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Freitag, den 7. November 1890.

17. Jahrgang

M 257

Fuldaer Zeitung

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (31. Dillmann).

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

schuld daran.

Steinfliesen feuchtkalter Schimmer bedeckte. Fröstelnd

blickte durch das runde Bogenfenster, in dessen Nähe

I

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Treue meiner die Erhaltung aber waren in

ihr Bett stand. Sie sah nicht das zerrissene Gewölk des Himmels, vor ihren Augen stand ein Sommer­nachmittag, eine Thüreinfassung mit regenschweren,

schluß durchsetzte, der die religiösen Orden in Preußen mit einem Schlage vernichtet haben würde. Die da­malige preußische Regierung widersetzte sich aber diesem Beschlüsse der Kommission und erkannte die ver­fassungsmäßige Daseins-Berechtigung der geist­lichen Genossenschaften in Preußen — ohne irgend­welche Ausnahme — unumwunden an. Indessen fand im Landtag von 1869—70 die Klosterfrage noch keine endgiltige Erledigung; man schreckte noch vor der

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voller Wahrheit sagen konnte: „Der katholischen Unterthanen habe ich meines Thrones zu danken." Damals Preußen die Jesuiten zugelassen.

Die Katholiken sind wahrlich nicht

Lande d»s Prinzen erzählen hörte, denn sein Land war auch ihre Heimath.

Einst gab die Prinzessin ein großes Fest. Und sie war so wunderschön, daß sie aussah wie eine Fee. Das Mädchen sah dem Feste von Weitem zu, und wie es so dastand und an sein Vaterhaus dachte, da kam auf einmal der Prinz und fragte, ob es mit ihm in sein Schloß ziehen wolle. Es bangte ihm zwar vor dem fremden Manne, aber es dachte an den alten, kranken Vater daheim und sagte „Ja". Indem schritt die Prinzessin vorüber und dem Mädchen dünkte es, als ob ihr finsterer Blick Unheil bedeute, aber es hoffte und vertraute und bald darauf sollte — wurde die Hochzeit gefeiert."

„Und wenn sie nicht gestorben sind, s» leben sie heute noch," vollendete Elena schlaftrunken.

„Ja, und dies ist zufällig bei Beiden der Fall," schloß Felicitas leise, indem sie aufstand und geräusch­los ihr nebenanliegendes Zimmer betrat.

Es war ein enger, unbehaglicher Raum, dessen

* Die Geschichte des Iesuitengesetzes verdient gegenwärtig, wo innerhalb der katholischen Bevölkerung eine mächtige Bewegung für die Auf­hebung dieses Gesetzes sich geltend macht, eine besondere Beachtung. Der jüngeren Generation sind die Vor­gänge vor dem Erlaß des Jesuitengesetzes wenig be­kannt; bei der älteren, welche diese stürmische Zeit miterlebt und durchgekämpft hat, sind sie theilweise in Vergessenheit gerathen. Sind doch heute schon mehr als 18 Jahre verflossen, seit man die Jesuiten und die „verwandten" Orden durch ein drückendes Ausnahmegesetz geknutet hat.

Als König Wilhelm I. bei der Krönung (18. Ok­tober 1861) seiner Genugthuung darüber Ausdruck gab, „die Verhältnisse der katholischen Kirche für den Bereich feines ganzen Staates durch Gerichte, Gesetz und Verfassung wohlgeordnet zu wissen", konnte er darauf rechnen, daß diese Worte in den Herzen seiner katholischen Unterthanen dankbare Anerkennung fanden. Nach dem Zeugnisfe des Fürsten Bismarck herrschte damals in Preußen „ein von ganz Europa beneideter konfessioneller Frieden" — der auch die segensreichsten Folgen zeitigte, wie schon Friedrich Wilhelm IV. nach der Revolution von 1848 mit

daß an die Stelle des Friedens der Kampf gesetzt worden ist. Der Liberalismus wollte nicht den Frieden und die „wohlgeordneten Verhältnisse". Schon vor dem Jahre 1870 war der Plan eines Angriffes gegen die katholische Kirche fertig. Am 20. September 1869 brachte ein Berliner Buchbinder Krebs, offenbar eine vorgeschobene Persönlichkeit, im preußischen Abgeord­netenhause einen Antrag auf Aufhebung sämmt- licher Klöster ein, nachdem kurz vorher in Berlin der „Moabiter Klostersturm" — in Moabit, einem Stadttheil in Berlin, besitzen nämlich die Dominikaner ein Klösterchen — ins Werk gesetzt war. Der Antrag gelangte an die Petitionskommission des Abgeordnetenhauses, wo der nationalliberale Abg. Dr. Gneist sich zu seinem Anwalt erhob und einen Be-

I Episkopat den Jesuiten öffentlich das glänzendste Zeug- I niß. Es half alles nichts. Schon die Wahl des Abg.

