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JV 254.

Dienstag, den 4. November 1890.

17. Jahrgang

«ierteljähtticher «»annementSprei» ohne vriuger- lohn «nd Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' m Fulda und au-wär» 1 Mark 50 Pfennig.

„Dort kommt meine Schwester," sagte FelicitaS hastig. „Ich muß jetzt gehen."

„Das bedauere ich," erwiderte der Fremde. „Woll­ten Sie mir nicht zum Abschiede Ihren Namen sagen, wenigstens Ihren Vornamen? — Es würde das Wiedersehen erleichtern."

„Ich — ich heiße Felicitas."

„Welch schöner, glückbedeutender Name! Er wird für immer in meinem Gedächtnisse haste». Möchte cmck dem meinigen eine kurze Erinnerung zu Theil werden, — ich heiße Jhno."

„Jhno," wiederholte sie leise, wie um sich das Wort fest einzuprägen; „Jhno — wie seltsam!"

„Ja, sehr," lächelte der ausdruckvolle Mund. „Lr ist friesischen Ursprungs, wie ich glaube. Man rühmt den Friesen eine schöne Eigenschaft nach; ob sie sich an uns bewahrheiten wird?"

„Vielleicht," antwortete Felicitas zerstreut. Sie wußte nicht recht, was er meinte, und legte nur flüch­tig chre kleine Hand in die dargebotene Rechte. Dann riß sie einen Buchenzweig von dem nahen Gebüsch und eilte den schlüpfrigen Pfad hinab. I

Bald darauf war die Eremitage verlassen.

n.

Noch an demselben Abende klopfte Felicitas an Tante Josephens Zimmer. Die alte Dame blickte

Sonnenried.

Roman von Marga Brecht en.

(2. Fortsetzung.)

Das Wetter hatte sich unterdessen aufgeklärt. Der Himmel zeigte an einzelnen Stellen das durchsichttge Blau; die Luft wehte frisch und erquickend, und von den Säumen tröpfelte der Regen in immer größeren Zwischenräumen herab.

Sie standen nebeneinander und sahen hmunter nach dem stillfluthenden Rhein und dem gegenüber liegenden Städtchen, dessen alte Burg sich wunderbar deutlich von dem grünen Rebengelände abhob. Wie schön, wie entzückend schön war dies Bild im Rahmen des tief­grünen, von den Regenttopfen glitzernden Eichenlaubes.

„Wenn Sie später auf dieser schönen Erde eine Ihnen zusagende liebe Stätte gefunden haben," begann der Fremde wieder, „so fügt es wohl ein gütiges Ge­schick, daß wir einander wieder begegnen. Möchten mir dann diese Augen, welche ich zum ersten Male m Thränen schwimmend gesehen, mit zuftiedenem Lächeln entgegen strahlen!"

Das junge Mädchen blickte schweigend den Abhang hinunter. Au dem äußersten Ende des Waldweges zeigte sich jetzt eine schlanke Gestalt — es war Illa, welche ihr Helles Sommerkleid graziös zusammenfaßte.

wmdigkeit einer gewiflm ParteidiSziplin nicht tm Stande, mit Erfolg uns auf unsere Aufgabe hinzu­weisen, lo muß die Erinnerung daran, was unser Stand, unsere persönlicheWürde undMannes- ehre von uns verlangen, unbedingt ein sicherer Wegweiser für uns sein. (Bravo!)

Es ist ja wahr: nicht bloß die Rabulisten aus bösem Willen, sondern auch die Besorgnisie der Furcht­samen, die Kritteleien der Kurzsichtigen, die über ihren Kirchthurm nicht hinausblicken, die Verwerfunasuttheile der Trägen, denen nur wohl ist, wenn Alles beim Alten bleibt, wie es ist, und die immer schön still in der Stube sitzen bleiben, sind tote giftige Schlangen um die Wiege unserer Presie gettochen. Und auch jetzt noch setzt Mancher sich auf daS hohe Roß, hat ein ver­ächtliches Achselzucken und ein hochmüthiges Besserwissen­wollen, ohne je daran zu denken, es wirklich bester zu machen. Alle diese traurigen Erfahrungen und Hinder­nisse sollen uns nicht entmutigen, sondern nur ermutigen. „Singe, wem Gesang gegeben," so ruft der Dichter. Ich aber rufe meinen Gesinnungs­genossen zu: Schreibe, wem die Kunst des Schreibens gegeben. Wer mit Witz und Humor schreiben kann, der thue es, wer mit Geist und Kenntniß der Vergangen­heit und Gegenwart schreiben kann, der thue es, wer aber erst mit Tiefe, Kraft und heiligem Feuer ausge­stattet ist, der höre nicht mehr auf, seine Feder in Bewegung zu setzen. Ueberall aber herrsche Wahrheit und Klarheit! Und wenn der berühmte Staatsmann im Sachsenwalde, als er noch in voller Thätigkeit die Geschäfte leitete, dennoch Zeit fand, sehr oft einem Blatte feine Gedanken anzuverttcmm — an der Tatze erkennt man immer den Löwen — und wenn der : seeleneifrige Kirchenfürst auf dem Stuhle zu Mainz, der unvergeßliche Frhr. von Ketteler, trotz seiner um­fangreichen Arbeiten es für angemesfen erachtete, in der Presse thätig zu sein, können wir uns dann mit Mangel an Zeit entschuldigen und es für unvereinbar mit unserer Ehre hinstellen, wenn der gebieterische Ruf an uns ergeht, gemäß Pflicht und Gewissen unsere Blätter mit Korrespondenzen zu unterstützen? (Lebhaftes Bravo!)

