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JV 245.

Donnerstag, den 23. Oktober 1890.

17. Jahrgang

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Für die Redactton verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

Druck u. Verlag der Fuldaer Acttendruckerei (A. Dillmann).

Rundschreiben

Sr. Heiligkeit Papst Leo s XIII.

an die Bischöfe, die Geistlichkeit und das Volk von Italien.

Papst Leo XIII.

den ehrwürdigen Brüdern und geliebten Söhnen Gruß und Apostolischen Segen.

Von der Höhe des Apostolischen Stuhles, auf welchen die göttliche Vorsehung Uns erhoben hat, damit Wir über das Heil aller Völker wachen, lassen Wir oft Unsere Blicke auf Italien ruhen, dem Lande, in dessen Schooß Gott der Herr, vermöge besonderer Fügung seiner Liebe, den Sitz seines Stellvertreters errichtet hat. Dieses Land ist Uns gleichwohl in der Gegenwart zu einer Quelle vielfälttger und empfindlicher Bitterkeit ge­worden. Was uns bettübt, sind nicht die persönlichen Beleidi­gungen, nicht die durch den jetzigen Zustand Uns auferlegten Einschränkungen und Opfer, auch nicht die Unbilden und Be­schimpfungen, welche eine zügellose Presse Tag für Tag unge­straft und mit aller Freiheit Uns entgegenschleudern darf. Handelte es sich bloß um Unsere Person, und müßten Wir nicht zugleich den Ruin ansehen, welchem das in seinem Glauben be­drohte Italien entgegengeht, so würden Wir mit Stillschweigen diese Beleidigungen ertragen. Wir wiederholen in dieser Hinsicht das Wort eines Unserer größten Vorgänger: Mit Freuden würde ich von Verachtung und Spott, die mich treffen, schweigen, wenn nur nicht die Leiden meines Landes unter fremder Hand sich von Stunde zu Stunde vergrößerten. Jndeflen, es handelt sich, abgesehen von der Unabhängigkeit und Würde des Aposto­lischen Stuhles, um den Bestand der Religion, um das Heil der Seelen in einer ganzen Nation, und zwar einer Nation, welche von den ersten Anfängen den katholischen Glauben in ihr Herz ausgenommen und ihn immerdar mit heiliger Eifersucht bewahrt hat. Die Versicherung, die Wir aussprechen, scheint unglaublich, aber sie ist Wahrheit: Man ist an dem Punkte angekommen, ftir dieses unser Italien den Untergang des Glaubens fürchten zu muffen. Zu wiederholten Malen haben Wir den Ruf und die Mahnung ergehen lassen, man möge auf die drohende Gefahr Acht haben; aber Wir glauben darum doch noch nicht genug gethan zu haben. Gegenüber den fortgesetzten schonungslosen Angriffen fühlen Wir Uns von Unserer Pflicht gedrängt, von neuem zu euch, ehrwürdige Brüder, zu eurem Klerus und zum ganzen italienischen Volke zn sprechen. Da der Feind keine Ruhe gewährt, darf auch bei Uns und bei euch von Stillschweigen und Unthätigkeit keine Rede sein ; find Wir ja durch göttlichen Willen berufen, Hüter und Bertheidiger der Religion der Uns anver- tranten Gläubigen und Hirten und Wächter der Heerde Christi zu sein, für die Wir alles, auch das Leben, zu opfern bereit sein sollen.

Neue Dinge werden Wir hier nicht zur Sprache bringen; die Thatsachen, wie sie geschehen sind, ändern sich nicht, und schon früher haben Wir bei gegebener Gelegenheit von denselben zu reden gehabt. Dies Mal aber ist es unsere Absicht, jene Thatsachen zusaininenzufafsen und sie in einem Gesammtbilde vor- zuhalten, um daraus zu gemeinsamer Belehrung die Folgerungen zu ziehen. Es sind unbestreitbare Thatsachen, die sich vor aller Oeffentlichkeit vollzogen haben, und sie stehen nicht etwa verein­zelt da, sondern hängen derart unter sich zusammen, daß ihre Reihe mit vollster Sicherheit ein System erkennen läßt, von welchem sie die Verwirklichung und Durchführung sind. Das System ist nicht neu, aber neu ist die Kühnheit, die Erbitterung, die Eile, mit welcher es in unfern Tagen sich verwirklicht. Aas gegenwärtig in Italien durchgeführt wird, ist der Plan der ge­heimen Gesellschaften, namentlich so wett er die Kirche und die katholische Religion betrifft, ein Plan, der notorisch auf die Ver­nichtung von Kirche und Religion abzielt. Es ist unnöthig, jetzt Über die sogen, fteimaurerischen Geheimbünde und ihre Zwecke

„Ave Maria."

Reiseerlebnisse aus dem „roilben Westen" Nordamerikas von Carl May.

(22. Fortsetzung.) i

Das frische, volle Laub der Krone verbarg mich so vollständig, daß ich von unten gar nicht bemerkt werden konnte; vor meinem Blicke aber lag die Ge­gend so klar und offen da, daß ich alle offenen Gras­stellen und das Gipfelmeer des Waldes weithin über­setzen konnte. Ich machte es mir so bequem wie mög­lich und hielt dann scharfe Wacht.

