! 8. Jahrgang
Sonntag, den 11- Januar 1891
Kür bie Rtbaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
ViertüjLhrlicher Abonne mentspreis «d» vriu«rr» lohn und Bestellgeld mit der ballrtristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blume»' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
--
*k .Fuldaer Zeitung' erfcheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen.
Iufrrate koste» dir einfpaltige geile oder deren Raum M W., Ni Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Fuldaer Zeitung
hi. K.harfinn : Ludwia Deibel in Fulda. - » « Druck u. «erlag der Fuldaer «etiendruckerei (*. Dillmmm).
* Der katholische deutsche Volksverein breitet sich in ersrenlicher Weise aus. In Köln laufen die Anmeldungen zahlreich ein und bald wird die ver- schiedmartige öffentliche Thätigken beginnen können. Gleich bei den ersten Ankündigungen des Vereins, schreibt die .Germania' neuerdings, haben wir hervorgehoben, daß es sich nur um einen einzigen, ganz Deutschland umfassenden Verein mit dem Sitze in Mainz handelt, nur mit Vertrauensmännern (aber nicht Untervereinen) an einzelnen Orten. Das preußische Vereinsgesetz z. B. würde gar nicht zulassen, daß selbständge, d. h. besonders organisirte O r t s v e r e i n e (Diözesanvereine, Provinzialvereine u. dgl.) in diesem Mainzer Vereine sich vereinigten oder daß solche selbständige Vereine unter sich in Beziehung träten, das würde zu Strafe und zu Auflösung führen. Herr Reichstags- und Lanvtags- abgeordneter Dr. Porsch macht nun in dieser Hinficht betreffs des Volksvereins für das katholische Deutschland bekannt:
„Auf verschiedene Anfragen erwiedere ich hierdurch, daß behufs Ausbreitung des Volksvereins nicht an den einzelnen Orten selbständige Vereine errichtet werden, sondern daß überall nur ein Beitritt zu dem bereits begründeten, bestehenden und mit einem Vorstande versehenen Vereine erforderlich ist. Zu dem Zwecke empfiehlt es sich, daß möglichst in jeder Pfarrei wenigstens ein Vertrauensmann, in großen Pfarreien mehrere bestellt werden, welcher Beitritts-Erklärungen sammelt, die Vereinsbeiträge einnimmt und nmy Köln äbführr, die Drucksachen von der Centralstelle in Empfang nimmt und vertheilt, überhaupt den Verkehr zwischen den Vereins mit gliedern der betreffenden Pfarrei und der Kölner Centralstelle vermittelt. Es ist auch angebracht, daß Jeder, welcher für die Ausbreitung des Vereins sich interessirt, eine Beitrittsliste sich verschafft und selbständig Beitrittserklärungen für den Verein sammelt. Bis ein anderer Vertrauensmann bestellt ist, werden hoffentlich die zuständigen Herren Pfarrer die Obliegenheiten des Vertrauensmannes erfüllen und die Verbreitung des Vereins sich angelegen sein lassen. Eine solche Verbreitung ist dringend erforderlich. Nur wenn der Verein eine große Zahl beitragender Mitglieder erlangt, wird er wirksam für sein Ziel, die Vertheidigung der christlichen Gesellschaftsordnung, eintreten können."
Möge diese neue Aufforderung zum Beitritt reichen Erfolg haben. Jeder möge Mitglieder und Beiträge sammeln und sie an Herrn Dr. Drammer in Köln absenden, jede Art lokaler Bereinsorgani- sation dabei aber vermieden werden.
Sonnenried.
Roman von Marga Brechten.
(57. Fortsetzung.)
Jlla's Augen flammten. Sie trat einen Schritt vor und ries in leidenschaftlicher Heftigkeit:
„Unt) wenn sie es sagen, wenn sie Alle über mich heiffallen, was geht das Dich an? O, Du, die Du so weise Rathschläge gibst und die Heilige spielst mit Deinem kalten, ruhigen Wesen, meinst Du, ich habe Dem Spiel nicht durchschaut? Denkst Du wirklich, ich wüßte nicht, was in Dir glüht und Dich fast verzehrt ? — Es ist die verbotene, sündige Liebe! Mein Blick sagt mir, was Dein verblendeter Gatte nicht sieht: Dein Auge sucht Jhno, Dein Ohr lauscht nur seiner Stimme, Dein Herz schlägt nur ihm entgegen und Deine Glieder zittern in seiner Nähe!"
„Nein, nein!“ schrie Felicitas auf, geisterbleich, mit weit geöffneten Augen streckte sie die Hände wie abwehrend aus.
