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!7. Jahrgang

Dienstag, den 23. Dezember 1890.

J\S 296

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Vierteljährlicher AbonnementSpreiS ohne Bringer- lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage ,Sterne unb Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

14. Kapitel.

-allblnmen und Walierklänge.

Ich haucht' im Lied die ganze Seele hin, Und ihre tiefsten Tiefen legt' ich offen! — Ich hatte nichts zu fürchten, nichts zu hoffen;

Ich ging nichts suchen, hatte nichts zu flieh'n! — Das wunderbare Lied blieb unverstanden;

Tie Herzen nur ihr eignes Weh d'rin fanden! Ged. v. d. Heide.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen.

Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 16 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

das Feuer."

„Wissen Sie, mein lieber Schwager, daß ich Ihnen recht von Herzen zürne?" sagte Illa Eltmann einer Morgens zu dem Baron, welcher eben das Früh­stückszimmer betrat. Er war im Reitanzuge und schien offenbar Eile zu haben; denn er antwortete nur obenhin:

„Ich sehe mit Erstaun.-n, daß sich ihr hübsches

Sonnenried.

Roman von Marga Brechten.

(45. Fortsetzung.)

Als Fräulein Adelheid sich erhob, zeigte ihr Ge­sicht deutlich die Spuren der Erregung, welche ihr die Rückerinnerung verursacht hatte; waren doch auch jene Ereignisse, welche unerwähnt geblieben, in ihrem Ge­dächtnisse aufgelebt; sie hatte an sie denken müssen, weil sie gleichsam die fehlenden Glieder in der Kette bildeten. Es war also ungewiß, ob diese Stunde ihr selbst wohlgethan hatte, aber bemerkend, daß ihr Be­such unter irgend einem Drucke litt, war sie auf den Gedanken gekommen, denselben zu zerstreuen. So hatte sie an den eigenen, noch immer nicht vernarbten Wun­den gerührt und, wenn sie auch nicht sprechen konnte: Dies war schwerer als Dein Leid, so wollte sie doch sagen: Sieh', auch in meinem Leben hat Vieles ge­tragen sein wollen. ..

Als die Damen in das Besuchszimmer zuruck- kehrten, hatte Susanne eben die letzten Erfrischungen gereicht. Felicitas erkundigte sich noch nach dem Fort­gänge der Berathungen zwischen ihrem Gemahl und Dr. Werner, dessen Persönlichkeit ja nun eine ganz andere Bedeutung für sie gewonnen hatte. Auch später im Wagen kehrten ihre Gedanken immer wieder zu Fräulein Adelheid's Erzählung zurück; Illa aber sagte auf des Barons Frage:

„Die beiden ältesten Geschwister gefallen mir lew-

gierungs-Entwurf nur 3 pCt. verlangt. In Betreff des Volksschul-Gesetzentwurfs der Regierung bemerkte die Kreuzzeitung, daß derselbe gründlich um- qearbeitet werden müsse, besonders in Hinsicht auf die Rechte der Kirche und der Eltern an der Volks­schule. Dies schien, nach den parlamentarischen Vorverhandlungen zu urtheilen, auch die Auffassung der Mehrheit der Konservativen zu sein; die Kommissions-Verhandlungen haben uns jedoch eines etwas Andern belehrt. Allerdings ist der Abänderungs­antrag des Abgeordneten W ind thorst zu den wich­tigsten Bestimmungen des Entwurfs über die Rechte der Kirche und der Eltern in der Kommission noch nicht zur Verhandlung gekommen und wird erst nach Neujahr behandelt werden — indessen lehnten die Kon­servativen in der Kommission mit den Liberalen ver­eint z. B. den Antrag Rintelen ab, laut welchem an konfessionell eingerichteten Schulen nur Lehrer der be­treffenden Konfession angestellt werden sollen. Hoffent­lich ist im Plenum auf die Konservativen mehr Verlaß, als es nach den bisheriacn Kommissions-Verhandlungen scheint, so daß nicht doch endlich der Goßler'sche Ent­wurf noch durchdringt, womit ein neuer Kulturkampf inszenirt würde. Die Berathungen der Kommission für die Landgemeinde-Ordnung der östlichen Provinzen haben an sich für den Westen geringeres Interesse; hervorzuheben ist jedoch, daß die Konserva­tiven, entgegen dem ausdrücklichen Wunsche des Mini­sters Herrfurth, einen Antrag durchsetzten, welcher dem Minister bezw. der Krone das ihr vom Entwurf zu­gewiesene Recht der Entscheidung in denjenigen Fällen nimmt, wo bei Zusammenlegung von Gutsbezirken mit Gutsbezirken oder Landgemeinden die Beteiligten über die ihnen bei dieser Vereinigung zu gewährende Ent­schädigung uneins sind, und dieses Recht instanzen­mäßig den Kreis- und Bezirks-Ausschüssen zuweist. Dieses Ereigniß hat den Minister sehr verstimmt, und es ist, wie man der ,Köln. Vztg.' mittheilt, schon von Auflösung des Abgeordnetenhauses die Rede.

