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18. Jahrgang

Dienstag, den 6. Januar 1891.

Fuldaer Zeitung

$ntd u. Verlag der Fuldaer «ctiendruckerei («. Dillmann).

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Für die Rtbaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

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anlasfung zu dem riesigen Gründlings-, Börsen- und Großwucherschwindel, der nach dem Kriege über das deutsche Volk hereindrach und ihm vielleicht mehr ge­kostet hat, als die Milliarden uns nutzten. Die Riefen- summen, welche bei jener gewaltigen Verschiebung der Vermögen den mittleren und kleinen Ständen entzogen wurden, um sich in ganz wenigen Händen anzuiam- meln hat noch niemand ernstlich geschätzt. Sie werden aber auch in die Milliarden laxirt. Und nachdem der große Krach vorüber war, lag es noch jahrelang wie ein schwerer Alp auf dem Erwerbs- und Wirthichafts- leven unseres Volkes. Die Verluste, welche die,e Nach­krankheit im Gefolge hatte, muß man ebenfalls zu den Wirkungen der Milliardenzeit rechnen.

Sonnenried.

Roman von Marga Brechtcn.

(53. Fortsetzung.)

Hänschen freute sich. Ihr das abgezehrte Händ­chen entgegenstreckend, sagte er:

„Es ist gut, daß Du endlich kommst, Fraulem Illa'.'»

„Beinahe hätte ich gar nicht kommen können, mein Bübchen. Es war Besuch da und der ging erst eben weg."

„Das war aber dumm! Der hätte doch wlyen können, daß wir auf Dich warteten, mein Rothkehlchen und ich. Weißt Du, ich bin Mutters Hans, und es ist mein Hans. Vater hat es mir gefchentt, damit ich doch auch etwas habe, was mein ist. — Was hast Du ihm mitgebracht?»

„Sein Stück Zucker; wir hatten heute kein Obst bei Tische.» u p t

„Dann geh' hm und stecke es ihm in den Käsig, sonst ist es traurig; es hat Dich auch lieb.» Sie stand auf und trat zu dem glänzenden Bauer, der zwischen den Fenstern der Wohnstube hing.

Es war auffallend, daß Illa bei ihrem kalten, selbstsüchttqen Charakter doch Kinder liebte; nament­lich besaß sie für den kranken Knaben im Nachbarhause eine zärtliche Anhänglichkeit. Die Art und Weise, wie

Ein summarischer Nachweis, wo die seit 1871 von Frankreich als Kriegsentschädigung bezahlten^ Mil­liarden geblieben sind, darf wohl auf einiges Interesse rechnen. 5 Milliarden Francs sind bekanntlich genau gleich vier Milliarden Mark, und soll daher letztere Summe zu Grunde gelegt werden. Wir wollen mit dem erfreulichsten Theil beginnen: Nahezu den vierten Theil oder eine Milliarde besitzt das deutsche Reich noch gegenwärtig in 5 Fonds, dem ^nvalidemmids, welcher allein mit 561 Millionen dotirt ist, dem Reichs- Festungsbaufonds, dem Reichs-Eisenbahnbaufonds, dem bekannten Kriegsschatz im Juliusthurm m Äpandau (120 Millionen) und dem Fonds für das Reichstags- aebäude (24 Millionen, wozu stets die beträchtlichen, feit 1873 ausgelaufenen Zinsen treten.) Tie zweite Milliarde ist lediglich durch die Hände des Reiches gegangen, indem mit derselben sofort die drei Kriegs- Anleihen von 120 Millionen, ^0 Millionen und 120 Millionen preußische Thaler = 1020 Millionen Mk. getilgt worben sind. Von den beiden letzten sind etwa iv Milliarde verwandt zum Ersatz der direkt durch den Krieg erwachsenen Schäden; wir nennen nur die Hauptrubriken: für die Wiederherstellung der gesamm- tm im Feldzüge verschlissenen Heeresausrüstung (das sog Retablissement) 320 Millionen, die Vergütung sämmtlicher Kriegsschäden in Elsaß-Lothrmgen und Baden (Kehl), sämmtlicher Schäden der deutschen Rhederei durch die Kaperei, die Entschädigung der aus Frankreich verjagten Deutschen, die Erstattung sämmt­licher Kriegskosten der deutschen Gemeinden (Emquar- tirunq Fuhren), die Transportkosten der Eisenbahnen für Beförderung sämmtlicher Truppen, Vorräthe, Ge­fangenen. Ueber die dann noch übrigen 3/< Milliarden ist einem kleineren Theil für bestimmte große Reichs­zwecke verfügt,' namentlich die Kosten der Einführung der Münzeinheit, alfo der Prägung der gesummten neuen Münzen; ferner die Reichsbeihilfe zur Gott- hardbahn und die bekannten Dotationen des Fürsten Bismarck und der Generäle (12 Millionen). Eine be­scheidene halbe Milliarde endlich ist zur Austheilung an die einzelnen Staaten gelangt und in der mannig­fachsten Weife verwandt zur Schuldentilgung, zu Steuer­erlässen, Verbesserung der Beamtengehälter, in Preußen speziell auch zur Dotation der Provinzialverbände.

