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Dienstag, den 13. Januar 1891.

18. Jahrgang

gtt dir Redaktion verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

hat

vertheidigt (S. 51).*

Aus-

eine hin-

4. „Nur der Wortlaut, nidjt das Wesen des Grundsatzes in Abrede gestellt wird, wonach der Zweck die Mittel heiligt (S. 4i fr)."

Fehlern den Ordensgliedern zur Pflicht gemacht wird (S. 26)."

mit schuldigem Wohl­wollen und Liebe (debitö cum amore et cbaritate) (3. 26)."

„Das nämlich die Behaup­tung, die Jesuiten lehrten nicht dem Worte nach, aber versteckt den Gnindsa»: der Zweck heiligt die Mittel) ist gerade so als

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In der Broschüre steht wdrtlich:

„Er tber Jesuit) soll seine Verwandten nicht mit einer un­geordneten, sondern mit der geordneten, höchsten, edelstenLiebe lieben (S. 24)."

„Daß die übermenschliche Macht (des Generals) eine sehr untergeordnete, die „un­umschränkte eine sehr be­schränkte, der absolute geist­liche Diktator . . . abhängiger" ist als der geringste Fürst der Welk (S. 25, 26)."

„Die Ordensleute sollen ge­genseitig ihre Fehler offenbaren

Herr S a l l m a n n behauptet, daß „nach ausdrücklicher Ein­räumung dieser Schrift":

1. „Die Liebe zu den Bluts­verwandten nach sesuittscher For­derung mit den Ordenspflichten unverträglich ist (S. 21)."

5. „Auch die Lehre von der Erlaubtheit des Tprannenmor- des als jesuitische Lehre zuge­standen wird (S- 50 ff)."

nahezu unbeschränkte gestellt wird (S. 25)."

liche Schweigen mußte gebrochen, Herbert's Hilfe an­gerufen werden. Und sie that es. Mit den Händen krampfhaft den Sims umklammernd, stieß sie zitternd die Worte hervor: „Es ist ein Sturm losgebrochen — ich bin so in Sorge!"

„Um meinen Sohn natürlich," antwortete er m einem veränderten, fast heiseren Tone. „Fürchte nichts, er kennt Weg und Steg und hat die Spürhunde bei sich."

„Ich dachte an Illa, sie ist allein ausgeritten und ich weiß nicht wohin."

Keine Antwort erfolgte.

„Willst Du nicht mit den Leuten hinaus und nach ihr forschen?" .

Er rührte sich nicht. Da rief sie in Thronen aus- brechend : ,

„£) Herbert, wie kannst Du so kalt sein, wenn es sich um das Leben meiner Schwester handelt? Ach, könnte ich doch selbst hinaus und nach ihr suchen!"

Jetzt verließ er seinen Platz, langsam zögernd, und als er am Tische vorüber mußte, stieß er daran. Sich umwendend, ging er rückwärts der Thüre zu, das Auge starr nach dem Fenster gerichtet, wo Felicitas stand.

Sie war allein. Lichter und Windlaternen flackerten im Hofe. Stimmen wurden laut, über allen tönte das mächtige, tiefe Organ ihres Mannes, der seine Be­fehle austheilte. Die Hunde wurden losgekoppelt, dann

theiligten oder im öffentlichen Interesse die Einführung der Gemeindevertretung anordnen. Die Zahl der Ge­meindevertreter kann durch Ortsstatut auf 24 (statt 18) erhöht werden. Ebenso, wie der Gemeindevorsteher, sollen die Schöffen in dieser ihrer Eigenschaft Mit­glieder der Genieindevertretnng sein.

* Die Gewerbestenerkemmisste» des Abgeordneten­hauses nahm heute ihre Sitzungen wieder auf. Be­schlossen wurde u. a., daß die' Gewerbesteuerrollen für die Dauer von 8 Tagen öffentlich ausgelegt werden sollen. '

* Die Deutschfreisinnnigen haben im Avgeirdneten- hause die Vorlegung von Uebersichten beantragt, aus der die Zahl der dienstfreien Tage deS Personals der Staatsbahnen und die Zahl und die Einkom­mens-Verhältnisse der diätarischen Beamten der Staatsbahn-Verwaltung ersichtlich werde.

* Der preußische Handelsminister von Berlepsch überwies zur Erhaltung der schlesische« Spitzennäherei eine ansehnliche Beihilfe aus Staatsmitteln.

