Einzelbild herunterladen
 

17. Jahrgang

Freitag, den 24. Oktober 1890

V 246

Dmck u. Verlag der Fuldaer Acttendruckerei (A. Dillmann).

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

-V

■$

&

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer­lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Rundschreiben

Sr. Heiligkeit Papst Leos XIII.

an die Bischöfe, die Geistlichkeit und das Volk von Italien.

(Fortsetzung)

Das ist ohne Uebertreibung der gegenwärtige Zustand und die voraussichtliche Zukunst der Religion in Italien. Es wäre em verhängnißvoller Jrrthum, die Tragweite des Uebels sich ver­hehlen zu wollen. Dasselbe dagegen in seinem vollen Umsange würdigen, ihm näher treten mit evangelischer Klugheit und Stärke die Pflichten ans Licht stellen, welche daraus für alle Katholiken, befonders aber für Uns sich ergeben, die Wir als Hirten über sie zu wachen und sie zuni Heile zu führen haben, d h. Mitarbeiten an den Plänen der Vorsehung und eine For­derung der Weisheit und des Seeleneisers erfüllen. Was Uns betrifft, so legt Uns Unser apostolisches Amt die Pflicht auf, abermals feierliche Verwahrung zu erheben gegen alles, was zum Nachtheil der Religion in Italien geschehen ist, geschieht oder geschehen soll. Als Bertheidiger und Wächter der heiligen Rechte der Krche und des Papstthums weisen Wir die Beleidi­gungen zurück, welche der Kirche und dem Papstthume, nament­lich in Rom, beständig zugefügt werden, welche Uns die Re­gierung der katholischen Christenheit stets mehr erschweren und Unsere Lage von Tag zu Tag unwürdiger machen. Wir richten hierüber Unsere Klagen und Beschwerden an die ganze katholische Welt Wir sind im Uebrigen entschlossen, nichts zu unterlassen, was zur Belebung und Kräftigung des Glaubens unter dem italienischen Volke und zum Schutze der Kirche wider die An­griffe der Gegner beitragen kann. Deshalb rufen Wir aber auch eitern Eifer, ehrwürdige Brüder, und euere große Liebe zu den Seelen auf, damit ihr durchdrungen von der Größe der Gefahr, auf Hülfe bedacht seid und alles zur Beiseitigung des Unheils ins Werk setzet.

Kein Mittel, über das Wir verfügen können, ist zu Der« nachlässigen: was immer die Rede vermag, was That und Um­sicht erreichen kann, alle Schätze überirdischer Hilfe, welche die Kirche in unsere Hände legt, alles ist aufzuwenden zur chrrstü- chen Erziehung der Jugend, zur Ausrottung irriger Lehren, zur Bertheidigung der katholischen Wahrheiten, zur Bewah­rung des christlichen Charakters und Geistes in den Familien.

Was das katholische Volk betrifft, so thut es vor allem Roth, dasselbe über die wahre Lage der Religion ftnd Kirche in Italien aufzuklären, es zu belehren über den durchaus anti­religiösen Charakter, den das Auftreten gegenüber dem Papst- thum in Italien angenommen hat, über die eigentlichen Ziele, welche die Gegner verfolgen. Das Volk muß an den zu Tage liegenden Vorgängen erkennen, mit wie gottloser Gesinnung man feiner Religion nachstellt und wie sehr es Gefahr läuft, des unfchätzbaren Kleinods seines Glaubens beraubt zu werden. In der Ueberzeugung von diesem Stand der Dinge, und von der Wahrheit erfaßt, daß man ohne Glauben Gott nicht ge­fallen und die Seele nicht retten kann, werden die Gläubigen verstehen, daß es sich um die Sicherung der größten aller An­liegen auf dieser Welt, ja des einzigen Anliegens handelt, näm­lich des Erwerbes des Heils, welches man mit jedem Opfer und um jeden Preis erstreben muß, bei Strafe der ewigen Ber- dammniß. Die Gläubigen sollen sich überzeugt halten, daß es in dieser Zeit des offenkundigen, tiefgehenden Kampfes schmäh­liche Feigheit wäre, das Feld zu verlassen und sich zu verstecken. Es ist vielmehr Pflicht Aller, offen am Posten auszuharren und sich freien Antlitzes als Katholiken zu zeigen, sowohl im Bekenntnisse, als im sittlichen, dem Bekenntnisse entsprechenden Verhalten Der heilige Glaube verdient wahrhaft eine solche Ehre; die Katholiken sind diese offene Treue dem glorreichen Namen des höchsten Herrn schuldig, dessen Fahnen sie folgen;

W

„Ave Maria."

Reiseerlebnisfe aus dem „wilden Westen" Nordamerikas von Carl May.

