ans die

* Dem Herr en hause ist ein Gefetzenrwurf, betr. die Vereinigung der Insel Helgoland mit der preußischen Monarchie, zugegangen.

* In der Budgetkommission des Reichstags erklärte heute der Kriegsmtnister, daß vorlänstg in absehbarer Zeit keine militärischen Forderungen erhoben werden würden, abgesehen von solchen, die durch nothwendige Reformen bedingt seien.

* In den letzten Tagen sind wieder verschiedene dem Kaiser zugeschriebene Arußerungen durch die Blätter gegangen. Solchen Mittheilungcn gegenüber ist im Allgemeinen Vorsicht geboten, nicht, daß man es in der Mehrzahl der Fälle mit Erfindungen zu thun hätte, aber häufig liegt eine falsche Auffassung vor, oder die Loslösung einer Bemerkung aus dem ganzen Zusammenhänge eines Gesprächs verleiht ihr einen Charakter, den sie ihrem Wesen nach nicht hat. Richtig dürfte sein, daß der Kaiser einem polnischen Abge­ordneten gegenüber feine Genugthuung über die Haltung der Polen in der Frage des Schutzes unserer Land­wirt h s ch a f t ausgesprochen hat.

* Der Entwurf eines TelegrupheugesrtrrS ist dem Bundesrarhe zugegangen. Derselbe bezweckt bestimmt auszufprechen, daß durch die Vorschrift der Verfassung, wonach das Telegraphenwesen für das ganze Reichs­gebiet als einheitliche Staatsverkehrsanstalt eingerichtet und verwaltet werden soll, nicht nur den Einzelstaaten

(*) Gin neuer Kulturkampf.

Der gesammte Unterricht, auch der Religionsunter­richt wird im Auftrage des Staates ertyetlt. Den einzelnen Religionsgenossenschafteu wird nur eine unter­geordnete Mitwirkung gestattet. Dieses ist das Prin­zip, welches in den Kommissionsverhanolungen der Volksschul-Gesetzvorlage die Bestätigung aller Parteien des Landtags im Gegensatz zu den Centrumsavgeord- neten gefunden hat. Man kann darüber streiten, ob die'er Grundsatz von protestantischem Standpunkre aus — wo bekanntlich der Landesherr auch zugleich der oberste Bischof ist — gerechtfertigt ist, aber mit katho­lischer Auffassung ist dieser Grundsatz durchaus unver­träglich, er verstößt, rote unsere Vertreter im Landtag schon betont haben, gegen bas katholische Dogma, wo­nach die Lehrgewalt einzig und allein der Kirche ob­liegt. Es ist ein Kulturkampfgesetz von derselben Art, rote diejenigen, mit denen wir im Anfänge der 70 er Jahre gesegnet wurden; Thatsächlich besteht kein Un­terschied itnb es ist einerlei, ob uns der allmächtige Staat einen Geistlichen schicken will, der uns das gött­liche Wort verkünden soll oder ob er Lehrer bestellen will, welche in seinem Auftrage unseren Kindern in den Wahrheiten unserer Religion unterrichten sollen. Und was würden wir dazu sagen, wenn wir mit ge­setzlichen Mitteln, mit Geldstrafen dazu angehallen werden sollen, die Predigten eines Geistlichen der oben bezeichneten Art anzuhören. Würdeii wir es nicht als eine schreiende Ungerechtigkeit, als einen unerträglichen Gewissenszwang bezeichnen müssen. Ganz dasselbe ge­schieht mit unseren Kindern, welche man zwingen will, und zwar mit gesetzlichen Strafen, sich von solchen Lehrern in den Wahrheiten unserer Religion unter­richten zu lassen, welche vom Staate bestellt und zwar einseitig bestellt werden und denen es jeden Tag ein­fallen könnte, unter dem Schutze des Staates die Vor­schriften und Anordnungen der mit der Ueberwachung der Lehre beauftragten Kirche zu verachten, ohne irgend­wie darüber zur Rechenschaft gezogen werden zu kön­nen. Und dieses Gesetz will uns Katholiken Preußens eine protestantische Mehrheit aufdringen, ein Gesetz, welches gegen das ganze Wesen unserer Kirche gerichtet

" * Der Abg. Richter beantragt zum (rtut Be5 Reichsschatzamtrs, daß Beamte bei Dienstreisen nur den wirklichen Preis der Fahrkarten ersetzt erhal­ten, und zum Etat des Reichsinoalideufonds E r - Höhung der Penfionszulagen für die invaliden Militärpersonen niederen Grades.

