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Mittwoch, den 21. Januar 1891.
18. Jahrgang
Fuldaer Zeituna
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Deutsches Keich.
Berlin, 19. Januar.
* Das zum 80. Geburtstage Windthorst's veranstaltete Diner im Kasierhof war von mindestens 200 Personen besucht. Der Vorsitzende der Reichstags- frattion, Gras Ballejlrem, toastirte in ernsten und launigen Wendungen aus Windlhvrst, Frhr. v. Heere- mann aus Windlhorst's Gattin und Tochter, Stablewski brachte Namens der Polen, Bruel Namens der Deutsch- Hannoveraner aus Windthorst einen Trinkspruch aus. Gras Preysing verlas sodann folgendes Schreiben des Kardinalstaatssekretärs R a m p o l l a:
„An Se. Excellenz Herrn Ludwig Windthorst, Abgeordneter zum deutschen Reichstag und zum preußischen Landtag. Excellenz! Hochwohlgeborener Herr! Dem demnächst wiederkehrendes Geburtsfest wird nicht allein von Deinen Angehörigen und politischen Freuiwen, sondern zugleich von allen Katholiken Deutschlands mit gemeinsamem Jubel gefeiert werden. Haft Du doch stets, wo es galt, die Interessen unserer hl. Religion zu Der« theidigen, Seelenstärke und Geisteskraft, Eifer und Festigkeit in einem solchen Maße bewährt, daß Du mit vollem Rechte Dir Aller Zuneigung und Liebe gewonnen hast. An dieser Freude nehme auch ich innigen Antheil und ergreife gerne die Gelegenheit, Dir bei diesem sreudigen Anlasse von Herzen Glück zu wünschen uud Dir auszusprechen, wie warme Gebete ich zu Gott dem Herrn empvrsende, daß er Dich noch recht lange in Gesundheit und in Deiner vollen Kraft eryallen wolle, zum Nutzen der Kirche und der Geselljchaft. Mit ganz besonderer Freude aber erfüllt es mich, daß ich Dir einen erneuten Beweis des ganz besonderen Wohlwollens melden darf, das Seine Heiligkeit der Papst Dir immerdar widmet. Es hat mich nämlich der Oberhirte der Kirche beauftragt, Dir in Seinem Namen Seine Glückwünsche auszufprechen und Dir Mittheiluug davon zu machen, daß seine -Heiligkeit Dir zum Unterpfande aller Gaben des Himmels den apostolischen Segen in aller. Liebe ertheilt. Indem ich diesem Auftrage Seiner Heiligkeit mit Freuden Folge leiste, spreche ich Dir zugleich meine ganz besondere Ergebenheit und Hochfchätzung für Deine Person aus, flehe die Fülle des göttlichen Segens über Dich herab, und zeichne, Excellenz! in vollkommener Ergebenheit M. Kardinal Rampolla Rom den 12. Januar 1891."
Nach diesem Schreiben, welches dem Jubilar sichtlich große Freude bereitet hatte, verlas Graf BaUestrem ein Beglückwüufchungsschreibeu des Nuntius Mons. Agliardi in München. Beide Schriftstücke wurden von den Anwesenden mit lebhaftem Beifall begleitet. Excellenz Dr. Windthorst dankte hierauf Allen tief bewegt für die Liebe und Zuneigung, die ihm von allen Setten dokumenlirt worden sei, und mahnte zur Einigkeit, durch welche das das Centrum, wie bisher, so auch in Zukunft unbesiegbar sein werde. Zum Schluß der Festlichkeit wurden noch Lieder auf Windthorst recht wacker vorgetragen. Die Zahl der eingelaufenen herzlichen Gratulationen ist enorm. Biele Bischöfe und hervorragende Laien aus allen Ländern haben theils brieflich, theils telegraphisch ihre innigsten Glückwünsche dem Führer der größten Partei des Reichstages auSzedrückt. Die Blumenspenden sind außerordentlich zahlreich. Gra-
Sonnenrieö.
Roman von Marga Brechten.
(65. Fortsetzung.)
„Aus dem Gerede der Dienerschaft drang damals Manches in die Außenwelt," fuhr sie fort, „uud lange Zeit bildeten die Borgänge auf Freidorf das Tagesgespräch. Theils aus wahrer Theilnahme, theils aus Neugierde trafen viele Besucher auf dem Schlosse ein, aber die Haltung des Barons und seiner Frau war eine so würdige und taktvolle, ihr gegenseitiges Be- i nehmen so unverändert liebevoll, daß alle Gerüchte alsbald verstummten, um so mehr, als der junge Baron abgereist war und auch Fräulein Eltmann in ihre Heimath zurückkehrte. Em halbes Jahr später | kam sie wieder. Ihre Hochzeit mit Dr. Werner wurde aus Freidorf gefeiert — sehr still und einfach. Wie ! man sagt, hatte sie selbst es so gewünscht. Bertha van der Lohe und ich waren die Brautführerinnen, i ich sah nie eine schönere Braut als sie. Das junge Paar soll sehr glücklich leben. Dr. Werner ist Direktor ! des seit zwei Jahren fertig gewordenen Krankenhauses. I Er bewohnt mit dem Vater seiner Frau und deren Tante, welche beide aus chrer Heimath herüber ge- I kommen sind, das hübsche, daneben liegende Garten- I haus." I
tulationen trafen aus den verschiedenstenLändern, felbst aus Amerika ein. Die Feier dokuwentirte so recht die Liebe und die Berehrung, die der allverehrte Führer nicht bloß bei der Fraktion, bei den Katholiken, bei allen Parteien in Deutschland, beim Oberhaupte der katholischen Kirche, sondern in der ganzen katholischen Welt genießt.