Insbesondere meine Mitbrüder möchte ich dringend ersuchen, nicht bloß zur Feder zu greifen, um dann und wann einen Artikel über eine Firmung oder Primiz zu schreiben. Das ist ja schon recht und gewiß nicht zu tadeln; hier aber gilt das Wort: DaS Eine muß man thun und das Andere nicht lasten. Es gibt noch viele Anlässe, um journalistisch thätig zu sein. Fehlerlos ist keines Menschen Werk, daher auch nicht unsere Presse; eS verräth aber eben deßwegen wenig Gerechtigkeitssinn und kein gutes Herz, um den Mängeln nachzuspüren und die Lauge der Kritik darüber aus- zuschüttm. Schauren wir uns im Gegentheil zusammen,

um unsere gute Presie noch bester zu machen. Je rascher und gründlicher sie bedient wird, um so bester. Alle ollm mitwirken; insbesondere die Herren Juristen önnm da zeigen, daß sie keine schlechttn Christen sind, und die Herren Aerzte würden sich unzweifelhaft bleibende Verdienste erwerben, wenn sie uns in den 1 Stottern nähere Aufklärung über die Urfache, den Bel­auf und die Heilung der vielfach noch herrschenden poliüschen Kinderttaucheit der Kutten- und Jesuiten­angst geien würden. (Heiterkeit.)

Unsere Presse kann allerdings nicht ihre Srnnd- ätze darin sehen, grundsatzlos za sein, sie !ann ihren Charakter nicht darin sehen, charakterlos zu sein. Sorgen wir dafür, daß wir immer daS Recht auf unserer Seite haben und auch an dem Gegner kein Unrecht Üben. Wir pflegen dm wahren Patriotismus, ohne in pharisäischer Selbst­überhebung Andern ihn abzusprechm, und sind wir auch heute mit freubigem Hochgefühl eingedenk hier )c8 weltberühmten Schlachtendenkers und Schlachten­lenkers pnd uneigennützigen BaterlandsfteundeS Moltke. (Lauter Beifall.) Wir wünschen und ersttebm gleiche Sonne, gleiches Licht, gleiche Luft, gleichm Wind und gleiches Wetter. Allem Wlsienswerthen, Großen, Er­habenen, Schönen und Menschenwürdigen in Welt und Kirche, Staat und Gesellschaft, Natur und Kunst soll sie nachgehen. Und besonders die hochbedeutende Frage, welche im Augenblicke die Welt durchzuckt, der unsere Presse immer Aufmerksamkeit geschenkt hat, muß mit neuem Eiser i* Behandlung genommen werden. Seit­dem die Häupter von Staat und Kirche in hochherziger Weise einen so wahren Appell an alle Klassen der Gesellschaft gerichtet, an der Lösung dieser weltbewegen­den Frage mitznwirkm, wäre es geradezu Pflichtver- gesteuheit, diesem Rufe nicht Folge zu leisten — un­bekümmert um die engherzigen und beschränkten Nörge­leien und Kritteleien ans dem oder jenem Krähwinkel.

Deutsches Keich.

Berlin, 1. November.

* Der Minister des Innern, Herfnrth, macht be­kannt, daß der Kaiser dm aus den 12. November be­rufenen Landtag an diesem Tage Mittags 12 Uhr im Weißm Saale des hiesigen Schlosses persönlich eröffnen wird.

* Das Dankschreiben des Grase« Miltke an den Oberbürgermeister von Berlin lautet:

Hochgeehrter Herr Bürgermeister! Wie Sie an meinem Geburtstage die gemeinschaftliche Adresse der deutschen Städte und der Haupt- und Residenzstadt Berlin mit überreichten, habe ich meinen tief empfundenen Dank für die hohe, mit dadurch erwiesene Ehre schon persönlich Ihnen und den übrigen an­wesenden Herren aussprechen können. Gleichzeitig durste ich Ihnen, als dem ersten Vertreter der Stadt, für den großartigen Fackel­zug danken, den Berlin mir am Abend vorher gegeben hatte.

forschend in das erhitzte Gesicht ihrer Nichte, welche schüchtern und ernst ihr Anliegm vortrug.