* Das preußische Abgeordnetenhaus nimmt seine Plenarsitzungen am 8. Januar wieder auf. Auf der Tagesordnung steht der Antrag auf Erlaß eines Wild- schadengefetzes in 2. Lesung.

* Dem Reichstage ist eine Denkschrift über den Reichstagsbau zugegängen. Die Werksteinarbeiten wer­den im nächsten Jahre zu Ende geführt; die Putz- arbeiten sollen nächsten Sommer in Angriff genommen werden. Das Einsetzen der Fenster und das Verlegen der Fußböden beginnt 1892. Im Jahre 1894 soll der innere Ausbau beendet werden. Wegen der Beleuchtung ist mit den Berliner Elektrizitätswerken auf die Dauer lich wohl, den Doktor aber finde ich geradezu schrecklich." „Hegen wir das Beste für ihn, liebe Schwägerin," erwiderte Freidorf. „Sie glauben gar nicht, wie rasch sich dergleichen Kanten und Ecken abschleifen."

„O, wehe dem Stein, an welchem solche Rauheit und'Härte sich einst glätten wird!" scherzte sie, zu Jhno gewandt. „Er müßte zerbröckeln bei dem eitlen Versuch. Wer mag der Barmherzige sein?"

„Er wird nicht „Illa Eltmann" heißen, vermuthe ich?" fragte der Kapitän lächelnd.

„Sicherlich nicht," sagte sie neckisch und warf ihm einen ihrer Gluthblicke zu, „gebrannte Kinder scheuen

Deutsches Reich.

Berlin, 20. Dezember.

* Die parlamentarischen Körperschaften sind in die Weihnachts-Ferien gegangen; die Kommissionen setzten jedoch ihre Thätigkeit noch länger fort, wie sie auch, soweit sie ihre Arbeiten nicht erledigt haben, vor dem Wiederbeginn der Sitzungen des Plenums zu­sammentreten werden; so die Steuer-Kommissionen, die Kommission für das Volksschulgesetz und diejenige für die neue Landgemeinde-Ordnung der östlichen Pro­vinzen. Die Arbeiten der Kommissionen bahnen erst recht die Debatten an, und wenn schon die allgemeinen Erörterungen einen so großen Umfang angenommen haben, so kann man sich für die Spezial-Debatten auf eine Ausdehnung der parlamentarischen Tagung mög­licherweise bis in den Sommer hinein gefaßt machen. Mit großer Spannung sind die Verhandlungen der Einkommensteuer-Kommission verfolgt worden und von dem größten Theil der Steuerzahler auch mit unzweifelhafter Befriedigung; denn für die niedern Einkommen hat die Kommission sowohl den Satz der Steuer herabgesetzt als auch andere Erleichterungen ge­troffen, anderseits den höhern Einkommen entsprechend höhere Lasten aufgelegt, so daß mit einem Einkommen von 100,000 Mk. an aufwärts 4 pCt. des Einkommens als Steuer zu entrichten wären, während der Re-

Fuldaer Zeitung

~ „ Druck u Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Tillmann).

Für die Siebaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda - « $tUtt *en“8

auf die

,Fuldaer Zeitung'

für das am 1. Jaruir k. I. beginnende

1. Guartal 1891

wolle man nicht bis auf die letzten Tage des laufenden Monats verschieben, sondern möglichst bald <>em nächsten Postamte znstellen, damit uns dieselben rechtzeitig übermittelt werden können und prompte Zu­sendung ermöglicht wird.