Aber Jlla's ganze wilde Natur war entfesselt. „Doch," wiederholte sie, es ist so. Ich sah es und deshalb frage ich Dich: Jetzt, wo Du dasselbe Feuer in Dir trägst, warum beurtheilst Du mich so hart? Ich kann und brauch nicht so heimlich zu ringen wie Du, meine Neigung ist schrankenlos, sie durchbricht die Feffeln der kalten Anstandsformel, fragt nicht, was
Deutsches Keich.
Berlin, 9. Januar.
* Aus Anlaß des Geburtstages des Abg. Dr. Windthorst wird der ,Augsb. Postztg.' aus München geschrieben: „Bekanntlich begeht der verdienstvolle, greise Centrumsführer am 17. Januar fein 80. Ge- 'burtsfest. Das katholische Deutschland rüstet sich bereits, diesen seltenen Tag durch Versammlungen, Gottesdienste :c. würdig zu begehen. Hier in München wird in der Bonifatiuskirche ein feierlicher Gottesdienst abgehalten werden; außerdem rühren sich die Katholiken unserer Stadt, auch ein Scherflein zur Windhorst-Spende beizutragen. In dieser Beziehung gehen die katholischen Volksvereine voran. Möge das Resultat ein recht günstiges fein."
* Was steht i« der Schule auf dem Spiele? „Volksschule und immer wieder Volksschule." Gewiß, denn weder an den Künsten unserer Diplomatie, noch an den Lehren des Manchesterthums, noch an neuen Zöllen und Steuern ober'bergt, hängen die Zukunst und ihre sozialen und religiösen Gestaltungen — das hängt vielmehr an der Volksschule. Die Liberalen aller Schattirungen wie der Radikalismus und Sozialismus, die moderne wie die christliche Pädagogik, so sehr verschieden ihre Wege und Ziele auch sonst sein mögen, treffen in dem Kardinalsatze zusammen: „Wer die Jugend hat, hat die Zukunft." Nicht daß die Volksschule blos aus vorübergehender Leidenschaft die umworbene Braut wäre. Jeder der Werber setzt vielmehr in klarer Voraussicht der Logik der Thatsachen Himmel und Erde in Bewegung, jen ihren «allen .nn,b ausschließlichen Besitz. Sollten vielleicht hierin die Katholiken zurückbleiben? Sollen nicht gerade sie angesichts des historischen und verbrieften Rechts auf ihre konfessionelle Schule — von der untersten Vorschule angefangen bis hinaus zur Universität — alle gesetzlichen Hebel in Bewegung setzen, sie zurückzu- erobern, wo sie genommen oder vorenthalten, sie zu rettamiren, wo sie ihnen gefälscht wurde, sie unentwegt festzuhalten, wo sie ihnen zur Stunde noch geblieben ist? Für sie hängt ja doch die Zukunft schlechthin daran. Deßhalb können wir nicht oft genug von ihr handeln; wir müssen sie, wie sie jetzt vor uns steht und unter dem Einflüsse falscher pädagogischer Prinzipien geworden ist, immer von neuem und unter allen Gesichtspunkten beleuchten. Es muß immer klarer werden, daß diese Schule nicht bloß auf dem intellektuellen Gebiete bereits großartige Schäden und Verheerungen anrichtete, sondern deren vielleicht noch mehr auf dem sozialen Gebiete auf dem Gewissen hat. Ungeheuer sind aber die Verluste, welche die Katholiken fort und fort erleiden in protestantischen Gegen- Regel und Herkommen gebieten. Und wenn ich nun ihm, dem mein Herz gehört und der doch zu schüchtern ist, um je darum zu werben, meine Liebe zu verstehen gäbe, -was wäre dabei? Kann das ein Unrecht sein, was zweien Menschen Glück bringt?"
„Bist Du wahnsinnig?"
„Nein, ich war es, als ich wähnte, ich müsse ihm so gefallen, wie ich bin. Sein hoher Geist verlangt mehr — ich will ihm Alles opfern, ich will hin und die letzte Frist benutzen. Was ist er Dir? Was kann auch Jhno für Dich sein — Du bist ja doch gebunden ! Bist Du etwa eifersüchtig, weil Du mein Glück hindern willst?"
Das war zu viel. Die gequälte Schwester erhob sich und stand hochaufgerichtet mitten im Zimmer, bleich mit zitternden Lippen; selbst Illa wich entsetzt zurück vor dem fast feindlichen Blicke, welcher sie traf.
„Geh," rief sie streng, „und Gott vergebe Dir, was Du mir heute gethan, ich kann es nicht."
„Felicitas, Du irrft, ich will Dir sagen —"
„Geh," wiederholte diese hart, „es ist schon zu spät."
