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JW 291

Mittwoch, den 17. Dezember 1890.

17. Jahrgang

Fuldaer Zeitung

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Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (91. Dillmann).

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer­lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen

Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

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aus die

.Fuldaer Zeitung'

für das am 1. Januar k. I. beginnende

1. Guarta! 1891

wolle man nicht bis auf die letzten Tage des laufenden Monats verschieben, sondern möglichst bald dem nächsten Postamte znstellen, damit uns dieselben rechtzeitig übermittelt werden können und prompte Zu­sendung ermöglicht wird.

Der Post - Abonnementspreis auf die .Fuldaer Zeitung' mit der illustrirten Sonntagsbeilage MM Sterne und Slumen MM beträgt pro Quartal nur 1 Mk. 50 Pfg. excl. Be­stellgeld.

Neu zngehende Abonnenten erhalten die Zeitung nebst der Sonntagsbeilage gegen Einsen­dung der Post-Quittung bis Ende Dezember gratis.

Deutsches Keich.

Berlin, 15. Dezember.

* Das preußische Abgeordnetenhaus nimmt am 8. Januar seine Sitzungen wieder auf.

* Die neue Kommission sür das Bürgerliche Ge­setzbuch ist heute zusammengetreten. Es handelt sich zunächst um die Erledigung formeller Angelegenheiten^ Die materielle Berathung beginnt erst im nächsten Jahre.

* Die Einfuhr von lebenden Schweinen aus Däne­mark, Schweden und Norwegen ist nur unter der Be­dingung gestattet, daß vor der Ausschiffung in dem Ankunftshafen eine Untersuchung durch einen beamteten deutschen Thierarzt stattfindet. Werden in einem Trans­port einzelne mit ansteckenden Krankheiten behaftete Thiere ermittelt, fo ist der ganze Transport zurückzu­weisen. Die Kosten der thierärztlichen Untersuchung haben die Importeure zu tragen.

* Für die nächstjährige internationale Kunstaus­stellung in Berlin ist das Programm nunmehr fest­gestellt. Danach wird die Ausstellung aus Kollektiv- Ausstellungen einzelner Länder oder Ländergruppen bestehen. Für die deutsche Kunstgenossenschaft findet eine Gruppenbildung statt mit den Sammelstellen Berlin, München, Düsseldorf, Dresden, Weimar und Karlsruhe.

* Die Errichtung eines allgemeinen deutschen Frei- maurertages (Freimaurerrarlaments) ist von einer vom

Sonnenried.

Roman von Marga Brechten.

(39. Fortsetzung.)

„So, jetzt bin ich fertig, fügte Fräulein Adelheid nach einer Weile und stellte Milch- und Rahmkanne auf ein Tablett. „Setze die abgerahmten Töpfe wieder in den Keller und spute Dich."

„Noch ein Wort, ehe Sie hinaufgehen, Fräulein! Glauben Sie, daß „er" mitkommen wird? Ich bin fo in Sorge von wegen dem Tischzeug; denken Sie nur, wenn er das schöne Gebild anfaßte."

„Aber wen meinst Du denn eigentlich?"

„Ja, sehen Sie, der Kutscher hat erzählt, die gnädige Herrschaft führe niemals aus, ohne daß der fchwarze Kerl, der Herr Neger, hinten auffäße, der „kleine Teufel" nennen ihn die Dorfkinder. Aber das sage ich Ihnen, wenn er kommt, gehe ich nicht her­vor, ich graule mich zu Tode. Und das wird morgen ein Scheuern und Putzen geben, dem ich arme, alte Person nicht mehr gewachsen bin!"

Fräulein Adelheid lachte, daß ihr die Thränen über die Wangen liefen.

„O, Susanne, das ist köstlich! Du meinst, er färbe ab ?"

„Ja, lachen Sie nur, gewiß meine ich das! Wenn Sie auch schon öfter fchwarze Menschen gesehen haben,

Großlogentage eingesetzten Kommission beschlossen wor­den. Der Antrag dazu ist von 16 rheinisch-westfälischen Freimaurerlogen gestellt worden. Es handelt sich um eine Zusammenfassung der jetzt in verschiedene Ver­bände zersplitterten sreimaurerischen Vereinigungen. Jedenfalls wird man in den nächsten Tagen mehr von der Sache hören, der nach Versicherung der ,Nat.-Z.' feilens der deutschen Freimaurer die lebhafteste Auf­merksamkeit gewidmet wird.

