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Sonntag, den 21. Dezember )W'.

Fuldae

Für die Rcdaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

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Dir .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn» und Feiertage ausgenommen.

Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum

15 Ps., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

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Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

Vierteljährlicher Abonnementsprei- ohne Bringer- iohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

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Hierzu eine Beilage.

Papst Leo XIII. über die Presse.

„Da das Hauptmittel im Dienste der Gegner die von ihnen zum großen Theile beeinflußte oder unter- . haltene Presse ist, so ergibt sich die ernste Forderung j an die Katholiken, der schlechten Presse eine gute ent» | gegenzustellen, zur Vertheidigung der Wahrheit, zum , Schutze der Religion, zur Übertretung des katholischen j Rechtes. Die katholische Presse hat die Aufgabe, die । schlechten Bestrebungen der Feinde der Kirche bloß- s zulegen, die Arbeit der Hirteu des Hauses Gottes zu unterstützen und die katholischen Interessen zu fördern. Darum ist es aber auch Pflicht der Katholiken, diefe Prefse kräftig zu unterstützen; sie sollen der schlechten Presse alle Betheiligung versagen, die gute aber, so weit es Jeder in seiner Stellung vermag, zu Leben und Gedeihen zu bringen suchen."

Papst Leo in seinem Rundschreiben von 15. Oktober dieses Jahres.

Deutsches Keich.

Berlin, 19. Dezember.

* Der Kaiser stattete gestern dem Generalfeld- marfchall von Moltkr einen Besuch ab, um demselben die Geburt des sechsten kaiserlichen Prinzen persönlich mitzutheileu.

* Der .Staatsanzeiger' veröffentlicht die Erhebung des Professor Dr Bramann in Halle, der s. Z. den Kehlkopfschnitt an Kaiser Friedrich vollzogen, in den Adelstand.

* Die Kommissionen des Reichstages und des preußischen Landtages haben sich bis nach Neujahr vertagt. Sie werden noch vor den Plenar-Sitzungen wieder zusammentreten, um für diese ausreichend Material zu liefern.

* Der Bundesrath hat gestern die , Novelle zum Branntweinstknergrsktz angenommen. Dieselbe wird den Reichstags-Abgeordneten in die Ferien nachgesandt.,

* Was bei der sozialistischen Strike-Agitation für die Jnterefsen der Arbeiter „herauskommt", zeigt sich jetzt am Vorabende des Inkrafttretens der Atters- und Znvalidilätö - Versicherung, indem es sich herausstellt, daß Arbeiter, welche in bett letzten drei Jahren mehr als 15 Wochen gestrikt haben, nicht in den Genuß der Altersrente gelangen können, welche sie sonst bei erreichtem 70. Lebensjahre unmittelbar nach dem In­krafttreten des Gesetzes bezogen haben würden. Es fehlt ihnen eben dann an der vorgesehenen Summe

Sonnenried.

Roman von Marga Brechten.

(44. Fortsetzung.)

Hier unterbrach Felicitas die Erzählerin.

O", rief sie, „warum hat Ihr Bruder nicht die Hilfe meines Mannes in Anspruch genommen? Er würde io gern geholfen haben!

Ja, ich darf sagen, er würde es, versetzte Fräulein Adelheid sinnend. „Aber mein Bruder besitzt in manchen Dingen einen gewissen Stolz, vielleicht ist es auch nur übertriebenes Rechtlichkeitsgefühl. Victor erkannte es als unsere Pflicht, für unseres Bruders Wohlfahrt zu sorgen; aber er wollte nicht, daß Andere Opfer brächten für einen damals so unsicher scheinen­den Ausgang. Außerdem, Reinhard litt es nicht. Er sagte mehrmals: „Ich will mein Glück nur Gott ver­danken, Euch und mir selber" Sehen Sie mich nicht so vorwurfsvoll an, liebe Frau Baronin, es war besser so, und für den Fall, daß unsere Kraft nicht ausge­reicht hätte, würden wir die Hilfe Ihres Herrn Ge­mahls in Anspruch genommen haben."

„Nun, das versöhnt mich," sagte Felicitas; „aber bitte, wie ging es weiter?" .

„Es bleibt nicht mehr viel zu erzählen- Ich fragte Victor noch, wie die Unterredung zwischen ihm und

der Arbeitszeit. Ob die solchermaßen durch die Weis- , heit der sozialdemokratischen Hetzer Geschädigten aus der Paricikasfe gegebenen Falles Deckung ihrer vcr- ; loreneu Altersrente erhalten werden?

