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TV 289

Sonntag, den 14. Dezember 1890.

* <■ Jahrgang

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen.

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Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (R. Dillmann).

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W Zweites Blatt. 'M

Das Kleinste Großherzogthum.

lieber Luxemburg, das nun endgültig in den Besitz des Herzogs Adolf von Nasiau übergegangen ist, dürf­ten folgende Daten von Interesse sein. Das Land hat seinen Namen von der alten Burg Lützelburg, aus der die Stadt Luxemburg entstand. Heinrich, Graf von Luxemburg, 1308 als Heinrich VII. zum deutschen Kaiser gewählt, brachte durch Vermählung seines SohneS Johann mit Elisabeth, der Tochter des Königs Wen- zeslaus von Böhmen, 1310 dieses Königreich an sein HauS. Johanns Sohn Karl, als Karl IV. 1346 zum deutschen Kaiser erwählt, erhob 1354 Luxemburg zum Herzogthum. Sein Sohn, Kaiser Wenzel, überließ eS seiner Richte Elisabeth von Görlitz, die, in zweiter Ehe mit dem Grafen Johann von Holland vermählt, 1441 ihre Rechte auf Luxemburg an den Herzog Philipp den Guten von Burgund abtrat. Dieser nahm Luxem­burg 1414 in Besitz. Im Jahre 1477 kam Luxem­burg mit ber, burgundischen Erbschaft an das Haus Habsburg, 1555 mit den Niederlanden an Spanien, 1713 in Folge des Friedens von Utrecht wieder an Oesterreich. Jrn Jahre 1795 wurde es von den Fran­zosen erobert und 1797 von Oesterreich an Frankreich abgetreten. Jrn Jahre 1815 wurde es als deutscher Bundesstaat zum Großherzogthum erhoben und dem König von Holland in Personal-Union zugetheilt. In Folge der belgischen Revolution 1830 wurde es bel­gisch, mit Ausnahme der Bundesfestung Luxemburg und ihrer Umgebung, 1839 aber wurde das Groß­herzogthum getheilt; der westliche Theil kam an Bel­gien, dessen Provinz Luxemburg es jetzt bildet, der östliche blieb als Großherzogthum Mitglied des Bundes und in Personal-Union mit Holland. Wilhelm II. <jab 1841 dem Land eine ständische Verfassung, die im Jahre 1848 nach dem Muster der belgischen um­gestaltet wurde. Im April 1842 trat daS Land in den deutschen Zollverband, dem es jetzt noch angehört. In Folge der Ereignisse von 1866 schied Luxemburg aus dem politischen Verbände mit Deutschland. Napo- leon III. wollte das Land dem König von Holland abkaufen, wurde aber von Preußen, daS sein Besatzungs­recht in der Festung Luxemburg nicht aufgeben wollte, daran gehindert. Die luxemburgische Streitfrage wurde 1867 durch eine Konferenz in London beigelegt, welche die Neutralität des Landes, die Räumung der Festung durch Preußen und die Schleifung der Festung be­stimmte. Die luxemburgischen Eisenbahnen gingen in deutsche Verwaltung über.

Durch nassauischen Hausvertrag war schon Ende des vorigen Jahrhunderts ausgemacht worden, daß für

Sonnenried.

Roman von Marga Brechten.

(37. Fortsetzung.)

„Warum soll ich es nicht sagen?' Wir sind ja unter uns. Etwas aber mußt Du noch hören. Du erinnerst Dich gewiß noch der Instituts-Vorsteherin, bei welcher auch wir den ersten fremdsprachigen Unter­richt erhielten, resp. Oui und Non Yes und No sagen lernten? Eh bien, an demselben Morgen sagte sie zu ihren mehr als je zerstreuten Schülerinnen, sie sollten nur recht eifrig sein und sich des emsigsten Studiums befleißigen, — man wisse nicht, was sich noch ereignen könne! Manche junge Dame, eine ganz bestimmt, habe ihr Glück nur durch die strikte Befolgung ihrer guten Lehren gemacht und werde nun bald einen sehr hohen Rang bekleiden. Also, daß Du's nur weißt, Schwe­sterlein, Du verdankst den Titel „Frau Baronin" einzig und allein Mademoiselle Duchäteau."

Jetzt lachte auch Felicitas herzlich.

„Das war doch köstlich, nicht? Die Mädchen ver­standen sie alle, und Lilly Brau» erzählte es nachher überall. Wir aber waren so froh über Dein Glück; Toni weinte und ich, —- ich gönnte Dir den Baron so von Herzen, obschon ich erst ein wenig verblüfft war, denn eigentlich hatte ich schon in den Kinder­

den Fall des Aussterbens der älteren naffau-oranischen Linie Luxemburg in den Besitz der jüngeren, fogenan» ten Walramschen Linie, deren Haupt der Herzog Adolf von Nassau ist, übergehen solle. Dieser Fall ist jetzt eingetreten.