Der Post - Abonnementspreis auf die , F u l d a e r Zeitung' mit der illnstrirtenSonntagsbeilage 3S3 Sterne und Kumm ss™ beträgt pro'' Quartal nur 1 Mk. 50 Pfg. excl. Be­stellgeld.

xM-> Neu zugehende Abonnenten erhalten die Zeitung nebst der Sonntagsbeilage gegen Einsen­dung der Post-Quittung bis Ende Dezember gratis.

von 5 Jahren von Beginn der Beleuchtung ab abge­schlossen worden. Der Reichstagsbaufonds, der sich anfänglich auf 29,617,000 Mark bezifferte, betrügt jetzt noch zirka 14,200,000. Nach den Anschlägen werden noch 12,200,000 Mk. gebraucht, so daß noch 2 Millionen verfügbar bleiben, aus welchem Betrage u. A.- noch die Kosten für die Beleuchtungseinrich- tungen und für die künstlerische Ausschmückung des Gebäudes gedeckt werden sollen. Die innere Ausstattung wird schlichter ausfallen, als sie ursprünglich geplant war. —

* Die Ausführung der Jnvaliditäts-Verticherunk hat in der Postverwaltung zu sehr umfassenden Verfügungen Anlaß gegeben, durch welche unter dem 4. Dezember in dem Dienstverhültniß und in der Dienstbezeichnnng mehrerer Klassen von Beamten, Unterbeamten und Arbeitern der Verwaltung Aende- rungen eingeführt sind, hauptsächlich zu dem Zweck, die versicherungspflichtigen von den nichtversicherungs­pflichtigen Personen im Postoienst scharf abzugrenzen. Für die Versicherten werden die Beitrüge von den Arbeitgebern durch die Organe der Postkrankenkassen eingezogen und durch diese auch die Ausstellung, der Umtausch und die Erneuerung der Quittungskarten bewirkt. Die Versicherung der nicht zur Poftverwaltmrg, sondern lediglich zum Annehmenden in ein privatrecht­liches Dienstverhültniß tretenden Personen liegt ihrem Dienstherrn ob. Die Postverwaltung hat mit derselben keine Befassung.

* „Reuters Bureau" meldet aus Sagbar vom 19., die deutschen Zollbeamten hätten die" leitenden Britischen Kaufleute benachrichtigt, daß vom 1. Januar 1891 ab aus alle aus Saiffibar in das deutsche Ge­biet eingeführte Maaren ein Zoll von 5°/0 erhoben werden würde und daß beabsichtigt sei, an der Küste 8 Stationen zu errichten zur Erhebung des Zolles und zur Verabfolgung von Pässen an die nach irgend einem anderen Hafen des deutschen Gebiets abgehenden Schiffe. Die darauf bezügliche amtliche Bekanntmachung sei in Folge der Abwesenheit des Reichskommissars Major v. Wißmann noch nicht erfolgt.

* Briefe aus Kreta melden, daß am vorigen Frei­tag in der Nähe von Kladissos der verstümmelte Leichnam des Leipziger-UniberfitatS-ProsessorS Reins aufgefunden wurde. Auf Veranlassung des österreichischen Konsuls leitete der Gouverneur Dzebat Pascha sofort eine Untersuchung ein, welche ergab, daß Professor Reins drei Tage vorher bei der Einsammlnng von Naturalien überfallen und beraubt wurde. Bisher sind 11 Personen als des Mordes verdächtig verhaftet, doch behaupten die Griechen, daß türkische Soldaten Gesicht in gar bedenkliche Falten legt, wenn ich nur in die Nähe komme." .

„Nun, und Sie finden es noch nicht einmal der Mühe werth, zu fragen, wodurch Sie mich gekränkt haben?" ...

Freidorf lachte. Nein, denn ich emppnde nicht die leiseste Reue und habe überhaupt gar keine Ahnung, daß ich wirklich etwas gethan haben könnte, das Ihren Unwillen verdient hätte. Wenn ich schöne Damen zür­nen sehe, so halte ich dies einfach für eine Laune." Mit diesen Worten wandte er sich zu dem Fenster, öffnete es und rief nach Bill, welcher sich in der Nahe des Gartens umhertrieb.

Höre, Bill, lause einmal nach dem Gärtner und siehe" zu, ober mit dem Bestellten sertig geworden ist!"

„Nun, und wenn meine Schwester zürnt, wofür halten Sie dies, wenn ich fragen darf?" fagte Illa, als sich der Baron wieder umwandte.

Er lehnte sich mit dem Rücken gegen das Fenster und spielte mit der Reitgerte. Dann erwiderte er rasch :

„Felicitas zürnt nie, sie hat niemals Laune, sie ist —"

„Felicitas ist überhaupt das Bild aller Vollkom­menheit," unterbrach ihn Illa.

„So ungesähr wollte ich sagen, sür mich wenigstens "

Ein lauernder, etwas spöttischer Blick ttaf ihn aus Jlla's Augen. Er sah denselben nicht, sondern schaute ungeduldig nach der Thür. Illa bemerkte es und