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Donnerstag, den 27. November 1890.

17. Jahrgang

Druck u. Verlag der Fuldaer Acnenorucrere» (A. I^.uaan).

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Für die Redaction veranrwortlicb: Ludwig T.ibu! in Fulda.

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Besuche eine große Gunst. Denn sehen Sie, wie ent­setzlich einsam werden wir uns nicht nach Gustav und Käthe's Verbindung fühlen!" Die Gräfin führte das Batlsttuch an die Augen, ehe sie fortfuhr: „Da bin ich denn so kühn und rechne bestimmt auf die Güte unserer lieben Nachbarn; die werden uns gewiß über die erste bange Zeit Hinweghelsen. Nicht wahr, Sie versprechen mir dies Alle? Doch was sehe ich, die junge Welt wird ungeduldig? Die Tafel dauert ihr zu lange, und wir sind doch kaum erst zu Tisch qe- gangen."

„Wenn Frau Gräfin geruhen — wir haben uns schon über zwei Stunden in die ausgezeichneten Lei­stungen Ihres französischen Kochs vertieft," ließ sich ein schmachtender Lieutenant von der entgegengesetzten Seite des Tisches her vernehmen.

„En effet? Was Sie nicht sagen, Herr v. G ! Aber bei so anregender Unterhaltung entschwindet die Zeit rote tm Fluge. Freilich, die Jugend kennt kein Gedulden; die eilt tote der Schmetterling mit flüch­tigem Fuß von Genuß zu Genuß."

Das leise Anklingen eines Glases unterbrach der Gräfin Rede. Die Herren stellten die Champagner - kelche nieder, und die Damen lehnten sich erwartungs­voll zurück. Einer der Gäste erhob sich.

„Ah, der Herr Landrath!" bemerkte eine alte Hausfreundin. „Er wird sprechen. Wirklich ein vor-

Kulturkampf aus Preußen und Deutschland vertrie­benen katholischen Priestern, Ordensmännern und Kloster­frauen die Grenzen seines Reiches geöffnet, ihnen in wahrhaft liberaler Weise Gastfreundschaft und eine neue Heimath gewährt.

Speisesaal. Die lange Tafel war mit einer Guirlande aus weißen Rosen und Orangeblüthen umwunden; gleiche Blumen zierten die silbernen Aufsätze. Gräfin Neuberg musterte die Anordnung mit zuftiedenem Blick; in der That, der Tafelschmuck nahm sich einfach und distinguirt aus, so recht aristokratisch! Und wie ge­diegen erschien das reiche Familiensilber! Schade, daß es nicht Abend war. Wie köstlich hatte bei den stüheren, häufigen Festen das blitzende Krystall im Kerzenscheine gefunkelt!

Das Diner rückte vor. Am Schlüsse desselben bat Gräfin Neuberg mit den liebenswürdigsten Worten ihre Gaste wegen der allzu frühen Tischstunde um Entschuldigung. Sie habe es sich nicht versagen können eine von ihnen Allen hochverehrte Dame bei dem heu­tigen Feste anwesend zu sehen, und dies sei eben nur durch ine angedeutete Aenderung möglich gewesen. Alle wußten, daß sie Lydia van der Lohe meinte, welche in ihrem weißen Kleidchen mit an der Tafel saß.

„Und Ihnen, liebste Baronin," sagte Gräfin Neu­berg zu der neben ihr sitzenden Felicitas, „Ihnen macht es gewiß große Freude, ihre junge Freundin bei uns angetroffen zu haben, nicht wahr? — Ja, das wußte ich und bitte nur, nun doch öfter mit Syrern Herrn Gemahl bei uns vorsprechen zu wollen Ferdinande und Elfi sind ganz entzückt von Ihnen; aber auch uns, denMtern, erweisen.Sie mit Ihrem

