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Mittwoch, den 10. Dezember 1890.

TV 285.

17. Jahrgang

Für die Redaction verantwortlich: Ludwiz Deibel in Fnlda.

eitung

Drück n. Verlag der Fuldaer Actienoructerei (A. Dilluiann).

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* Schreiben des Papstes Leo XIII. an die Katholischen Kischöfe.

Ehrwürdiger Bruder.

Gruß und apostolischen Segen.

Der katholischen Kirche, welche in mütterlicher Liebe alle Menschen umfaßt, hat, wie du, ehrwürdiger Bru­der, ja auch weißt, von Anfang nichts mehr am Her­zen gelegen, als die Sklaverei, welche als elendes Joch auf so vielen Menschen lastete, aufgehoben und gänzlich ausgerottet zu wissen. Als eifrige Hüterin der Lehre ihres Meisters, welcher selbst und durch den Mund der Apostel die Menschen gelehrt hatte, wie ein brüder­liches Band sie Alle umschließe, als au Ursprung gleich, um denselben Preis erkauft und zu derselben Seligkeit berufm, übernahm sie die verachtete Sache der Sklaven und zeigte sich als eifrige Vertheidigeriu der Freiheit, wenn sie auch in Berücffichtigung von Zeit und Um­ständen allmählich und maßvoll vorging. Stets aber hat sie mit Klugheit und Ueberlegung die Forderungen der Religion, Gerechtigkeit und Menschlichkeit erhoben und dadurch um daS Gedeihen der Völker und ihre Civilisatton in höchstem Grade sich verdient gemacht.

Im Laufe der Zeit hat der Eifer der Kirche in der Hinaufführung der Sklaven zur Freiheit Plicht nachge- lasien, vielmehr, je größer der Erfolg war, wuchs er immer mehr. Dafür haben wir die unzweifelhaftesten Zeugnisse in der Geschichte, welche in dieser Beziehung eine größere Anzahl unserer Vorgänger für alle Zeiten berühmt gemacht hat, vor Allen den heil. Gregor den Großen, Hadrian L, Alexander HL, Jnnocenz III., Gregor IX., Pius H., Leo X., Paul III., Urban VIII., Benedikt XIV., Pius VH., Gregor XVI., die Alles gethan haben, damit die Einrichtung der Sklaverei, wo sie bestand, ausgetilgt werde und dort, wo sie ausge­rottet war, sie nicht zu neuem Leben erstehe.

Dieser Uns von den Vorgängern überkommene Ruhm konnte von Uns nicht unberücksichügt bleiben. Wir haben deshalb keine Gelegenheit versäumt, öffentlich jene fluchwürdige Pest der Sklaverei zu mißbilligen und zu verurtheileu; auch haben Wir Uus ausdrücklich darüber geäußert in dem Briefe, den Wir am 5. Mai 1888 an die Bischöfe Brasiliens richteten, denen Wir Glück wünschten für das, was sie mit rühmlichem Bei­spiel im privaten und öffentlichen Leben für die Be­freiung der Sklaven gethan; gleichzeitig zeigten Wir, wie sehr die Sklaverei der Religion und der mensch­lichen Würde widerspreche. Gewiß waren Wir, als Wir das schrieben, auf's Innigste bewegt wegen des Looses Derjenigen, welche unter fremder Willkür stehen, viel mehr schmerzten Uns aber noch die Berichte über die Leiden, unter welchen die gesammten Bewohner ge­wisser Theile Aftika's seufzen. Traurig und furchtbar ist es, sich daran zu erinnern, waS Wir durch ver-

Sounenried.

Roman von Marga Brechten.

(33. Fortsetzung.)

Wenn keine Gäste anwesend waren, nahm man das Souper ziemlich srüh ein. Auch heute war dies der Fall. Als es vorüber war, erzählte Felicitas dem Gatten von ihrem Besuche auf dem Pachthofe. Sie hatte Martha so ziemlich wieder hergestellt, den Pächter aber in großer Sorge angetroffen. Er glaubte den Pachtzins erst einen Monat später bezahlen zu können, denn die Krankheit seiner Frau habe ihn arg zurück­gebracht. Morgen wollte er selbst kommen und um Aufschub bitten.

„Der dem Manne gerne gewährt werden wird," versetzte der Baron. „Hellwald ist brav und fleißig, und ein Unglück kann Jeden treffen. Uns macht die Verspätung nicht arm, und Milde zu üben ist Christen­pflicht.^

Seine Gattin sah freundlich zu ihm auf; wie anders dachte und sprach er jetzt gegen früher! Der Diener zündete nun die Lampen an, rückte die Sessel zurecht und ließ die schweren Vorhänge nieder. Feli­citas schob den beiden Herren das Rauchtischchen näher und nahm eine Stickerei au8 ihrem Arbeitskörbchen.

