Mittwoch, den 3. Dezember 1890.
17. Jahrgang
Siir die Redacticn verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
LK
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Pn^l?uum. e*n Geschäftsmann oder so etwas, so schlage ich folgmdes Arzneichen vor: Man lasse den Mann austoben. Dann nagele man seinen Namen und Stand in der Zeitung fest, damit die Katholiken wissen, woran sie sind, und den Krankheitsherd meiden, uud der Körper des Befallenen nicht zu fanatisch werde, laste ihn ein Brausepulver nehmen und warte den Erfolg ab. Er bleibt nicbt aus.
Findet aber der Jesuitenbacillus im faltenreichen Predigertalare ein warmes Obdach, dann ist wie dreihundertjährige Erfahrung zeigt, Hopfen und Malz verloren. Ein Kneipp'scher Oberguß jedoch in der Zeitung kann nichts schaden. Uebriqens tröste man sich mit dem Gedanken: Die Jesuiten kommen doch. Wenn dann jene berühmten Ge- schlchtsmärlein über die jesuitischen Schandthaten einmal Wirklichkeit werden sollten, wenn jesuitische Giftfläschchen und Gistdolche ihre Arbeit beginnen, dann wehe denen, die „mitBewußtsein fanatisch" gewesen!--
Druck u. Verlag der Fuldaer Acnenoruttere, (A. Tilluman).
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Kongo, bei den Massai wurde ähnliches beobachtet immer in Verbindung mit der Religion. Bei uns muß auch so etwas der Fall sein, da die Krankheit, die jetzt wissenschaftlich I e s u i t i a s i s heißt, besonders in neuester Zeit mit Vorliebe in evangelischen Bundes- i Versammlungen ausbricht, früher kamen solche Fälle auch ,m Reichstage vor.
Der Verlauf der Jesuitasis ist kurz folgender: Ein Redner (denn die sind am empfänglichsten) spricht das I Wort „Jesuit aus. (NB. Bei den Derwischen macht auch einer den Vorsänger) Doch kaum ist das Wort b/nr^Munde entflohen, da ist die Jesuitiasis da. Der Unglückliche wird roth und blau im Gesicht, die Haare sträuben sich, die Augen blitzen, der ganze Körper ge- rath m Zuckungen, der Athem keucht, die Hände, manchmal wie im Zorn geballt, durchsäbeln die Luft, der Kranke greift dann krampfhaft nach etwas Flüssigem, Wasser, Wein, Bier, Cognac u. dgl., stürzt es hinunter, öffnet den Mund und redet, manchmal auch brüllt er stoßweise: Schimpfereien, Dummheiten, Ver- leurndungen, Deimnciationen so konterbunt durcheinander, daß auch der Laie erkennt: Das ist eine Krankheit,' die Körper und Geist angreift. Und das ist auch so. Dre ^esultlasts ist aber ferner (und das ist das bedenkliche) gerade wie der Fanatismus der Derwische, ansteckend. Die ganze Zuschauerschaft mit geringen Ausnahmen wird infizirt. Alles „wird mit Bewußt-
statisch" und das Ende ist gewöhnlich eine Resolution gegen die Jesuiten. Daher der Name Jesuitlasts. .
unb dem Balle bei dem Grafen Neuberg. Nach meiner Berechnung wäret ihr unter den Geladenen und konntet erst um diese Stunde zurück fein. Wenn man so lange aus der See gelebt, hat ein Gang auf dem Lande, wo man den festen Boden unter den Füßen spürt, etwas ungemein Verlockendes, und wär's auch zur Nachtzeit. So ließ ich denn mein Gepäck im Hotel, vertauschte die Seemannstracht mit dem Reise-Anzug und kam zu Euch als müder, staubiger Wandersmann. Als ich anlangte, sagte man mir, daß Ihr schon vor dem Balle zurückgekehrt und im Garten-Salon weiltet. Ich verbat mir jede Anmeldung, wollte Euch überraschen und — richtete so viel Unheil an! Vergebt mir Beide!"
Baron Freidorf legte seine Hand aus des Sohnes Schulter und sagte freundlich: „Das ist längst geschehen, lieber vihno. Du hattest es so gut gemeint und an einem anderen, ruhiger verlebten Tage würde Deme plötzliche Ankunft auch keine schlimmen Folgen gehabt haben."
„Ich hätte immerhin vorher schreiben oder bis morgen früh in F. bleiben sollen," sagte der junge Mann mit leisem Selbstvorwurf. „Ich weiß noch nicht, was mich zu dieser eiligen Reise trieb; und glaube, je mehr man sich der Heimath nähert, desto größer wird das Verlangen darnach."
Baron Herbert lachte herzlich; dann meinte er mit gutmüthiger Ironie:
Deutsches Keich.
