Freitag, den 9. Januar 1891.
18. Jahrgang
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Politik zu treiben, und die Schulkinder bedürfen keines Herrn Generalsekretär Hltze IN M.-Gladbach zu
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werde. Er hatte noch nichts darüber geäußert, aber daß ihn irgend etwas unangenehm berührte, ließ sich unschwer errathen. Nur so viel fühlte Felicitas heraus, daß es weder sie selbst noch seinen Sohn betraf. Er zeigte sich verändert, war ernster als sonst, und sie hörte ihn ost stundenlang in der Bibliothek aus- und abgehen. Aus ihre dringende Frage gestand er zögernd, es sei nichts als ein leichtes körperliches Unwohlsein, zu unbedeutend, um Pflege oder Hilfe zu erheischen. Einem Manne sei eben alles Derartige unbequem, und er namentlich besitze nicht viel Geduld.
Die meisten Zeitungen uneröffnend bei Seite schiebend, bat er jetzt die Beiden, welche sich noch immer am Ende des Tisches vergnügten, etwas vorzutragen. Jhno erhob sich sofort, während Illa sich zierte und eine ganze Weile bitten ließ.
So werde ich an Deine Stelle treten," entschied Felicitas, was zur Folge hatte, daß ihre Schwester mit gekränkter Miene erklärte, sie singe sogar sehr gern diesen Abend und sei auch bereit, vierhändig zu spielen. Es schien wirklich, daß sie es gerne that, denn sie entfaltete ihre Stimme zu ihrer vollen Kraft und Schönheit und sang mehrere Duette mit dem Kapitän. Während derselben blickte sie diesen mit solchem Feuer und bei manchen Stellen mit einem Ausdrucke an, daß Felicitas erkannte, wie nahe ihre Vermuthung der Er
nennt der Hirtenbrief als drittes Mittel die Hebung und Weiterbildung des christlichen Vereinslebens. Mit Recht hebt der Hirtenbrief zugleich bxe Schwierigkeiten hervor, die mit Ausbildung der Ver- einsthätigkeit verbunden sind. In unserer Diözese bestehen in den meisten Gemeinden bereits weltliche Vereine der manchsachsten Art. Der Frieden der Gemeinden ist wesentlich dadurch bedingt, daß, was leider nicht immer der Fall ist, zwischen diesen Vereinen ein gutes Einvernehmen besteht. Sehr nützlich haben sich in vielen Gemeinden die Kreditvereine erwiesen, welche nach dem Vorbild Raisseisen's sich bildeten. Zumeist unter Mitwirkung der Herren Pfarrer gegründet, müssen sie der ernsten und umsichtigen' Fürsorge derselben stets empfohlen bleiben. Besonders wichtig ist für unsere Landbevölkerung der Bauernverein. Selbstverständlich aber müssen Gegenstand unserer besondern Sorgfalt jene Vereine sein, welche im Anschlüsse an das kirchliche Leben die reü-
daran zu erinnern, daß dieser Schatz natürlicher Wahrheiten nur in Verbindung mit der göttlichen Offenbarung dem Menschengeschlechte erhalten bleiben kann, daß sie nur im Licht des christlichen Glaubens ihre volle Kraft entfalten können und daß die Kirche die Hüterin der Vernunft wie des Glaubens ist.
