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JV 287.

Freitag, den 12. Dezember 1890.

! 7. Jahrgang

Fuldaer Zeitung

_ Druck u. Verlaq der Fuldaer AenenEaere, ,A. Dillmann).

Fuldaer

Druck u. Verlag

* Neuerungen im Kriegswesen

ge-

Fnr die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel

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Nebenbuhler zu scheuen. Doch, wer weiß, wie lange • diese Lage der Dinge andauert!

Das rauchschwache Pulver und die außerordent­liche Schießleistung des kleinkalibrigen Gewehrs greisen sehr empfindlich in die Gefechtsführung und in die Gefechtsweise aller Waffengattungen ein. Noch will man sich diese Wandlung nicht voll eingestehen, jeden­falls zieht man aus derselben noch nicht die nöthigen Folgerungen. Aber ohne Erfahrungen im Ernstfälle werden neue Gesetze und Regeln sich kaum endgültig feststellen lassen. Fast ist man zu dem Ausspruch ge­neigt, daß wir gegenüber den einschneidenden Neue­rungen in der Jnfanteriebewaffnung eine Taktik gar nicht mehr haben, und daß überhaupt erst ein großer Krieg neue Erfahrungen und neue Lehren hier schaffen kann. Nur auf einen Punkt hin kann sich die Frie­densvorbereitung erstrecken, auf die gründliche Einzel- sowie die Massen-Schießausbilduug, die die Truppe mit der Handhabung und mit den Leistungen der Waffe genau vertrant macht. Die Gegenwirkung seitens des Feindes bleibt allerdings immer der schlimme unbe­rechenbare Faktor, der die Ergebnisse der besten Aus-

Geschütze beziehen.

Gegenüber der immer gefährlicheren Wirkung der Geschütze bemühen sich die Ingenieure, die Festungs­werke immer widerstandsfähiger zu machen. Theils sucht man die Unzerstörbarkeit durch Auflagerung ge- walüger Betonblöcke zu erreichen, theils wendet man sich dem neuen technischen System Monier zu, welches gleichzeitig Betonirung und eine Verankerung der auf­gelagerten Masten durch ein Gitter oder Geflecht aus Eifenstäben enthält. Diese mühsame und kostspielige Bauweise führt indesfen ganz von selbst darauf hin, nur die allerwichtigsten Plätze mit permanenten Werken

zu umschließen, dagegen kleinere Festungen ihrem Schicksate zu überlassen. Die Landesvertheidigungs- Kommission des Deutschen Reiches hat diesen Weg beschritten, von Jahr zu Jahr die festen Plätze ver­mindert, dafür die vorhandenen großen aber nach allen Regeln der neuesten Technik verstärkt. In Wahrheit darf Deutschland sich rühmen, daß sein Heer die lebendigen Mauern darstellt, welche das Vaterland im Augenblicke der Gefahr schützen sollen. Das deutsche System steht um so größer da, als unsere beiden mächtigen Nachbarreiche der entgegengesetzten Richtung huldigen, Frankreich sich aus Besorgniß vor einem deutschen Einmarsch mit einer fortlaufenden Kette von Festungen und Sperrforts geschützt hat, Rußland aber gegenwärtig diesem Beispiele folgt und an Weichsel, Nava und Njernen entlang Festung auf Festung ent­stehen läßt.

Wieder hat sich vor Kurzem eine „neue Schule" aufgethan, deren Anhänger alle permanente Befestigung verwerfen und für Gelegenheitsfestungen eintreten, welche da entstehen sollen, wo die strategischen Ope­rationen der Feldarmee hinzielen, und wo die Ent­scheidung durch die Schlacht im Großen herbeigeführt werden soll. Man zählt auf die hochentwickelte Tech­nik mit ihren Panzerlaffetten und Panzerständen, auf die ausgezeichneten ßeiftungen des militärischen Bahn­betriebs und endlich auf eine vortreffliche Organisation, welche den Bedarf an Geschützmaterial, Munition, Deckungsmitteln, Geräthschaften aller Art in Depots zu vereinigen und rechtzeitig nach der Gebrauchsstelle zu befördern versteht. Der Gedanke ist geistreich und zeitgemäß. Viele haben ihn als eine Art Erlösung angenommen und ihm beigepflichtet. Bei den Kaiser- manövern in der Provinz Hannover 1889 kam ein derartiger Versuch zur Ausführung und gelang in den allerdings kleinen Verhältnisfen einer Feldstellung für ein Armeekorps durchaus. Endgültig wird sich darüber erst urtheilen lassen, wenn ein großer Krieg Erfah­rungen in positivem oder negativem Sinne geliefert hat; selbst Plewna kann nicht als Beweis angeführt werden, da dessen Bedeutung nur durch Rußlands ungeschickte Heeresleitung und mangelhafte Heeresaus- rüftung zu erklären ist. So lange aber die nöthige Erfahrung im Ernstfälle nicht vorliegt, können wir nicht unser ganzes Laudesvertheidigungssystem auf einen derart kühnen, geistreichen Gedanken gründen, sondern müssen wenigstens einzelne Stützpunkte im eigenen Lande durch feste Umwalluug sichern.

