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Samstag, den 10. Januar 1891.
'8. Jahrgang
Fuldaer Zeitung
Ftr die Rtbachen verantwortlich: Ludwig Deibel m Fulda. Ul r-' Druck u. «erlag der Fuldaer Aktiendruckerei (Ä. Dilwauu).
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Dem „ersten preußischen ^ehrertag"
lieft die ,Nordd. Allg. Ztg.' an leitender Stelle nachdrücklich den Text. „Es gibt kaum einen zweiten Stand," so schreibt das Blatt, „dem die gesetzgebenden Faktoren in Preußen seit vielen Jahren mehr entgegengekommen wären, als dem Bolksschullehrer-Stand. Auch bei der Berathung des gegenwärtig dem Abgeordnetenhause vorliegenden Vo lks schn l g e se tz - Entwurfes ist das Interesse für die Lehrer ebenso wie vom Ministertisch aus den verschiedensten Parteien des Hauses und nicht zuletzt ans der konservativen heraus in so nachdrücklicher Weise betont worden, daß man hätte erwarten sollen, der kürzlich in Magdeburg versammelt gewesene „erste preußische Lehrer - tag" werde es als seine vornehmste Aufgabe ansehen, in voller Berücksichtigimg dieser Sachlage den Dank und die Anerkennung für die nirgends zu vermissende Neigung zur Förderung der Interessen der Volksschul- lehrer in einer Form kundzugeben, mit der alle Freunde der Volksschule und die Lehrer auch bei abweichender Meinung hätten zufrieden fein können. Aber schon in dem einleitenden Vortrage kam ein Ton zum Anschlag, der es fraglich erscheinen lassen muß, ob die Lehrer, soweit sie in Magdeburg versammelt waren, um das, was bereits durch verschiedene Resolutionen vrovinzialer Lehrer-Verbände bekannt geworden war, noch ein Mal von einem größeru Resonanzboden herab laut werden zu lassen, ihrer Sache wirklich genutzt haben. Daß bei einem Gesetz-Entwurf, welcher für die Lehrerschaft wesentliche Bedeutung hat, auch die Ansichten der Lehrerschaft zur Anhörung gelangen, halten wir sticht nur für erwünscht, sondern auch für förderlich. Es würde aber ein unberechtigtes Verlangen fein, wenn die Lehrer beanspruchen wollten, vor der Fertigstellung von Gesetzesvorlagen in den Ministerien in der Weise befragt zu werden, wie der erste Sprecher ip Magdeburg sich zu beklagen schien, daß es sticht geschehen sei, indem er meinte, während zur Vorberathung des höhern Unterrichtswesens die Fachmänner Urtheile abgeben müßten, gäbe man das Ürtheil und den Rath der Männer, welche inmitteh des Volkes ständen und 95 pCt. desselben ausrüsteten fürs Leben, nicht begehrt. Kein Mensch, und am allerwenigsten die Vorgesetzten der Lehrer haben diese je daran gehindert, sobald der Volksschulgesetzentwurf zur Vorlage gelangt war, mit den Abgeordneten ihres Kreises, als der in diesem Falle natürlichsten und nächsten Instanz, in Verbindung zu treten ober in Versammlungen und v der Presse ihre Kritik zum Ausdruck zu bringen. Ist es das Recht der Lehrer, ihre Wünsche offen auszusprechen, so ist solches Recht auch an gewisse Bedingungen geknüpft und vornehm-
Sounenried.
Roman von M a r g a B r - ch r e n.
(56. Forrsetzunz.)
ihr dunkel erglühendes Gesicht an die Scheiben ehe sie antwortete:
„Gewiß hattest Du Dich geirrt, denn ich bin doch Diel zu trage, um Nachts zu nähen! Weißt Du, was letn ®*rb? Ich werde im Schlaft ge- 9°ben, das ist ein ganz ähnliches Ge- rauicy.
„O Du und schnarchen!" rief Felicitas lachend aus, „das glaube ich Dir nimmer! Wenn Du mir übrigens nicht an meinen Stickereien helfen willst so wirst Du mir Deine Hilft beim Weihnachtsaufbau gewiß nicht versagen. Wir werden zwar kein großes Fest feiern, ober Herbert besteht auf dem Baum für die Dienerschaft, und das Ordnen der Geschenke erfordert viele Zeit."
„Verzeih', wenn ich am Nachmittage wegbleibe," erwiderte Illa zögernd. „Ich habe Fräulein Werner versprochen, beim Aufstellen der Arrnenbescheerung in der Schicke zu helfen. Sie sagte, Du und Dein Mann, Ihr hättet in diesem Jahre besonders viele Gaben geschickt."