* Die neueste Lebensmittelprkiötubetle der ,Stat. ; Korr.' läßt erkennen, daß die Getreidepreise im Nov. i an den meisten Marklvrteu noch gestiegen sind, während - die Fleischpreise zum Thcil nicht unerheblich zurück- i gegangen find; Speck und Schmalz folgten dem Fleisch, bei Kartoffeln und Roggenmehl überwogen die Preis- ! erhöhnngen. !

* Zum Präsidenten des Reichseisenbahuamts ist nach einer dem Reichstag zugegangenen Mittheilung der Geheime Regierungsrath S ch u l z ernannt worden.

* Vor einigen Tagen ist die Gründung eines püluisch-süzialdcmokratischeu Vereins dahier beschlossen worden. Der Verein beabsichtigt, sozialistische Schriften in den polnischen Landestheilen und unter den zahl­reichen Polen Berlins zu verbreiten, da die zu Halle beschlossene Gründung einer polnischen sozialdemokrati­schen Zeitung nicht durchführbar ist. Bis jetzt ist der j neue Verein sehr schwach; in der „konstituirenden" Versammlung waren von den vielen Tausenden pol­nischer Arbeiter kaum 100 erschienen. Die Polen sind eben durchweg zu gute Katholiken, als daß sie auf den ekelhaften fozialdemokratifchen Leint kriechen möchten.

*Bresluu, 17. Dez. Herr Fürstbischof Kopp hat an seinen Klerus folgenden Erlaß gerichtet: „In meinem Pastoralschreiben vom 3. Februar und 8. März d. I. habe ich meinen hochwürdigen Klerus be­reits im Allgcmeitien zur Mitarbeit an der Ausführung der sozialpolitifchen Gesetzgebung ermahnt. Die freudige Bereitwilligkeit, mit welcher mein hochwürdiger Klerus meiner Mahnung nachgekommen ist, konnte mich jeder weiteren Erinnerung daran überheben. Da indessen der durch kaiserliche Verordnung bestimmte Termin des Inkrafttretens des Gesetzes über die Jnvaliditüts- und Alters-Versicherung — der 1. Januar 1891 — nahe bevorsteht und unter den industriellen wie ländlichen Arbeitern noch vielfach Unkenntniß über die Bedeutung und über die Zwecke des Gesetzes herrscht, so finde ich mich veranlaßt, meinen hochwür­digen Klerus zu erfuchen, in der demselben zweckmäßig erscheinenden Weise ihre Pfarrkinder darüber zu be­lehren und denselben nach Kräften durch Rath und That zur Hand zu gehen."

* Bochum, 17. Dez. Die Reichstags-Ersatzwahl ist auf den 29. Dezember anberaumt.

Ausland.

* Der kirchenfeiudliche Charakter der französischen Regierung ist am Donnerstag in der Deputirtenkammer von Neuem hervorgetreten. Der Abgeordnete Depras (gemäßigter Republikaner) brachte eine Interpellation Reinhard geendet habe. Er antwortete: „Ich sagte zu ihm, was die Eltern für Dich gethan hätten, werden aud) wir zu thim versuchen. Erreichst Du Dein Ziel, so kann Deine Freude nicht größer sein als die unserige; erreichst Du es nicht, so werden wir mit Dir trauern. Hierauf schrieb ich ihm zur Erinnerung an den gestrigen Tag folgende Worte auf ein loses Stück Papier: Das Seine thmi und auf den Himmel bauen."

„Nun und bann?“

„Dann folgte ein solcher Ausbruch der Freude, daß ich vor der Heftigkeit desselben erschrak. Ich hatte nicht geahnt, daß in dem stillen, schüchternen Knaben eine so wilde, leidenschaftliche Natur wohne. Jetzt erst bekam ich ein Bild von feinem wahren Sein; wie furchtbar mußte bei dieser äußeren Ruhe der Sturm in seiner Brust getobt haben!"

„Ich glaubte meines Bruders Worten", fuhr Fräulein Adelheid fort, „denn ich dachte an meine Wahrnehmung in der vergangenen Nacht. Wir reichten uns stumm die Hände, zum Zeichen, daß wir fest und treu zusammenstehen und den Kampf mit dem widrigen Geschick muthig aufnehmen wollten. Ich begab mich auf mein Zimmer, nahm mein Wirthschaftsbuch heraus, rechnete und reduzirte bis ich, freilich einstweilen nur auf dem Papier, eine kleine Summe herausbrachte, welche erübrigt und alljährlich zurückgelegt werden

betreffend die Laicisirung der Spnaler ein und ver­langte Wied er zu las s .ng geistlicher Kranken­pflegerinnen. Nach der Aniwort dis Ministers Constans, der für die Laien-Ärankenpflegerinneu ein­trat, wurde mit 351 gegen 176 Stimmen die einfache Tagesordnung angenommen.