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bildung zu Schanden machen kann.

Eine andere Frage ist die des Wettkampfes zwi­schen den Geschützen neuester Konstruktion mit ihren alle bisherigen Deckungen durchschlagenden Geschossen und den Bemühungen der Festungsbaumeister ihre Neubauten derart solide herzustellen, daß sie selbst den Spreng-Geschossen mit brisanter Wirkung zu wider­stehen vermögen. Während die artilleristischen Ver­suche der einzelnen Staaten geflissentlich geheim y halten werden, hat neuerdings die neue Gußstahl- und Geschützfabrik von Gruson in Buckau-Magdeburg internationale Versammlung veranstaltet, um neuesten Geschützkonstruktionen, Panzerlaffetten Panzerthürme aller Welt vorzuführen und in voller Thätigkeit zu zeigen. SeHstverstäudlich war der Ein­ladung von allen Seiten entsprochen worden, und be­sonders zahlreich waren die Ausländer herbeigeströmt, welche aus dieser neben den Krupp'schen Werken wohl den ersten Platz einnehmenden Gustßahlfabrik ihre

Die unermüdliche Erfindungskraft unserer schafft auf dem Gebiete der Technik beständig ändwung. Am lebhaftesten vielleicht macht sich Ringen nach Vervollkommnung im Heerwesen geltend. Man greife allein die Gewehrfrage heraus und ver­gegenwärtige sich, welche Wandlungen das preußisch- deutsche Heer in den letzten zwanzig Jahren nach dieser Richtung durchgemacht hat. 1866 war die preußische Infanterie die einzige in Europa, welche über einen Hinterlader verfügte. Das Zündnadelgewehr mit seinem Kaliber 15mm setzte durch seine Leistungen im böhmischen Feldzuge die Welt in Erstaunen. 1870. hatte diese Waffe im Chaffepot bereits einen Gegner gefunden, dem sie nicht mehr gewachsen war. Un­mittelbar nach dem französischen Kriege wurde daher das Zündnadelgewehr verändert, dann folgte die Ein­führung des Mausergewehrs mit Kaliber 11mm. Letz­teres mußte einige Jahre später sich die Umwandlung zum Repetirgewehr mit langem Magazin unter dem Laufe gefallen lassen, bis neuerdings das Gewehr nach dem System Manlicher mit Kaliber 7,9 und Packet- ladung von je fünf Patronen seinen Einzug in die Armee gehalten hat. Auch die beiden Zwischen- oder Uebergangsmodelle hatten ihre Berechtigung, da eine neue Erfindung noch nicht kriegsbereit zur Verfügung stand, die Infanterie aber auf Jahre hinaus nicht hinter der Ausrüstung der anderen Großmächte znrück- stehen durfte. Inden letzten zwei Jahren hat sich ein Wettkampf zwischen Frankreich und Deutschland abgespielt. In den Jahren 1888 und 1889 führte der französische Kriegsminister das vielbewunderte Lebel-Gewehr mit kleinstem Kaliber, rauchschwachem Pulver und langem Schaftmagazin ein. Ganz Frank­reich triumphirte ob dieses Erfolgs; denn es stand einen Augenblick allen anderen Staaten in der Waffen­technik voran. Die deutsche Heeresverwaltung nahm sich die Muße, das neue Gewehrmodell gründlichst zu prüfen und zu verbessern, sowie das neue Pulver langen Dauerversuchen auszusetzen. Nachdem nun­mehr etwa ein Jahr später, als in Frankreich, die neue Waffe bei uns eingeführt worden, stellt sich heraus, daß deren Schußleistungen bisher unübertroffen da­stehen, und daß das Lebel-Gewehr mit seiner unge­schickten Magazinladung jetzt schon zu den veralteten Systemen zu zählen ist! So hat sich die Umsicht und Gründlichkeit der deutschen Heeresverwaltung vortreff­lich bewährt. Da in Rußland noch immer kein end- gittiger Beschluß über das dort anzunehmende Modell erzielt ist, so steht augenscheinlich das deutsche Heer in der Bewaffnung sehr vortheilhaft und hat feinen

Deutsches Keich.

Berlin, 10. Dezember.

* Die Abgeordnetenhauskommission für die Ge

Sonnenried.

Roman von Marga Brechten.