* Leon v. Mieczkowski, der angeblich zum Erz­bischof von Posen bestimmte Militärpfarrer, ist, nach dem Dz. Pozn., der Sohn des verstorbenen Ignatz v. Mieczkowski; sein Oheim, v. Olszewski, welcher vor einigen Jahren starb, war Probst; er hat drei Brüder, von denen der eine Arzt in Russisch-Polen, der zweite Besitzer des Familiengutes Ciborz in Westpreußen, der dritte Gutsbesitzer in Russisch-Polen ist. Leon von Mieczkowski hat das Gymnasium in Kulm besucht, und Theologie in Münster, dann in München studirt; die geistlichen Weihen hat er zu Pelplin 1867 erhalten; kurz vor dem Kriege 1870 71 wurde er zum Mili­tärgeistlichen ernannt. Er besitzt ein gründliches Wissen, ist ein eifriger und gewissenhafter Geistlicher, ein tüch­tiger Kanzelredner, sowohl in deutscher als polnischer Sprache, besitzt gefällige Umgangsformen und viel Takt und versteht es, feine Überzeugungen mit den Pflichten seines Amtes zu vereinbaren. Bevor Dr. Dinder zum Erzbischof ernannt wurde, soll auch an ihn eine An­frage gerichtet worden sein, ob er bereit sein würde, die Stellung eines Erzbischofs von Gnesen und Pofen anzunehmen.

* Wie groß dir Angst gewisser Groß-Industrieller vor einer etwaigen Selbsteinschätzung zu der Einkom­mensteuer ist, ergibt sich aus folgendem Stoßseufzer der ,Rhein.-Westf. Ztg.':

Der schlimmste und gefährlichste Feind des Staates ist die Sozialdemokratie, und diese mit allen Mitteln und überall zu bekämpfen, ist unsere nächste Aufgabe. Aber kaum dürfte eine Staatseinrichtung den Sozialdemokraten so viel Wasser auf ihre Mühle bringen, wie die jetzt vorgeschlagene Deklarationspflicht, durch welche alle Besitzenden, Kaufleute, Fabrikanten, alle Beamten und Geschäftsleute gezwungen werden, ihr Einkommen und Ver­mögen auf das Speziellste anzugeben und zur allgemeinen Kennt- niß zu bringen. Welch' ein Geschrei werden Arbeiter nnd Sozial­demokraten erheben, wie gewaltig wird die Mißgunst und der Haß der Unbegüterten gegen die besitzenden Klassen wachsen, wie wird, geschürt, verdächtigt, gehetzt werden!

Unseres Erachtens schafft es viel mehr Wasser auf die sozialdemokratischen Mühlen, wenn reiche Leute nur einkn geringen Theil ihres Einkommens versteuern, als wenn die Arbeiter die Gewißheit haben, daß dieReichen genau nach ihrer Leistungsfähigkeit zu den Staatslasten herangezogen werden.

* Sämmtliche deutsche Handelskammern, wirth- schaftliche Korporationen, eine Anzahl Fachmänner,

in unser Dorf ist bis dato noch keiner gekommen, und ich behaupte, in so Kreaturen steckt der Böse. Mit einem Wort, ich fürchte mich, und die Flecken, die er macht, lassen sich nicht wieder herausbnngen."

„Susanne, Du kannst ganz ruhig sein, Bill's Farbe ist waschecht; übrigens ist die Frau Baronin viel zu taktvoll, um mehr Dienerschaft mitzubringen als not­wendig ist. Aber nun muß ich gehen; doch, was ist das? Richtig, der Wagen fährt vor, ich habe zu lange gesäumt. Da schnell, nimm mir das Tablett aus der Hand, — o Du verschüttest die schöne Sahne!"

Susanne hielt die Küchenthür einen Spalt breit offen, steckte ihre Nase hindurch und rief leise in den Flur hinaus: „Ist er dabei?"

Man hatte diesmal das im zweiten Stockwerke ge­legene Besuchzimmer zum Empfange der Herrschaft von Freidorf hergerichtet. Bald war dieselbe dort ver­sammelt und wurde noch einmal von den drei Ge­schwistern herzlich begrüßt. Illa betrachtete mit Er­staunen die hohe, imponirende Erscheinung des Pfarrers, welcher gewandt, mit fast weltmännischer Artigkeit auf seine Gäste zutrat. Seine ganze Haltung erinnerte etwas an diejenige des Kapitäns. Wie unvortheilhaft nahm sich dagegen der jüngere Bruder Reinhard, jetzt Dr. Werner, aus! Dieses linkische Benehmen, und dann dies Gesicht! Illa glaubte, niemals etwas Häß­licheres gesehen zu haben.

sowie die interefsirten Reichs- und Landesbehörden sind zur Berathung eines Wemgesetzrntwurfö von der Handelskammer zu Wiesbaden nunmehr zu einer zwei­tägigen Versammlung auf den 28. und 29. d. Mts. nach Wiesbaden eingeladen worden.

