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18. Jahrgang

Samstag, den 3. Jaimar 1891.

Weile; wenn ich nichts mehr hören will, werde ich es einfach weglegen — für immer."

„Und ich prophezeie, daß Sie dies bald thun wer­den Wir standen, glaube ich, an dem Kapitel des Schönen. Der Inbegriff alles Schönen, Erhabenen und Edlen besteht für mich in dem einen Worte Wohl­thun: wahre, opferfreudige Liebe allein kann mich be­geistern. Es ist etwas Göttliches um das Erbarmen, und es liegt eine große Gnade darin, daß die Men­schen gleichsam mit ihrem Schöpfer handeln, daß auch wir uns erbarmen dürfen. Doch, ich habe Noth und Elend geschaut in feder Gestalt, in den niederen und mittleren Ständen, und meine Beobachtung hat mich gelehrt, daß noch sehr wenig geschieht, um den Un­glücklichen beizustehen. Nicht an die Wenigen aus dem Lande denke ich, die finden Hilfe, wie es z. B- durch die Güte Ihres Herrn Schwagers in dieser Gegend der Fall ist : sondern ich spreche von den Bewohnern der Hauptstädte. Bei den prachtvollen Festen des AdUs, wo der Ueberfluß und die Verschwendung aus den strahlenden Sälen hinauSdringt an das Ohr der har­renden Menge, wird man fich so recht des krassen Un­terschiedes zwischen hier und dort bewußt. Man »cr= steht die Geschichte so mancher blassen Gestalt, welche, wenn fie sich an dem glänzenden Schauspiele da innen müde gesehen, das geblendete Auge grollend zum

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jederzeit von allen Feinden der christlichen Ordnung besonders gehaßt und verfolgt worden sind.

Wir sind darum bewußt, nicht nur in Wahrung unserer eigenen und linserer vertriebenen Mitbürger Rechte, sondern auch im Interesse unseres Vaterlandes zu handeln, wenn wir an hohen Reichstag die Bitte richten:

Hochderselbe wolle die Aufhebung des Gesetzes vom 4. Juli 187*2 beantragen, .

(Folger, die llnkerfchrifken.)

Sonnenried.

Roman von M a r g a B r e ch t e n.

(51. Fortsetzung.)

„Gut", erwiderte er, den Blick verstehend, in seiner kurzen, trockenen Weife. „Sie sollen das Buch durch­blättern, manchen Satz daraus hören. Sie sprachen vorhin von Musik. Diese Kunst ist eine herrliche Gabe und diejenigen, welche Talent dazu besitzen, verwenden gewöhnlich viel Zeit und Ansttenguug darauf. Aber ich habe nie gehött, daß eine schöne Stimme, welche im Concertsaale bereitwillig in Trillern und Rouladen erklungen, je in der Kammer des Unglücklichen ein einfaches Liedchen ihm zur Freude gesungen. Dort hätte ja das reiche Organ gedämpft werden, die Worte einem Choral oder einem veralteten Lieblingsliede entnommen werden müssen. Die glockenreinen Töne würden wohl ein Herz bis zu Thränen gerührt haben, aber auch nur ein einziges und zwar das Herz eines _ Armen! In demselben Verhältniffe wäre auch der Dank erfolgt; ein Druck der welken, fieberheißen Hand, nur unwillig, vielleicht schaudernd entgegen genommen, wäre der ganze Lohn gewesen. Sehen Sie, die Kunst, dieses Geschenk von Bott, steht nicht un Dienste der Armen und Unglücklichen; sie blüht nur m den Salons der Reichen. Selbst bei der Veranstaltung zu emem

fertigte Vorwurf durch Beseitigimg des qu. Gesetzes endlich zurückgenommen werde.

Als Staatsbürger erklären wir uns gegen alle Ausnahmegesetze, weil solche zur Verbitterung der Ge­mächer und zur Untergrabung de« Friedens gereichen. Das Ausnahmegesetz vom 4. Juli 1872 wünschen wir aber umsomehr aufgehoben zu.sehen, als dasselbe der Heimath und all' ihrer Vortheile eine große Anzahl deutscher Staatsbürger beraubt, von denen keiner eines Verbrechens oder eines politischen Vergehens auch nur angeklagt, geschweige denn überführt worden ist. Viel­mehr hatten dieselben, seit sie nach stürmisch bewegter Zeit wieder Zutritt in mehreren deutschen Staaten gefunden, durch ihre Missionsthätigkeit zur Befestigung der Ordnung aufs segensreichste gewirkt. Im letzten deutsch-französischen Kriege noch haben sie ihre Liebe zum Baterlande durch freiwillige Dienste in der Militärseelsorge und in Pflege der Verwundeten be­kundet, wofür ihnen seitens des hochseligeu Kaisers Wilhelm Dank und ehrenvolle Auszeichnung geworden ist. Selbst durch die harte Behandlung, welche sie in Folge des qu. Gesetzes nun schon über 18 Jahre er­fahren, Haden sie sich zu keiner Feindseligkeit gegen ihr Vaterland bringen lassen.