So haben die französischen Milliarden allerdings uns vielfachen Nutzen gebracht, aber auch großen Schaden. Denn sie waren die nächste und direkte Ver-

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Deutsches Deich.

Berlin, 3. Januar.

* Die ,Hamb. Nachrichten' verwahren sich in einem : längeren Leitartikel gegen die Unterschiebung der Nationalzeitung, daß gewisse Artikel der Redaktion vom Fürsten Bismarck herrührten und den Veyuch bezweck- ten, eine friedliche Verständigung der Parteien nut der Regierung zu hintertreiben. Die ,Hamb. Nachr.' bezeichnen dies Verfahren als unwürdig. Fürst Bis­marck vertrete an seinem Lebensabend keine andere Be- sttebungen, als während feiner Amtsthätigkeit. Wenn der Fürst beabsichtigen würde, wieder ans Ruder zu gelangen, dann würde er gewiß andere Wege em- fchlaqen, als den leitenden Personen widerstrebend ent- qegenzntreten. Fürst Bismarck habe dessen dürfe inan sicher sein — am allerwenigsten in dem Moment, als er Berlin verließ, den Gedanken gehabt, mit Sr. Majestät dem Kaiser wieder in amtliche Beziehungen zu treten. Er habe diese Gedanken auch im späteren Verlaufe der Dinge nie gehabt, die gegentheiligen Be­hauptungen beruhen auf ganz willkürliche Erfindung. , Bezüglich der Interviewers fagen die,Hamb. Nachr.', Fürst Bismarck habe keine Veranlassung, dieselben zurückzuweisen, falls derartige Herren den Wunsch äußern, empfangen zu werden. , .

* In den Ausschuß zur Vorbereitung der Reform des höheren Unterrichtswesens sind berufen worden: Geheimrath Dr. Hinzpeter als Vorsitzender, Geheimrath Dr. Schrader als Stellvertreter des Vorsitzenden, x_öer= j Realschuldirektor Dr. Fiedler-Breslau, Geh. Sanitäts­rath Dr. Graf-Elberfeld, Oberlehrer a. D. Dr. Kro- patfchek, Realgymnasialdirektor Dr. Schlee-Altona, Oberkonsistorialrath D. Uhlhorn-Hannover. Mitglieder des Unterrichts-Ministeriums sind danach nicht in den Ausschuß berufen worden. Dagegen sind mehrere vor­tragende Räche des Ministeriums zu Referenten bestellt worden, und zwar der Geheime Ober-Reg.-Rath Dr. Hans unbewußt ihre Neigung gewonnen hatte, war allerdings charakteristisch für sie. Er hatte sie eines Tages, kurz nach ihrer Ankunft, in voller Toilette im Garten gesehen und bei ihrem Anblicke staunend ge­rufen: „Was bist Du aber schön! Du siehst ja gerade aus, wie die Prinzessin in meinem Märchenbuche! Sofort ifatte er ihr das betreffende Bild zeigen müssen, sein bleiches, liebliches Gesichtchen erweckte ihr Mit­leid, und von jenem Tage an datirte ihre gegenseitige Freundschaft. Es kam Illa vor, als ob sie m des Kindes Nähe besser würde, ruhiger und zufriedener, und wirklich war sie in dem stillen Krankenzimmer, bei den einfachen Leuten eine ganz Andere. Aber ftei- lich dauerte es auch eben nur so lange; drüben im Schlosse zeigte sie sich immer launenhafter und reizbarer.

Für jetzt faß sie wieder neben dem Lager des kleinen Hans in einem ziemlich einfachen braunen Kleide, von welchem er erklärt hatte, datz er sie gerne darin sähe. Sie hatte eine schwarze Spitzenschurze vor- gebunden und die Locken mit einem Korallenkamme aus­genommen.

Und nun, Hans, was sollen wir heute vor­nehmen?» fragte sie sanft. „Wir müssen etwas spielen wobei Du nicht zu sprechen brauchst, denn sonst kommt der böse Husten wieder und Du hast eine schlimme Nacht »,

Stander zum General-Referenten, ferner die Geheimen Ober-Regierungsräthe Dr. Wehrenpfeiinig und Bshtz, der Geheime Regierungsrath Dr. Höpfner und der Provinzialschulrath Dr. Köpke zu Referenten für die von ihnen vertretenen Gebiete. Die Verhandlungen des Ausschusses beginnen, wie der ,Reichsanzeiger' hört, Dienstag, den 6. Januar.

