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18. Jahrgang

Donnerstag, den 8. Januar 1891.

einer

erste

hatte und ihm

ten aber auch alle berufenen Kreise ihre Pflicht in sozialer Hinsicht erfüllen!

*k .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sann- und Feiertage ausgenommen.

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„Das ist mein Diener Saul", sagte der Zwerg; „ich heiße Quabbe." v

Mariechen blieb in dem Waldschüßchen und es gut. Es war aber auch fleißig, koche, fegte wusch und gab auch den Armen reichlich, was fein Herr besonders anempfohlen hatte. So-sing das Jahr vorüber, aber der Zwerg Quabbe wurde immer trauriger. Eines Tages kam eine alte Frau und bat um eine Gabe. Sie sah genau so aus, wie Jne Hexe. Mariechen aber brachte ihr Speise und Trank.

gingen mit einander fort, bis sie an eine un­bekannte stelle im Walde kamen. Dort stand ein zierliches, n?ißeS Schlößchen, gerade so groß, als ob c? für Kinde, gebaut wäre. Davor war ein kleiner Teich und ein rasenplatz mit einer winzigen grünen Gartenr mk. Tie-Fenster waren hell erleuchtet und strahlten t den buchen Wald hinaus; aus dem nied­rigen Thor aber hüpfe, ein anderer, ebenso häßlicher Zwerg mit einer weißen Schürze angethan und Mütze in der Hand.

Sonnenried.

Roman von Marga Brechten.

(54, Fortsetzung.)

..Da küßte die Mutter Mariechen und sagte zu dem Zwerge: „Seid gut gegen mein Kind und haltet <uch gesund."

* Zur Situation in Europa.

Das neue Jahr wurde heuer mit sehr friedlichen Akkorden in der Presse wie in den osfiziellen Ansprachen der Staatsoberhäupter und Minister der einzelnen Staaten eröffnet. ^Sollte malt die Lage darttach beur­teilen, dann wäre der politische Himmel in Europa sehr wolkenlos und die Völker könnten mit Beruhigung in die Zukunft blicken. Aber die Situation liegt doch für den schärferen Beobachter nicht fo optimistisch und es scheinen auch die Regierungen selbst von der unbedingten Sicherung des Friedens nicht so fest Über­zeugt zu fein, denn sonst wurden sie die Konsequenzen daraus ziehen und den Völkern die furchtbar drückende Steuerlast erleichtern. Aber das ist leider nicht der Fall; im Gegentheil, die Rüstungen gehen fort und es dürfte auch der deutsche Reichstag bei feinem Wie- derzusammentritte abermals eine umfangreiche militärische Wunschnote vorfinden, nachdem die französische Kammer bereits damit vorangeganzen ist und selbst kleinere Staaten fortgesetzt neue Kredite für Militär- j werfe für nothwendig halten. Dieser Umstand stimmt die Hoffnungen der Völker auf einen wirklichen Frie­den, der nicht des Schutzes durch Millionen von Bayonette bedarf, ganz bedeutend herab und läßt auch das Gefühl der vollen Sicherheit nicht so recht auf- fommen, zumal die feit Jahren schwebenden Differenz­punkte noch nicht ausgeglichen sind und an der Seine wie an der Newa eine starke Neigung besteht, durch einen großen Krieg die Landkarte von Europa aufs Neue zu verändern. Frankreich hat sich zwar äußerlich in letzterer Zeit etwas vorsicytiger gehalten und sich sichtlich bemüht, seine Revanche-Gelüste nicht allzu stark hervortreten zu lassen; ebenso bekundet Rußland eine so vorsichtige Zurückhaltung in der Politik, daß man es mit Recht die „nordische Sphinx" nennen darf. Beide Reiche arbeiten sich aber in die fiänbe, betrachten sich als die künftigen Alliirten gegen­über dem Dreibunde und sind mit ihren Zukunfts­plänen ganz gewiß eine Gefahr für den Frieden.

Noch mehr aber als die im Hintergründe drohende Eventualität eines europäischen Krieges beängstigt die soziale Frage, welche in einigen Staaten bereits sehr drohende Dimensionen angenommen hat. Europa steht buchstäblich auf einem Vulkan und wenn nicht rechtzeitig die nöthigen Heilmittel angewendet werden, so w'rd das letzte Dezennium dieses Jahrhunderts sehr böse Katastrophen aufzuweisen haben. Denn es ist ein furchtbarer Zündstoff aufgehäuft und die soziale Roth in weiten Schichten der Völker im Wachsen. Die liberale Presse hat freilich für diese Dinge keinen Blick, ihr liegt der Kampf gegen die katholische Kirche mehr am Herzen, aber während sie da und dort die Kultur-

Fuldaer Zeitung

, „ . _ _ Druck u. Verlag der Fuldaer Acttendruckerei («. Dillman»).