Als Staatsbürger verlangen wir die Erhaltung und gedeihliche Entwickelung des Vaterlandes und des­halb den Fortbestand und die Sicherung der morali­schen Grundlagen, auf welchen die christliche Gesell­schaftsordnung beruht. Die Todfeinde dieser Ordnung aber, der Meism s .n-ch. ?"-ialismus machen in gegenwärtiger Zeit höchst bedenkliche Fortschritte uno bekennen es offen, daß das Königthum von Gottes Gnaden so gut wie kirchliche Obrigkeit, Eigenthum und Ehe beseitigt werden sollen. Wenn nun der Atheismus in höheren Schichten im Namen der freien Wissen­schaft, in Volkskreisen im Jntereffe des Sozialismus verkündet werden darf, wenn Jrreligiösität und sitt­liche Verwilderung, Unzufriedenheit und Verbitterung gegen die bestehende Ordnung immer bedrohlicher um sich greifen: dann erfordert es das Staatswohl, daß man, bevor es zu spät ist, zur Bekämpfung der ver­derbendrohenden Ideen all' die geistigen Kräfte aufrufe und frei wirken lasse, welche den Glauben an Gott und dessen Vorsehung zu vertheidigen, welche den Geist der Pietät, der Sittlichkeit und der Achtung vor den gottgesetzten Gewalten zu erhalten und zu kräftigen im Stande sind.

In dieser Hinsicht haben sich aber gerade die durch das Gesetz vom 4. Juli 1872 aus Deutschland ver­triebenen Ordensleute nicht nur um ihrer hervorragen­den wissenschaftlichen Tüchtigkeit willen, sondern auch durch ihr Leben freiwilliger Armuth und Entsagung von jeher besonders wirksam gezeigt, weßhalb sie auck Wohlthätigkeitsconcerte erzählen die Zeitungen von den besonderen Bemühungen, denen es endlich gelungen sei, diese oder jene Anziehungskraft zur gefälligen Mit­wirkung zu bewegen. Habe ich Unrecht? Haben Sie vielleicht je in einer Dachstube gesungen oder einen Kranken mit den herrlichen Tönen aus Ihrer Kehle erfreut? Es wäre ja möglich."

„Nein", sagte sie trotzig, „ich hatte keine Gelegen heit dazu und wenn sie sich geboten hätte, so —"

„So würden Sie sich nicht haben erbitten lassen." „Ich glaube nicht; — wozu?"

„Natürlich, wozu. Es wäre Schade gewesen, denn Arme verstehen nichts von Kunst, sie wissen„ einen solchen Genuß doch nicht gebührend zu schätzem"

Mit bebenden Fingern öffnete und schloß Illa die blitzenden Spangen an ihren runden, weißen Armen.

„Wie gut, daß Sie Arzt geworden sind," tagte sie endlich, „Sie verstehen ausgezeichnet, Einem wehe zu thun."

„Wollte Gott, ich könnte immer dort heilen, wo ich Schmerz verursachen muß! Doch ich gab Ihnen zu verstehen, daß das Buch keine einzige ergötzliche Seite enthalte; Ihnen, ja gerade Ihnen, muß fein herber Inhalt mißfallen. Sind Sie es müde, weiter darin zu blättern?" , , .

„Nein, nun erst recht nicht. Es geht noch eine

Fuldaer Zeitung

* .... -ulKa -i ma tu -/// »ruck u. «erlog der Fullmer Kctientaiderei («. »ifarnim).

git die ftebechon »erintworülch: Ludwig Demel in gmoa — w

Schreiben des 1)1. Vaters an das Präsidium des Bolksvereins für das katholische Deutschland.

An die geliebten Söhne Dr. Ludwig Windthorst, Franz Brandts, Karl Trimbsrn, die Präsidenten des Volksvereins der Katholiken Deutschlands.

Leo XILL, Papst.

beliebte Lohne, Gruß und apostolischen Legen!