„Nach DeineMMrzlichen Aeußerung meinte ich,
lich au die, daß der Kritikübende und seine Wünsche zum Ausdruck Bringende seine Stellung innerhalb der Gliederung des Staates und der Gesellschaft nicht verkenne und sich der Beur- tbeilung von Fragen bei Gelegenheiten wie Lehrertagen enthalte, über die er immerhin seine persönliche und private Meinung haben kann, die aber zu allerletzt zur Kompetenz von mwerantivortlichen Lehrerparla- menten gehören." Insbesondere gefällt es der,Nordd. Allg. Ztg.' sehr schlecht, daß die Lehrer in Magdeburg kein Bedenken getragen haben, Beschlüsse zu sassen, wie solche, wer ihre Vorgesetzten sein sollen oder nicht. „Braucht man auch nicht so weit zu gehen, die Beschlüsse des Lehrertages als direkt der Geistlichkeit feindliche zu bezeichnen, so hat doch der Lehrertag in Bezug auf die Schul - Aufsicht eine Resolution vereinbart, in der schon die Form verletzen muß, soweit es heißt, das in § 17 den von den Religionsgesellschaften zur Leitung des Religions-Unterrichtes beauftragten Personen zugesprocheue Recht, den Lehrer sachlich zu berichtigen, dürfe nicht persönlich, sondern nur durch Vermittelung der dem Lehrer vorgesetzten Dienstbehörde ausgeübt werden — eine Mitwirkung bei Feststellung der Zeugnisse in der Religion bei der Schul-Entlassung der Kinder sei nicht zu gestatten — und die geistliche Lokal-Schulinspektion werde beseitigt." „Widerstreitet," so fährt die Nordd. Allg. Ztg. fort, „das Verlangen, die Lehrer dem Einfluß der Geistlichkeit zu entziehen, guten preußischen Traditionen und berechtigten Ansprüchen an dje Erhaltung sicherer Bürgschaften für die gedeihliche Entwickelung unseres Staats- und Volkslebens, so müssen sich die Bedenken dagegen, daß der Lehrertag sich gegen die „Bevormundung" durch die Geistlichkeit wendet, erheblich verstärken, wenn man die „Motive" in der — ganz in das Gebiet der sozialdemokratischen Logik schlagenden— Aeußerung gipfeln sieht, daß der „Ausschuß der Meinung sei, der Lehrer, der sein Examen eben so gut als der Geistliche gemacht haben müsse, dürfe nicht unter dieser Bevormundung stehen" Sei hier der Lehreriag einem krankhaften Zuge der Zeit gefolgt, dem er widerstreben sollte, statt ihn zu verstärken, insofern er in Verkennung der Bedeutung der Hohen- . zollern-Devise suum euique über die Schranken hinausging, an die auch er gebunden ist, so habe er auch durch eine Reihe weiterer Beschlüsse, wie die, welche sich auf die Rangstellung und die Ferien der Volksschullehrer beziehen (die womöglich so wie die bei höheren Schulen sein sollen!), nicht verhindern können, daß der Eindruck sich befestige, es mache sich fortgesetzt in Volksschullehrer-Kreisen eine Neigung zur Verrückung der Grenzsteine zeltend, welche höchstens dazu führen dürfte, die große Einhelligkeit in
Du würdest das Pfarrhaus mit keinem Fuße mehr betreten.“
„Das ist auch der Fall, und wenn ich mein Kommen für diesen Tag nicht schon seit Wochen zugesagt hätte, so brächten mich, wie Tante Josephe sagt, keine sechs Pferde hin. Dies ist aber auch mein allerletzter Besuch."
„Ich weiß nicht, warum Du gerade die Menschen nicht leiden kannst, welche uns Allen am theuersten sind."
„Nun, für Antipathie kann man doch ebensowenig, als für Sympathie," sagte Illa und eilte aus dem Zimmer, in welches eben der Baron eintrat.
„Ah, Du scheinst beschäftigt, liebe Felicitas?" fragte er, „wenn Dich meine Gegenwart nicht stört, bleibe ich ein wenig hier. Doch — ich sehe Dich täglich arbeiten, hast Du auch an Jhno gedacht?"
„Gewiß," sagte sie freundlich, „ich wollte Dir das für ihn Bestimmte schon gestern zeigen. Sieh' her, es ist zugleich sein Abschiedsgeschenk." Sie nahm ein elegantes Portefeuille aus ihrem Nähtische und reichte es ihm. Auf der Vorderseite war das Wort „Farewell" in das feine Leder gestickt, die Innenseite enthielt ein ' Porrrail.