an dessen Stelle jetzt ein gemäßigt liberales trat. Die all- mälige Versöhnung der Protestanten gelang, und heute erfreuen sich die Katholiken erträglicher Verhältnisse, zumal da sie nach Belieben eigene katholische Schulen gründen können, während die öffentlichen Schulen reli­gionslos sind. In der Luxemburger Frage 1867 that die Regierung einen unbesonnenen Schritt, indem sie bereits mit Napoleon III. die Einverleibung Luxem­burgs in Frankreich verabredete. Diese Haltung wurde gewissermaßen dadurch wett gemacht, daß die Regie­rung 1870 gleich bei Ausbruch des deutsch-französischen Krieges sich neutral erklärte. 1873 wurde der an­fangs unglücklich verlaufende Kolonialfeldzug in Atjeh unternommen. Der Kampf um die Schulgesetzgebung füllte dann mehrere Jahre und führte wieder ' einige der bis dahin überhaupt in Holland häufigen Minister­wechsel herbei. Ein schwerer Schlag traf den König und das Land mit dem Tode des Thronerben Alexander am 21. Juni 1884. Königin Sophie war bereits 1877 gestorben; der vom König im Jahre 1879 mit der Prinzessin Emma von Waldeck geschlossenen Ehe entsproß im Jahre 1880 die Prinzessin Wilhelmine, derentwegen 1884 nach dem Tode des Kronprinzen Alexander eine Versassungs-Aenderung vorgenommen wurde. Prinzessin Wilhelmine wurde nunmehr die Thronerbin. Der Gesundheitszustand des Königs wurde im vergangenen Jahre so bedenklich, daß eine Regent­schaft in Holland eingesetzt wurde und der Herzog von Nassau als in Luxemburg einzig berechtigter Nachfolger dort seinen Einzug hielt. Indessen besserte sich die Gesundheit Milhelm's III. wieder entschieden, die Re­gentschaft trat ab, und der Herzog von Nassau gab den nur für einen Augenblick besessenen Luxemburger Thron auf. Die niederländische Politik war seitdem von der Militärfrage beherrscht, so sehr, daß ob derselben die glücklich zu Stande gekom­mene Vereinigung der gläubigen protestantischen Anti- Revolutionäre mit den Katholiken gegen die Liberalen in die , Brüche zu gehen droht. Gegen Ende Oktober trat eine ernste Verschlimmerung im Zustande des Königs ein, nachdem schon lange Ungünstiges über denselben verlautet hatte; die Geisteskräfte schwanden tedenklich, und so wurde die Einsetzung einer Regent- djaft sowohl in Holland .wie in Luxemburg neuerdings nöthig. Der Herzog von Nassau, nunmehriger Groß- ;erzog von Luxemburg, leistete am 6. November in )er Hauptstadt desGroßherzogthums den Regenten-Eid, )ie Königin Emma, am 15. November zur Regentin ernannt, that das Gleiche am 20. November im Haag Nur eine dreitägige Stellvertretung des Gemahls war ihr beschieden. — Die deutschen Katholiken sind dem verstorbenen König Wilhelm III. zur Dankbarkeit verpflichtet, denn hochherzig hat er den durch den

Deutsches Keich.

Berlin, 25. November.

* Im Abgeordnetenhause wurde heute nach längerer Debatte über die Erbschaftssteuer, woran sich die Abge­ordneten Mithoff, Richter, v. Raucyhaupt, Rickert und Ftnanzmlnister Dr. Miquel beteiligten, die Ueber- weisung der Vorlage an die Einkommensteuer-Kommission beschlossen. Morgen: Gewerbesteuer.

* Nach der Fraktions-Liste zählt das Centrum im Abgeordnetenhause 98 Mitglieder (einschließlich zwei Hospitanten), die Konservativen 120, die Nationallibe­ralen 84, die Freikonservativen 66, die Deutschfreisin­nigen 29, die Polen 15; keiner Fraktion gehören 13 Abgeordnete an. Erledigt sind 8 Mandate, darunter 2. Aachen.

* Die Einfuhr von Schweinen aus Italien ist in die öffentlichen Schlachtanstalten der Städte Berlin, Spandau, Brandenburg, Magdeburg, Torgau, Deitz' Erfurt, Suhl, Frankfurt a. M., Kassel, Göttingen Paderborn, Herford, Bielefeld, Münster i. W., Essen (Ruhr), Elberfeld, Düsseldorf, Lennep, Remscheid München- Gladbach, Köln a. Rh., Neuwied, Koblenz St. Johann und Saarbrücken widerruflich gestattet worden.

* Eine Anzahl von Eisenbahnreform-Vereinen sind beim Minister v. Maybach um Ermäßigung der Eisen­bahn-Personentarife vorstellig geworden. Eine solche Ermäßigung wird auch vorbereitet, aber nicht auf der Grundlage des Zonentarifs, sondern des Kilometertarif- Systems. 1

* Schwimmende Post-Bureaus zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Nordamerika treten nächstes Frühjahr in's Leben.

* Die Mitglieder des Domkapitels Gnesen- Posen treten heute zur Aufstellung einer neuen Kandida- ten-Ltste zusammen, die der Regierung genehme Namen enthalten soll.