* Eine Extraausgabe des .Reichsanzeigers ver­öffentlicht eine kaiserliche Verordnung, betteffend die Rechtsverhältnisse in Drutsch-Ostasrika; durch dieselbe wird das Gesetz über die Konfulargerichtsbarkeit in Deutfch-Ostafrika mit gewissen Modifikationen einge- führt. Die Bestimmungen der Verordnung entsprechen im Wesentlichen denen früherer Verordnungen, nur tritt an Stelle des Reichskommiffars der Gouverneur. Dieser bestimmt, wer als Eingebonier anzusehen ist, u. s. w. — Gleichzeitig bringt der .Reichsanzelger' eine Verfügung des Reichskanzlers, tote u. a. dem Gouverneur die Befugniß ertbeilt, polizeiliche und fonstige, die Verwaltung betreffende Vorschriften zu erlassen und gegen deren Nichtbefolgung Gefangniß bis zu 3 Monaten, Haft, Geldstrafe und Einziehung ein­zelner Gegenstände anzudrohen. Bis zur Uebernahme der Verwaltmig durch den Gouverneur wird diese Be­fugniß durch den Reichskominisfar wahrgenommen. Die kaiserliche Verordnung, fowie die Verfügung des Reichs-

I kanzlers sind mit toem 1. Januar 1891 in Kraft ge­treten.

* Als Sitz des Gouvernements in Ostofrik« ist Dar-es-Salaarn bestimmt worden.

* Der durch kaiserlichen Erlaß vom 10. Oktober errichtete Kolonialralh wird vor Ablauf der tetziaen Parlamentssession nicht in Thätigkeit treten, da bis dahin die verfügbaren amtlichen Kräfte durch die ost- afrikanischen Angelegenheiten und die parlamentarischen Arbeiten völlig in Anspruch genommen sind.

I * Die Taufe des jüngsten kaiserlichen Prinzen ist, ! wie verlautet, auf den 25. Januar festgesetzt. Am 17. findet das Kapitel des Schwarzen Adler- vrdens und am 18. das Ordensfest statt.

Ausland.

* Rom, 3. Jan. Der hl. Vater hat, wie bereits gemeldet, um das Trinkgelderwesen zu beseitigen, für den Besuch der vatikanischen Museen eine Ein- trittsgebühr von 1 Frc. festsetzen lassen. Darüber ist nun die kirchenfeindliche und offiziöse Presse ganz aus dem Häuschen und bauscht diese geringfügige Ange­legenheit zu einer Haupt- und Staatsaffaire auf. Ja, das Leiborgan Crispi's bezeichnet dies als eine Ver­letzung des Garantiegefetzes und stellt es geradezu w hin, als ob die vatikanifchen Mufeen Eigenthum des I nenitalienifchen Staates wären und der hl. Vater gar

„Zuerst sage mir, in wie viel Tagen das Christ­kind'kommt." , , rr . ,

In vierundzwanzig. Hast Du jchon den heutigen Tag "aus Deinem Blatte ausgestrichen?»

„Ja, schon ganz frühe. Kommt es auch zu Dir?" ^Jch hoffe es."

„Wünschest Du Dir etwas?»

„Ich hätte wohl einen innigen Wuiych, aber — es ist zu viel, er kann nicht in Erfüllung gehen."

„Doch, Mutter sagt, daß es Alles geben kann, was" es will. Also sei nur ruhig; wenn ich das Christ­kind vor dem Feste sehen sollte und manchmal meine ich, es müsse eines Nachts zu mir kommen, — dann will ich ihm sagen, daß es Dir Dem Geichenk bringen soll." .

An diese kindlichen Worte dachte ^lla 1 pater nD$,Unb nun schneide Papierpüppchen aus," bat Hans, eine ganze Familie: Vater, Mutter und viele Kinder; - während der Zeit erzähle mir die versprochene | Geschichte und zu allerletzt singst Du mir ein Lied.

„Wirst Du auch ganz still liegen und nicht sprechen?" ".Nein, ich will sehr artig sein und nur immer

Dich ansehen."

Illa rückte die Kiffen zurecht, zog das -tuet) fester um ihn und griff nach Scheere und Papier.

W Wegen de» Festes der hl. drei Kö­nige erscheint die nächste Nummer ds. «l. erst nm Mittwoch.___

Wo find die Milliarden geblieben?