„Es ist das erste, was mir gelungen ist," sagte Felicitas mit freudigem Stolze. Stelle Dich hinter mich, ich werde es gegen das Licht halten, bann kannst Du mir sagen, ob es ähnlich ist —
Frage zu stellen, mit der die Staatsregierung wie alle Parteien des Parlaments bereit seien, berechtigten Forderungen des Lehrerstandes entgegenzukommen. Bekanntlich schreibt man der Nordd. Allg. Ztg. Beziehungen zum Unterrichtsministerium zu. Die Kundgebung des „ersten preußischen Lehrertages" scheint also auch dort Beachtung gesunden zu haben, was sie allerdings in hohem Maße verdient. Ganz gewiß, bemerkt hierzu die .Kölnische Bztg.' werden bie Resolutionen dieses liberalen Lehrer-Parlaments auch bei der Berathung der Volks sch ulge setz-Vorlage ihre Rolle spielen und zwar bieten dieselben die beste Handhabe zur Bekämpfung der das VerhaÜniß von Kirche und schule betreffenden Bestimmungen des Entwurfs. Ihren „liberalen" Gesinnungsgenossen im Landtag haben die in Magdeburg versammelten Lehrer den schlechtesten Gefallen gethan.
Deutsches Deich.
Berlin, 8. Januar.
* Das Abgeordnetenhaus nahm heute seine Sitzungen wieder auf. Der Präsident verlas ein Dankschreiben des Kaisers auf das ihm vom Präsidium des Abgeordnetenhauses zugegangene Glückwunschschreiben anläßlich der Geburt des jüngsten Prinzen. — Abg. Fricken- haus (ntl.) hat sein Mandat niedergelegt." — Das Mandat des Abg. Herwig ffrk.) wurde als in Folge seiner Verleihung des Präsidenteiititels mit dem Range der Wthe 11. Klasse n.ch: erloschen erklärt. Es solglc. Berathung des Antrags Conrad-Pleß betreffend Wild- schadengesey. Abg. Pickert (bfr.) beantragt Kommissions- Berathnng. Seine Partei wolle das Zustandekommen des Gesetzes (Ruft rechts: Wir auch!) und die Kommission könne die Sache in wenigen Tagen erledigen. Abg. Francke - Tondern (ntl.) ist gegen eine Kom- missionsberathung. Nachdem sich der Antragsteller Abg. Coitrad-Pleß, Frh. v. Heeremann, (ctr.) v. Rauchhaupt (kons.) u. a. für die Üeberweisung der Vorlage an eine Kommission ausgesprochen hatten, wurde die Vorlage mit allen dazu vorliegenden Anträgen an eine 14er Kommission verwiesen und zwar soll die Konstituirung derselben so schnell erfolgen, daß dieselbe heute Abend noch eine Sitzung haben kann. Montag: Amortisation der Staatsanleihen, Etat.
* Die Interpellation Richter über den Fideiksm- miß-Stempel soll nächsten Mittwoch im Abgeordnetenhause zur Berathung kommen.
* Zur Herbeiführung einer Verständigung in Sachen der Landgemeinde - Ordnung fanden heute vertrauliche Besprechungen zwischen Vertretern der beiden konservativen Fraktionen statt.
* Der Ausschuß der Schul-Konferenz zur Reform
„O sehr, sehr ähnlich, das wird ihm Freude machen," erwiderte er stockend und wandte sich ab.
Der heilige Abend brach an. Der sestgefrorene Schnee knirschte unter den Füßen und der düstere Schloßhof lag völlig vereinsamt da.
Von dem Nebenhause her schimmerte ein Licht durch die Fenster des Wohnzimmers — sein mattes Leuchten sagte den Vorübergehenden, daß: „ach, nicht aller Orten, der Tag ein Fest geworden!" Es brannte nicht an einem Üannenbaume, sondern vor einem kleinen Sarge, über den sich eine weinende Mutter beugte.
Im Schlafzimmer standen die erschreckten Geschwister um den ernsten Vater herum, sie blickten scheu zu ihm. auf, und er las die Frage in ihren Augen: Was denn mit dem Brüderchen sei, und warum das Christkind nicht gekommen?
Es sei gekommen, erklärte er mit unsicherer Stimme, und hätte Hänschen mit sich geführt, um ihm droben im Himmel die herrlichen Bäume zu zeigen, weil er immer so brav gewesen. Das war nun des Brüderchens Weihnachten und die beste Gabe, welche das heilige Kind überhaupt geben konnte.
Sie nickten stumm, nur Heini, der Jüngste, wollte es nicht glauben. Er ging zu dem tobten Kmde, lehnte sein blühendes Gesichtchen an die off'ne Lade und schaute lange hinein. Als es aber da drinnen so schrecklich still blieb und der Mutter Weinen immer lauter