* Den »Berliner Politischen Nachrichten' zufolge wird die Sperrgelder - Vorlage in nächster Zeit nicht zuerst dem Herrenhause, sondern dem Abgeordnetenhause zugehen. Die Regierung konnte dem Wunsche, die Vorlage erst dem Herrenhause zuzustellen, nicht entsprechen, weil das Gesetz gewissermaßen als ein Finanzgesetz anzusehen war. Der Inhalt der Vorlage werde jedenfalls von dem der vorjährigen abweichen. Nach der .Germania' hätte die Vorlage einen Widerspruch von katholischer Seite nicht zu erwarten.
* Die Nachricht, daß die Ernennung des Staatssekretärs v. Oehlschläger zum Präsidenten des Reichsgerichts bevorstehe, bestätigt sich. Der Bundcsrath hat ihn dem Kaiser zur Ernennung vorgeschlagen und der Kaiser wird ohne allen Zweifel auf diesen Vorschlag eingehen. Nachdem Herr v. Schelling die Wahl aus persönlichen Gründen abgelehnt hatte, war Herr v. Oehlschläger der nach Amt und Stellung berufene Nachfolger für Herrn v. Simson.
* Die erste Strafkammer des Berliner Landgerichts I verhandelte dieser Tage gegen den Redakteur der .Germania' Dr. Karkowski, wegen eines Artikels über die Schulverhältnisse in Reinickendorf, in welchem eine Beleidigung des dortigen Lokal-Schulinspektors Prediger, ^Schelk enthalten sein sollte. . Die Staatsanwaltschaft beantragte drei Monate Gefängniß, das Urtheil lautete auf 5 00 M. Geldbuße. Eine Hauptrolle spielte dabei die alte Klage über Ertheilung protestantischen Religions-Unterrichtes an katholische Kinder. In Reinickendorf bestand früher die Praxis, daß in der dortigen evangelischen Schule jedes Schulkind ohne weiteres an dem evangelischen Religions-Unterricht Theil zu nehmen hatte und davon erst dispensirt wurde, wenn die Eltern, die katholisch waren, dies ausdrücklich verlangten, während nach wiederholten Verfügungen ein Kind umgekehrt nur dann an dem Religions-Unterricht eines andern Bekenntnisses Theil nehmen darf, wenn die Eltern es ausdrücklich verlangen.
i * Die Einfuhr van lebenden Schweinen aus den Mastanstalten Bielitz-Biela und Steinbruch in die Schlachthäuser von Haynau und Landshut ist wieder- ruflich gestattet worden.
* Die Sozialdemokraten haben im Reichstag einen Antrag auf Einstellung des während der Reichstagsvertagung beim Landgericht Nürnberg eingeleiteten I Untersuchungsverfahrens gegen den Reichstagsabgeord- I neten Grillenberger (wegen Beleidigung) beantragt.
! Eine derartige Veränderung der stolzen Ballkönigin ! hätte früher Niemand für möglich gehalten, sagte Graf ! Gustav und blies kleine Rauchwölkchen in die Luft. ! „Was nicht die Liebe thut!" setzte er lächelnd hinzu und blickte bedeutsam zu Käthe hinüber."