* Wiesbaden, 24. Nov. Der erste evangelische Pfarrer Wiesbadens erließ vor Kurzem einen Aufruf an die hiesigen Protestanten, um eine Protestadresse gegen die Rückberufung der Jesuiten anzuregen. In dem Aufruf heißt es:

. „ /'Rss.Liberi uns dabei der Hoffnung hin, daß alle, welche das friedliche Nebenemanderleben der verschiedenen Konfessionen und gegenseitige Duldung und Achtung zum Segen unseres Vaterlandes wollen, mit uns gegen die Rückkehr des Ordens protestrren werden, der, ausdrücklich gestiftet zur Bekämpfung der

Sonnenried.

Roman von Marga Brechten.

(22. Fortsetzung.)

XX.

Das Fest, welches zu Ehren der Verlobung des jungen Grafen von Neuberg mit Käthe von Welfiugen veranstaltet worden war, nahm seinen Anfang. Wagen fuhren vor und die Thüren öffneten sich; Blumen dufteten und seidene Schleppen rauschten über die mit kostbaren Teppichen belegten Korridore.

Graf und Gräfin Neuberg, beide noch schöne, statt­liche Gestalten, empfingen die Geladenen am Eingänge ber Empfangssäle. Unter den Gästen befanden sich die vornehmsten Gutsbesitzer der Umgegend und die ange­sehensten Familien der benachbarten Stadt, welche das chgendliche Brautpaar mit Glückwünschen überschütteten. Käthes frisches, holdseliges Gesichtchen strahlte vor Freude; ihre kleinen, aber kräftigen Hände umspannten em mefiges Bouquet, das in sinniger Weise ihren eigenen, aus Veilchen und Maiglöckchen gebildeten Namenszug zeigte. Auch Ferdinande und Elfi waren fröhlich und sahen in ihren geschmackvollen, mit mehr Einfachheit als sonst gewählten Toiletten wirklich sehr hübsch aus. 1 v

(j... 1°sten sich die Gruppen und die zahlreichen Gaste begaben sich paarweise in den herrlich geschmückten

WF* Hierzu der Weihnachtsauzeiger Nr. 1.

Für den Monat Dezember werden Abon­nements auf die

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* König Wilhelm III. der Niederlande und Großherzog von Luxemburgs welcher am Sonntag auf seinem Schlosse Het Loo ge­storben ist, war am 19. Februar 1817 geboren, als Sohn des damaligen Kronprinzen der Niederlande Wilhelm und der Kronprinzessin Anna Paulowna Er vermählte sich im Jahre 1839 mit der Prinzessin Sophie Friederike Mathilde, der Tochter des Königs von Württemberg, und gelangte mit dem am 17. August 1849 erfolgten Tode seines Vaters zum Throne, in einer Zeit, welche auch in den Niederlanden politische Umschwungsgedanken zeitigte. Gerade vor einem halben Jahre hatte die von feinem Vater berufene Konsti­tuante, die auf das Doppelte vermehrte Zweite Kammer, die neue, zwar von einem liberalen Ausschuß entworfene' aber vom König wesentlichen Aenderungen unterzogene Verfassung genehmigt. Den Parteikämpfen war damit aber kein Ende gemacht; die Liberalen brachten das noch vom vorigen König überkommene Ministerium zu Falle. Erst Ende des Jahres entschloß sich Wilhelm III. zur Annahme eines von dem bekannten Liberalen Thor- becke gebildeten Ministeriums. Dieses richtete sein Hauptaugenmerk auf die wirtschaftliche Hebung des Landes und erzielte auch große Erfolge. Anerkennens­werth war die Haltung, welche es der Errichtung katholischer Bisthümer im Lande mit 1850 gegenüber etnnatjm; e§ erklärte dieselbe für völlig verfassungs­mäßig. ^m Lande entstand darob aroße Aufregung ■ die niederländischen Protestanten, von Vorurteilen gegen die katholische Kirche befangen und immer noch ob der Abtrennung des katholischen Belgiens vor nicht langer Zeit grollend, schienen nicht zu wissen, daß die Katholiken mehr als ein Drittel der Bevölkerung des Landes ausmachten. Angesichts der Bewegung entließ der König das Ministerium und löste die Kammer auf. Inzwischen aber legte sich der Sturm, und die neue Kammer stellte sich in der Kirchenfrage im Wesentlichen auf den Boden des früheren Ministeriums