Rom, 18. Dez. Kardinal Mermillod veröffentlichte diefer Tage den Aufruf des Vereins Gioveutu Cat- tolica, das dritte Centenarinin des h. Aloysius von Gonzaga durch einen Pilgeczug der Jugend der ganzen katholischen Welt nach Rom zu feiern. — Das Kardinalskollegium hat in der ungarischen „Weg- tanfungsangelcgenheit entschieden, daß der heilige Stuhl in der Frage der gemischten Ehen keinerlei Beihülfe durch den Klerus dulden könne. Das Gesetz von 1868 muß abgeschafft oder geändert werden, da es mit den Gesetzen der Kirche in Widerspruch stehe. Dasselbe gelte von dem Erlasse des Ministers, welcher dieses Gesetz durchführen wolle. Für gleichgültig sei es zu erachten, ob die Anzeige direkt oder mittelbar erfolgt. Ferner heißt es in dem Schreiben Rampoias an Kar­dinal Simor: „Der Papst sei tief schmerzlich berührt worden, zu erfahren, daß einige Bischöfe vor vier Jahren ihren Diözesen jene Taufzeugnisse gestatteten, und als sie vom Kultnsminister vor der Hinausgabe seines Erlasses befragt worden feien, die Antivort er- theilten, es stehe dem fein Hinderniß im Wege, daß alle Geistlichen dies thnn. Der heilige Stuhl vernr- theilt diefes Verfahren aufs Schärfste und Kardinal Simor wird ersticht, dies jenen Bischöfen und auch dem Ministerium zu erklären, falls dasselbe sich zmn Be­weise der Berechtigung seines Erlasses auf das Bei­spiel und die Autorität dieser Bischöfe berufen sollte."

* Petersburg, 18. Dez. Die liberale semitenfreund­liche Presfe aller Länder jammert über die Juden­verfolgung in Rußland, während sie über die weitaus traurigere Lage der Katholiken und die systematische Unterdrückung derselben im Czarenreiche kein Tadelswort findet. Und doch ist diese Verfolgung eine weit schroffere und wird der Kampf gegen den Katholizismus in der brutalsten Weise fortgesetzt. Ja selbst die Deportation von Katholiken nach Sibirien um ihres Glaubens Willen steht in vollster Blüthe. Zn Anfang dieses Monats wurden neben mehreren Laien wieder zwei angesehene Priester nach Sibirien geschleppt, weil sie einigen Uniten außerhalb ihrer Pfarrbezirke geistlichen Trost gespendet hatten.

* Dublin, 17. Dez. Der Bruch innerhalb der national-irischen Partei hat sich zu einem schier un­heilbaren gestaltet und ist eine so große gegenseitige Verbitterung eingetreten, daß heute nicht einmal der Rücktritt Parnell's mehr die Situation bessern konnte. Leider erhalten damit auch die Hoffnungen der Irländer auf Erlangung der Autonomie einen schweren Schlag konnte. Reinhard begann noch au demselben Tage seine Studien und fetzte dieselben fort mit einer Geduld und einer Ausdauer, welche unseren Muth stets neu belebte, wenn er je einmal zu sinken drohte.

„Victor hatte Recht gehabt; seine Gesundheit er­starkte trotz der Riesenarbeit, welche auf feinen schwachen Schultern lag. Damals begriff ich den oft gehörten Ausspruch, daß es nämlich leichter ist, ein Uebermaß von Pflichten zu tragen, als eine einzige Kraft brach liegen zu lassen. ,

„Nach mehreren Jahren trat Reinhard in die oberste Klasse des Gymnasiums ein, bestand später die Maturitätsprüfung mit Auszeichnung und ging gleich darauf auf die Hochschule zu M. Leider gestatteten unsere Verhältnisse ihm keine Ferienreisen, daher kommt es, daß er Ihnen erst vor Kurzem zum ersten Male vorgestellt werden konnte, lieber den Ausfall seiner letzten Examina haben Sie schon Näheres gehört; ich will nur noch hinzufügen, daß heute die Wiederkehr des Tages ist, an welchem Reinhard uns feinen Wunsch mittheilte."

„Und an welchem Sie dieses große Liebeswerk, diese Kette von Entbehrungen begannen,“ vollendete ihre Zuhörerin. „Wie viel Jahre sind seitdem ver­strichen?" '

„Gerade zehn. Wir Frauen haben em starkes Ge-