* Mainz, 15. Dez. Die gestern hier abgehaltene hessische Katholikenversammlung war, wie man der ,Germania' von hier telegraphisch mittheilt von 7000 Personen besucht und verlies in glänzender Weise. Fürst Isenburg präsidirte. Rechtsanwalt Brentano sprach über die Order.sfrage, Forschner über die Schule, Oberpfarrer Schmitz über die soziale Frage, Metzler über die römische Frage. Reichstagsabgeordneter Prof. Dr. Schädler hielt die Schlußrede über „Was lernen wir, was unsere Feinde, was die Regierungen aus dem Katholikentag." Alle Redner wurden mit be­geistertem Beifall aufgenommen und die Resolutionen einstimmig angenommen.

Ausland.

* Paris, 12. Dez. Eine Anzahl religiöser Körper­schaften beschloß, ihre Güter in Frankreich zu verkaufen und aüszuwandern. So gehen die Trappisten nach der Schweiz, die Carthäuser nach Deutschland (Hamm bei Düsseldorf), die Brüder von St. Vincenz de Paul nach Holland. — Andere religiöse Genossenschaften folgen.

* Rom, 14. Dez. Eine festere Organisation der Katholiken Italiens wird jetzt sehr ernstlich angestrebt und soll dieselbe hauptsächlich einen sozialpolitischen Charakter haben. — An den bevorstehenden Gemeinde­wahlen in den größeren Städten Italiens, insbesondere in Rom, werden sich die Katholiken diesmal sehr eifrig betheiligen und soll dies gewissermaßen als ein Maß­stab für die Stärke der Partei gelten. Die liberale Presse ist darüber nicht erbaut, allein man kann es nur begrüßen, wenn die Katholiken der Appenninen- halbinsel endlich einmal auch im öffentlichen Leben entschieden Front gegen den Liberalismus machen. — Der Zustand des hl. Vaters soll in Folge einer Erkältung zu ernster Besorgniß Anlaß geben.

* In Portugal ist die Aufregung wegen des Ver­haltens Englands gegen die portugiesischen Besitzungen in Afrika wieder sehr gewachsen, und zwar in Folge des gewaltsamen Vorgehens der Agenteit der Britisch- südafrikanischen Gesellschaft gegen portugiesische Beam­ten. Die Republikaner suchen die Aufregung auszu­nutzen und haben in Mauer-Anschlägen zum Sturz der Monarchie und zur Herstellung der iberischen Re­publik aufgefordert.

* England hat jetzt Klarheit über die Lage der irischen Fraktion; nach stürmischen Sitzungen hat die Fraktion sich gespalten. Die Minderheit blieb Parnell

„Wie schön, wie gemüthlich ist es hier!" rief die Baronin aus und sah sich im Zimmer um.

„Ja," bemerkte ihr Gemahl, nun auch seinerseits Platz nehmend.

„Fräulein Adelheid hat das Talent, es Ihrem Besuche wohl und behaglich zu machen. Verwöhnen Sie uns nur nicht zu sehr, es könnte uns sonst nur zu bald die Lust zu einem abermaligen Ueberfalle an­wandeln."

„O um diesen Preis will ich gewiß mein Bestes thun und es Ihnen Allen fo heimisch, als möglich, machen," erwiderte diese erfreut und bot den Kaffee herum. Als sie Kuchen und Waffeln reichte, setzte sie mit einem Blick auf Illa etwas verlegen hinzu: „Es ist zwar ein längst aus der Mode gekommenes Gebäck, aber noch immer recht beliebt, darf ich sagen."

„Sie werden köstlich munden, Fräulein Werner," entgegnete diese. „Auch Tante Josephe versteht die­selben ausgezeichnet zu bereiten; aber ich glaube, diese sind doch noch viel besser."

Es war die erste und einzige liebenswürdige Aeuße- rung, zu welcher sie sich an diesem Nachmittage hin- reißen ließ. Bald war die lebhafteste Unterhaltung im Gange; Pfarrer Werner und Kapitän Jhno sprachen heiter und fesselnd, und der Baron würzte das Ge­spräch mit feinen trocknen, humoristischen Bemerkungen. Er war in munterer, zuftiedener Stimmung, und seinen