V 281.
Freitag, den 5. Dezember 1890.
17. Jahrgang
Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel .n Fe.da.
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neral v. Wittich vertreten.
* In Berlin fand heute die feierliche Grundsteinlegung zur neuen katholischen St. Sebastian-Kirche statt. Se. Maj. der Kaiser ließ sich dabei vom Mx.
auf, ein Land der Gottesfurcht und frommen Sitte zu sein, wenn du diese Friedensstörer wieder hereinließest, dir würde es ergehen, wie „einem von der Reblaus angeseuchten Weinberge!" Deshalb auf! Protestanten sowohl wie Katholiken, erhebt Protest gegen „die Einfuhr dieser Gesellschaft", bildet „einen festgeschlossenen Kordon gegen die Einschleppung dieser schlimmsten der Seuchen!"--So die .Hessische Morgenzeitung'
mit der wiederholten Versicherung, daß sie durchaus mit den katholischen Mitbürgern in Frieden leben will. Solche Leitartikel braucht man nur zu referiren, um sie zu widerlegen, man braucht sie nicht besonders zu widerlegen, sie sind keiner besonderen Widerlegung werth. Der Verfasser dürste sich das schöne Wort des hochwürdigsten Herrn Bischofs von Limburg merken: „Du sollst kein falsches Zeugniß geben wider Deinen Nächsten — auch wenn er Jesuit ist." —
* Mainz, 1. Dez. Soeben ist der Ausruf für die am 14. Dezember in der Stadthalle tagende Katho-
Deutsches Keich.
Berlin, 3. Dezember.
hielt die Weiherede.
* Die Kaiserin Friedrich hat das Protektorat für die^ nächstjährige intenlationale Kunstausstellung anläßlich des 50jährigen Bestehens der Berliner Künstler- schaft übernommen.
* Frhr. 6. Schorlemer-Alst hat sich, wie schon kurz erwähnt, in Folge seines neuerdings wieder un- günsüger gewordenen Gesundheitszustandes genöthigt gesehen, sein Reichstagsmandat niederznlegen. Die Freunde und Verehrer des hochverdienten Mannes werden mit größtem Bedauern von dieser Thatsache Kenntniß nehmen. Besonders aber wird die Nachricht im Wahlkreise Bochum mit schmerzlichem Bedauern vernommen werden. Der Erfolg der Centrumspartei in diesem Riesenwahlkreise bei der jüngsten Reichstagswahl kam nicht am wenigsten auf Rechnung der Kandidatur des Hrn. v. Schorlemer. Hoffen wir, daß die Feruhaltung von den Aufregungen des parlamentarischen Lebens auf die Gesundheit des verehrten Vorsitzenden des Westfälischen Bauem-Vereins den güu- stigstm Einfluß ausüben wird.
* Der Verein deutscher Studenten in Berlin veranstaltet zu Ehren Dr. Carl Peters am Freitag einen Festkommers, wobei Dr. Peters über einige Episoden der deutschen Emin Pascha-Expedition berichten wird.
* Der ,3ceichSanzeiger' gibt bekannt, daß die Einfuhr leit lebenden Schweinen aus Rußland in die öffentlichen Schlachthöfe zu Thorn, Beuthen und Mys- lowitz unter gewissen Bedingungen, welche von bett betreffenden Behörden in den Greuzbezirkev demnächst bekannt gemacht werden, widerruflich und versuchsweise gestattet worden ist.
* Der Reichstag wählte heute an Stelle Dr. Bürk- lin's den Abg. Schneider-Hamm zum Schriftführer und erledigte sodann Wahlprüfungen. Die Beschlußfassung über die Giltigkeit der Wahlen der Abg. v. Reden (nat.-lib.) und v. Münch (bisher Volkspartei) wurden ausgesetzt bis nach stattgehabten Erhebungen über angeblich vorgekommene Unregelmäßigkeiten. Die Wahl des Abg. Schütte (steif.) wurde für gütig erklärt, doch sollen Erhebungen über in den Wahlprotesten geschilderte Vorgänge veranlaßt werden. — Morgen zweite Lesung der Helgoland - Vorlage, erste Lesung der Patentgesetz - Novelle und des Entwurfs, betreff den Schutz der Gebrauchsmuster.
