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17. Jahrgang

Donnerstag, den 18. Dezemder 189V.

F 292

Für die Redactton verantwortlich: Ludwig

Nachbarin gereizt. „Ich versichere Sie daß ich, wenn ich so neben Ihnen sitze, mit ordentlich Muhe geben muß, um nicht an Ihren schrecklichen Berus denken zu müssen; mir graut vor Allem, was Sie schon gethan haben oder noch ausüben werden."

Ein tiefer Schatten flog über das häßliche Gesicht an ihrer Seite; die gutmüthigen Augen wurden dunkel und blickten noch ernster als sonst. Dann sagte ihr Besitzer mit einem Anfluge von Ironie.

Legen Sie sich durchaus keinen Zwang auf, mein gnädiges Fräulein. Ich bin solchen Schauder vor meiner Persönlichkeit bereits gewöhnt. Auch unsere gute Susanne ließ mich schon dergleichen merken.

Nein, das war zu arg! Dieser ungezogene Mensch verglich sie sogar mit einer Magd, denn das war ja wohl der Name der Dienerin, welche die Waffeln ge­backen haben follte. Nun, er sollte ihr büßen, sie wollte ihn ferner nicht mehr beachten und bet entern nochmaligen Zusammentreffen seine Gegenwart einfach ignoriren. Mit einer nicht mißzuversiehenden Bewe­gung wandte sie sich ad und redete den ihr gegenüber sitzenden Kapitän an. Artig genug unterbrach Met jetne Unterrebung mit dem Batet, während der Arzt auf einen Wink des Barons, zu diesem trat und, von dem angeregten Thema gefesselt, gar bald die zürnende Schöne vergaß. . _ . f ~ ,

Illa aber begann nun ein spiel mit <ihno, w

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

L^ijUnU u i l d h a l l zu Gunsten der russischen Juden abgehaltene Meeting und äußert dabei.

Vor allem sollten der Lord-Mayor und die anderen englischen Gentleman des „Hands off“ (Hände weg) einge­denk sein. Das russische Volk sei feine englische Kolonie. Was würden wohl die Engländer gesagt haben, wenn das Stadthaupt von Petersburg em Meeting zu Gunsten des irischen Homerule embermen hatte. Die letztere Angelegenheit würde durch em solches Meeting um keinen Schritt weiter vorwärts gekommen sein, dasselbe werde auch der Fall sem hinsichtlich des Lon­doner Meetings zu Gunsten der russischen <;uden. ^n Rußland wisse man, um was es sich dabei handele, die Engländer fürchteten eine Invasion der Juden m England, die, nachdem sie den Armen das Brod ge­nommen, nunmehr dort den Neichen Konkurrenz machen könnten. Es fei keine teligiöfe Intoleranz, welche Ruß­land , wo sich jüdische Synagogen stolz neben christ­lichen Tempeln erheben, zu seinen Maßregeln veranlaßt habe, sondern die absolute Nothweiidigkeü, die länd­liche Bevölkerung vor der jüdischen Aus­beutung, welche schon die Bauern m Galizien und Rumänien dem Ruin zugeführt habe, zri schützen. Indem die russische Regierung so handele, schütze sie die Juden selbst vor bäuerlicheii Bewegungen, wie sie in Oesterreich stattgefunden hätten. Rußland treibe nicht Spiel mit einem falschen Liberalismus, lonbern handele offen, um den Frieden und die Wohlfahrt der Nation zu sichern. Man könne daher nur die Worte wiederholen: „Hands off“, selbst wenn ganz Europa sich zu einem Meeting zusammenfmden sollte, um Ruß­land zu zwingen , gegen seinen Willen zu handeln. Rußland werde immer seine Unabhängigkeit zu wahren wissen. Wir glauben, fügt dir-,Germania' hinzu, daß diefe Erklärungen auf Ernst beruhen._____________

leimigen über bestimmte Wissensgebiete gesorgt wird. __ Die Versammlung begrüßt mit Genugthuung die von der Unterrichtsverwaltung eingeschlagenen Wege für die Weiterbildimg der Lehrer, wie der Elnrich- tuirn archäologischer Kurse, die Gewährung von Reise- Stipendien u. s. w. — Dem Schulunterricht in leben- dm fremden Sprachen ist die Aufgabe zu stellen, das; er rum freien mündlichen und schriftlichen Gebrauche derselben anleite; dem Universität-unterricht in den nämlichen Fächern die Aufgabe, das Können ui Mer Hinsicht nach Vermögen zu steigern." —-Weitere Be- schlüffe betrafen die Reifeprüfung, welche als eine unter staatlicher Oberaufsicht abzuhaltende Bersetzungs- prüfung aus der la. aufzufassen sein soll. Sie soll vereinfacht werden durch Einführung einer lieber= etzunq aus dem Lateinischen an Stelle des Lateinischen Aufsatzes durch den Wegfall der Berücksichtigung des griechischen und französischen Versetzungsseriptums nach Prima durch Beseitigung des Lateinsprechens in der mündlichen Prüfung u. f. w. - Die Konferenz wird morgen gefchloffen, wobei der Kaiser wieder zu­gegen fein wird. _ „x ,