Mit der Belehrung unserer Gemeinden müssen wir aber auch die treue Wachsamkeit verbinden, welche sie vor Verführung behütet. Bekanntlich soll die Vertheilung gottloser und antich ristliche r Schriften und Flugblätter nunmehr systematisch in den Landgemeinden betrieben werden. Hiergegen thut strenge Wachsamkeit noth, und ist es angemessen, auf der Kanzel davor zu warnen; dagegen ist es von hoher Wichtigkeit, gute Schriften und Flugblätter, namentlich aber gute katholische Zeitungen in den Gemeinden zu verbreiten. Eine besondere Sorgfalt ist der Belehrung der christen- lehrpflichtigen Jugend und namentlich solcher Jünglinge zu widmen, welche höhere Lehranstalten besuchen. Bekanntlich glauben die sozialistischen Parteiführer die Entchristlichung der Landbevölkerung der Schule vertrauen zu dürfen. Die hochwürdigen Herren Seelsorger werden in dieser Beziehung in Verbindung mit den glaubenstreuen Herren Lehrern eine erhöhte Wachsamkeit sich zur Pflicht machen. Auch ist es von hoher Wichtigkeit, die Schulbibliotheken einer sorgfältigen Durchsicht zu unterziehen. Ein Hineinwerfen der sogenannten sozialen Fragen in die Volsschulen,
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allen Gebieten als Wohlthäter der Armen, der Leidenden nnd Bedrängten sich erprobt haben. Mit diesem theoretischen Nachweis werden aber die hochw. Herren Seelsorger stets den praktischen Beweis verbinden, indem sie alles fördern und unterstützen, was im Interesse der Armen und Kranken in den Gemeinden geschieht, insbesondere alle wohlthätigen Vereine und Anstalten. Ein besonders großer Segen für die Gemeinden ist die Einführung von Barmherzigen Schwestern und Brüdern. Es ist namentlich für Fabrikarbeiterfamilien dringendes Bedürfniß, Kleinkinder- und Industrieschulen zu gründen und womöglich auch Herbergen. Dte opferwillige Pflege armer Kranken und die liebreiche Hülse in der Noth ist das wirksamste Mittel zur Versöhnung der Armen mit den Reichen und zugleich der kräftigste Beweis für die Wahrheit der christlichen Religion. Den manchfachen Versuchen, die Lage der Arbeiter zu verbessern und sicher zu stellen, hat der katholische Klerus längst das lebhafteste Interesse gewidmet. Er muß es mehr und mehr thun. In welchem Umfang die hochwürdigen Herren an den zur Zeit allgemein versprochenen Fragen des Arbeiterschutzes, der Arbeiterversicherung und der Wirthschafrs- politik durch öffentliche Vortrüge u. s. w. sich betheiligen können und sollen, hängt von persönlichen und lolalen Verhältnissen ab. Eine möglichst eingehende Kenntniß von diesen Angelegenheiten sich zu verschaffen, muß dem Klerus um so mehr angelegen
Schreiben des Herrn Mschofs von Main; über die soziale Kewegung.
Bischof Paulus Leopold hac an die Geistlichkeit des Bislhums Mainz ein Ausschreiben über die zur Erhaltung der christlichen Ordnung der Gesellschaft und zur Beseitigung der bestehenden Mißstände anzuwendenden Mittel erlaffen, in welchem es heißt:
Der Hirtenbrief, welchen die am Grabe des heil. Bonifatius versammelten Bischöfe erlassen haben, entwirft in großen Zügen die Grundsätze, nach welchen die in der Gegenwart so gefahrdrohende soziale Bewegung zu beurtheilen ist, und deutet zugleich die Mittel an, welche zur Erhaltung der christlichen Ordnung der Gesellschaft und zur Beseitigung der bestehenden Mißstände anzuwendm sind. Zur näheren Verständigung will ich auf einige Punkte aufmerksam machen, welche ich bereits am 7. Mai mit den bei mir versammelten Herren Dekanen derathen habe.
1. Mit Recht stellt der Fuldaer Hirtenbrief als erstes Mittel die Pflege echter Religion auf. Gewiß ist zu wünschen, daß die wirthschaftlichen Verhältnisse eine bessere Ordnung finden, und daß Maßregeln zum Schutz der Arbeiter getroffen werden. Gewiß mögen auch politische Reformen in mancherlei Gebieten angezeigt sein. Allein diese Fragen stehen an Bedeutsamkeit weit hinter der religiösen Frage zurück. Wenn die Gottlosigkeit und Unsittlichkeit in unserer Bevölkerung sich verbreitet, so sind die wirth-
liche Sitte dem Volke bewahrt wird, so werden die wirthschaftlichen und politischen Fragen sich befriedigend lösen lassen. Es empfiehlt sich neben gewöhnlichen Belehrungen und Anregungen, welche wir unsern Gemeinden bieten, zuweilen außerordentliche Veranstaltungen zu treffen. Das beste Mittel, den Glauben zu stärken und das Gewissen zu schärfen, sind die V o l k s m i s - s i onen. Ich freue mich, daß in diesem Jahre solche besonders zahlreich abgehalten wurden, und hoffe, daß mit dem Hinwegfall der unseren ehrwürdigen Ordenspriestern entgegengestellten Hindernisse ihre Zahl sich in den folgenden Jahren stets vermehren wird.