Luxemburg ist ein konstitutionelles Großherzogthum. Die Kammer, deren es nur eine hat, besteht aus 42 uuS direkten Wahlen hervorgegangenen Abgeordneten, die für 6 Jahre gewählt sind; die Kammer wird alle drei Jahre zur Hälfte erneuert. Die Regierung wird geführt von einem einzigen Staatsminister, gegenwärtig Herrn Eyschen; unter ihm stehen für die einzelnen Zweige Generaldirektoren. Außerdem ist em Staats­rath vorhanden. Das Land ist 2587 Quadratkilometer groß, also etwas größer, wie Sachsen-Meiningen; die Bevölkerung betrug nach der Zählung von 1885 rund 215,000 Seelen. Die Stadt Luxemburg zählte 1885 17,964 Seelen. Der Konfession nach waren unter der Bevölkerung 211,000 Katholiken; der Rest gehört zu andern Konfessionen, Protestanten (1140), Israeliten (866) u. s. w. Die Stadt Luxemburg ist Sitz eines katholischen Bischofs. Die Bevölkerung ist fast durch­weg deutschen Stammes. Die Anzahl der Bewohner, die sich ausschließlich der französischen Sprache als Umgangssprache bedienen, wird auf höchstens 4000 ge­schätzt. Dennoch ist die französische Sprache bis jetzt Amtssprache gewesen.

Nach der Nationalität gibt es in Luxemburg 196 Tausend Angehörige des Großherzogthnms, 11.800 Deutsche, 3028 Belgier, 1318 Franzosen, 196 Italiener U-. s. ttu. Die Finanzen sind im blühenden Zustande^ sie geben in den letzten Jahren wachsende Ueberschüsse. Die Staatsschuld beträgt 17 Millionen.

, Das Militär besteht aus 2 Kompagnien unter dem Befehle eines MajorS, und zwar einer Kompagnie Gensbarmen, 2 Offiziere und 135 Unteroffiziere und Gemeine stark, und einer Kompagnie Freiwilliger, 4—6 Offiziere und 140—170 Unteroffiziere und Ge­meine stark; die letztere Zahl kann in dringenden Fällen auf 250 Manu erhöht werden. Außerdem besteht noch ein Musikkorps von 29 Mann. Die Freiwilligen- Kompagnie versieht den Garnisondienst und bildet die Schule für .die Gensdarmerie und andere Zweige des öffentlichen Dienstes.

Der Sicherheits-Fanatiker.

Eine humvristische Skizze.

„Riekchen," sagte der Rentier Puseler zu seiner Gattin, „bist Du so weit?"

Sie war es. Ihr lag nämlich die Verpflichtung ob, jeden Abend vor dem Schlafengehen die Schränke und Kommoden zu untersuchen unb unter allen Sophas und Betten nachzusehen, ob nicht vielleicht Jemand schuhen geträumt, daß mich einst ein Gras, mindestens em Baron, im vierspännigen Wagen abholen werde. Ich hätte wirklich darauf geschworen. Aber seit er Dir sicher war, wartete ich nicht mehr darauf und bin nun ganz in mein Schicksal ergeben. Also, ge­liebte Schwester, Du siehst hier vor Dir die künftige Famtlientaute. Empfange sie respektvoll und behandle sie mit geziemender Ehrfurcht in kluger Rücksicht auf ihren dereinstigen Beruf."

„Liebe Illa, ich sage mit Mademoiselle DuchLteau: „Wer weiß, was noch kommt!" Du warst ja immer unsere Schönste."

„Eben deshalb ist es auch sonderbar, daß gerade ich sitzen geblieben bin!“ sie war sehr aufrichtig, die hübsche, aber etwas gefallsüchtige Illa; selbst ihre Feinde mußten ihr dies lassen.

„Du siehst noch immer sehr gut aus, fast noch schöner als früher," bemerkte Felicitas, sie nachdenklich betrachtend.