Für die Redattion verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. “• *-J

kampfshetze schürt, bereiten sich soziale Katastrophen vor. In der Arbeiterwelt herrscht das Streben, nicht nur ihre Rechte zu erweitern und günstigere Arbeitsbedin­gungen zu erzielen, sondern eine völlige Veränderung der Gesellschaftsordnung herbeizuführen. Ein revolu­tionärer Zug geht durch die Welt, und die soziale Krise gestaltet sich in dem Maße bedenklicher, als man in gar manchen Staaten die Situation unterschätzt und sich auf Palliativmittel beschränkt. Die Roth, welche leider Gottes in Folge des Zusammenwirkens so vieler Umstände, insbesondere durch den wilden Konkurrenz­kampf unserer Tage fortgesetzt verschärft wird, eröffnet drohende Aspekten für die Zukunft, denn der Hunger ist die gefährlichste Förderin der Revolutionen und des gewaltsamen Umsturzes. Bei dem masfenhaften Zünd­stoffe bedarf es nur eines Funkens, um in Europa die bedenklichsten Folgen heraufzubeschwören, dann aber schützen Kanonen iind Bayonette die Throne nicht. Das kann nur der lebendige Glaube an Gott und an eine Vergeltung in der Ewigkeit, d. h. wir bedürfen der Kräftigung der positiv christlichen Gesinnung im Volke. Es wurde in dieser Beziehung leider viel, sehr viel versäumt und das wird sich noch schwer rächen.

Der Liberalismus hat an der heutigen Verschär­fung der sozialen Frage eine große Schuld in doppelter Hinsicht, erstens indem er die Autorität der Kirche er­schüttert, die Genußsucht beförderte, die Moral unter­grub und die Arbeiterwelt mit Hoffnungen erfüllte, die er nicht realisiren konnte; zweitens, daß er durch seine wirthschaftlichen und sozialen Fehl-Theorien, durch sein Manchefterthum und kapitalistisches Raub-System das wirthschaftliche Leben der Völker zerrüttete. Einsichtige Leute haben schon vor Dezennien auf die bösen Konse­quenzen hingewiesen und es waren gerade katholische Zeitungen, die einerseits vor dem laisser aller auf wirthschaftlichem Gebiete, anderseits aber vor den Fol­gen der kapitalistischen Ausbeutung warnten. Man hat die Warner verlacht und verspottet, hat nichts hören wollen und jetzt, da die Gefahren sich an allen Ecken und Enden zeigen und fozufagen schon Feuer am Dache ist, gibt es Kurzsichtige, welche die Gesahr nicht sehen und die Politik des Gehenlaffens auch heute noch em­pfehlen! Im vorigen Jahre zitterte Europa vor dem 1. Mai und man fürchtete eine soziale Explosion, sie ist gottlob ausgeblieben, weil Ereignisse, die vorher angekündigt werden, sich gewöhnlich nicht in dem Um­fange einstellen. Aber Niemand kann garantiren, daß irgend ein Zufall unangemeldet ein solches Ereigniß bringt, daß dann aber Vorbeugungsmittel zu spät kom­men. Wir fürchten, schreibt das,Fränk. Volksbl.', dem wir diese Zeilen entnehmen, daß vielleicht das heurige Jahr schon solche böse Zwischenfälle plötzlicher sozialer Eruptionen bringt. Möchten sie verhütet werden, möch-

Als die Alte sich erquickt hatte, schenkte sie ihr drei Dinge: einen kleinen Besen, ein Bürstchen und ein Fläschchen mit einer klaren Flüssigkeit. Auf jedem der drei Dinge standen die Worte: Des Armen nie vergiß!

„Mit dem Besen kehre das Haus aus", sprach die Alte" „so wird es größer werden. Mit der Bürste fahre über Deines Herrn Kleider, so werden sie länger werden und aus dem Fläschchen gieße ein paar Tropfen in feinen Wein, so wird er schöner werden."

Mariechen that Alles, wie ihr geheißen worden. Sie goß von der Flüssigkeit in den Wein, bürstete die Kleider und fegte das Haus, daß ihr der Schweiß in dicken Tropfen auf der Stirne stand. Da fing es plötzlich an zu poltern und zu rollen, und ein ge­waltiger Donnerschlag erschütterte das Schlößchen. Dem Kinde wurde es so angst, daß es auf den Rasen­platz hinausstürzte, als es aber zurückblickte, sah es, daß die Mauern wuchsen und sich in die Höhe reckten, bis aus dem kleinen ein ganz großes Schloß geworden war Davor lag ein wunderschöner See, auf dem sich zwei Schwäne schaukelten. Alles war groß; selbst die winzige Bank, aus der es so oft. mit seinem Strickzeug gesessen, war jetzt so, daß ein erwachsener Mensch be­quem darauf Platz nehmen konnte. Auf der Schloß­treppe aber stand ein stattlicher Herr, der winkte dem Mariechen freundlich und erzählte ihm, daß eine böse Fee ihn verzaubert habe weil er immer so hartherzig

Deutsches Deich.