Da in unseren Tagen gerade die Grundwahrheiten der Vernunft und des Glaubens, aus welchen die sittliche und rechtliche Ordnung beruht, aufs Heftigste angegriffen werden, so ist es gut, diese mit besonderem Ernst in den Predigten zu behandeln. Die moderne, der christlichen Ueberlieferung und der Kirche entfremdete Bildung hat nicht bloß die übernatürlichen Glaubenswahrheiten, sondern auch die Vernunftwahrheiten zersetzt. Diese wieder herzustellen und ins rechte Licht zu stellen, muß darum unsere besondere Aufgabe sein. Wir werden aber nicht vergessen, dabei stets
Sonnenried.
Roman von Marga Brechten.
(55. Fortsetzung.)
Zu derselben Zeit saß Illa Eltmann neben Kapitän Jhno und blätterte in einem neu erschienenen Prachtwerke. Sie war fast ausgelassen heiter, und Felicitas glaubte, sie noch niemals so mit ihrem Stiefsohne kokettirend gesehen zu haben. Jeder bedeutungsvolle Blick, jedes verfängliche Scherzwort trieb ihr an Stelle der Schwester das Blut in die Wangen. Sie litt überaus und gestand sich am heutigen Abend zum wiederholten Male ein, daß Illas Besuch ihr nur eine beständig zunehmende Pein und nicht die geringste Erleichterung gewährt hatte.
Wenn deren Spiel doch nur einen endlichen Abschluß nehmen wollte! Vielleicht, daß sie dann ruhi- geren Herzens zuwarten könnte; sonderbarer Weise aber verlautete bis jetzt noch gar nichts von einer eigentlichen Verlobung/obgleich Jhno's Aufenthalt in einigen Wochen zu Ende ging. Im Allgemeinen verhielt er sich Illa gegenüber sehr passiv, wenn auch diese em wenig verlegen erklärte, sie ständen sich gegenseitig viel näher, als sie, nämlich Felicitas, nur ahnen könne.
Was diese besonders beschäftigte, war die Frage, wie ihr Gatte sich jener Verbindung gegenüber stellen
Liebe zur Frömmigkeit. Hierzu durch Beispiel und Unterricht die Kinder anzuleiten ist die Aufgabe der Schule. Wahrhaft christliche und echt kirchliche Schulen sind die natürlichen Vorschulen derselben.
2. Die Mahnung des Fuldaer Hirtenbriefes Friedfertigkeit, Eintracht und Zufriedenheit in den Gemeinden zu pflegen, bedarf einer weiteren Empfehlung kaum. Auf einen Punkt aber möchte ich bei dieser Gelegenheit aufmerksam machen. Die antichristliche Agitation gibt sich überall Mühe, die Kirche, die Priester und die Orden als Feinde des Arbeiterstandes, als Verbündete ihrer Bedränger darzustellen. Hiergegen ist es angezeigt, daß die hochwürdigen Seelsorger bei jeder Gelegenheit den Nachweis liefern, daß das Christ enthum die Würde und Freiheit des Menschen gegenüber der Unnatur des Heidenthums von Anfang an vertheidigt, daß die Kirche als die Mutter aller Institute und Werke der Barmherzigkeit sich erwiesen und daß ganz besonders die Orden m
füllung entgegen ging. Sie ergriff Herbert's Hand und fragte, dicht an ihn geschmiegt, in nur ihm verständlichem Tone: „
Wenn etwas daraus wurde, was wurdest Du sagen?" Ihre Hand deutete nach dem Instrumente hm und er verstand sie. Starr ins Leere blickend, antwortete er endlich:
„Ich hätte es anders gewünscht; aber er ist kein Kind mehr und kann thun, was er will."
Die Nacht senkte sich über Schloß Freidorf und die Lichter erloschen. Ein Lager aber stand noch unberührt und eine davor knieende Gestalt drückte leise stöhnend ihr Gesicht in die Kissen.
War es ein dunkellockiges ober ein helles Haupt i Für einen Augenblick schien der Mond durch das zerrissene Gewölk, aber sein Licht war zu trübe, um es erkennen zu können.
XXXV.
Weihnachten nahte heran mit seinen heimlichen Sorgen und geschästigen Mühen.
Man hatte eine gemeinschastliche Reise nach Kiel gemacht und das herrlich, nun fast vollendete schiff bewundert. Der Kapitän gedachte schon zu Anfang des nächsten Monats die erste große Reise anzutreten; er hatte bereits die erforderliche Mannfchaft angeworben, sowie bindende Verträge mit bedeutenden Handlungs-
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