einstimmt. Auf dem Bureau sind 317 Abgg. angemeldet. Das Haus ist mithin beschlußfähig. Nächste Sitzung, Donnerstag 11 Uhr. Tagesordnung: Wahl des Präsidenten und der Schriftführer. 2. Entgegennahme von Vorlagen der Königlichen Staatsregierung. Schluß 2 Uhr 40 Min.
* Die erste Plenarsitzung des Herrenhauses eröffnet Präsident, Herzog von Ratibor mit dreifachem Hoch auf den König. Der Namensaufruf ergiebt die Anwesenheit von 132 Mitgliedern des Hauses. Das Haus ist mithin beschlußfähig. — Der Präsident, Herzog v. Ratibor wird auf Antrag des Herrn von Kleist-Retzow durch Zuruf wiedergewählt und erklärt dankend die Annahme der Wahl; ebenso wird Hr. v. Rochow-Plechow durch Zuruf zum 1. Vizepräsidenten gewählt. Gegen die vom Herrn v. Kleist-Retzow beantragte Zurufwahl des Oberbürgermeister Bötticher- Magdeburg zum zweiten Vizepräsidenten, erhebt Prinz Hohenlohe-Jngelsingen, Widerspruch. In der darauf nöthig werdenden Stimmzettelwahl wird Herr Bötticher mit 128 Stimmen einstimmig gewählt und nimmt die Wahl an. Zu Schriftführern werden gewählt die Herren: Dietze, v. Neumann, v. d. Osten, v. Schöning, v. Klitzing, v. Reinersdorfs, v. Wiedebach und v. Pfüel. Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Uhr: Geschäftliches.
* Die Arbeiterschutzkommission des Reichstags berieth heute den vierten Abschnitt der Gewerbeordnungsnovelle, welcher die Verhältnisse der Fabrik- Arbeiter behandelt; § 134, welcher die Paragraphen anführt, welche für die Verhältnisse der Fabrikarbeiter maßgebend sind, ist unverändert aus der bestehenden Gewerbeordnung herübergenommen und passirte ohne Debatte. 134a bestimmt, daß für jede Fabrik eine Arbeitsordnung zu erlassen ist. §ier wurde auf Antrag von Stumm ein Zusatz beschlossen, wonach für jede einzelne Abtheilung eines Betriebes eine besondere Arbeitsordnung erlassen werden kann.
* Professor Koch wird das Ergebniß seiner Heilversuche wahrscheinlich in der Mittwochsitzung der Medizinischen Gesellschaft' vom 26. d. M. durch mündlichen Vortrag der ärztlichen Welt Berlins mittheilen. Ueber die Ergebnisse hat Koch zweimal dem Kaiser persönlich Bericht erstatten müssen. Dem Reichstag wird zunächst ein Antrag aus Bewilligung 500,000 Mark zu materieller Unterstützung weiterer (über die Tuberkulose-Heilung hinausgehender) Heilversuche von Infektionskrankheiten zugehen.
* Paderborn, 10. Nov. Auch in unserer alten Bischofsstadt hat der Ruf des katholischen Volkes nach der Rückkehr der Zesniten begeisterten Widerhall gefunden, das beweist der glänzende Verlauf der gestern Abend stattgehabten Volksversammlung. Den weiten, prächtig geschmückten Harmonie-Saal und die Galerie füllte eine Kopf an Kopf gedrängte Menschenmenge. Hr. Reichstags- und Landtags-Abgeordneter Hesse eröffnete die Versammlung mit dem christkatholischen Gruße, nachdem Hr. Weihbischof Dr. Augustinus Gockel nach kurzer Ansprache den bischöflichen Segen gespendet hatte. Hr. Propst Racke sprach in begeisterten Worten jiber das Ordenswesen der katholischen Kirche, worauf Hr. Landtags-Abgeordneter Humann aus Neuenkirchen in sachkundiger Weise die Vorgeschichte des Jesuitengesetzes erörterte und klarlegte, wie unbegründet alles sei, was die Gegner zur Rechtfertigung dieses Ausnahmegesetzes vorbrachten. In zündender Rede sprach dann Hr. Dr. med. Bickhoff aus Dortmund über die Sozial-Demokratie. Zum Schluß verlas Hr. Landgerichtsrath a. D. Hüffer die Petition um Aufhebung des Jesuitengesetzes. Dieselbe wurde einstimmig angenommen. Gleichzeitig wurden ähnliche Versammlungen abgehalten in Wesel, Euskirchen, Mayen, Neuß und Brilon.
finden und dem Ihres Herrn Gemahls zu fragen." — Felicitas stand noch unter dem Einflüsse der einfachen Erzählung, welche sie seltsam bewegt hatte. Sie antwortet daher nur kurz und zerstreut:
„Ich danke Ihnen, wir sind Beide gesund."
