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Samstag, den 25. Oktober 1890,

17. Jahrgang

JV 247

Druck u. Setlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Tillmann).

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

Vierteljährlicher AbounementSpreiS ohne Bringer­lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage »Sterne und Siu men' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

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Rundschreiben

Sr. Heiligkeit Papst Leo s XIII. an die Bischöfe, die Geistlichkeit und das Volk von Italien.

(Schluß.)

Der Krieg gegen den Papst hat zur nothwendigen Folge die beklagenswerthe Zerrissenheit Italiens, Wir meinen die tiefgehende Scheidung zwischen dem offiziellen Italien und der großen Zahl von kirchentrepen und wahrhaft katholischen Ita­lienern; jede Theilnng aber bedeutet Schwächung. Er hat zur Folge, daß der eigentlich konservative Theil dem Staat seine Gunst und seine Unterstützung vorenthält. Er nährt im Busen der Nation jenen religiösen Gegensatz, welcher niemals das iiffentliche Wohl förderte, sondern immer nur Keime der schlimm­sten Uebel und Heimsuchungen in sich trug. Bor dem Ausland beraubt sich Italien nicht bloß des Ansehens, welches ihm das Friedensverhältniß mit dem Papst einbringen würde, sondern der herrschende Konflikt macht ihm auch die Katholiken der ganzen Welt zu Gegnern; es muß sich unermeßliche Opfer auf­erlegen, und bei jeder Gelegenheit kann es damit Feinden eine Waffe darbieten, welche diese gegen Italien benutzen.

Das also ist die Wohlfahrt, die Größe Italiens, welche ihm der gegenwärtige Leiter seiner Schicksale bereitet, welcher alles in seiner Macht Stehende aufwendet, um die katholische Religion und das Papstthum gemäß der Forderung des ver­derblichen Planes der Loge zu stürzen.

Man nehme nun auf der andern Seite den Fall, daß das Zusammengehen mit der Freimaurerei und die Begünstigung der­selben ganz aufhöre, und der Kirche, als der stärksten sozialen Macht, die ihr gebührende Freiheit, die Bethätignng aller ihrer Funktionen, eingeräumt werde; ein wie günstiger Wechsel würde alsbald in den Verhältnissen Italiens eintreten! Es würden bei der Einstellung des unseligen Kampfes nicht bloß von selbst auch alle früher beklagten Nachtheile und Gefahren verschwinden, sondern es würde aus dem gepriesenen Boden des Landes eine neue Blüthe aller jener Vorzüge der Nation ein geleitet, als deren mächtige Förderin Religion und Kirche immer erschienen find. Bald würden sich durch ihre göttliche Krast die Sitten im öffentlichen und privaten Leben von selbst zum Bessern ge­stalten, die Familienbande würden gekräftigt, in allen Reihen der Untertanen würde unter dem Einflüsse der Religion das Gefühl der Pflicht und die Gewissenstreue erwachen. Die sozia­len Fragen würden einer sichern Lösung entgegengehen, auf dem Boden nämlich der praktischen Erfüllung des Gesetzes der Liebe und der evangelischen Gerechtigkeit; die öffentliche Freiheit würde vor der Ausartung in Zügellosigkeit geschützt sein, nur zur Uebnng des Guten dienen und einen des Menschen würdigen Charakter annehmen; die Wissenschaften, denen ja die Kirche die letzte Unterlage sicherer Wahrheit bietet, die Künste, welche von ihr mit dem Hauche von oben durchdrungen werden und deren Pfleger von ihr die überirdische Begeisterung empfangen, würden sich zu einem neuen Schwünge erheben. Wäre Frieden hergestellt mit der Kirche, so würde die religiöse Einheit und die Aebereinstimmung der Geister fester gekittet sein; es würde der Gegensatz zwischen beit treuen Katholiken und Italien gehoben, und das letztere würde damit ein mächtiges Element der Ord­nung und Erhaltung gewonnen haben. Wäre den gerechten Forderungen des Papstes Genüge gethan, wären seine souverainen Rechte anerkannt und er in eine wahrhaft und tatsächlich un­abhängige Stellung wieder eingesetzt, so würden die Katholiken der andern Länder keinen Grund mehr haben, Italien als die Feindin des Papstes zu betrachten, während sie gegenwärtig — nicht aus fremdem Antriebe, noch ans Mangel an Kenntniß über das Ziel ihrer Schritte, sondern aus Ueberzeugung des Glaubens und im Gefühle ihrer Pflicht — einmütig die Stimme

„Ave Maria."