* Im preußischen Abgeordnetenhause ist von dem polnischen Abgeordneten Mottl; mit Unterstützung ver­schiedener Parteien die bereits angekündigte Inter­pellation an die Regierung eingebracht worden, ob und welche Maßregeln, neben den bis jetzt getroffenen, dieselbe angesichts der durch falsche Vorspiegelung ge­wissenloser Agenten hervorgerufenen und im Frühjahr allem Anschein nach in vermehrtem Maße drohenden Massenanswanderung nach Brasilien zu ergreifen ge-

Sonnenried.

Roman von Marga Brechten.

. . <68.Fonietznng.)

~eiK, wie sie gekommen, ging sie zurück und be­stieg den harrenden Wagen. Vielleicht hatte sie noch nie den Unterschied zwischen ihrem und der Schwester Loos so deutlich empfunden, als eben jetzt. Ach, wie war doch mit Herberts Tode, Alles so anders ge­worden?

AlS fie zu Hause angekommen, schüttelte ein leichter Frost ihre Glieder. Stumm ließ sie sich von Hanna entkleiden und zu Bett bringen.

„Die Fahrt hat Ihnen nicht gut gethan, gnädige Frau," sagte die treue Dienerin, als sie den Thee herauf brachte. „Mir scheint, sie hat Ihnen eher die letzte Kraft genommen."

„Ich glaube auch so, Hanna; doch was liegt daran? lautete die Antwort.

XU.

Der Tag ging mit einem orkanartigen Sturme zu Ende. Es war eine schreckliche Nacht. Der Wind brauste und heulte um das Schloß, und die starken Aeste der alten Parkbäume bogen sich und brachen unter den furchtbaren Stößen wie dürres Reisig von Kindeshand geknickt. Dann und wann folgte em Krachen, daß es war, als ob der Riesenbanm im Hofe sich spal-

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denke.'

* Der Ausschuß der Kölner Innungen hat sich an verschiedene Parteien mit der Bitte gewandt, bal­digst an den Reichskanzler die Interpellation des In­halts zu richten, erstens: Weshalb ist der vom deutschen Reichstage in voriger Reichstagssefsiou angenommene mußte seinen erstaunten Bück verstanden haben, denn sie sagte:

„Ich habe auf Dich gewartet, Bill. Bringst Tu / mir endlich Kunde?"

„Ja, Maren, heute Rächt gilts, wenn Ihr etwas vorhabt," antwortete der junge Neger, welcher jetzt des Deutschen vollkommen mächtig war.

„Was sagte er?" fragte sie.

„Ich stand hinter dem Pfeiler versteckt und da hörte ich, wie er zu Mr. Berthold, dem Inspektor, sprach. Er sagte etwas von schnellem Hinsiechen, viel­leicht, daß ein Ereigniß sie aus ihrer — das Wort ging mir verloren, Maren! — herausreißen könnte, Ihr versteht mich wohl! Ja, selbst der feste Wille zu leben, könne sie noch retten, aber der eben fehle ihr." Hier schluchzte Bill.

„Ist das Alles auch wahr, Bill?"

„So wahr, als ich Bill FouMing heiße und armer Nigerbub von Massa Kapitän vor der Schänke im fer­nen Land gefunden worden. Hört Ihr den Sturm, Maren? Hört Ihr, wie das Gethier im Thurme auf- schreit? Just so heulte es um die alte Brigg in der Nacht, als Klausen, der gute Steuermann, starb. Und sie ist auch gut, und sie wird auch sterben nach dieser schrecklichen Nacht, denn was der Doktor sagt, bedeutet den Tod. Dann ist Bill ganz allein, liegt doch fein Herr schon tief drunten im Meer."

Deutsches Kelch.

Berlin, 23. Januar.