„Sie werden mich unbescheiden finden, wenn ich gestehe, daß ich eine andere Antwort erwartet habe."
„Durchaus nicht; Ihre offene Bemerkung thut mir sogar wohl, ja, es ist für mich eine unbeschreibliche Erleichterung, gegen Sie, als unseren Pfarrherrn, aufrichtig sein zu dürfen. Zudem sind Sie ja Herbert's besonderer Freund und werden mir rathen können. Ich will daher die Antwort auf Ihre Frage so geben, wie sie ja wohl deutlich aus unseren Mienen zu le;en ist — es geht uns nicht gut — wir sind nicht glücklich und fühlen Beide, daß wir uns getäuscht haben."
„Das bedauere ich höchlich," gab Pfarrer Werner ernst zur Antwort. „Schon um Baron Freidorf's willen wünschte ich, daß es anders wäre. Ich war anfänglich überrascht über den späten Schritt, welchen er that, aber ich dachte, er sei der Einsamkeit überdrüssig, und es müsse nun Frühling werden, Frühling für ihn und sein ganzes Haus."
„Wie kann der Lenz kommen, wenn man ihm den Einzug wehrt?" fragte die junge Frau.
„O doch; die echte, warme Frühlingssonne dringt durch, wäre der Boden auch noch so hart, und so i dringt ein fester, unermüdlicher Wille auch durch."
„Das mag sein; indeß Herbert's ganzes Wesen i scheint meine wohlmeinenden Versuche zurückzuweisen." j
Ausland.
* Wien, 10. Nov. Das Hinscheiden des Chefredakteurs des Wiener .Vaterland', des Hauptorgans der österreichischen Katholiken, Baron Vogelsang, hat in allen katholischen Kreisen sehr schmerzlich berührt, denn der Verblichene hat sich als katholischer Sozialreformer große Verdienste erworben und damit Schule gemacht. Er war ein geborener Mecklenburger und Protestant, konvertirte im Jahre 1850 und wurde im Jahre 1875 zur Leitung des ,Vaterland' berufen, in welcher Eigenschaft er eine reiche journalistische Thätigkeit entfaltete. Vogelsang, der ein Alter von 73 Jahren erreichte, ist den Folgen der Verletzungen durch Ueberfahren erlegen. — Das Ausgleichswerk in Böhmen droht immer mehr zu scheitern und scheint bereits von allen Parteien aufgegeben zu sein. — Die Regierung plant allem Anscheine nach Maßregeln zur Unterdrückung der Bewegung der „Vereinigten Christen und soll die Auflösung des Wiener Gemeinde- rathes bereits ernstlich erwogen sein. — Im ungarischen Abgeordnetenhause wurde die kaiserliche Hofhaltung auf's Heftigste angegriffen und eine eigene ungarische Hofhaltung verlangt. Diese Angriffe sind um so bedauerlicher, als der Kaiser zur Zeit in Gödöllö, also auf ungarischem Boden weilt. _____
Ans Stadt, Provinz und Nachbargebiet.
Fulda, 13. November.
* Der königl. Polizei-Kommissar Herr Zinkand Hierselbst wurde zum Stellvertreter des Amtsanwalts beim königl. Amtsgerichte ernannt.
* Der Direktor der Berliner Sternwarte, Dr. Förster veröffentlicht im ,Reichs anzei ger' einen Aufsatz über die Zukunft der öffentlichen Zeitangaben und Wetteranzeigen, worin er auf ein im Gange befindliches Unternehmen fördernd hinweist, welches die Errichtung von Annocensäulen mit Normaluhren und meteorologischen Anzeigen und dergl. bezweckt. Die Oberleitung des wissenschaftlichen und statistischen Theils dieser Einrichtungen übernimmt die Urania-Gesellschaft.
* Die Durchschnittspreise der höchsten Tagespreise für je 1 Centner Hafer, Heu und Stroh, welche für die Vergütung der im Monat November verabreichten Fourage maßgebend sind, lauten mit einem Aufschläge von fünf vom Hundert für die Lieferungsverbände Fulda, Hünfeld, Gersfeld und Schlüchtern wie folgt: Hafer 7 M. 30 Pf., Heu 2 M. 50 Pf., Stroh 2 M. 31 Pf.