Die Thüre schloß sich hinter der Davoneilenden. Nach kurzer Zeit kam ein hastiger Schritt die Treppe herab, Huffchläge ertönten im Hofe, dann wurde es still. —
Die Flocken wirbelten immer dichter und um-
den wegen des gänzlichen Mangels an karholischen Schülen; riesig ist die Verlustliste in Städten mit gemischter Bevölkerung wegen des schwunghaft betriebenen Kinderschachers, nicht gering anzuschlagen ist auch die Einbuße, welche die Kirche erfährt durch die rührige protestantische Propaganda, die gemischten Ehen, die ungünstigen Bestimmungen über die Erziehung von Kindern, aus solchen Ehen u. s. w., u. s. w. Alle diese die Kirche schwer benachtheiligenden Verhältnisse sind in Betracht zu ziehen, wenn man sich die Bedeutung der Schulfrage am Ausgange des 19. Jahrhunderts klar machen will. Die äußersten Anstrengungen müssen gewagt werden, um zu retten, was noch gerettet werden kann.
* Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Vor- berathung des Einkommensteuergesetzes hat die Bestimmungen über die Berufung gegen das Ergebniß der Veranlagung über die Zuständigkeit der Berufungs- kommisfion und über die Errichtung eines besonderen Steuerhofs in Berlin als oberste Beschwerdeinftanz angenommen. Bon freikoilservativer Seite ist für die 2. Lesung ein Amendement angekündigt, wonach mit den abgegebenen Steuererklärungen der lienfiten nur beeidigte Beamte beschäftigt werden sollen.
* Die Abgeordnetcnhauskommiffion für die Anträge auf Erlaß eines Wilpschadengksetzks Hal den Antrag, wonach Schwarz-, Roth- und Damwild nur in eingegatterten Forsten gehalten werden dürfen, abgelehnt.
* Die Kommission des Abgeordnetenhauses für die Landgemeindeordnung hat die Bestimmungen über die Rechte und Pflichten der Gemeindeangehörigen mit unerheblichen Abänderungen angenommen.
* Der Bundesrath hat in seiner gestrigen Sitzung seinen Ausschuß für Justizwesen mit der Vorbereitung des Vorschlags an den Kaiser für die Wiederbesetzung der Stelle des Reichsgerichtspräsidenten beauftragt. Der vorn Buudcsrathe angenommene Gesetzentwurf, betreffend die kaiserliche S ch n tz t r u p p e für Ostafrika ist dem Reichstage zugegangen.
* Aus Sansibar wird gemeldet: Emin Pascha berichtet, daß er in Bukoba am Victoria Nyanza eine befestigte Station angelegt und nach Zurücklassung einer Besatzung daselbst, den.Rückmarsch nach der Küste angetreten hat. — In Lamu ist ein vom Er- Sultan Fumo Bakari von Witu angezettelter Aufstand ausgebrochen. Der englische Generalkonsul in Sansibar hat, da die Lage der Engländer auf Lamu sehr kritisch ist, Truppen des Sultans von Sansibar requiriren müssen. Auf dem Festlande sind die Engländer völlig machtlos.
* Köln, 9. Jan. Der Centralvorstand des Aftika- Bereins deutscher Katholiken hat für den für den
tanzten schmeichelnd das Roß und die Reiterin. Sie kühlten das schöne heiße Gesicht und flüsterten kosend: Komm', komm', weit hinter der Haide am Tannenhag haben wir manch' trautes Bett, so tief und weiß un-> weich! Da ruht sichs gut, da schläft's sich sanft und wenn Sylvester vorüber und die Menschen ein neues Jahr mit lachendem Mund und sorgendem Herzen beginnen, liegst Du dort unten, warm und geborgen.
Und der Himmel färbte sich grauer, die Wolken ballten sich fester zusammen und sandten ganze Schneewehen über das flüchtige Roß und die Haide. Wohin, wohin? — Dem Schnee, der Nacht, vielleicht dem Tode entgegen.
Ob Felicitas daran dachte ? Nein, an ihrem früheren Platze sitzend, das Gesicht in die Hände begraben, bemühte sie sich, über ihre furchtbare Aufregung Herr zu werden. Ihr Herz wallte auf in heftigem Zorne gegen die Schwester. Plötzlich blitzte ein entsetzlicher Gedanke durch ihren Kopf — wie, wenn die in die Bibliothek führende Thüre offen gestanden? Sie sprang auf, schob die Falten der niederhängenden Poriiere zurück und suchte nach dem Schlosse. Ihre Hand griff ins Leere — die Thüre toar offen gewesen. Jetzt erinnerte sie sich eines leisen Geräusches — barmherziger Gott, sollte Jemand dort gewesen und Illa s Worte vernommen haben? Wenn Herbert — nein, das konnte nicht sein, er pflegte nach Tisch in diesem