* Die Aussichten einer neuen sPerrgclder-Vorlage scheinen nicht ungünstig zu sein; ein Vorschlag von kompetenter Seite dürfte als geeignete Basis auch von staatlicher Seite anerkannt werden.

* Zwischen dem Reichskommissar Major v. Wch- utann und Emin Pascha soll das frühere feste Einver- nehmen nicht mehr bestehen. Aus den Unterredungen, die Major v. Wißmann nach seiner Genesung hier tn Ana elegenh eiten der Missionssacye hatte, ging übrigem- bereits hervor, daß Wißmann mit der Ausdehnung, die Emin Pascha seiner Expedition gegeben, nicht ein- verstan^eii bet ^ankf. Ztg.' geschrieben:

Das Gymnasium in Kassel, dessen Bänke der Kais er als Prinz geziert hat, ist durch die vielbesprochene Rede seines ehemaligen Zöglings über die Mangel und Aufgaben des höheren Schulunterrichts hart mit­genommen worden. Es sprang in die Augen, daß ge­wisse allgemeine Vorwürfe, die der Kaiser gegen die Gymnasialbildung erhoben hat, sich auf die eigenen Erfahrungen als Schüler stützten ; er hat aber auyer- dem ganz direkt für die Ueberbürdung mit häuslichen Arbeiten, für die mechanische Anfertigung lateinischer Aufsätze und besonders für einen auffallend lückenhaften Unterricht in der Geschichte die Anstalt verantwortlich gemacht, der er seine Bildung verdankt. Es sind in­zwischen dem von so hoher Stelle angegriffenen Gym­nasium in der Presse Vertheidiger erwachsen, die be­stätigen, was man von Anfang an vermuthen konnte, daß die Beobachtungen und Erinnerungen des Kaisers nicht ganz den Thatfachen entsprechen, und daß der

Sonnenried.

Roman von Marga Brechten.

(40. Fortsetzung.)

Da lag nun die reizende Robe, in welcher sie dem benachbarten Adel vorgestellt zu werden gehofft Haire . Und sie sollt- nun auf das Tragen des Kleides verzichten? Lange kämpfte sie mft sich selbst, nahm bald dieses, bald jenes Kleid aus dem Schranks end­lich aber siegte wie immer der Wunsih, sich geschmückt zu sehen über ihre bessere Einsicht. Em langer Monte deckte" den Anzug im Wagen, als sie denselben jedoch später ablegte, traf sie ein vorwurfsvoller Mick ihrer Schwester, welche erstaunt und mißvergnügt das ge­wählte Kostüm musterte. Allerdings suhlte sie jetzt selbst, daß der reiche Spitzen- und Schleifenbesatz in diesen schlichten Kreis nicht recht passen wollte. Wie anders sah Felicitas dagegen aus in ihrmi dunkel­blauen enganliegenden Tuchkleide ohne Band Schmuck! Das war aber auch zu einfach. Und den­noch, es war völlig unnütz gewesen, sich so zu putzen, sie fand nicht die gehoffte Beachtung. _dU dieser Fa­milie wußte man offenbar wirkliche ^chouheü nicht zu schätzen. Schade, daß die hübschen Pliff es beim Fahren zerdrückt und das Kleid seine Frische ecnge- . büßt hatte! . u \

Das Fräulein hatte wohl mehrere Male eine Un-

Deutsches Keich.

Berlin, 16. Dezember.