„Nun, mein Sohn," wandte sich Baron Freidorf

schiedene Meldungen erfahren haben, daß an 400,000 Afrikaner ohne Unterschied des Alters und Geschlechtes jährlich aus den Dörfern geraubt werden, von wo sie daun in Ketten und unter Hieben auf einem weiten Wege zu den Märkten geschleppt werden, auf denen sie wie Stücke Vieh ausgestellt und verkauft werden.

Da dieses bezeugt worden war von Augenzeugen und bestättgt durch die neueren Erforscher des äquito- rialen Afrika, so hat Uns das brennende Verlangeu er­griffen, imBerhältniß zu unseren Kräften jenen Armen zu helfen und ihr Unglück zu erleichtern. Wir haben also ohne Verzug Unserem geliebten Sohne, dem Kar­dinal Lavigerie, dessen Thatkraft und apostolischer Eifer Uns bekannt war, aufgetragen, die Hauptstädte Euro­pa'- zu besuchen, bort die Schmach dieses schändlichen Handels zu schildern und Fürsten und Bürger zur Hilfeleistung für das bedrängte Volk zu bewegm. Darum müssen Wir Christus dem Herrn danken, dem lieb­reichsten Erlöser aller Völker, der es in seiner Güte nicht zuließ, daß Unsere Sorgen vergeblich seien, son­dern wollte, daß sie ein Samen seien, fruchtbarem Boden anttertraut, der frohe Ernte verspricht. Haben ja die Herrscher der Völker und die Katholiken des ganzen Erdkreises, überhaicht Alle, denen das Völker­recht und Naturrecht heilig ist, um die Wette nach Mitteln und Wegen gesucht, wie man am besten für die gründliche Ausrottung jenes unmenschlichen Han­dels wirken könne.

Die soeben beendete feierliche Brüsseler Konferenz, auf welcher die Vertteter der europäischen Fürsten zu- sammenkamen, und die neuere private Versammlung großherziger Männer in Paris zeigen auf das Deut­lichste, daß die Sache der Neger mit solcher Kraft und Konsequenz wird vertreten werden, wie e- der Schwere der Leiden entspricht, unter denen sie seufzen. Diese Gelegenheit wollen Wir deshalb auch nicht vorüber lasten, ohne den Fürsten Europa's und den übrigen Menschen guten Willens daS verdiente Lob und den schuldigen Dank zu spenden, und Wir bitten Gott in­ständig, er möge ihren Rathschlüssen und dem Beginn eines so großen Werkes einen guten Erfolg verleihen.

Neben der Sorge für die Freiheit geht aber eine andere ernstere Unser apostolisches Amt noch näher an, nämlich die Sorge für die Ausbreitung der Lehre des Evangeliums in Afrika, welche die in der Finsterniß des blinden Aberglaubens fitzenden Eingeborenen durch das Licht der göttlichen Wahrheit erleuchten und ihnen mit uns Antheil verschaffen soll an dem Erbe des Reiches Gottes. Um so größer ist aber dieses Unser Bemühen, damit sie nach Empfang dieses Lichtes auch dar Joch menschlicher Sklaverei von sich abschütteln. Denn wo christliche Sitten und Gesetze herrschen, wo die Religion die Menschen so beseelt, daß sie die Ge­rechtigkeit achten und die menschliche Würde ehren, wo nach einer Weile zu dem Kapitän, „Du bist ja heute Abend merkwürdig einsilbig. Hast Du wichtige Nach­richten erhalten?"

„Allerdings, lieber Vater," erwidette dieser, ergriff eine Mappe mit Zeichnungen und breitete dieselben auf dem Tische aus. „Am Nachmittage," fuhr er fort, „er­hielt ich den Besuch meines Agenten Kraus, welchen Du wahrscheinlich wieder fortreiten sahst. Wie Du weißt, beabsichtigte ich längst, mir ein eigenes Schiff zu bauen. Kraus theilte mir nun mit, daß der Rheder A. den Bau eines vor zwei Jahren begonnenen Fahr­zeuges aus finanziellen Gründen nicht fortsetzen könne und dasselbe an einen Käufer abzutreten gedenke. Der Agent brachte die Zeichnungen mit. Diese Entwürfe sind in der That einzig in ihrer Art, und das be­gonnene Schiff verspricht ein Riesenwerk zu werden."

„Und hättest Du Lust?" forschte Baron Herbert.

„Warum nicht, wenn Du mir beistimmst? Ich hoffe, vor einem enbgiltigen Abschluß fährst Du wohl mit mir nach Kiel und theilst mir Deine Ansicht mit. Vielleicht findet auch Felicitas an dem Ausfluge Ver­gnügen und gönnt uns die Freude ihrer Begleitung."