* In dem Befinden des Herrn Dr. Freiherrn v- Schorlemer-Alst ist leider eine entschiedene Besserung noch nicht eingetreten. Derselbe vermag sich im Zim­mer ziemlich frei zu bewegen, ist aber an das Haus gefesselt und leidet fast täglich an der Wiederkehr hef­tiger Krampfanfälle. Noch leidender ist der Zustand seiner Gemahlin, bei welcher in Folge der Appetit- und Schlaflosigkeit die Kräfte sehr abnehmen. Möch­ten die Nachrichten aus Alst bald besser lauten!

i Wie's gemacht wird. Ein Mitglied des „Ev. Bundes" Herr Dr. K. Sallmann behauptet in der Hess. Morgenztg.' vom 19. Dez. 1890 Nr. 537 m der katholischen Flugschrift „Die Moral der Jesuiten und ihrer Angreifer", daß dieselbe „eine Reihe von Zugeständnissen macht, die für die Beurtheilung der Gemeingefährlichkeit des Ordens von unschätzbarem Werthe sind." Wir heben die hauptsächlichsten hervor.

„Die Gesellschaft Jesu nie diese Lehre gehalten und

Sonnenried.

Roman von Marga Brechtcn.

(58. Fortsetzung.)

2hr Herz sank; sie drückte sich tiefer in ihren Sitz, zitternd vor Dem, was nun kommen mußte. Diese bange, endlose Stunde der Furcht und der Scham war die härteste in ihrem ganzen Leben. O, daß die Erde sich geöffnet und sie verschlungen hätte! Jetzt, nachdem sie die Achtung ihres Gatten verloren, hatte das Leben keinen Werth mehr für sie. Manchmal war es ihr, als müsse fie zu ihm hinstürzen und ihm Alles beken­nen, aber sie wagte es nicht, denn sie fürchtete sich. Sie kannte seine Natur, das dort hinten war nur die Ruhe vor dem Sturme — er würde losbrechen und sie zerschmettern. Darum verhielt sie sich lautlos, kaum athmend, bis die Sorge um Illa sie nach dem Fenster trieb. Sachte glitt sie über den Teppich, damit der Blick des finsteren Mannes nicht auf sie fiel und sie so chr Schicksal beschleunigte.

Eitles Mühen! Warum drehte sie sich nicht ganz und voll zu ihm herum? Er wußte offenbar nicht, daß sie im Zimmer war, denn als ein leiser Ausruf vom Fenster her klang, schrak er zusammen.

Ein Sturm hatte sich erhoben, und der Wind trieb den Schnee vor sich her. Jetzt galt es, der Schwester Hilfe zu bringen, koste es, was es wolle. Das enisetz-

weun ich jagte: „Die prokestan- tffchen Prediger sind Diebe. Sie stehlen zwar nicht offen, das wäre gegen ihre Klugheit, aber versteM" (2. 44)."

2. „Die geistliche Diktatur des Ordensgenerals als

Besser tonnen die Feinde der Jesuiten ihre Ohn­macht nicht beweisen, als wenn sie zu solchen Mitteln greifen müsfen.

* Schweidnitz, 10. Jan. Der hiesige Kreisaus­schuß hat beschlossen, Haudwebcrn, die das Weberhand­werk als Hauptgewerde betreiben, und ihre Söhne ein Handwerk erlernen lassen, während der Dauer der Lehrzeit der letzteren postnumerando zahlbare Beihül­sen von je 20 M. für das Jahr zu bewilligen.

E. Aus Thüringen, 8. Dez. Die Jesuitenkurcht greift hier wie die Influenza um sich, treibt dabei immer tollere Früchte. Das Neueste bietet jetzt der sattsam bekannte Erfurter Prediger und Bundesritter Dr. Bärwinkel, dessen Logik es nachgerade zu folgendem Purzelbaum gebracht hat: „Dom Pedro II. hat die Liebe seines Volkes und den Thron Brasiliens wesent­lich deswegen verloren, weil die Thronerbin und Tochter Isabella die Jesuiten begünstigte und das Volk diese Herrschaft fürchtete." Also waren die Jesuiten die Verderber Dom Pedros, die Jesuiten die Zerstörer der Monarchie!! „Du glaubst doch nicht etwa, ich übertreibe" so frug er gewiß den ihn ob solcher Logik starr ansehenden Diakonus Lorentz, „Bei Gott, bewahre nein", „ich staune nur" war die Ant­wort, wie die Herren Schurzfellmänner in Brasilien auch staunen werden ob solch unverfrorener Logik. Fürwahr mit dem Ruhme Dr. Kochs ist es jetzt dahin; welch ungeahnte Aufschlüsse vermag diese neue Logik uns auf allen Gebieten zu geben! Nehmen wir nur mal den Würgengel Diphtheritis unter solche Forscheraugen, der uns fast die Aussicht eröffnete, daß dereinst die Vogel von Falkeustein'schen „Ferien­kolonien" alias Kasernen leer stehen würden. Er hat eine besondere Vorliebe für die Luftröhren der Kinder, wie Isabella für die Jesuiten: also sind die Luft­röhren die Mörder der Jugend, die Verderber der Armen, also fort mit ihnen und die Diphtheritis wird verschwunden fein. „Du glaubst doch nicht etwa, ich war es wieder still. Felicitas sah noch, wie sie sich entfernten und der Schein der Fackeln sich allmählich verlor. Wie sie die nächste Zeit zubrachte, sie wußte es nicht. Sie versuchte zu beten, aber sie fand keine Worte, keinen klaren Gedanken. Tie schreckhaftesten Bilder umschwebten sie beständig, bei jedem Laut eilte sie an das Fenster und schaute hinaus, die Stirn fest gegen die Scheibe gepreßt. Was würde sie sehen, wenn die Männer zurückkehrten? — Eine Bahre mit der Leiche ihrer verunglückten, erfrorenen Schwester.