Dr. Gneist zum Berichterstatter über die „Jesuiten- Petitionen" zeigte, was zu erwarten stand: die Ver­treibung der Jesuiten war eine längst beschlossene Sache. Eine beträchtliche Mehrheit im Reichstage forderte die Regierung zur Vorlegung eines Jesuitengesetzes auf. Fürst Bismarck, dem der Reichstag sonst wenig „impo- nirte", willfahrte diesem Wunsche, und schnell. Am 14. Juni 1872 gelangte der Gesetzentwurf zum ersten Male zur Berathung, am 4. Juli wurde das Gesetz vom Kaiser in Bad Ems unterschrieben und publi- zirt, und schon am folgenden Tage folgte ein Ministerialerlaß über die Ausführung des Jesuitenge- fetzes, der über das Gesetz selbst weit hinaus ging, indem derselbe den Jesuiten jede priesterliche und seel- sorgerliche Thätigkeit, speziell das Beichthören, Messe­lesen, Abhalten von Missionen u. s. w. unbedingt ver­bot. Ein Jahr später (20. Mai 1873) wurde das Jesuitengesetz auch auf die Redemptoristen, Lazaristen, ! die „Väter vom hl. Geist" und die „Gesellschaft vom hl. Herzen Jesu" (Sacre coeur) ausgedehnt.

Diese Vorgeschichte des Jesuitengesetzes bildet zu­gleich eine vernichtende Kritik desselben. Dieses Aus­nahmegesetz erfolgte nicht wegen begründeter Anklagen gegen die Jesuiten, sondern es wurde geschaffen von einer freimaurerisch-kirchenfeindlichen Strö­mung (vgl. Bluntschli's Schreiben gegen die prote­stantischen Jesuiten) in Verbindung mit staatsabsolu­tistischen Bestrebungen und der bekannten protestan­tischen Jesuitenfurcht'1(die ein Zeichen innerer Schwäche ist). Die Zeiten haben sich inzwischen geändert. Die „Kriegsstimmung" gegen die katholische Kirche ist zwar nicht verschwunden, aber doch sehr gedämpft. Ein ge­waltiger und wirklicher Feind ist erstanden. Wie es scheint, wird das Windthorst'sche Wort in Erfüllung gehen, daß die Sozialdemokratie die Jesu­iten in's Land zurückbringen wird.

Zwanzig Redner haben damals im Reichstage fünf Tage lang die Nothwendigkeit des Gesetzes zu begrün­den versucht; aber allen ist es schließlich ergangen, wie dem liberalen Redner, welcher zugestehen mußte, per­sönlich seien die Jesuiten ganz achtbare und ehrliche Leute. Gleichwohl hat man ihnen das Recht versagt, welches jedem Vagabunden zugestanden wird, nämlich vor einem ordentlichen Richter sich zu verantworten und zu vertheidigen. Ungehört hat man sie verurtheilt und statt wirklicher Gründe ersann man Phrasen und Lügen, um diese Handlungsweise zu begründen. Es soll ein Nothstand vorhanden gewesen sein, gleich nach den beiden großen siegreichen Kriegen! Ja wohl, ein Nothstand an Gründen! Die Jesuiten haben in den Jahren 1852—1872 unter uns gewirkt, zwanzig Jahre, und der preußische Staat ist nicht zu Grunde gegangen.

Sonnenried.

Roman von Marga Brechten. >

(5. Fortsetzung.)

V.

Sie huschte die Treppe hinauf, durch die langen, öden Korridore des Seitenflügels, bis sie endlich athemlos in dem weiten Gemache stand, das die kleine Elena, Graf Feodor's Töchterchen aus. zweiter Ehe, bewohnte. Ein hellflackerndes Kaminfeuer verbreitete eine behagliche Wärme und verband seinen Schein mit dem milden Licht der brennenden Nachtlampe.

Als die Thür aufging, erhob sich die alte russische Amme, welche in einer Ecke gekauert hatte, und schlich brummend hinaus. Die junge Erzieherin eilte an das Lager des Kindes, dessen leises Weinen sie schon draußen vernommen hatte.

„O, bist Du endlich da, Fräulein Fely? Ich konnte nicht schlafen, es war so unheimlich hier! Nadine schlief die ganze Zeit und ihre Haube bildete einen fo fürchterlichen Schatten an der Wand, wenn sie mit dem Kopfe nickte."

Felicitas nahm die heißen Händchen in ihre kühlen Hände und beruhigte die Kleine.