„Daran zweifle ich nicht," erwiderte sein Vater. „Sie hat öfters den Wunsch ausgesprochen, die großen Seeschiffe in der Nähe betrachten zu können, und so ein im Entstehen begriffener Bau ist doppelt interessant."

der Geist der brüderlichen Liebe weit und breit waltet, den Christus uns selbst gelehrt, da gibt eS keine Skla­verei, keine Wildheit, keine Barbarei, bort blüht viel­mehr die Milde der Sitten und von der Civilisatton begleitete christliche Freiheit.

Schon hat eine größere Anzahl apostolischer Männer gleichsam wie die militärische Vorhut Christi jene Gegenden aufgesucht und dort für das Heil der Brüder nicht nur Schweiß vergossen, sondern auchdaS Leben hingegeben. Jndeffen, die Ernte ist groß und der Arbeiter sind wenige. Darum ist es nöthig, daß noch möglichst viele Andere, von demselben göttlichen Geiste getrieben, ohne Furcht vor Gefahr, Leiden und Mühen in jene Gegenden Vordringen, wo jener schmach­volle Handel gepflogen wird, um ben Eingeborenen bie Lehre Christi im Verein mit bet wahren Freiheit zu bringen.

Die Unternehmung eines so großen Werkes for­dert nun aber seinem Umfang entsprechende Mittel, denn ohne ungemein großen Aufwand läßt .sich nicht hinreichend für bie Heranbilbung von Missionaren sorgen, für bie weiten Reisen, ben Hausbau, die Er­richtung und Ausstattung von Gotteshäusern und an­dere Bedürfniffe dieser Art. Hierfür sind eine längere Reihe von Jahren die Kosten aufzubringen, bis die Verkündiger des Evangeliums bort, wo sie sich nieder­gelassen haben, an- eigenen Mitteln sich erhalten können. O, daß doch Unsere Kräfte ausreichten, um diese Last auf Uns zu nehmen. Aber die hatte Bedrängniß, in der Wir leben, stellt sich der Erfüllung unseres Wun­sches entgegen, und deshalb richten Wir Unsere väterliche Sttmme an dich, ehrwürdiger Bruder, bie übrigen Priester unb bie sämmtlichen Katholiken, und empfehlen ihrer Milbthätigkeit ein so heiliges und heilsames Werk. Möchten Alle Theil baran nehmen, wenn auch Jeder nur mit einem kleinen Beitrag, da­mit bei Vertheiluna unter Alle die Last des Einzelnen leichter zu tragen sei unb bie Gnade Christi auf Alle sich ergieße, dessen Reich ja vertheidigt werden soll, und Allen Frieden, Vergebung der Sünden und alle guten Gaben verleihe.

Wir bestimmen daher, baß in 'jedem Jahre an dem Tage, wo überall das Geheimniß der Erschei­nung des Herrn gefeiert wird, zur Unterstützung des gedachten Unternehmens Geld als Almosen ge­sammelt werde. Diesen Feiertag aber haben Wir vor allen anderen ausgewählt, weil an diesem Tage der Sohn Gottes zum ersten Mal den Völkern sich offen­bart hat, indem er sich den Magiern zeigte, die ans diesem Grunde treffend von Unferm Vorgänger, dem h. Leo, die Erstlinge unserer Berufung und des Glaubens genannt worben sind. Wir leben daher der sicheren Hoffnung, daß Christus unser Herr, bewegt durch die Liebe und die Bitten seiner Kinder, die das

„Felicitas sagte freudig zu, während der Baron fortfuhr: „Was sind nun Deine nächsten Pläne?"

„Ich gedachte zunächst allein hinzufahren," ent­gegnete der Kapitän, „und mir das Ganze anzusehen, sowie von dem Rheder die näheren Bedingungen zu erfahren. Davon hängt bann unsere spätere gemein­same Reise ab. Gefällt mir die Sache nicht, so will ich, zufolge früherer Uebereinkunft mit einem Hand­lungshause, schon im September auf dem bisherigen Schiffe unter Segel gehen und nach einer zwei- bis dreijährigen Seereise von Grund aus selbst bauen. Im anderen Falle behaltet Ihr mich wohl noch ein halbes Jahr hier, damit ich ba£ Werk des Rheders vollenden kann."

„Dieser Fall würde der denkbar angenehmste sein," erwiderte sein Vater herzlich. „Du kannst uns keine größere Freude bereiten, als durch Dein längeres Hierbleiben. Laß uns hoffen, daß der Schiffskoloß, welcher für jetzt noch unbeweglich auf der sandigen Werft ruht, bald in Deine Hände übergeht und einst unter Deinem Kommando die Wellen durchfurcht."

„Dank, theuerster Vater; Deine Wotte klingen wie ein guter Wunsch. Möchte dieses oder mein späteres Fahrzeug Glück haben!"

„Wann gedenkst Du nach Kiel zu fahren?"

„Morgen in aller Frühe. Ich werde mindestens