(23. Fortfetzuug.) .

Wir waren von jetzt an überzeugt, daß wir von dem Felsen herab beobachtet wurden und verhielten uns danach. Bald kehrte auch Fred zurück; er hatte nichts gesehen, aber den Signalschuß deutlich ver­nommen.

So lange es noch am Tage war, gab es Nichts zu thun, doch wurde uns die Zeit nicht lang. Rudge hatte viel erlebt und war ein guter Erzähler. Als dann der Abend hereinbrach und die Jndsmen also nichts mehr sehen konnten, wurden die Befestigungen vollendet, und es freute mich dabei, daß der Colonel meinen Anordnungen seinen Beifall gegeben hatte.

So verging die Nacht, und so verging auch der nächste Tag. Es war Neumond, und der Abend senkte sich vollständig dunkel in die Schlucht herab. Dann aber begannen die Sterne zu glänzen und verbreiteten eine solche Helle, daß man einen ziemlich breiten Ring des sich um die Einsassungsmauer ziehenden Terrains leidlich überblicken konnte.

Ein jeder der vorhandenen Männer war mit einer Büchse und einem Messer versehen. Viele besaßen auch Revolver oder Terzerole. Da die Indianer ihre An-

Die ,Fuldaer Zeitung' erfcheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.

Jnferate kosten die einfpaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

v _____________..

und nur so bewahren sie sich vor dem Unglück, am Ende der Tage vom höchsten Richter verleugnet und nicht als die Deini­gen erkannt zu werden; Er hat es ja ausgesprochen, daß wer nicht für Ihn, gegen Ihn sei. Also, ohne Aufsehen zu machen, aber auch ohne Feigheit, sollen die Gläubigen jene Hochherzig­keit im Auftreten bewähren, welche aus dem Bewußtsein, eine heilige Pflicht vor Gott wie den Menschen zu erfüllen entspringt. Mit diesem sreimüthigen Bekenntnisse sollen sie ferner eine wahre Unterwürfigkeit und kindliche Liebe gegen die Kirche ver­binden, einen eifrigen Gehorsam gegen die Bischöfe, eine treue Ergebung gegen den Stellvertreter Christi, den Papst. Sie sollen es als eine Nothwendigkeit erachten, sich von allem, was Unternehmung der Geheimbünde ist oder von diesen begünstigt ober angeregt wird, ferne zu halten; denn es ist darin ohne Zweifel der antichristliche Geist, der jene beseelt, mehr oder min­der thätig; sie sollen dafür um fo eifriger und ausdauernder sich an der katholischen Action betheiligen, an Unternehmungen und Vereinen, die den Segen der Kirche haben und die Gut­heißung und Unterstützung der Bischöfe ober des Papstes ge­nießen. Da das Hauptmittel im Dienste der Gegner die von ihnen zum großen Theil beeinflußte ober unterhaltene Presse ist, so ergibt sich die ernste Anforderung an die Katholiken, der schlechten Presse eine gute eutgegeuzustellen, zur Vertheidi- guug der Wahrheit, zum Schutze der Religion, zur Vertretung des katholischen Rechtes. Die katholische Presse hat die Auf­gabe, die schlechten Bestrebungen der Feinde der Kirche bloßzu­legen, die Arbeit des Hirten des Hauses Gottes zu unterstützen, und die katholischen Interessen zu fördern. Darum ist es aber Pflicht der Katholiken, diese Presse kräftig zu unterstützen; sie sollen der schlechten Presse alle Betheiligung versagen, die gute aber, soweit es Jeder in feiner Stellung vermag, zu Leben und Gedeihen zu bringen suchen. Wir glauben, es ist in dieser Hin­sicht noch nicht genug geschehen. — Es soll schließlich der In­halt Unserer au alle Katholiken gerichteten Rundschreiben, na­mentlich der beiden Hnmanum genas und Sapientiae christia- niae, den Katholiken Italiens in besonderer Weise uahegelegt und eingefchärft werden. Wenn sie, um den obigen Pflichten treu nachkommen zu können, Leiden und Opfer auf sich nehmen müssen, so wögen sie Kraft schöpfen in dem Gedanken, daß das Himmelreich Gewalt leidet und daß,-nur wer Gewalt braucht, es an sich reißt, und daß, wer sich und das Seine mehr liebt als Jesum Christum, Seiner nicht werth ist. Das Beispiel so vieler heldenmüthiger Sieger in allen Zeiten, welche für den Glauben alles darangegeben haben, und das Vertrauen auf Gottes besondere Gnade, die das Joch Jesu Christi sanft und Seine Bürde leicht macht, müssen ihren Muth zur Ausdauer in dem glorreichen Kampfe stählen.