J. 8. Auch in der Diözese Fulda wird an manchen Orten stark agitirt gegen die Zurückberufuug der Zesuilen. In verschiedenen Zeitungen erscheinen bald größere, bald kleinere, bald schärfere, bald gelindere Artikel, welche gegen die Jesuiten losziehen. Das „M _____________ Menschenmögliche aber in der Jesuitenhetze hat in ihrer
Fürstbischof Dr. Kopp' letzten Sonntags-Nummer die.Hessische Morgenzeitung' geleistet. Da werden die alten bekannten Schmähungen und Verleumdungen gegen die Jesuiten wieder aufgewärmt. Man könnte entrüstet werden über eine solche Sprache, wenn man vergäße, daß eben die .Hessische Morgenzeitung' es ist, die eine solche Sprache führt; ihr nimmt man ja eine solche Sprache nicht übel. — Es muß einen Protestanten und Andere, die nichts als die bekannten Märchen von den Jesuiten wissen, eine wahre Höllenangst überfallen, wenn sie den Artikel „Zur Jesuiten-Frage" lesen. Hu! Solche Scheusale sollen wieder in's liebe deutsche Vaterland eingelassen werden? Wenn diese Gesellschaft wieder kommt, die ja „Alles, was man nur mit Inbegriff aller Ausgeburten der Unmoralität bezeichnen kann, als ersten GlaubenSarttkel zu ihrer Lebensaufgabe gemacht hat," dann — Gute Nacht! deutsches Vaterland, dann ist der Friede Mährdet. dann stürzt das Familienglück zusammen, daun ist die Sittlichkeit dahin. Man kann sich überzeugen von der Gefährlichkeit dieser Individuen, wenn man nur Dr. Gury's Jesuitenmoral liest. Und hat nicht selbst Papst Clemens XIV. ihre Gefährlichkeit eingestanden, da er im Jahre 1775 den Orden aufhob? Und dieser , stti-nfaulen Gesellschaft", die schon „so viele Schandthaten auf ihrem Sündenkonto hat," soll jetzt wieder der Einzug gestattet sein? Armes deutsches Vaterland, du höttest ja wahrhaftig
Sonnenried.
Roman von Marga Brechten.
(29. Fortsetzung.)
10. Kapitel.
Aach der Heimkehr der Erbe«.
Elmar, Eines ist Dein Mögen, Und ein And'res ist Dein Müssen, Nicht Dein Herz nach seinem Wunsche, Nach der Pflicht frag' Dein Gewissen.
(Weher: Dreizehnlinden).
XXIII.
Am nächsten Tage war der Himmel trübe und umwölkt. Dazu kam, daß man jeden Gedanken an einen Spaziergang oder Ritt aufgeben mußte, denn es hatte die ganze Nacht geregnet und die Wege waren völlig durchweicht.
Felicitas von Freidorf saß mit einem Buche in der Hand an dem Fenster des Gesellschaftszimmers. Sie vermochte indeß ihre Gedanken nicht länger mit dem Inhalt desselben zu beschäftigen und ließ den Blick hinaus über die grauschimmernde Haide schweifen. Welch ein langweiliger, trauriger Tag war das heute! Und nun mußte auch Herbert die ganze Zeit hindurch mit dem Inspektor in seinem Privatkabinet zubringen, denn es war gerade der letzte des Monats, an welchem stets die gemeinsame Durchsicht der Bücher vorgenom- mm wurde. Bis sie damit fertig waren, konnten immerhin noch einige Stunden vergehen.
Indem trat Kapitän Jhno ein und näherte sich ihr mit verbindlichem Gruße. Er stellte ein zierliches Schifflein aus Elfenbein vor sie hin und bat um gütige Annahme desselben. Das kleine Kunstwerk war nach dem Muster eines großen Seeschiffes mit unendlichem Fleiße bis in die kleinsten Einzelheiten ausgearbeitet und mit wunderbarer Feinheit geschnitzt; manche Verzierungen und Figuren ließen sich kaum mit dem bloßen Auge erkennen. Ein Druck auf das Verdeck enthüllte das mit blauem Atlas ausgeschlagene Innere, welches, goldene Nähutensilien bergend, die eigentliche Bestimmung des reizenden Gegenstandes anzeigte.
„Wie wundervoll!" rief Felicitas aus; „dies ist ja ein wahrhaft fürstliches Arbeitskästchen. Das kleine Meisterstück erinnert mich an den Riesenfleiß und die Geduld des chinesischen Volkes," fügte sie, es näher betrachtend, hinzu.