* Die Klassifizirung und Besoldung der Beamten ist vom Proviuzialausschuß wie folgt festgesetzt. Der Gehaltstufen sind es sieben: Obere Beamte: Landes- räthe, Gehalt von 4000 bis 7000 M. Höhere Beamte: Assessoren, mit zweijähriger Probezeit, 2500 bis 3500 M. Subalternbeamte erster Klasse: Ober-Sekretäre, 3000 bis 4500 M. Hauptkassen-Rendant, 2400 bis 3900 M. Buchhalter, 2100 bis 3600 M. Sekretäre 1800 bis 3600 M. Registratoren, 1500 bis 3000 M. Subalternbeamte zweiter Klasse: Sekretariats- und Kassen-Assistenten, 1500 bis 2400 M. Kanzlisten 1350 bis 2250.
* Zur Koch'schen Heilmethode wird aus Frankfurt a. M. berichtet: Dr. Libbertz von hier, der mit Koch die neue Methode der Schwindsuchtsbehandlung praktisch ausübt, ist von Berlin zu kurzem Aufenthalt nach Frankfurt zurückgekchrt und hat dort einen nach dem neuen Verfahren behandelten Kranken vorgestellt, welcher 24 Stunden nach Anwendung des Mittels eine außerordentliche Besserung zeigte. Der
„Rechnen Sie nicht mit seinem Charakter, gnädige Frau. Ein Mann, wie er, ist gewiß nicht ohne Grund finster und ernst, ja vielleicht sehnt er sich gerade am meisten nach Ihrer aufheiteruden Gesellschaft, wenn er am verschlossensten scheint."
„Warum soll denn gerade ich und nicht er sich Mühe geben, mehr Wärme in unser Zusammenleben zu bringen?" fragte Felicitas ungläubig.
„Hat denn nur der Baron gelobt, Sie glücklich zu machen? Auch Sie haben es versprochen in Bezug auf ihn, gnädige Frau. Und bann denke ich, daß die Frauen mehr zum Edelmuth, zur Opferwilligkeir angelegt sind, als der stolze, starre Mannessinn; darum aber ist es auch an Ihnen, immer wieder zu versuchen, jenen durch Güte und Nachgiebigkeit zu brechen. Und noch Eins — ich weiß, Sie fühlen sich einsam. Wissen Sie genau, ob nicht auch er, Ihr Gatte, dieses beklemmende Gefühl der Verlassenheit in sich birgt, ob nicht auch er sich einsam nennt, mehr denn zuvor, selbst jetzt, da er es nicht mehr sein sollte?"
„Wohl, ich bin überzeugt, daß Sie Recht haben," entgegnete Felicitas versöhnt. „Was aber kann ich thun? Vor vielen Jahren befand ich mich in einer > ähnlichen Lage. Damals sagte man mir, Arbeit sei das einzige Mittel, um sich als nützliches Familienmitglied oder im eigentlichen Sinne des Wortes überall „Daheim" zu fühlen. Wo aber ist irgend eine zweckmäßige Beschäftigung in unseren Verhältnissen zu finden?"
„Arbeit, — gewiß, das war das beste und das richtige Wort", sagte ihr Begleiter gedankenvoll, „und
Jnjektionsstoff ist eine vollkommen durchsichtige, gelblich schimmernde, schwach nach Karbolsäure riechende Flüssigkeit. Nach den bisherigen Erfahrungen folgt auf die Operation eine Zunahme der Temperatur, dann Schüttelfrost mit Fieber, oft Erbrechen; die injizirte Stelle schwillt an; der Impfstoff tötet den Tuberkel - Bazillus und stößt die kranken Gewebe nach kurzer Zeit nektorisch ab; es bildet sich eine neue gesunde Haut und schon nach wenigen Tagen ist der Patient vollkommen hergestellt. Von maßgebender Seite erhält die .Franks. Ztg.' folgende Mittheilung: Die Veröffentlichung Kochs erfolgt in den nächsten Tagen. Der Impfstoff wird sofort sämmtlichen Aerzten unverweilt zugänglich gemacht. Der Preis des Fläschchens mit 20 bis 30 Jnjectionen ist vorläufig 25 Mark. Der Erfolg bei tuberkulösen Erkrankungen der Haut, Gelenke und Knochen, sowie bei frischen Fällen von Lungentuberkulose ist unbedingt sicher, inwieweit bei vorgeschrittenen Lungenleiden, wird die Erfahrung lehren. Die Koch'sche Methode ist von höchster Bedeutung für diagnostische Zwecke. Der Impfstoff tötet einzig und allein den Tuberkelbazillus. Auf Bergmanns Klinik in Berlin werden Tuberkelkranke bereits der neuen Behandlnng unterzogen und sind erfreuliche Heilerfolge zu verzeichnen, während nicht tuberkulöse Krankheitserscheinungen unverändert blieben und auch keinerlei Reaktion, Fieber u. s. w. auf das angewandte Mittel zeigten. Koch selbst hat einen Fall von Lupus des Gesichts und der Arme nach fünf Tagen ohne Knötchen oder Narbe völlig geheilt. (Lupus — chronische Entzündung der Haut, die Theils Narben hinterläßt, Theils aber auch zur völligen Zerstörung des erkrankten Organs führen.)