Berlin, 1. Dezember. ertcif*en^er ^er $at ^eute fo[3ent,en Armeebefehl
'.Heute vor 250 Jahren bestieg Mein Ahnherr, der Große Kurfürst, den Thron Meiner Väter. Sein Regierungsantritt gebeutet fitt Mein Haus und Preußen den Aufschwung zu poli- tischer Macht, zur Wohlfahrt und zu hohen geistigen Bestrebungen, dE Schaffung eines stehenden Heeres legte den Grund zu der militärischen Machtentfaltung des Staates. Ich habe die Feldzeichen, welche aus jener glorreichen Zeit in der Armee vorhanden sind, hier um das Denkmal des Großen Kurfürsten ver- sammelt, damit sie die Erinnerung wachrufen an seine Thaten und dieienigen seines Heeres. Diese Thaten konnten nur vollbracht werden durch den Geist der Treue, der Gottesfurcht des Gehorsams und der Tapferkeit, welche der Große Kurfürst in seinem Heere zu erwecken und zu erhalten wußte. Dieser Geist ist durch mehr als 2 Jahrhunderte Eigenthum des Heeres geblieben; auf ihm beruht die Größe und Stärke des Vaterlandes-
bewahren und zu pflegen ist auch heute noch die heiligste Pflicht der Armee und tnt Hinblick auf den Großen Kurfürsten von Brandenburg und sein ruhmreiches Heer soll und wird jeder Einzelne Meiner Armee dieser Pflicht eingedenk bleiben "
Der 250jährige Gedenktag an den Regierungsantritt des Große« Kurfürsten wurde heute durch eine erhebende Feier vor dem Denkmal des Großen Hohen- zollem begangen. Das Denkmal selbst war prächtig geschmückt, an dessen Fuße der Kaiser in aller Frühe einen mächtigen Lorbeerkranz hatte niederlegen lassen Vormittags nahmen die Abordnungen derjenigen Truppentheile, welche ihr Bestehen bis zur Zeit des Großen Kurfürsten zurückführen, vor dem Denkmal Aufstellung. Um 11 Uhr trat der Kaiser in der Paradeuniform des Leibkürassierregiments (Großer
Ihre Ursache ist, wie wisienschaftlich feststeht, der Jesuitenbacillus. Der mikroskopische Schlingel I relmaurerischen Winkelmaß täuschend
ähnlich. Ein gelehrter Forscher will Jesuitenbacillen gesehen haben, die Schurzfelle an hatten, Hammer und Kelle führten. Der Jesuitenbacillus dringt in der Regel durch die Augen oder die Ohren in das Gehirn jetzt sich dort tn etwaigen Lücken im Wissen oder Gewissen fest und vollendet in unglaublich kurzer Reit fern vernichtendes Werk. Der Befallene hat in der ^iner Vernunft und somit die logische Denkfähigkeit, m der Regel auch allen Sinn für Gerechtigkeit, Toleranz und gute Sitte (ganz wie bei den Derwischen) verloren. Der Unfall geht ftdoch s°OrSeL f Gewöhnlich genügt ein Katzenjammer und die Rückkehr zum Berufsleben (besonders bei G e- schaftsleuten die katholische Kundschaft haben), um den Bacillus wenigstens für einige Reit in seinem Geschäfte zu stören. 9 $
Ein allgemein wirkendes Mittel, den Jesuitenbacillus zu tobten, gibt es nicht, wenigstens ist noch keines gefunden. In einzelnen Fällen kann man ihm viel- leicht mit Erfolg entgegentreten. Ist das befallene
Gin neuer Karillus?
(Aus der ,Pfälzer Zeitung'.)
Fast möchte man so etwas fürchten, wenn man die fanatischen Wuthausbrüche des neuen „Evangelischen Bundes -Mahdi in der Rheinpfalz hört oder liest. Be- sagter Mahdi war sonsten ein ruhiger Bürger, seines Zeichens Rechtsanwalt. Auf der berühmten Antijesuitenversammlung in La ndau aber gerieth er in einen derartigen Wuthparoxismus, daß die Sache nicht mehr geheun zu sein scheint. Gewöhnlich sucht man derartige eigenthümliche Vorkommnisse in den Zeitungen unter der Überschrift: „Polizeibericht" ober „Unglücksfälle" u"y würde etwa lesen: Im Xoiertel wurde ein Mann plötzlich tobsüchtig. Nur mit Aufwand der größten Muhe konnte der Rasende, dem man den Fanatismus am ganzen Körper anmerkte, von Gewaltthätigkeiten abgehalten werden. Glücklicherweise wurde der Mann nach Genuß eines Glases Bier wieder ruhiger rc.
ttnferer Ansicht nach haben wir es im gemeinten o™c ober offenbar mit einer von neuem auftretenden, unter Gelehrten längst bekinnten Krankheitserscheinunq zu thun. Mit vollem Rechte erregte sie solches Stuf« o ei’’ daß man sie selbst in größeren Blättern in Leitartikeln behandelte. Der Patient schilderte die Sache selbst etwa folgendermaßen: „Ich weiß nicht, wie mirs auf einmal wurde. Ich hielt eine Rede gegen die Jesuiten. Plötzlich entzündete sich ein Feuer in mir, ““ anderen Interessen traten zurück, (ich vergaß sogar, daß ich m meiner Anwaltspraxis sehr viele katho- s’ ®-. aud Herxheim. Arzheim, Liftenbach) ich fühlte an meinem eigenen Körper, wie fanatisch ein Protestant werden kann (selbst wenn sein Vater katholisch gewesen ist), und als ich fanatisch wurde, da erglühte ich im Fanatismus zehn- mal mehr, als jeder andere; denn ich wurde mit Bewutztsein fanatisch."