Reiseerlebnisse aus dem „wilden Westen" Nordamerikas von Carl May.

(24. Fortsetzung.) ,

"Erst am Nachmittage kam per Bahn ein Arzt, Welcher die Verwundeten untersuchte. Ich hörte, daß Williams nicht zu retten sei. Er selbst hatte bei der Erklärung, daß seine Wunde tödtlich sei, nicht die mindeste Reue gezeigt. Walker war zugegen gewesen. Er kam zu mir hereingestürzt und rief mir mit er- schrockenem Gesichte zu:

„Charles, aus! Wir müssen fort!"

„Wohin?"

„Nach Helldorf-Settlement."

Dieses Wort erschreckte mich.

„Warum?" fragte ich.

„Weil es von den Ogellallah überfallen wird."

„Mein Gott! Jst's möglich! Woher wißt Ihr das, Fred?"

„Diefer Williams hat es gesagt. Ich saß bei ihm und sprach mit dem Kolonel. Dabei erwähnte ich den Abend, welchen wir auf Helldorf-Settlement verlebten. Williams lachte höhnisch auf und meinte, daß wir einen solchen Abend dort wohl nicht wieder erleben würden. Und als ich in ihn drang, erfuhr ich, daß .die Niederlassung überfallen werden soll."

erheben, um für den höchsten Hirten ihrer Seelen eine würdige und freie Stellung zurückzufordern.

Im Gegenteile, Italien würde in Folge der Eintracht mit dem Papste bei den andern Völkern nur an Achtung und An­sehen gewinnen ; denn wie der h. Stuhl in besonderer Weise die Italiener die Wohlthatcn seiner Nähe erfahren ließ, so machten auch die Schätze des Glaubens, die sich immer von diesem Mittel­punkte geistlichen Segens und Heiles her verbreitet haben, den Namen Italiens groß und geehrt bei allen Nationen. Ein mit dem Papste versöhntes und seiner Religion treu ergebenes Italien würde sich auf dem glücklichen Wege der Wiedererwerbung des alten Glanzes befinden, und alles was unsere Zeit an wahrem Fortschritte aufweift, würde ihm nur zu neuem Antriebe im Fortschritte auf seiner ehrenvollen Bahn dienstbar sein. Rom aber, die Stadt des Katholizismus im eigentlichen Sinne, der von Gott vorausbestimmte Mittelpunkt der Religion und Sitz seines Stellvertreters, die Stadt, welche eben wegen dieser Würde durch die Jahrhunderte und ihre wechselvollen Ereignisse hin ihre unverwüstliche Dauer und Größe bewahrt hat, Rom, dem friedlichen und väterlichen Scepter des Papstes ein Mal zurück- erftattet, würde wiederum dastehen als das, wozu es die Vor­sehung und die vergangenen Zeiten gemacht haben: es würde nicht mehr herabgedrückt sein zur Hauptstadt eines einzelnen Königreiches, auch nicht länger an zwei verschiedene souveraine Gewalten getheilt erscheinen, ein Dualismus, der seiner ganzen Geschichte zuwiderläuft, sondern es wäre die würdige Hauptstadt der katholischen Welt, groß durch die ganze Majestät der Reli­gion und des höchsten Priesterthnms, eine Lehrerin und ein Vorbild von Gesittung und wahrer Kultur für die Völker.

Das sind, ehrwürdige Brüder, keine leeren Jdeeen, sondern sehr wohl begründete Hoffnungen. Die Behauptung, welche man in neuerer Zeit verbreitet, Kirche und Papst seien der Feind Italiens und Verbündete der Umsturz-Parteien, ist nur eine un­gerechte Unbill, eine schamlose Verleumdung; sie wird von der Loge künstlich ausgestreut, indem diese damit ihre eigenen Zwecke zu verhüllen sucht, um bei ihrem beklagenswerthen Beginnen, der Schädigung Italiens, nicht gehindert zu werden. Die Wahr­heit vielmehr, welräe aus allem Gefegten chervorgeht ist diese: Die Katholiken sind die besten Freunde Italiens, und sie be­kunden wahre Liebe nicht bloß zur ererbten Religion, sondern auch zum Vaterlande, wenn sie sich von der Freimaurerei mit Entschiedenheit fern halten, ihren Geist und ihre Thaten ver­werfen und dahin arbeiten, daß Italien den Glauben nicht ver­liere, sondern treu bewahre, daß es die Kirche nicht bekämpfe, sondern als gehorsame Tochter ehre, daß es das Papstthum nicht feindlich behandele, sondern sich willig mit ihm versöhne. — Verwendet Euch, o ehrwürdige Brüder, mit allen Kräften dafür, daß das Licht der Wahrheit sich beim Volke Bahn breche, auf daß dasselbe die Augen öffne, um zu sehen, wo sein Bor- theil, sein wahres Interesse liegt, und sich überzeugt halte, daß sich nur vom festen Anschlüsse an die Religion und vom Frieden mit der Kirche und dem Papste für Italien eine Zukunft hoffen läßt, welche feiner ryhmwürdigen Vergangenheit entspricht.

O, daß doch dieses ernstlich erwogen würde, wenn nicht von den Mitgliedern und Helfern des Geheimbundes, die sich be­wußter Weife abmühen, über den Ruinen der katholischen Reli­gion die neue Gestaltung der Halbinsel zu festigen, sondern von so vielen Andern, welche, ohne deren verwerfliche Pläne zu theilen, doch ihre Politik unterstützen und auf diese Weise ihr Werk fördern; daß es erwogen würde vor allem von der Jugend, welche wegen Mangels der Erfahrung und bei vorherrschendem Einflüsse der Neigung sich so leicht in Jrrthum führen läßt! Möge doch die Ueberzeugung durchdringen, daß der betretene Weg nur zum Unglück Italiens führen kann! Wenn Wir noch ein Mal warnend auf die Gefahr Hinweisen, so bewegt Uns nur das Bewußtsein der Pflicht und Liebe zum Vaterlande.

„Herr des Himmels, wenn dies wahr wäre! Fred, holt rasch Winnetou und laßt unsere Pferde kommen. Ich will selbst zu Williams."

Ich hatte diesen Menschen noch nicht wiedergesehen. Als ich in das Blockhaus trat, in welchem die ver­wundeten Gefangenen lagen, stand gerade der Kolonel bei ihm. Er lag todesbleich auf einer blutigen Decke und stierte mich mit trotzigen Augen an.

„Ihr seid Rollins oder Williams?" frug ich ihn.

„Was geht Euch das an!" antwortete er.

„Mehr als Ihr dentt!" meinte ich.

Ich konnte mir denken, daß ich auf eine dirette Erkundigung keine Auskunft erhalten werde; ich mußte es anders anfangen.

„Ich wüßte nicht! Packt Euch fort!" rief er.

„Es hat Keiner ein fo großes Recht, Euch zu be­suchen", sagte ich. „Die Kugel, die Euch im Leben fitzt, ist von mir."

Da wurden seine Augen größer; das Blut schoß ihm in das Gesicht, so daß die Narbe anschwoll und er schrie:

„Hund, sagst Du die Wahrheit?"

„Im-

Das, waS er jetzt förmlich brüllte, ist nicht wieder­zugeben, ich aber blieb scheinbar ruhig und meinte:

„Ich wollte Euch nur verwunden, und als ich hörte, daß Ihr sterben müßt, bedauerte ich Euch und

Aber um die Geister zu erleuchten und Unsere Bemühungen fruchtbar zu machen, ist vor allem die Anrufung besondere^ Hilfe des Himmels von Nöthen. Und darum geselle sich, theuerste Mitbrüder, zu der gemeinsamen Thätigkeit das Gebet; es sei ein allgemeines, beharrliches, eifriges Gebet, welches dem Herzen Gottes sanfte Gewalt anthue und seine Gnade reichlich auf unser Italien herabziehe, damit alles Unglück von ihm abgewendet werde, besonders aber das schrecklichste von allem, der Verlust des heiligen Glaubens. Rufen wir als Mittlerin bei Gott die glorreiche Jungfrau Maria an, die siegreiche Königin des Rosen­kranzes, welche so große Gewalt über die Mächte der Hölle er­halten und schon so viele Beweise mütterlicher Liebe dem Lande Italien gegeben hat. Wenden wir Uns ebenso mit Vertrauen an die heiligen Apostel Petrus und Paulus, welche diesen ge­weihten Boden für den Glauben gewonnen, durch ihre Mühen geheiligt, mit ihrem Blut getränkt haben. Als Wunsch und Unterpfand aber der göttlichen Hilfe, die wir erbitten, und als Siegel Unserer besoudern Liebe gelte euch der Apostolische Segen, den Wir aus ganzem Herzen euch, ehrwürdige Brüder, sowie euerm Klerus und dem italienischen Volke spenden.

Gegeben zu Rom bei Sankt Peter, am 15. Oktober 1890, im dreizehnten Jahre Unseres Pontifikates. Papst Leo XIII.

Deutsches Deich.

Berlin, 23. Oktober.

* Der Preußische Landtag ist auf den 12. Nov. berufen; die Vertagung des Reichstages endet am 18. November und es ist begreiflich, daß die bekannten Klagen über das lästige, die Arbeiten beider Parla­mente erschwerende und hindernde Zusammentagen wieder laut werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Abgeordnetenhaus ia den ersten Wochen sehr wichtige und langdauernde Sitzungen abzuhalten hat. Die verwirrenden Miltheilungen über die Reform- ges etz e werden wah scheinlich noch einige Zeit fortgesetzt werden. Die neueste Lesart lautet: Der Finanzminister will seine Steuer -Reform nicht progressiv, sondern degressiv einrichten. Wir haben angestrengt darüber nachgedacht, schreibt man der ,Köln. Vztg.' aus Berlin, was das heißen möge, und sind zu dem Ergebniß ge­langt, daß es entweder gar nichts heißt oder so viel wie: die Armuth kommt von der Poverte. Alle Mel­dungen der letzten Wochen über die Steuer-Reform haben unsere Kenntnisse über ihren Inhalt um kein Haar breit gefördert. Gewiß ist vorläufig nur, daß der Landtag so früh berufen wurde, um rechtzeitig die Reform in Angriff nehmen zu können; gewiß ist auch, daß die Steuergesetze zuerst an die Reihe kommen sollen; bis zur Gewißheit wahrscheinlich, daß von diesen wieder das Einkommensteuergesetz obenan auf der Liste steht; zu vermuthen, daß auch das Gewerbesteuer- und das Erbschaftssteuergesetz gleichzeitig oder doch sehr bald danach erscheinen werden. Mit der Land­gemeinde-Ordnung und dem Schulgesetz dürfte es noch eine Weile dauern. Wir meinen, man thue am besten, sie in dieser Session gar nicht mehr einzu­machte mir Vorwürfe. Nun ich aber sehe, welch ein Bösewicht Ihr seid, kann ich ruhig sein. Ich habe der Welt einen Segen erwiesen, indem ich Euch ver­wundete. Ihr und Eure Ogellallah werden keinen Schaden mehr anrichten!"

„Meinst Du?" frng er, indem er mir seine laugen Zähne wie ein gefangenes Raubthier entgegenfletschte. „Gehe doch einmal nach Helldorf-Settlement, he!"

„Pshaw! Das liegt sicher!"

„Sicher? Da gibt es keinen Stein mehr auf dem andern. Ich selbst habe diesen guten Ort auSgekund- schaftet, und es war ausgemacht, daß erst Echo-Cannon und dann Helldorf-Settlement genommen werden soll. Hier ist es uns nicht gelungen, dort aber wird es desto besser gelingen, und die Settler werden mit tausend Martern büßen müssen, was Ihr hier an den Meinen und den Ogellallah verschuldet habt!"

„Gut, daS wollte ich wissen! Williams, Ihr seid ein verstockter, aber auch ein sehr alberner Sünder. Wir werden jetzt nach Helldorf reiten, um zu retten, was zu retten ist. Und wenn die Settler von den Ogellallah vielleicht fortgeichleppt worden sind, fo werden wir sie wieder holen. Dies hätten wir aber nicht ge­konnt» wenn Ihr verschwiegen gewesen wäret."

„Den Henker werdet Ihr wieder holen, aber keine Gefangenen!" rief er erbost.