Die Uhr schlug sieben. Als es acht war und noch immer Niemand gekommen, bestellte sie das gemein­schaftliche Souper ab und befahl, für den Baron allein zu decken. Die Stille im Zimmer wirkte beunruhigend auf ihre überreizten Nerven; die Uhr in der Halle tickte so laut und mit jeder Minute, welche verstrich ohne Kunde zu bringen, verstärkte sich die Furcht, daß auch ihrem Gatten etwas zugestoßen sein könne. Diese Idee entlockte ihr Thränen; und plötzlich saßte sieden Entschluß, selbst hinaus zu gehen und nach den Aus- gezogenen zu forschen. Vielleicht würde Felicitas diesen wahnsinnigen Vorsatz auch ausgeführt haben, wenn nicht in demselben Augenblicke das vom Hofe herauf dringende Gebell ihr die Rückkehr der Leute angezeigt hätte. Ungeachtet des Unwetters riß sie das Fenster auf und lehnte sich hinaus, aber sie sah nichts, die Lichter waren halb erloschen und die Entfernung zu

Deutsches Kelch.

Berlin, 10. Januar.

* Generalfeldmarschall Graf Moltke hat jetzt über die Parchimer Maltke-Ttistmiß feine Bestimmungen getroffen. Er hat dieselbe in zwei getrennte Stiftungen getheilt: einen Moltke-Haus-Fonds, aus dessen Mitteln das Geburtshaus angekauft, erstmalig ausgebesfert und mit einem zur würdigen Erhaltung des Hauses be­stimmten Vermögen von 20000 Mk. versehen wird; und einen Kapital-Fonds, welcher dem Feldmarschall zu überweisen ist, der daraus nach freiem Ermessen eine Stiftung zu wohlthätigen Zwecken begründen will. Das Geburtshaus selbst bleibt nach Moltke's Verfügung für Verwandte seines Namens referöirt. Die Ver­waltung des Moltke-Haus-Fonds führt ein in Parchim zu bestellender Vorstand. Die Verwaltung der aus dem Kapital-Fonds begründeten wohlthätigen Stiftung übt der Generalfeldmarschall selbst, nach ihm der Nach­folger im Besitz deS Fideikommisses Kreisau.

* Bon Helgaland wird der,Post' gemeldet: Große Eisfelder treiben an der Insel vorbei. Nahrungsmittel werden knapp, Hefe und Eier sind cmsgegangen, auch frisches Fleisch und Salzfleisch. Die Eldmündung ist durch Eis blockirt, die Wesermündung noch frei. Wenn nicht bald Anstalten zur Postbeförderung getroffen wer­den, ist keine Aussicht auf Besserung der Verhältnisse. — Einer Berliner Korrespondenz zufolge herrscht in Fachkreisen die Meinung vor, daß der a l l m ä h l i g e n Vernichtung Helgolands in Folge der Be- spülnng des Gesteins durch die Meereswogen wohl kaum Einhalt geboten »erben könne. Der Verwitterungs- Prozeß sei schon sehr vorgeschritten und unter englischer Verwaltung nichts geschehen, die Insel davor zu schützen. Schützende Maßnahmen seien schwierig und überaus kostspielig. — Wir bemerken hierzu vorläufig nur, daß diese Ausführung im Widerspruch zu der s. Z. gege­benen amtlichen Darlegung steht.

* Der landwirthschaftliche Minister hat aus Grund der Ermächtigung des Bundesraths die Einfuhr von lebendem Rindvieh aus Oesterreich - Ungar« in die Schlachthäuser der Städte Koblenz, Düsseldorf, Elber­feld, Essen, Remscheid, München-Gladbach, Lennep, Bielefeld, Herford und Minden i. W. widerruflich ge­stattet.

* Die Landgemeiudekammisfion des Abgeordneten­hauses setzte heute ihre Berathungen fort. Nach den gefaßten Beschlüssen soll in denjenigen Landgemeinden, die mehr als 40 (die Vorlage hatte diese Zahl auf 30 festgefetzt) Gemeindemitglieder umfassen, an die Stelle der Gemeindeversammlung eine gewählte Ge­meindevertretung treten. Der Kreisausschuß kann auch bei einer noch geringeren Zahl auf Antrag der Be-

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3. „Die gegenseitige fpürung und Aufdeckung von

Fuldaer Zeitung

u. hi. K.hDrfi.n »««ntmortlil: Luta.a Deibel in Fulda. - « g Druck u. «erleg der Fuldaer «ctienlrntftret («. Dillman«).