Im Bisherigen haben Wir nur die religiöse Seite des gegenwärtigen Zustandes in Italien betrachtet; diese ist für Uns die hauptsächlichste, und wegen Unseres apostolischen Amtes liegt diese Uns vor Allem nahe. Aber es ist der Mühe werth, auch die soziale und politische Seite der Dinge zu betrachten, damit man in Italien sehe, wie nicht nur die Liebe zur Religion, sondern auch lautere und edele Vaterlandsliebe zum Wider­stande gegen die verwerflichen Bestrebungen des Geheimbuudes antreiben muß. Um 'sich davon zn überzeugen, genügt ein Blick auf jene Zukunft, welcher Italien in sozialer und politischer Hinsicht von den Feinden des Katholicismus entgegengeführt wird.

Schon die Vergangenheit läßt schließen, was kommt. Aus den Thatsachen selbst, besser als ans allen Worten erhellt, was in dieser ersten Periode eines sogenannten neuen Lebens aus Italien geworden ist in Beziehung auf öffentliche und private Moralität, auf innere Sicherheit, Ordnung und Ruhe, auf Reich- thum und nationales Gedeihen. Selbst die, welche das größte Jntereffe am Verheimlichen haben würden, gestehen die Wahr­heit der Dinge offen ein. Wir sagen nur so viel, daß unter den griffe gewöhnlich nach Mitternacht, kurz vor dem Morgengrauen unternehmen, fo standen nur die nöthigen Posten auf den Bänken, und die Andern lagen, sich leist unterhaltend, im Grafe umher. Draußen regte sich kein Lüftchen; aber das war eine trügerische Ruhe, und als die Mitternacht gekommen war, erhoben sich die Ruhenden, griffen zu ihren Gewehren und nahmen die ihnen angewiesenen Plätze auf den Bänken ein. Ich stand mit Winnetou am Thore, den Henrystutzen in der Hand. Die Büchse hatte ich in der Wohnung gelassen, da der Stutzen hier besser am Platze war.

Wir hatten uns auf alle vier Seiten der Ein- faffung gleichmäßig vertheilt, zweihundert und zehn Mann stark, denn dreißig Mann waren nach einem verborgenen Theile detachirt worden, um die dort in Sicherheit gebrachten Pferde zu beschützen.

Die Zeit schlich, wie von Schnecken getragen. Mancher mochte bereits denken, daß alle unsere Be­fürchtung vergeblich gewesen sei, da aber horch! Da erklang es, als sei ein Steinchen an eine der Eisen­schienen gestoßen worden. Gleich darauf bemerkte ich jenes fast unhörbare Geräusch, welches ein Ungeübter für das Wehen eines ganz, ganz leisen Lüftchens halten würde — sie kamen.

„Aufgepaßt!" flüsterte ich meinem Nebenmanne zu.

Dieser gab das Wort leise weiter, so daß es im Verlaufe einer Minute die Runde machte. Unendlich

gegenwärtigen Verhältnissen bte Znstänbe sich gar nicht anders entwickeln können. Die Freimaurerei kann, so sehr sie Wohl- thätigkeitssinn und Menschenliebe erheuchelt, thatsächlich nur un­heilbringend wirken, eben weil sie die wahre Wohlthäterin der Menschheit, die Religion Jesu Christi, bis aus den Tod bekämpft.

Wie wohlthätig der Einfluß der Religion auf die Gesellschaft ist, ist nicht erst nachzuweisen. Ehre und Stärke der Staaten beruhen unbestreitbar auf der Sittlichkeit des Gemeinwesens und der Einzelnen. Es ist ebenso unbestreitbar, daß es ohne Reli­gion eine wahre Sittlichkeit des Gemeinwesens und der Einzelnen nicht geben kann. Die Gesellschaft zieht Leben, Wachsthum und Kraft ans einem soliden, auf feinen natürlichen Grundlagen ruhenden Familienleben. Aber ohne Religion und Sittlichkeit kann das häusliche Zusammenleben keinen festen Bestand haben, seine Bande schwächen sich und lösen sich auf.

Das Glück der Völker kommt von Gott und Seinem Segen. Wenn ein Volk feine Wohlfahrt nicht bloß nicht von Gott er­wartet, sondern sich gegen Gott auflehnt und Ihm in seinem Stolze sagt, es habe Ihn nicht nothwendig, so kann nur eine Larve von Glück sein Antheil sein, und diese muß zerfallen, so­bald der Herr beschließt, die Anmaßung Seiner Feinde zu Schanden zu machen.