„Warum hast Du Nadine nicht geweckt, mein Herz?"

offenen Beseitigung der durch die Verfassung gewähr­leisteten Freiheit der katholischen Kirche und ihrer Orden zurück.

Warum? Das hat am 25. November 1873 der Abg. Lasker ausgeplaudert, als er sagte, man habe den Kampf gegen die katholische Kirche nicht früher aufnechmen dürfen, als „bis das Dach gewölbt war über das gemeinsame Reich." Man wollte eben die preußischen Katholiken eben so wie die süddeutschen Katholiken nicht zurückstoßen, und darum wurde die vorhandene Kampfesstimmung unterdrückt — bis die Süddeutschen gewissermassen eingefangen seien. Nachdem die katholischen Soldaten auf den Schlachtfeldern Frankreichs für die Einheit Deutsch­lands gekämpft und geblutet hatten, nachdem der „äußere" Feind bezwungen war, wurde der „innere" Kampf gegen den „inneren Feind", gegen die Katho­liken, gegen die katholische Kirche ausgenommen. Ehe die Katholiken sich dessen versahen, brach der Sturm los. Während die „evangelischen" Kräfte zum Feld­zug über die Alpen „gegen Rom" sich rüsteten, leitete Fürst Bismarck den „Kulturkampf" ein, an dessen Beginn er zunächst das Centrum zu sprengen ver­suchte. Dann wurde die katholische Abtheilung im Kultusministerium aufgehoben der Kanzelparagraph (lexLutziana) gefd)affen und die traurige „Aera Falk" mit dem Schulaufsichtsgesetz eröffnet. Am 14. Mai 1872 richtete Fürst Bismarck die später von Arnim veröffentlichte „Papstwahldepesche", oder, wie man sie auch schon genannt hat, dje „Stoß-ins-Herz"- Depesche gegen das Papstthum an die Vertreter des deutschen Reiches bei den auswärtigen Höfen. Die erbitterten Feinde der katholischen Kirche witterten „Morgenluft" und begannen eine regelrechte Jesuiten­hetze. Schon im September 1871 hatten die „Alt­katholiken" auf dem Kongreß in München eine Resolution gegen den Jesuitenorden und dessen „korrumpirende Moral" beschlossen und ebenso beschloß in Darmstadt der deutsche Protestantentag, d. h. die Versammlung der Protestantenvereinler, die nichts „Korrumpirendes" darin finden, daß ihre Prediger offen und in der Kirche die Gottheit Christi leugnen. Präsident dieses Pro­testantentages war der badische Großlogenmeister Bluntschli, welcher am 8. Oktober 1871 an die Freimaurer ein geheimes Rundschreiben zum Zwecke der Organisation einer Jesuitenhetze erließ. Dasselbe hat insofern noch ein besonderes Interesse, als es „so-, wohl gegen die Jesuiten in der römischen als in der protestantischen Kirche" gerichtet ist.

Der herannahenden Gefahr schaute aber das katho­lische Volk nicht müßig zu. Bald erhob sich in den I katholischen Landestheilen ein wahrer Petitions- | sturm zu Gunsten der Jesuiten. Und zugleich mit Papst Pius IX. gab fast der gesammte deutsche

„Tas lhat ich oft, aber dann sagte sie immer: I „'Gleich, mein Seelchen!" und nickte wieder ein. Und draußen auf dem Gange ging Jemand."

„Nein, meine Elena, das war Nichts. Bete nur noch einmal Dein Abendgebet, — so, und nun will ich bei Dir bleiben, bis Du einschläfst."

„Ja, aber Du mußt mir noch ein Märchen er­zählen und Dich ganz dicht hersetzen."

„O, Kind, ich weiß heute Abend keines," sagte das müde Mädchen.

„Doch, Du weißt immer! Du willst nur nicht," schluchzte Elena.

Felicitas seufzte; dann begann sie in flüsterndem Tone:

„Es war einmal ein König, weit drüben im Ural­gebirge. Der wohnte in einem prächtigen Schlosse und hatte eine wunderschöne Tochter. Die nahm ein armes Mädchen in ihre Dienste, das arbeitete, so viel es nur konnte, um die Prinzessin zufrieden zu stellen — es war aber umsonst. Einst kam ein fremder Prinz, weit her aus einem fernen Lande. Er war nicht mehr jung, .......—

aber gut und, wie die Prinzessin sagte, sehr reich. Sie wickelte Felicitas die dünne Bettdecke um sich ^und ließ sich alle Abende von seiner Heimath erzählen, während das fremde Mädchen nicht weit davon in einer Ecke saß und für seine Herrin stickte. Oft fielen heiße Thränen auf die Arbeit, wenn sie von dem