* Die Konferenz für die Reform des höheren Schulwesens hat hinsichtlich der Frage der Lehrerbil­dung nachstehende Sätze mit Mehrheit angenommen: Grundsätzliche Aenderungeli bezüglich der wiffenschaft- l'ichen Ausbildung der künftigen Lehrer an höheren Schulen sind nicht erforderlich. Die Universität und ihre Bildungsmittel haben sich für ihre wiffenschaft- liche Ausbildung bisher als ausreichend erwiesem — Es empfiehlt sich, durch Aufstellung Hodegetischer Stu- dieupläne den Studirenden die erforderliche Anweisung für ihre Studien zu geben." —- Es läßt sich erwarten, daß Seitens der Universität die Ausführbarkeit der Studien den Plänen entsprechend gesichert und msbe- fondere auch für allgemeinere zufammenfaffende Vor- terhaltung mit ihr beginnen wollen, aber, bu lieber Gott wovon? Die kam ja nie über ihre vier Wände hinaus, wußte von Musik, Moden oder von neuen Büchern absolut gar nichts. Und der Kapitän. Der hatte heute nur Augen für ihre Schwester. Sie mußte wirklich noch einmal mit dem Doktor anbinden, der schien jetzt lebhaft zu werden; er sprach mit den Än­dern, — gewiß, das Eis war gebrochen.

,,Herr Doktor, wovon sprechen denn die Herren so eifrig?" fragte sie. v b m r

„Von dem neuen Krankenhause, das >ihr Herr Schwager zu bauen gedenkt, mein gnädiges Fräulein', lautete die Antwort. „Wenn der Gegenstand von Interesse für Sie ist, so will ich Ihnen das Nähere über die geplante Einrichtung mittheilen."

Puh ! um Alles nicht! Verschonen Sie mich da­mit." Ich habe durchaus keinen Sinn für derartige humane Besttebungen, und das Wort Hospital oder Krankenhaus wirkt geradezu nervenaufregend aus mich. Mir ist, als verspürte ich schon den Geruch, welcher diesen Stätten menschlichen Elends eigenthümlich ist.

O das bedauere ich," entgegnete Reinhard Werner ruhig. „Möchte Ihnen das Schicksal den Anblick der Roth fernhalten; freilich werden Sie dann leider nie den hohen Genuß empsinden, jene Leiden I selbst gelindert zu haben." . ,

■ „Ich verzichte gern darauf", erwiderte ferne schone

Die russischen Iudengesetze.

* crn Rußland ist eine amtliche Spezialkommission Ht Jadr und Tag unter dem Vorsitz des Gra en Wahlen thätiz, um die in Rußland bestehenden ftude^- aeietze einheitlich zu gestalten und zu „refornllren . Der Entwurf foll aus mehr als 40 Artikeln bestehen ynb in seinen Bestimmungen vornehmlich darauf ge­achtet sein , den Inden jede Möglichkeit von Boden­erwerb , sei es durch Ankauf oder durch Hypothekar- Darlehen, zu enlziehen und sie selbst zum Verzicht aus S ferneren Besitz der

Lieaeiischaften zu drängen. Derartige Beschränkungen der Juden bestanden allerdings auch bisher, standen aber, von dem Königreich Polen abgesehen, nur auf dem Papier; nunmehr soll mit denselben im ganzen Zarenreiche voller Ernst gemacht werden.

Nach Mittheilungen von gut unterrichteter sette sind folgende die wichtigeren Paragraphen der Maß- ie9lt-@§ ist verboten, Juden Grundeigenthum im ganzen Reiche zu verkaufen oder zu verpachten. (Bislang war eine ähnliche Beschränkung nur in der Provinz Polen in Kraft.)

2. Es werden Maßregeln ergriffen werden, um Juden Grundeigenthum, welches sie besitzen mögen, zu entreißen. „ ,, ,.

3. Bislang genossen jüdische Kaufleute, nachdem sie für einen Zeitraum von zehn Jahren die Han­delssteuer der ersten Gilde entrichtet, -das Privi­legium, Grundbesitz außerhalb der der jüdischen Bevölkerung im Allgemeinen zugewiesenen Wohn­orte erwerben zu können. Die Verfügungen des neuen Gefetzes werden jedoch die Wirkung haben, dieses Privilegium zu annulliren und Fuden zu nöthiqen, sich des Grundeigenthums, dessen Er­werbung ihnen bisher gestattet war, zu ent­äußern. . ... ,,

4. Jüdischen Handwerkern werden gewisse Rechte, die sie gegenwärtig genießen, entzogen werden; sie werden strikt innerhalb der der hebräischen Bevölkerung angewiesenen Grenzen gehalten wer­den und diejenigen, die sich außerhalb derselben niedergelassen haben, werden zurückkehren muffen.

5. Unterdrückungsmaßregeln werden tn Straft gefegt werden gegen Juden, welche den neuen Bestim­mungen zuwiderhandeln, ebenso gegen die christ­lichen Unterthanen des Zaren, die Helfershelfer eines solchen Zuwiderhandelns gewesen sind.

Die ,Neue Zeit' in Petersburg bespricht das m der

WM- Hierzu der Weilmachtsanzeiger Nr. 4 lerttes und zweites Blatt». _____

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