Die Religion ist es allein, die in das Innere des Einzelnen bringt, ihn das Gewicht der Pflicht fühlen läßt, ihn antreibt zu deren Erfüllung. Die Religion allein ist es, welche den Herr­schern gerechte Gesinnungen und liebevolle Sorge für die Unter» thanen einflößt, welche den Unterthanen Treue und wahre Er­gebenheit gegen die Herrscher verleiht, welche die Gesetzgeber zu Recht und Billigkeit anleitet, die untergeordneten Obrigkeiten zur Diensttreue und Wachsamkeit, die Soldaten zum Muth, bis zum Heroismus, die Verwalter zu Gewissenhaftigkeit und Fleiß an­spornt. Die Religion allein ist es, welche dauernde Einigkeit und Zuneigung unter den Ehe-Gatten begründet, und Liebe und Ehr- surch t zwischen Eltern und Kindern, welche die Armen mit Achtung erfüllt vor dem Besitze des Nächsten und die Reichen über den rechten Gebrauch irdischer Güter belehrt. Aus der Treue gegen die eigenen Pflichten aber und der Achtung vor fremdem Rechte entspringt Ordnung, Ruhe und Frieden, welche einen so wich­tigen Bestandtheil der Wohlfahrt eines Volkes bilden. Wird die Religion t)intoeggenomiuen, jo entweichen mit ihr zugleich alle diese großen Güter der Gesellschaft.^

Für Italien aber wird dieser Verlust doppelt empfindlich sein. Seine besten Vorzüge, die ihm fo lange Zeit unter den gebildetsten Völkern einen Platz an der Spitze verschafft haben, sind unzertrennbar von der Religion; diese hat sie geschaffen oder ihnen ihre idealen Ziele gewiesen, hat sie begünstigt, unterstützt und vermehrt. Die öffentliche Freiheit fand ihren Ausdruck im Städtewefen, der Geist kriegerischer Tapserkeit in so vielen Un­ternehmungen zu Gunsten der Religion und gegen die erklärten Feinde des christlichen Namens, die Pflege der Wissenschaften in den von der Kirche gegründeten, beförderten und mit Vorrechten ausgestatteten Universitäten, welche die Heimstätten der Studien bildeten, die Künste in zahllosen Denkmälern jeder Gattung, die durch Italien hingesäet sind, die Stiftungen zum Besten des Elendes, der Armuth ober der Arbeiter, in so vielen Gründungen der christlichen Siebe, so vielen Asylen, welche sich aller Art von Noth und Unglück öffneten, in den Vereinen und Genoffenfchaften endlich, welche unter dem Banner der Kirche heranwuchsen. Die Religion besitzt eine unsterbliche Lebenskraft, weil sie selbst dem Himmel entstammt; sie verfügt über wahre Schätze von Hilfs­mitteln für die Bedürfnisse aller Zeiten und jeder Bildungs- Epoche, und sie kennt wunderbar die Kunst ihrer Anwendung. Was sie zu anderen Zeiten zu leisten gewußt hat, das vermag sie auch heute noch mit immer neuer und jugendlicher Kraft. Italien also der Religion berauben, heißt mit Einern Schlage feine fruchtbarste und fegensvollste Lebensquelle zerstören.

flüchtige, geisterhafte Schatten huschten durch die Nacht, nach rechts, nach links, ohne daß dabei der geringste Laut zu hören war. Es bildete sich uns gegenüber eine Fronte, welche sich ausbreitete und nach und nach um das ganze Lager dehnte. Im nächsten Augenblicke mußte es beginnen.

Die Schatten näherten sich. Sie waren nur noch fünfzehn — zwölf — zehn — acht — sechs Schritte von der Mauer enffernt. Da erscholl eine laute, sonore Stimme durch die Nacht:

„Selkhi Ogellalla! Ntaage sisi Winnetou natan Apaches! Shne ko — Tod den Ogellallah! Hier steht Winnetou, der Häuptling der Apachen! Gebt Feuer!"

Er erhob seine silberbeschlagene Büchse, und bei ihrem Blitze leuchtete es rund um den ganzen Camp auf. Es waren an einem einzigen Augenblicke über zweihundert Schüsse gefallen. Nur ich allein hatte nicht geschossen; ich wollte die Wirkung unserer Salve ab­warten, welche wie ein Gericht vom Himmel so plötz­lich, so tödtlich über die Feinde hereinbrach. Eine ganze, lange Minute herrschte die tiefste Stille, dann aber brach es los, jenes furchtbare Geheul, welches die Nerven zu zerreißen und die Knochen zu zermalmen droht. Das Unerwartete unserer Salve hatte den Wilden geradezu die Sprache geraubt, jetzt aber klang es wie aus den Mäulern von tausend Teufeln durch den Cannon.