Berlin, 6. Januar.

* Die alten Kulturkämpfer, die nationalliberale ,Magdeb. Zeitung' nicht mehr und nicht weniger als die deutschfreifinnige ,Voss. Zeitung', suchen der Svtrr- grlder-Barlage möglichste Schwierigkeiten zu bereiten, indem sie dieselbe als eine Niederlage der Regierung darstellen, weil diese von der im Frühjahr erstrebten Rentenzahlung jetzt zur Kapitalzahlung sich her- beilaffen wolle. Es muß dabei immer wieder daran ermnert werden, daß jene Renten nach Vereinbarung mit dem Minister zur Verwendung der Bischöfe stehen sollten, während jetzt das Kapital an viele Taufende von Empfangsberechtigten ausgezahlt und der Rest zu einem Fonds für dienstunfähige Geistliche festgelegt werden toll, fv daß die Bifchöse zu ihrer Verfügung Nichts erhalten.

* Ausgabe des Ausschusses zur Vorbereitung der Reform des höheren Unterrichtswesens wird es vornehmlich sein, die Grundzüge der Lehrpläne festzu- stellen, die Rang- und Gehaltsverhältnisse der Lehrer zu regeln und Vorschläge wegen Regelung des Be­rechtigungswesens für den Einjährig-Freiwilligendienst zu machen.

* Der Bundksrath hält am Donnerstag feine erste Plenarsitzung im neuen Jahre ab. Die Ausschuhsitzungen sind bereits gestern wieder ausgenommen worden, und zwar wurde der Gesetzentwurs über die kaiserliche Schutztruppe in Ostafrika berathen.

* Den Mitgliedern der Kommission für die zweite Lesung des bürgerlichen Gesetzbuches geht zur Vorbe­reitung der Berathungen, welche bald nach Ostern ihren Anfang nehmen, ein sehr umfassendes Material zu. Zu Anfang werden vier Sitzungen in der Woche statt- sinden. Die Berufung einer zweiten Kommission be- thätigt die Bereitwilligkeit der Regierung, an einzelne wichtige Hauptpunkte der bisherigen Beschlüsse die bessernde Hand anzulegen. Die Kommission wird es zu ihrer Hauptaufgabe machen, alle berechtigten Ein­wendungen gegen die Beschlüsse erster Lesung besonders zu prüfen und denselben gegenüber Abhilfe eintreten zu lassen. ...

* Die in Gründung begriffene neue Kolonlalgefell- schast für Siidwestasrika soll ihren Sitz in Hamburg haben und unter Aufsicht des Reiches ^stehen. Die jetzige dentfche Kolonialgefellschaft für Südwestafrika bleibt bestehen; dieselbe behält den südlichen Theil ihres Besitzes einschließlich Angra Pequena.

* Zum Geburtstage des Kaisers am 2<. d. M.

gegen die Armen gewesen sei. Sie habe gesagt, er müsse in der häßlichen Zwerggestalt verbleiben, bis em frommes Kind ihm aus Mitleid ein Jahr diene. Nun aber fei er erlöst. Als Mariechen ihn genauer be­trachtete, sah sie, daß es derselbe Prinz war, welcher sie und ihre Mutter damals ohne Obdach sortgewiesen hatte. Da freute sie sich mit ihm, daß er sich ge­bessert hatte. Sie gingen mit einander zum Wald- Häuschen und holten die Mutter ab. Der Prinz hei- rathete später Mariechen und so waren sie alle Drei sehr glücklich. Auf das Schloßthor aber ließen ite mit Goldbuchstaben die Worte fchreiben: Des Armen nie vergiß!"

Die großen Augen des Kindes hingen gekannt an dem Munde der Erzählerin, während die heißen Hände mit den ausgeschnittenen Püppchen spielten. Noch ehe Illa ihr Märchen ganz vollendet hatte, war die Thur des Wohnzimmers geöffnet worden und Jemand an das Fenster getreten. Sie glaubte, es sei Frau Ber­thold und erschrak, als sich jetzt ein fester Schritt hinter ihr vernehmen ließ und Dr. Werner vor ihr stand. Sie wußte zwar, daß die Inspektorin rhn ge­beten hatte, nach dem Kleinen zu sehen, aber er tarn 1 gewöhnlich des Morgens nach Freidorf, und xiua war nicht wenig überrascht, ihn gerade zu dieser Zett hier z« erblicken. Er mußte irgend eine ; Abhaltung gehabt haben, sie aber fand ihre gegenwärtige Situation: