JM 249.
Dienstag, den 28. Oktober 1890.
17. Jahrgang
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* Krieg dem Zentrum.
Die von Bebel zu Halle ausgegebene Parole „Krieg dem Centrum" hat ihren Widerhall gefunden in sämmtlichen sozialdemokratischen Blättern. Offen gestanden bedurfte es dieser Parole nicht einmal; denn schon seit Beginn des Sozialismus hat das Centrum ihm gegenüber eine Stellung eingenommen, die klar und deutlich darthat, daß Sozialismus und Katholizismus niemals sich verquicken können und werden. Die Sozialdemokratie hat sich gehütet, vor der Aufhebung des Sozialistengesetzes offen zum Kampfe herauszufordern. Da das nun aber geschehen ist, nehmen wir den Fehdehandschuh auf, verlangen aber, daß dem frei gewordenen Sozialismus auch eine freie, nicht durch Ausnahmegesetze fernerhin noch geknechtete Kirche sich entgegenstellen kann, daß. auch die ausnahmegesetzlichen Bestimmungen gegen V.v katholische Kirche in die Rumpelkammer wandern, wohin sie gehören!
Die liberale Presse jubelt, daß die Sozialdemokratie die liberale Presse gegen uns ablöst. Aber wir fürchten, daß dieser Jubel verfrüht ist. Die liberale Partei hat in dem Krieg gegen das Centrum ihre Kräfte erschöpft und hat stellenweise die Herrschaft an die Sozialdemokratie abgeben müssen. Sind doch die meisten sozialdemokratischen Wahkreise früher liberal vertreten gewesen! Angst wird uns ob des Kampfes der Sozialisten gegen uns nicht. Wir nehmen den Kampf an mit der festen Zuversicht, daß dasselbe Centrum, an dem Bismarck, Falck, v. Lutz ihre harten Schädel eingerannt, derselbe Thurm, der bis heute weder wankte noch wich, auch dem neuen, oder vielmehr dem alten heimlichen Feinde Stand halten wird. Mögen immerhin Einige der Fahne Windt- horst's untreu werden — es sind dies nur Personen, die innerlich nie ganz zu uns hielten — wir sehen getrost der Zukunft entgegen.
Wie die Sozialdemokraten vorgehen werden, das kann man aus allen ihren bisherigen Thaten und Worten entnehmen. Bebel hat früher bereits im
„Ave Maria."
Reiseerlebnisse aus dem „wilden Westen" Nordamerikas von Carl May.
(25. Fortsetzung.)
Mit diesen Worten bestieg ich den Schwarzschimmel wieder. Die Anderen folgten. Der Apache ritt an der Spitze und verwendete keinen Blick von den Spuren der Verfolgten. Man hätte ihn wohl tobten, nicht aber von dieser Fährte abbringen können, eine solche Erbitterung hatte sich unser Aller bemächtigt. Wir waren vierzig gegen achtzig Mann, aber in einer solchen Stimmung zählt man die Gegner nicht.
Wir hatten noch volle drei Stunden Tageslicht und legten während dieser Zeit eine so große.Strecke zurück, daß wir mit den ungewöhnlichen Leistungen unserer Pferde höchst zufrieden sein konnten. Dann gönnten wir ihnen die so wohlverdiente Ruhe.
Am andern Tage zeigte es sich, daß wir die Ogel- lallah drei Viertel einer Tagereise vor uns hatten, und später bemertten wir, daß sie ihren Ritt während der ganzen Nacht fortgesetzt hatten. Der Grund zu dieser Eile ließ sich errathen. Winnetou hatte beim Hebet« raße seinen Namen in die finstere Nacht hinausgerufen; sie wußten, daß man sie verfolgen werde; sie wußten den Apachen hinter sich, und das war Grund, eilig u fein.
Reichstage erklärt, daß er den Katholizismus als den Todfeind seiner Partei bettachte. Die Agitatoren werden voraussichtlich Anfangs vorzugsweise in den weniger sicheren Kreisen, in den größeren Städten und in den Jndustrieceutren auftauchen. Und da sie nach Bebel das Geschäft des Untergrabens gründlich gelernt haben, so werden sie wohl zunächst die rothe Fahne hübsch in der Tasche behalten, erst den harmlosen, biederen „Arbeitervertreter" spielen, bis sie ihre Zeit für gekommen erachten, um Farbe zu bekennen. Man rüste sich also und „untergrabe" den Herren die Basis gleich durch direkte Fragen nach: Wer und Wohin? Weiter will man dann bie Sand- bevölkerung in Angriff nehmen. Ein Blatt soll für sie begrünbet unb aus allgemeinen Mitteln unterhalten werden. Auch hier wird man es voraussichtlich mit dem langsamen Untergraben versuchen. Bald dürfte das Landvolk mit sozialistischen Schriftenüberschwemmt werden. Geld ist dazu da.
Gegenüber diesen Anstrengungen der Umsturzpartei hat jeder Katholik die heiligste Pflicht, sich mit den sozialen Fragen vertraut zu machen; er darf seine Kenntniß aber nicht vergraben und sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Nein, er muß überall, sei es in Familie ober Gesellschaft, franf und frei feine Ansicht äußern unb namentlich auf die Untergebenen, jene, welche nicht klaren Blickes genug sind, das Gift, das die sozialistischen Reiseapostel langsam in ihre Herzen träufeln, erkennen zu können, wie ein besorgter Vater acht haben. Die katholische Geistlichkeit wird nicht, ermüden, den Sozialdemokraten die Stirne zu bieten und muß in Versammlungen und Vereinen noch mehr, als bisher, den sozialistischen Schönrednern zu Leibe rücken. Es ist das eine Pflicht der Geistlichkeit; denn unter den „falschen Propheten, die da in Schafskleidern kommen", sind auch jene Leute zu verstehen, welche das Volk „beglücken" mit den Phrasen von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit." Die Sage ist ernst, sehr ernst, und man möge die Gegner nicht unterschätzen. Nicht Jedem ist die Gabe verliehen, den Sozialdemokraten offen entgegenzutreten. Der Klerus aber, gewappnet mit dem schweren Geschütz christlicher Sozialpolitik und christlicher Lebensanschauung, wird mit Erfolg auftreten. An dritter Stelle ist es die katholische Presse, welche ihren Platz einhalten und alle Bewegungen des Gegners signalisiren muß. Jeder Versammlung muß sie Aufmerksamkeit schenken und alle Aussagen und Behauptungen der Gegner prüfen. Wirken so Hand in Hand: die Familien, der Klerus, und die Presse, bann wirb nach hartem Kampfe boch der Sieg bei der CentrumSfahne bleiben, er wird es, weil unser Herrgott die sozialistischen Bäume nicht in den Himmel
Da unsere Pferde bis jetzt das beinahe Unmögliche geleistet hatten, so dursten wir sie nicht gar zu sehr anstrengen; es kam ja Alles darauf an, sie bei Kräften zu erhalten. Daher kam es, daß wir in den ersten beiden Tagen bett Verfolgten nicht naher kamen.
„Die Zeit vergeht," sagte Walker, „unb wir werden zu spät kommen."
„Wir kommen nicht zu spät," antwortete ich ihm. „DieGefangenen sind für denMarterpfah! aufgehoben, und dieses Schicksal werden sie erst dann haben, wenn die Ogellallah in ihren Dörfern angekommen sind.
„Wo befinden sich diese Dörfer jetzt?"
„Die Dörfer der Ogellallah sind jetzt droben int Quackingasp-Ridge," antwortete Winnetou, „und wir werden diese Räuber noch viel eher erreichen."
Am dritten Tage stießen wir auf ein ganz bedeutendes Hinderniß: es theilte sich die Fährte. Die eine Hälfte lief grab nach Norden fort, und die andere ging nach dem Westen ab. Die Erstere war die bedeutendere.
„Sie wollen uns aufhalten!" meinte Fred.
„Die weißen Männer mögen halten," gebot Winnetou. „Die Spur darf von keinem Fuße berührt werden."
Daraus gab er mir einen Wink, den ich sofort verstand. Ich sollte die grab fortlaufenbe, und er wollte die links abgehende Fährte beobachten. Wir ritten also
wachsen läßt, er wird es, weil wir für eine gerechte und gute Sache kämpfen, er wird es, weil in unserer Bevölkerung eine allzu gesunde Lebensanschauung Platz gegriffen hat.
Deutsches Keich.
Berlin, 25. Öttpber.
* Der große Fackelzug zu Ehren Msllke's gestaltete sich zu einer imposanten, in diesem Maßstabe kaum noch dagewesenen Kundgebung. Den Zug eröffneten 1 Herold, Fanfarenbläser und Paukenschläger. Dann folgte der Ausschuß zu Pferd bezw. zu Wagen. Daran schloffen sich die Studentenschaften der 5 Berliner Hochschulen mit Musikchören. Als 2. Gruppe folgten Schützen und Sänger und als 3. Gruppe die Bürgervereine der 6 Berliner Wahlkreise, die Arbeiterschaften einer Anzahl großer Fabriken u. s. w. Eine weitere Gruppe bildeten die Radfahrer und die Sanitätskolonne. Dann kam eine farbenprächtige Abteilung, der Künstlerzug, in historischen Kostümen. Den Schluß bildeten die Innungen. Als der Festausschuß am Generalstabsgebäude angelangt war, brachte der Vorsitzende ein jubelnd aufgenommenes Hoch auf den Grafen Moltke ans, in das die Musik mit schmetterndem Tusch einfiel. Alsdann wurde dem greisen Feldmarschall ein silberner Lorbeerkranz überreicht. Es war ein erhebender Moment, der allen Theilnehmern unvergeßlich bleiben wird. Dann zog der Zug langsam unter unausgesetzten Hoch- und Hurrahrufen vorüber. Noch einmal hielt er, die Sänger traten zusammen unb intömrten Mückö's: „Gore grüße Dich !' Der Zug, der vom Lustgarten ausgegangen war, bewegte sich durch die Linden, Brandenburger Thor, die Sommer- straße nach dem Königsplatz und von da bis zu den „Zelten" im Thiergarten, wo die Fackeln gelöscht wurden. Gewaltig war der Zudrang des Publikums, das die „Linden" füllte und den Königsplatz als un- wrchdringliche Mauer umhegte, und eine nicht minder begeisterte Stimmung bekundete, als die Theilnehmer des Zuges.
* Die Nachricht, daß die Enquetekommission zur Vorberathung der Reform des höhere« Schulwesens am Donnerstag ihre Sitzungen im Kultusministerium begonnen habe, erweist sich als unrichtig. Die Kommission l'ann erst bann berufen werben, wenn bie ersten Lesungen des Abgeordnetenhauses über bie großen Reformgesetze beenbigt ftnb, unb ben Nächststehenben bie Möglichkeit gegeben ist, an ben Berathungen ber Kommission persönlich Theil zu nehmen.
* Nächste Woche kehrt ber beutsche Reichskommifsar von Ostafrika, Major von Wißmann, auf seinen Posten zurück, nachbem er zuvor bem Fürsten Bismarck in Beibe in ben angegebenen Richtungen weiter; bie Anderen mußten warten.
Ich ritt wohl eine Viertelstunde weit. Die Zahl der Pferde, welche hier gegangen waren, war schwer zu bestimmen, da die einzelnen Thiere hinter einander her geschritten waren; aber aus ber Tiefe unb ber Form ber gemeinschaftlichen Hufeindrücke konnte ich schließen, daß es nicht viel über zwanzig gewesen seien. Während dieser Untersuchung bemerkte ich im Sande einige dunkle, kleine, runde Flecken, daneben zu beiden Seiten eine eigenthümliche Schichtung ber trockenen Sanbkörner, und vor biesen Zeichen sah bie Stelle aus, als sei mit einem breiten Gegenstanbe auf bem Sanbe hin unb her gerieben worden. Ich kehrte sofort im Galopp um und fand Winnetou bereits meiner wartend.
„Was hat mein Bruder gesehen?" fragte ich ihn. „Nichts als bie Fährte von Reitern." „Vorwärts!"
Mit biesen Worten wanbte ich mich wieber um unb eilte voran.
„Uff!“ rief ber Apache.
Er wunderte sich über meine Sicherheit und merkte aus derselben, daß ich einen untrüglichen Beweis gesunden haben müsse, daß die Gefangenen in dieser Richtung fortgeschleppt worden feien. Als ich bie Stelle erreichte, hielt ich an und fragte den Dicken:
„Master Walker, Ihr seid ein guter Westmann.