Wie Wir aus euenn Briefe vorn 8. Dezember mit Freude ersahen, habet ihr und andere hervorragende Männer ein Werk unternommen, das euerer Frömmigkeit und Umsicht würdig und den Bedürfnissen der Zeit durchaus entsprechend ist. Nachdem ihr die Gefahr erkanntet, weiche eurem Baterlande und euerer Religion von den schlechten Lehren und den Wagnissen Einiger droht, die den Untergang der Kirche und der gesellschaftlichen Ordnung herbeizuführen beabsichtigen, habt ihr rechtzeitig be­schlossen, ihrem Beginnen mit männlicher Thatkraft entgegenzu­treten. Und zwar habt ihr dies weislich unter der Führung und den Legenswünichen euerer hochwürdigsten Bischöfe gethan, indem ihr einen Verein katholischer Männer aus ganz Deutsch tarn- bildet«, die <ni: W-tt m>: Schrift sowie auf jede «ftmbte Weise jenen erbitterten Feinden des Gemeindewohles Widerstand leisten und ihr Bemühen vereiteln sollen. Da ferner euer Unter­nehmen ein derartiges ist, daß Niemand, dem Religion und Glaube, dem Litte und Bestand der öffentlichen Ordnung, dem Familie und Ticherhett des Lebens am Herzen liegen, ihm seine Zustimmung versagen kann, so sind Wir der sichern Ueberzeu- gnng daß' euer edeles Beginnen den Beifall und die Unter­stützung aller gutgesinnten Männer finden »nd die reichsten Früchte des Heiles bringen wird. Euern Arbeiten und euern Bemühungen wird auch, so glauben Wir, die Hilfe des all­mächtigen Gottes nicht fehlen, der ja seine Kirche jchupet und die Nationen des Erdkreises heilbar gemacht bat, und der darum auch sicherlich Diejenigen in Liebe umfaßt, die gegen die Unter Wühler von Staat und Kirche zu Felde ziehen. Möge Er euch gnädig verleihen, dem gemeinsamen Feinde in Bezug auf Zeit und Gelegenheit zuvorzukommen, ans daß durch euere heil­bringende Thätigkeit eher die Wunden geheilt werden, die Jener Hoffnung nähren und ihre Sache fördern, als ,ie etwas von dem ins Werk zu setzen vermögen, was sie zum Verderben von Staat und Kirche ersinnen. Indem Wir dies erbitten, verleihen Wir euch geliebte Söhne, und den äbrigen im frommen Bunde mit euch Vereinten als Unterpfand väterlicher Liebe von.Herzen im Herrn den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom beim heiligen Petrus, den 23. Dezember des Jahres 1890, im 13. Unseres Pontifikates.

Leo XIII., Pavst.

Bestellungen auf die,Fuldaer Zeitung' werden noch fortwährend entgegengenommen.

* Die festens der Katholiken unserer Diözese an den Reichstag gerichtete Petitwn um Aufhebung des Zesnitengesetzes vom 4. Juli 1872 hat folgenden Wortlaut:

Hoher Reichstag!

Zur Freude aller Wohlgesinnten sind seit einigen Jahren mehrere jener Kulturkampfgefetze aufgehoben oder abgeändert worden, welche das Wohl des Staates nicht weniger als den Einfluß der Kirche geschädigt haben. Noch besteht aber neben andern Ueberbleibseln des un­seligen Kampfes das Reichsgesetz vom 4. Juli 1872 in Kraft, durch welches der Orden der Gesellschaft Jesu, sowie die ihm verwandten Orden und ordens- ähnli'chen Kongregationen vom Gebiete des deuffchen Reiches ausgeschloffen sind.

Durch dieses Gesetz fühlen wir uns m unfern kirchlichen und staatsbürgerlichen Rechten fortwährend ttef verletzt,, und die Liebe zu Religion und Vaterland bestimmt uns, die Aufhebung dieses Gesetzes zu ver­langen. . m „ ...

Als Katholiken haben wir in Preußen verfassungs­mäßig das Recht freier Religionsübung. Dieses Recht wird aber durch das erwähnte Gesetz schwer beein­trächtige, indew es innerhalb des deutschen Reiches nicht gestattet wird, in der von der katholischen Kirche approbirten Gesellschaft Jesu und den verwandten örben einem höheren Berufe zu leben. Eine volle Freiheit der Religionsübung vermögen wir da nicht zu erkennen, wo für die Art dieser Uebung nicht die katholische Anschauung und der $eruf des Betreffen­den, sondern der Wunsch Andersgläubiger und das Befinden weltlicher Behörden maßgebend ist.

Als Katholiken billigen und schätzen wir die von der Kirche approbirten Orden, nicht nur weil deren Statuten die Gutheißung der kirchlichen Vorgesetzten gefunden haben, sondern auch, weil wir aus eigener Erfahrung die Tüchtigkeit vieler Ordensleute auf dem Gebiete der Wissenschaft, des Unterrichts und der Er­ziehung, in seelsorgerlicher wie in sozialer Thätigkeit kennen. Indem nun eine Anzahl dieser Ordensgenoffen- schaften wegen angeblicher Staatsgefährlichkeit vom deutschen Reiche gesetzlich ausgeschlossen ist, wird indirekt gegen Alle, welche diese Orden billigen und schätzen, der Vorwurf der Staatsgefährlichkeit erhoben. Wir fühlen uns aber in der Liebe und Treue gegen das Vaterland mit unfern andersgläubigen Mitbürgern einig und halten es an der Zest, daß jener ungerecht-