„Wahr," meinte Ferdinande, „ich glaube, dasselbe Wort läßt sich auch auf den Baron und seine Frau anwenden. In der ersten Zeit lebten sie ganz zurückgezogen, später gaben sie dem Drängen ihrer Freunde mehr nach und nahmen an kleinen Gesellschaften wieder Theil. Dies war auch noch im letzten Winter der Fall, und es gewährte stets einen rührenden Anblick, die beiden so eng verbundenen Menschen so zusammen zu sehen: Seine hohe, urkräftige Gestalt neben ihrer hübschen, noch immer frischen Erscheinung; er, sie am Arme führend, und sie durch einen leisen Druck der Hand ihn leitend, — jedes Hinderniß, jeden Stein in seinem Wege sorglich umgehend. Als sie den gesellschaftlichen Verkehr wieder aufnahmen, bemerkte man deutlich, welche Ueberwindung es chn kostete, sich so inöen bekannten Kreisen zu zeigen; er soll es der Baronin zu Liebe gethan haben, und doch scheint es, als ob eher sie ihm einen Gefallen dadurch erzeige. Dasselbe innige Verhältniß findet auch zu Hause statt. Sie ist in Wahrheit seine Hand und sein Auge; und wenn Ihr mich fragt, wer sieht die Bücher durch,
* Gegenüber den unbegründeten Bermuthungen, die einige hiesige Blätter an die Rückkehr des Frh. v. Soden aus Ostafrika nach Berlin knüpfen, lheüt die ,N. A. Ztg.' mit, daß Frh. v. Soden sich nur für kurze Zeil nach seinem Gute begeben hat, um dringende Familien- und geschäftliche Angelegenheiten zu erledigen. Frh. v. Soden wird binnen Kurzem nach Berlin 'zurückkehren, um sich mit den Regierungskreisen über die künftige Organisation von Deutsch-Ostaftika zu verständigen, da er, wie nun sicher gestellt ist, die Gouverneurstelle für Deutsch-Ostafrika übernehmen und antreten wird.
* Meppen, 17. Jan. Die Wiederkehr des Geburtstages unseres allverehrten Vertreters im Reichsund Landtage Excellenz Windthorst wurde heute Morgen 8 Uhr durch ein Hochamt in der Pfarrkirche gefeiert. Abends 8 Uhr fand im Többe'schen Saale ein Festkommers statt.
München, 17. Jan. Der hochwürdigste Herr Erzbischof Dr. v. Schort wird in dem im Februar stattfindenden Konsistorium prükonisirt werden. Der Einzug in seine Erzdiözese dürfte daher im Laufe des März erfolgen.
Ausland.
* Luxemburg, 16. Jan. Der Großherzog hat be- schlossen, eigene luxemburgisch- Geldmünzen prägen zu lassen. Bisher hatte man nur luxemburgische Scheidemünze von 5 und 10 Centimes, außerdem war deutsches und französisches Geld im Umlauf. Das neue luxemburgische Silbergeld wird in der känigl. Münze zu Brüssel geprägt werden. Wie es heißt, sollen vom 1. März an auch neue Briefmarken mit dem Bilde des Großherzogs in Umlauf gesetzt werden.
* Rom, 17. Jan. Kardinal Aloisi Masella rourbr zum Nachfolger Hergenrothers als Protektor dee Anima ernannt. — Die Stellung des Papstes im Ra the der Fürsten hat neuerdings eine Kräftigung erfahren, welche auch der liberalen Prefse Worte -der Ueberraschung entlockt. Nachdem Portugal und der Kongostaat sich wegen ihres streitigen afrikanischen Gebiets von Muata Iamvo nicht haben einigen können, hat König Leopold von Belgien als Souverain des Kongostaats dem hl. Vater die Vermittelung in dieser Streitfrage angeboten und hinzugefügt, er werde sich dem Urtheil des Papstes als einem endgiltigeu Schiedssprüche fügen. Ob die portugiesische Regierung bereite den gleichen Schritt gethan hat wie König Leopold, ist noch nicht unzweifelhaft, wenigstens wird es bs- stritten, und zwar mit dem Bemerken, dass die Familienbeziehungen, welche zwischen der portugiesischen Dunastie und dem Quirinal bestehen, benutzt würden, nm der Zustimmung Portugals zu der päpstlichen Vermitte- nimmt die Berichte des Verwalters entgegen oder trifft Anordnungen, so muß ich sagen: sie thut es. Wer sitzt vom frühen Morgen bis zum Abende bei dem Baron, wer weicht des Nachts nicht von seinem Lager und liest ihm vor, wenn der Schlaf ihn flieht —seine Frau. Alles wendet sich an sie, Alles geht durch ihre Hand. Niemand hätte ihr die Kraft und Einsicht zu- getraut, welche sie in diesen schwierigen Verhältnissen zeigt, und ich begreife nicht, wie man jemals die abgeschmackte Behauptung aufstellen konnte, die Beiden liebten sich nicht,"
„Gott hat es gut mit dem Baron gemeint, als er Gn gerade Felicitas finden ließ," sagte Käthe innig. "Wer weiß, ob, wenn er eine Frau aus unseren Kreisen genommen, diese sich in der gleichen Sage ähnlich bewährt hätte."
„Mag sein," versetzte ihre Schwägerin nachdenklich. „Ich glaube indeß Jemanden zu kennen, der ihn wohl ebenso gepflegt hätte. Doch das sind leere Vermuth- ungen und ich sage mit Euch: Es ist aut so, wie es ist."
„Hat man nie etwas von dem Kapitän gehört?" fragte der Oberförster.
,Es tarnen wohl öfters Briefe von chm," versetzte seine Schwester, „aber die sind stets Monate alt, wenn sie anlangen, und geben also wenig genügenden Auf-