(35. Fortsetzung.)

Dichter Nebel senkte sich über die Haide. Der Abend brach herein und ein leiser- Regen fiel nieder. Drinnen im Zimmer wurde es düster; allmählich er­starb das leidenschaftliche Weinen, und nach einer lan­gen Stunde' des bittersten Kampfes und der Selbst­peinigung erhob sich Felicitas. Sie kühlte die bren­nenden Augen und ordnete ihr Haar. Dann zog sie die Fenster-Vorhänge zu und klingelte nach Licht. Dorette erschien mit demselben und meldete verschämt: „Der gnädige Herr Kapitän sei angekommen, und der Herr Baron ließe anfragen, ob Frau Baronin vielleicht besondere Befehle für das Souper habe."

„Nein, aber ich lasse meinen Gemahl bitten, kurz vor demselben auf einen Augenblick heraufzukommen." Dorette verschwand mit ihrem Bescheid.

Wer Felicitas jetzt gesehen hätte, würde sie kaum wieder erkannt haben in dem stillen, todtblassen Wesen, das mit fest in einander geschlungenen Händen in der Mitte des Zimmers stand. Ihr Gesicht trug einen fast strengen Ausdruck und auf der sonst so heiteren Stirne lag etwas wie der Abglanz des geheimen Lei­dens. Sie trat zu dem Tische, verhüllte das Licht mit einem dichten Schleier und stellte es auf eine entfernte

Konsole, ehe sie sich auf das Sopha niederlegte. Jetzt wollte sie das thun, was sie in ihrer vierzehntägigen Frist zu thun versäumt hatte: denken, beten, mit Gott und sich selbst berathen. Und wenn sie dies recht innig that, dann war es vielleicht noch Zeit. Er, der milde Richter, würde sie nicht verstoßen um ihres sündigen Herzens willen.

Da wurde die Portiere zurückgeschlagen und ihr Gatte beugte sich über sie. Fehlt Dir etwas, mein Liebling? Bist Du krank, weil Du nicht zu uns herunter kommst?"

„Nicht eigentlich krank, Herbert, aber so träge!" sie versuchte zu lächeln, aber ihr Mund konnte nicht; da richtete sie sich auf, schlang ihre Arme um seinen Hals und sagte unter erneutem Weinen:

„Ich bin so erschöpft, so zum Tode erschöpft!"

Er bettete ihr Haupt an feiner Brust und ffüsterte leise sanfte Beruhigungsworte.

„Mein liebes, süßes Weib, mein Alles, was ist Dir nur? O gewiß. Du wirst mir krank werden, und ich bin daran schuld, ich ließ Dich zu viel allein in der letzten Zeit. Deine Nerven sind überreizt und angegriffen. Nein, nein, ich will bei Dir bleiben, ich kann Dich so nicht verlassen. Vergib, ich werde künftig achtsamer jein! Du führtest mich selber irre, schienst Du doch immer so stark, so gleichmäßig ruhig."

„Ich werde es auch morgen wieder sein," versicherte

sie, sich mühsam fassend. „Es kommt manchmal so über Einen, so wie das letzte Zusammensinken, das Ende von aller Kraft."

O Felicitas, Du warst fchou müde und standest in Wahrheit doch heute erst am Anfänge, am ersten Tage Deiner Arbeitswoche! Sie konnte nicht dafür, aber sie bebte an diesem Abend zurück vor dem Leben. Jeder Gedanke an die kommende Zeit hatte etwas unsagbar Beängstigendes für sie. Wie würde sie ihrem Herzen gebieten, wie der fortdauernden Versuchung gewachsen sein? Jetzt hätte sie trotz des anfänglichen Schmerzes viel darum gegeben, wenn sie sich vorhin getäuscht, wenn Jhno wirklich bald geschieden wäre. Es wäre eine bittere, aber vielleicht heilbringende Arznei für sie gewesen. — Doch es sollte nicht sein. Gleichsam auf ihre Gedanken antwortend, sagte Baron Freidorf jetzt:

„Ich weiß, Du bist nicht im Stande, herunter zu kommen, und Du sollst Dir auch keinen Zwang an- thun. Bleibe ganz ruhig liegen, aber versuche mir zu Liebe etwas Thee zu nehmen, ganz wenig, mein Herz, und nicht eher herunter zu gehen, bis Du Dich erholt hast. Es wird ein trübseliger Abend für uns fein, auch für Jhno, aber wir wollen uns mit der frohen Hoffnung trösten, Dich morgen 'wieder ftifch und gekräftigt in unserer Mitte zu sehen." _ . ,

„Denke Dir, der Kauf wird zu Stande kommen; der Bau ist ausnehmend gut, und Jhno wird den gan-