Alle Krankheiten aber haben, wie man seit einiger Zeit weiß, als Ursache einen Krankheitserreger. Nach eingehender Untersuchung ist es uns gelungen, auch die Ursache dieser neu aufgetauchten KrankheitS- erschelnung zu entdecken, natürlich in Gestalt eines p n,aen sr5'“it e^Crk8, ober wissenschaftlich gesprochen, eines Bacillus , den wir am besten wohl „Jefuiten- b acillus nennen, die Krankheit selbst Jesuitiasis
Die Krankheit ist nicht neu. In Deutschland ist sie seit etwa dreihundert Jahren bekannt. In den Ländern, welche von den Muhamedanern bewohnt sind, kennt man auch so etwas. Die Derwische, eine Art türkischer Mouche, werden von ihr, besonders wenn sie „mit Bewußtsein fanatisch werden" öfters befallen, das ge- hott dort zu Lande zu außerordentlichen religiösen und auch sonstigen Festlichkeiten. Auch in Afrika, am
Sonnenried.
Roman von M a rga Brech te n.
(27. Fortsetzung.)
Jhno von Freidorf hatte bis dahin stumm der ganzen Scene zugeschaut. Jetzt brach auch er sein schweigen und trat, von dem Vater geführt, auf Felicitas'zu. • 1
„Möge die liebenswürdige Gemahlin meines Vaters e§ mir verzeihen, daß ich die Schuld an Ihrem Unwohlsein trage. Ich weiß es, mein plötzliches Et- '7e*”en hat es veranlaßt; ich sah Sie erbleichen, aber 'Hon Zu spät, um zurückzutteten. Es ist mir rV1,, schnierzlicher Gedanke, daß meine Heimkehr Ihnen schon in erster Stunde so viele Pein verursacht hat."
QCk biner tiefen, zum Herzen dringenden unb [ter lauschte derselben wie dem Klange imwp?°9ren' V vergessenen Melodie. Vor ihrem ‘ f dluge stand jener Sommer-Nachmittag, an e^mal im ^$OfftlT8 ausgesprochen hatte, ihr noch brfHmm ^ ™6fenJu 9Wen- Ein sonderbares, un- ODr hSpm ®eLUf) 5le t fie davon ab, Baron Herbert von diesem ersten Zusammentreffen zu erzählen. Es stnd uns Sf>f8U fa9Crn: '(Herbert, Dein Sohn und ich ^ uns nicht ganz fremd," - warum nur that sie ""chte eine Anstrengung dazu, aber die Kehle war ihr wie zugeschnürt, und als sie dennoch
sprach, waren es em paar freundliche Worte, welche | emen ganz anderen Sinn hatten, als die dem Gatten schuldige Erttarung. Die silberne Tischglocke berührend, ffrinrt Wunsch aus, dem Heimgekehrten ein kleines Abendbrod fernten zu lassen.
UpfipSS^' ba§ nJuLet haben, trotz seines nächtlichen Ueberfalles meinte Baron Freidorf lachend und bot einer Gemahlin den Arm. „Du, Felicitas, denkst doch immer an das Wichtigste. Komm, mein Sohn, bei l^steii ^"^lisch wollen auch wir Dir Gesellschaft
Im Speisesaale brannten dir Lampen. Die Takel eMe fflh?,UUb Ä Kessel daran geschoben. Als das Ä I T ®tafomm geteert war, entfernte sich d^ aufwartende Diener auf einen Wink der Baronin
„Und nun, mem Junge," begann der Baron, „er- klare uns, wie Du denn da auf einmal in's Vaterhaus hereinschneist bei Nacht und Mondenschein 0" s. f "Das ist sehr einfach, liebet Vater,"' antwortete dieser lächelnd. „Die Rückkehr des von mir befehligten chlffes jollte eigentlich erst im Spätsommer stattfinden.
Auf Verlangen des Rheders mußten wir jedoch den Kours andern und liefen dem zufolge schon vor einigen Jagen im ^afen em. Als die Ladung gelöscht und die geschäftlichen Unterhandlungen geordnet waren, reifte
Et. dem Kourietzug nach dem benachbarten F. Dort horte ich durch Zufall von dem Verlobungsfeste