„Es entstammt in der That jenem Lande," bestätigte der junge Seemann. „Als ich vor zwei Jahren meines Vaters Anzeige von seiner Vermählung erhielt, lag unser Schiff in einem Hafen des Gelben Meeres. Vor der Abfahrt besuchte ich bei einem letzten Gange durch die Stadt auch die Werkstätte eines der geschicktesten Meister in solchen Dingen. Hier sah ich dies eben fertig gewordene Modell unb erstand es für Sie, als kleine Begrüßungsgabe, die aber leider erst nach so langer Zeit in Ihre Hände gelangen konnte. Der alte Sohn der Mitte malte noch schnell feinen Namen
liken-Versam mlung erschienen, unterzeichnet von Freiherrn von Wambold als Vorsitzenden und weiteren 34 Herren, zumeist Mainzern. Der Ausruf entwickelt folgendes Programm: In der Ordensfrage handele es sich nicht blos um die Jesuiten und die ihnen angeblich verwandten Ordensgefellschaften, alle Orden ständen in ganz Deutschland unter besonderer polizeilicher Aufsicht; auch sei der Papst immer noch ein Gefangener der Revolution. In Betreff der Schule fei die Kirche des Rechtes beraubt, das ihr verliehen; unter dem Einfluß des von dem Liberalismus beherrschten staatlichen Schulmonopols fei die Schule in ihrer ganzen Stufenleiter eine Lehrerin unchristlicher Ideen geworden. Zur Heilung aller dieser liebel, zur wirksamen Niederkämpfung der Sozialdemokratie in ihren unberechtigten Forderungen und zur Wiederherstellung gesunder sozialer Verhältnisse müßten die katholische Kirche und alle Katholiken ihre volle Kraft einfetzen können; dieselbe fei aber jetzt gelähmt."
Ausland.
* Lands«, 2. Dez. Der katholische Klerus von Cork erklärt sich gegen Parnell, ebenso spricht der Erzbischof von Dublin die Nothwendigkeit von Parnell's Rücktritt aus. Man glaubt, daß in der heutigen Sitzung der irischen Frattion die Mehrheit gegen Parnell entscheiden, daß letzterer aber auch fernerhin die Führerschaft der ihm treu bleibenden 22 Depntirten behalten werde. — Parnell präsidirte heute Nachmittag der Versammlung 74 irischer Abgeordneten im Unter- Hause. Nolan schlug Vertagung bis nach Konsultirung der Wähler vor. Sexton begehrte die unmittelbare Entscheidung, um den Bruch mit den Liberalen zu verhindern, ParnellS Rücktritt fei unerläßlichffür Homerule. Mehrere Redner folgten. Parnell tadelte lebhaft jene, welche ihn in vergangener Woche gewählt und heute seine Absetzung begehrten. Er erklärte, er habe das irische Volk hinter sich und werde auf Begehren der Versammlung nicht bemiffioniren. Die Diskussion wurde alsdann kurz unterbrochen.
* Chicago, 2. Dez. Das von den irischen Abgeordneten erlassene Manifest beklagt die Nothwendig- keit, zwischen Parnell einerseits und der Vernichtung der irischen Sache andererseits wählen zu müssen. Das Manifest Parnell's lasse die letzte Hoffnung schwinden, ihn als Führer beizubehalten. Die Methode, durch welche Parnell, den Ursprung der gegenwärtigen unglücklichen Lage ignorirenb, ine Verantwortlichkeit Glabstone und Morley aufzubürben suche, könne nicht gebilligt werden. Parnell habe ein übereiltes unb fatales Verfahren eingeschlagen, in welchem man ihm ans Rücksicht für bas Wohl Irlands nicht folgen bürst.
darauf; bemerken Sie hier unten am Bugspriet die chinesischen Schriftzeichen? Als ich hinaustrat, fand ich in der Nähe einer Hafenschänke noch Etwas, aber diesmal einen lebendigen Gegenstand, welcher mein Interesse erregte. Auch er ist, falls er sich ihren Beifall zu erringen vermag, Ihrer gütigen Sorge zugedacht. Doch ich werde Ihnen denselben später vorstellen und möchte jetzt nur die wenigen Minuten unseres Alleinseins benutzen, um eine Frage an Sie zu stellen. Darf ich?"
Felicitas erblaßte. Dann sagte sie ruhig: „Fragen Sie."
„Nun wohl. Meine Gedanken machen den kühnen Sprung von der chinesischen Küste nach den Ufern des grünen Rheinstroms, dort, wo am Fuße eines weltberühmten Bergplateaus ein altes Städtchen liegt. Dem Orte gerade gegenüber, trifft das Auge auf dem linken Ufer eine noch größere Stadt an der Mündung eines Nebenflusses in den Rhein. Aus dem erwähnten Bergabhange traf ich vor Jahren ein junges Mädchen in einer künstlichen Klause sitzend. Wir waren Beide von einem Gewitterregen überrascht worden. Sagen Sie mir, ist jene Felicitas identisch mit der zweiten Frau meines Vaters?"
Ihr Gesicht bedeckte sich mit heißer Röche. Wie schonungslos er fragen konnte! Dennoch bezwang sie sich und sagte in gleichgültigem Tone:
„Wie, Sie erinnern sich noch dieser unbedeutenden