„Ist das eine Laune oder ein wohlüberlegter Ent­schluß ?" fragte sie überrascht. -

„Mein fester Entschluß Tante. Bitte, spnch Du mit dem Vater."

„Soll geschehm, Kind. Schon morgen, toeitn es sein "kann. Setz' Dich näher an den Tisch und höre, was ich davon halte."

„O, Tante, das weiß ich schon! Du willst sagen, daß ich noch viel..."

„Zu jung wärst, nicht? Nein, Mädchm, da bist Du im Jrrthume. Ich will sagen, daß dies der ver­ständigste Beschluß ist, welchm Du fafien konntest. Mich wundert nur, daß Du nicht früher darauf ge­kommen bist! Siehst Du, Ihr habt alle drei kein Ver­mögen. Der Vater ist leidend. Es wird vielletcht bald die Zeit kommen, wo er in dm Ruhestand zu treten wünftht, und dann ist'S gut, wenn Ihr versorgt seid, denn so eine Pension ist ein gar knappes Ding, lieber« dies ist es ja nun einmal Dein Beruf."

„Rein, liebe Tante, das ist es nicht. Die Berhält- msie" drängten mich in jene Thätigkeit, und die Ettern meinten, eS fei eine Versorgung für die Zukunft."

Nun, wie dem auch fei, — das bleibt sich ja eigmtlich ganz gleich. Die Hauptfache ist nun, daß

Die Kedeudmg der Katholischen Dresse legte vor Kurzem auf der Landesverfamrnlimg der badifchm CentrurnSpattsi zu Karlsruhe Herr Stadt- pfarrer Hiß in einer rechtbeachtenswetthmRede dar, welcher wir folgende Ausführungm entnehmen: ,

lieber die Nothwmdigkeit einer Presie für unfere Sache zu schreiben, heißt eigmtlich Tinte vergeuden, und über diese Nothwmdigkeit zu reben, heißt eigmt­lich Wasier in beit Rhein unb Holz in ben Walb tragen. Was ein Garten ohne Blumen, eine Rose ohne Duft unb ein Sänger ohne Stimme, bas ist hmtzutage eine Pattei ohne Presie. (Bravo!) „Weil bie Lüge," er­innert schon der Altmeister Göthe, „immer wiederholt wird, ist es nothwmdig, immer wieder von neuem die Wahrheit zu sagen!" Geschieht das nicht, sei es aus Kurzsichtigkeit, Gleichgiltigkeit oder Pflichtvergesimheit, so werden diese Eintagsfliegen langweilig unb bie Zei­tungslügen über Kurz ober Lang sich zu Geschichtslügen verdichtm, so baß bie bekannten drei Freunde mit ihrer Arbeit des Widerlegens gar nicht zu Ende kommen.

Wie von der atmosphättschen Lust sind wir rings von der Phrase und Lüge umgeben; wir sind an dieses weiche, schmeichelnde, tückische Fieber so gewöhnt, daß jeder scharfe Windzug von dm Hohen uns angenehm berührt und wir gar nicht merken, wie es unfer ge- funbes Blut vergiftet, unfer Auge blöde, unser Ohr taub macht und unfere Mannesttaft entnervt und tobtet. Da thuf es noth, in Rede und Schrift, in Versamm­lungen und Presse, die Hohlheit der Phrase aufzudecken, dem Angriffe die Vertheidigung entgegenzustellen, die Lüge zu entlarven und der Wahrheit fort und fort Zeugniß zu geben. Was wir alle wünschen und ver­langen, soll unsere Presie aussprechen; was uns alle drückt und plagt, darf nicht verhohlen bleiben. Frei- müthig muffen unsere Blätter sein. Die solchem Frei- muth entgegenarbeiten, machen sich verdächtig, daß das Bewußtsein eigener großer Schuld sie drückt; „wer recht handelt", sagte schon der große Gorres, „scheut nicht die offene Rede." (Bravo!) In Gedanken­losigkeit unb Gutmüthigkeit haben wir Katho­liken durch Abonnement, Jnseriren unb Mitarbeiter­schaft den Gegnern des Christenthums bewußt ober unbewußt die Arbeit des Speichentteters an dem Wagen der Presie besorgt. Wir haben selbst an jener Geißel mit geflochten, mit welcher wir hmte unbarmherzig geschlagen werden, und es gibt leider heute noch Mil­lionen von Namenskatholiken, welche den Stock den erbittertsten Gegnern in die Hand drücken, damit diese uns um so besser klopfen können. Ist die Ueberzeugung von der Bedeutung der chttstlichen Presie in unseren Tage», das Bewußtsein davon, was wir dem Gewissen, den heiligsten Gelöbnissen, dem Staat, dem Volk und ihrem Oberhaupte schuldm, der Gedanke an bie Noth-

Fuldaer Zeitung

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