„Meinst Du, es ginge noch an für meine sechs­undzwanzig Jahre? Denn so alt bin ich nun einmal, es läßt sich nichts daran ändern. Habe ich schon ge­sagt, daß Schwager Albert Direktor am Gymnasium zu K. wird? Sie konnten es Dir nicht mehr schreiben ich sollte die Nachricht als große Neuigkeit mitnehmen. Toni ist recht froh darüber. Ach, es ist Alles ganz

dort verborgen sei, bann begab sie sich in ihr Schlaf- gemach. Hieraus traf Puseler, wie allabendlich, seine Vertheidtgungs-Maßregeln. Von der äußeren Thür an durch sämmtliche Zimmer legte er nach einem bestimm­ten Systeme geordnet eine Reihe mit Dynamit gefüll­ter Salon-Torpedos auf die Dielen. Die leiseste Be­rührung mußte eine Explosion zu Wege bringen, die den frechen, aber uneingeweihten Einbrecher in Stücke zerriß. Allerdings hatte Herr Puseler sich von der herrlichen Wirkung dieser Maschinen noch nicht über­zeugen können, doch hoffte er, daß sich ihr Effekt, und wäre es auch nur an einem untreuen Dienstmädchen, das sich Nachts etwa in die Speisekammer schleichen möchte, doch noch prächtig offenbaren werde. Hierauf durfte sich Herr Puseler mit dem Gefühle voller Sicher­heit zur Ruhe legen. Einige kleine, aber nvthwendige Störungen abgerechnet, auf welche wir später noch zurückkommen werden, schlief er den Schlaf des Ge­rechten, stand bei guter Zeit auf, räumte die Torpedo's bei Seite, weckte das Dienstpersonal, öffnete mit einem Revolver in der Hand dem Bäckerjungen, sowie dem Müchmanne die Thür und setzte sich bann mit seiner Gattin zum Frühstücke.

„Riekchen, gehst Du heute aus?"

„Du weißt ja doch, Männchen, daß ich in Sachen unseres Vereins zu dem Herrn Polizei-Präsidenten muß."

„Haft Du Deine Waffen bei Dir?"

Sie zeigte ihm eine Düte Schnupftabak.

»Schön. Eine Prise in die Augen geworfen, ge­nügt vollständig, um jeden Angreifer momentan un­schädlich zu machen."

Sie fragte ihn, ob er nicht etwas von dem Tabak abhaben wolle.

„Ich danke. Mir genügt am Tage meine bren­nende Cigarre. Wenn ich Jemand mit derselben ruhig in's Gesicht fahre, bann läßt er mich los."

Sie nahm Abschied von ihm.

„Halt! Du hast die Brunnenstraße zu passiren, nimm Dir also jedenfalls meine kleine Strickleiter mit, damit, wenn Du in eine der vielen dort vorhandenen Gruben fällst, nicht so schwer wieder herauszuschaffen bist."

Sie wollte fort und öffnete die Thür.

»Noch eins. Stecke Dir jedenfalls Deine Visiten­karte mit genauer Wohnungs - Angabe und auch noch etwas Kleingeld für eine Droschke in die Tasche. Wenig­stens wirst Du bann, wenn Du trotz alledem verun­glücken solltest, ohne Zeitverlust nach Hanse gebracht."

Sie that nach seinem Willen und ging. Auch er verließ kurze Zeit darauf das Haus. Sobald Puseler auf der Straße war, trat er zu dem zunächst postirten Schutzmann und ließ sich von diesem auf einem zu dem Ztvecke bereit gehaltenen Bogen Papier attestiren, wann und wo er ihn gesehen. Dasselbe Verlangen stellte er an jeden Wächter des Gesetzes, den er auf seinem Wege verändert bei uns. Du würdest Dich gar nicht mehr zurechtfinden. Vieles ist neu; auch im Besuchzimmer haben wir jetzt — doch ich sehe, dies Alles interessirt Dich nicht."

„Doch, Theuerste, ich möchte nur mehr von Euch selbst hören; ich weiß noch gar nichts vom Vater."

»Ja, sieh', mein Herz, daran bist Du ganz allein schuld. Ich kann nur immer dasitzen und Dich an- starreu. Du siehst so fein aus, bist so merkwürdig verändert, so ganz Frau Baronin geworden. Aber was ist das? Es läutet ja."

„Das ist die Tischglocke; wir haben indeß noch eine halbe Stunde bis zum Souper."

„Himmel! Unb wie sehe ich ans! Ich kann doch so nicht hinunter gehen?"

„Du brauchst nur Dein Reisekleid zu wechseln, wir sind heute Abend ganz allein. Komm', ich helfe Dir; an den andern Tagen werbe ich Dir Dorette abtreten."

„D nein. Beste, ich würbe sonst zu sehr verwöhnt nach Hause kommen, bie Familientante kann sich ben Luxus einer Zofe nicht erlauben."

„Nenne Dich nicht so, Illa, es betrübt mich unb klingt thöricht, wenn Du Dich jetzt schon so nennst."

„Ja, aber gewiß sehr verständig, wenn ich, nach Papas Wort-n handelnd, mich allein bediene. Er