* Erledigte Stellen für Militäranwärter im Bezirk des 11. Armeekorps. Eisenbahndirektion Frankfurt (Main) , Königl. Hauptwerkstätte, Magazinaufseher, beim Eintritt auf Widerruf, später auf Kündigung, vorläufig 75 Mk. Monatsbesoldung. Hanau (Stadtverwaltung), Stradtraih, Hilfsthurmwächter, auf Kündigung, 480 Mk. jährlich. Eisenbahnbetriebsamt Kassel, Telegraphenaspirant, auf einmonatliche Kündigung, später auf Lebenszeit, 80—100 Mk. Monatsbesoldung. Witzenhausen, Polizeisergeant und städtischer Vollziehungsbeamter, auf Kündigung nach Maßgabe § 56 der Hessischen Gemeindeordnung vom 23. Oktober 1834, 500 Mk. jährlich. Im Bezirk der Großh. Hessischen (25.) Division: Darmstadt, Großh. Ober- Staatsanwaltschaft Darmstadt, Gefangenwärter am Gefängniß in Darmstadt, auf Widerruf, eine bare Remuneration von 1000 Mk. jährlich.
lqj Die gestrige Versammlung in Weyhers, zu welcher der Laudtagsabgeordnete des Kreises Hünfeld- Gersfeld, Herr Dasbach, erschienen war, verlies für alle Anwesenden in einer höchst zufriedenstellenden Weise. Dieselbe war von Nah und Fern sehr gut besucht. Die Versammlung zeigte sehr bald, daß der Abgeordnete und seine Wähler in allen wichtigen Fragen, welche jetzt auf der Tagesordnung stehen und welche ganz besonders die Landbevölkerung berühren, durchaus einig sind. Es entwickelte sich eine sehr interessante Debatte oder vielmehr gegenseitige Meinungsäußerung, bei welcher man mit Befriedigung wahrnehmen konnte, mit welcher Sachkenntniß einzelne Wähler, besonders Mitglieder der Bauernvereine, die heutige Lage des Landvolkes beurtheilen, und daß sie genau wissen, was dem Sanbmanne frommt. Anderentheils lieferte die Versammlung einen neuen Beweis dafür, daß der Wahlkreis in Herrn Dasbach einen vorzüglichen Anwalt seiner Angelegenheit gefunden hat. Es zeigte sich dies ganz besonders in den überaus praktischen Rathschlägen, die er in Angelegenheiten der Gemeinden und des Kreises ertheilte. Er besitzt ein praktisches sie liegt vor Ihnen, heute noch, vielleicht Ihr ganzes Leben lang, wie ich es bei Baron Freidorf's Charakter befürchten muß. Es gibt eine Arbeit des Herzens, welche weit schwerer als körperliche Anstrengung ist. Sie ist ein stetes Mühen und Ringen um das Wohl Derer, deren Glück wir zu fördern gelobt haben.
„Welchen Werth hat auch im Grunde das Leben, wenn es nicht dazu dient, mit ihm ein besseres zu gewinnen? Und nehmen wir an, wir hätten, wie Do- rothe, vierzig Jahre lang uns die Seele gleichsam wund gestoßen an den scharfen Ecken und Kanten, welche uns die Charaktere Anderer entgegenhalten, — was ist's, wenn wir uns am letzten Abend sagen können, „Du hast den Himmel verdient?"
„Ich weiß, daß ich so zu Ihnen sprechen durfte. Meine Hand hat das Band gesegnet, welches Sie Beide umschließt, und ich wünschte, daß es kein drückendes werde. Doch nun, Gott mit Ihnen, Fran Baronin; hier biegt mein Weg in den eigentlichen Wald- psad ein."
Felicitas athmete hoch auf. Sie reichte dem scheidenden Pfarrer die Hand und sagte ernst:
„Leben Sie wohl, Herr Pfarrer, Ihre Worte haben mir so gut gethan. Ich glaube, ich besitze nun den Muth, auch meine Arbeitswoche anzutreten — sollte sie auch so lange währen, wie die der armen Dorothe. Der Ruheplatz auf dem Kreuzbänkchen ist mir zum Segen geworden, Ihnen aber gab er Gelegenheit, auf Ihrem ernsten Gange zweien Menschen wohlzuthun." (Forts, folgt.)