* Bom Abgeordneten LLiuSthorft geht der .Ger­mania' folgendes zu:

„Zn meinem 80. Geburtslage sind mir so viele Telegramme, Briefe, Blumenspenden und andere Beweise der Theilnahme von allen Seiten zugegangen, das; es mir bei dem Drange meiner sonstigen Obliegenheiten zu meinem Bedauern unmöglich ist, für ieben einzelnen Glückwunsch besonders zu danken. Ich bitte deshalb, meinen so herzlichen als,verbindlichen Dank hier­durch öffentlich und sür Alle abstatten zu dürsen. Zugleich danke ich auch namens der Gemeinde Denen aufrichtig, welche den Anlaß meines Geburtsfestes benutzten, um mir größere und kleinere Geldbeiträge und sonstige Gaben für die Marienkirche in Hannover zur Verfügung zu stellen."

Berlin, den 22. Januar 1891. Dr. Windihorst.

* Ju parlamentarischen Kreisen hat die Tperrgelder- Borlage wie eine Bombe eingeschlagen. Der Inhalt des Gesetzes war seit acht Lagen in eingeweihten Kreisen bekannt. Die Kartellparteien hatten indeß nicht geglaubt, daß die bischöflichen Forderungen ohne Weiteres angenommen würden. Der totale Umschwung wurde wahrscheinlich durch den Kaiser und Minister Dr. Miquel verursacht. Kultusminister Goßler hatte noch im vorigen Jahre sich gegen jedes weitere Ent­gegenkommen verwahrt. Für die Vorlage stimmen nunmehr das Centrum mit den Polen, die Freisinnigen und das Gros der Konservativen. Die Annahme ist demnach zweifellos. Dagegen stimmt ein kleiner Theil der Konservativen und wahrscheinlich die meisten Natio­nalliberalen. Das konservative ,Deutsche Tageblatt' aceeptirt die Kapitalzahlung, vermißt jedoch die erfor­derlichen Kautelen für pünktliche Verwendung der Kapitalien und kündigt die Opposition eines Theiles der Konservativen an. Die ,Boss. Ztg.' meint, der Staat habe vor dem Centrum und der Curie auf Gnade und Ungnade kapitulirt. Man sehe nicht ohne Besorgniß die Erstarkung der Machtmittel der Curie. Man könne der Ausdauer des Centrums, welche mit dem Sieg gekrönt wurde, die Anerkennung nicht ver­sagen. Das Centrum könne darin allen anderen Par­teien als Muster dienen.

ten müsse unter der Wucht des Unwetters. Aber die Eiche, die schon Jahrhunderten getrotzt, hielt jedem Anprall Stand; ihre gewaltigen Wurzeln sogen gierig die Wasserlachen auf, welche sich zu ihren Füßen ge­bildet hatten, denn der Regen fiel in Strömen.

Jetzt fuhr ein neuer Stoß durch das Haus, eS heulte in den hohen Kaminen, dann wieder folgte ein ächzender, kreischender Laut, der sogar das Prasseln des Regens übertönte. Am stärksten tobte das Unwetter im alten Thurme, eben dort, wo sich schon seit ge­raumer Zeit eine schlanke Gestalt an den seuchtkalten Wänden hintastete.

Von Zett zu Zeit ließ der Sturm einen Augenblick nach, als müsse er selbst sekundenlang rasten, um mit verdoppelter Gewalt losbrechen zu können. Aber sür die Dauer einer Minute herrschte Todtenstille, unheim­liche, schauerliche Sülle, sogar die Wassergüsse schienen auszusetzen. Eine solche Minute benutzte die dunkle', an Marens Zimmerthür lehnende Gestalt, um sich md- lich Gehör zu verschafien. Diesmal wurde das laute, dringende Pochen gehört, und Maren erschien auf der Schwelle, gebeugter, runzeliger, als sie es dm Jahren nach hätte sein können. In ihren Augen flackerte ein unstätes, irres Licht, aber es war nicht das, was Bill, denn er war der späte Besucher, stutzig machte, sondern die Wahrnehmung, daß die Alte mit einer gereiften Sorgfalt und wie zum Ausgehm gekleidet war. Sie