Stundenlang faß ich da oben, ohne etwas Auf­fälliges zu bemerken, aber das durfte meine Wachsam­keit nicht ermüden. Endlich, da sah ich im Norden von mir eine Schaar Rabenkrähen sich von den Baum­wipfeln erheben. Das konnte aus Zufall geschehen sein; aber die Vögel erhoben sich nicht in geschloffener Schaar, um sofort einer bestimmten Richtung zuzu­fliegen, sondern sie „streuten" in die Lüfte empor, kreisten einige Minuten wie rathlos über-den Wipfeln und ließen sich dann eine Strecke davon vorsichtig auf die Bäume wieder nieder. Sie mußten aufgestört wor­den fein.

In kurzer Zeit wiederholte sich daffelbe Spiel und dann zum dritten und vierten Male. Es war klar:

noch eine Prüfung anzustellen: das Urtheil über sie ist gefällt; ihre Absichten, Mittel, Lehren und Arten des Vorgehens sind mit Gewißheit erkannt und nicht mehr Gegenstand der Verhand­lung. Sie sind von einem unversöhnlichen, tödtlichen Haß gegen Jesus Christus und seine göttliche Stiftung erfüllt, ganz im Geiste des Widersachers Gottes von Anbeginn, als deffen be­freundete Helfer sie auftreten. Sie thun ihr Möglichstes, um die Kirche niederzuwerfen oder ihr Feffeln anzulegen. Lebhafter aber als anderswo ist gegenwärtig dieser Krieg gegen die Kirche in Italien entbrannt, wo die katholische Religion tiefere Wurzeln gefaßt hat, und insbesondere in Rom, wo der Mittelpunkt der katholischen Einheit, der Sitz des Hirten und allgemeinen Lehrers errichtet ist.

Es lohnt sich, bis zu den ersten Stadien dieses Krieges zurückzugehen.

Man begann mit dem Umstürze der weltlichen Gewalt des Papstthums. Die geheime, unter dem Kleide der Politik ver­hüllte Absicht, die später auch offen eingestanden wurde, ging dabei dahin, die geistliche Gewalt der Päpste zu vernichten ober sie wenigstens in einen Zustand schmählicher Abhängigkeit zu versetzen. Und als ob kein Zweifel übrig bleiben solle, wohin man hinaus wolle, so erfolgte alsbald die Unterdrückung der geistlichen Orden — eine Maßregel, welche die Reihen der für Seelsorge und geistliche Hilfeleistung, fowie für die Glaubensver­brettung in der Heidenwelt bestimmten evangelifchen Arbeiter be­deutend gelichtet hat. Später kam hinzu die Verpflichtung aller Mitglieder des Klerus zum Militairdienste fammt all' den schweren Hindernissen gegen die Erzielung des nothwendigen Nachwuchses und einer geeigneten Heranbildung, auch des Welt- priesterstandes. Man ging weiter und streckte die Hand gegen das Kirchenvermögen aus, das man zum Theil einfach einzog, zum Theil mit ganz unerhörten Steuern belegte. Es geschah in der Absicht, Klerus und Kirche hilflos zu machen, die Kirche der Mittel zu berauben, welche sie nun einmal zu ihrem irdischen Dasein und für die Aufgaben und Unternehmungen ihrer gött­lichen Mission nothwendig hat. Die Mitglieder der Geheimbünde selbst haben es ansgeiprochen: Zur Herabdrückung des klerikalen Einflnffes und der kirchlichen Genossenschaften ist ein einziges Mittel anzuwenden, das Erfolg verspricht; man beraube sie all' ihrer Hilfsquellen und versetze sie in vollständige Armnth. Auf der andern Seite geht die ganze Thätigkeit des Staates an sich darauf hinaus, die Nation ihres religiösen und christlichen Charakters zu entkleiden. Aus der Gesetzgebung und aus den amtlichen Kreisen ist systematisch alles verbannt, was auch nur einen Anflug von Religion besitzt, wofern man nicht direkte Feindschaftsäußerungen gegen die Religion vorzieht. Die öffent­lichen Kundgebungen des Glaubens und der katholischen Frömmig­keit sind entweder verboten ober werben unter eiteln Vorwänden auf hunderterlei Weise verhindert. Der Familie ist die Grund­lage und das religiöse Band entrissen durch die Einführung einer sogen. Civil-Ehe und durch die Organisirung einer Schule, welche ganz „laienmäßig" sein soll, angefangen von dem Elementar-Unterricht bis hinauf zu den Hochschulen; die künf­tigen Geschlechter sind damit verurtheilt, so weit dies vom Staate abhängt, ohne jede religiöse Idee aufzuwachsen; den ersten und wesentlichsten Begriffen von den Pflichten gegen Gott ist der Eingang in ihr Herz versperrt. Das heißt offenbar die Axt an die Wurzel legen. Kein durchschlagenderes Mittel für- wahr läßt sich ausfindig machen, um die Gesellschaft, die Familie, das Individuum von dem Einfluffe der Kirche und des Glaubens abzuschließen. Man muß mit allen Mitteln den Klerikalismus (b. h. ben Katholizismus) in seinen Fundamenten und Lebens- guellen, nämlich in der Schule und in der Familie, entwurzeln, so lautet die wörtliche Aeußerung freimaurerischer Stimmführer.

Man könnte sagen, die genannten Vorgänge vollziehen sich nicht bloß in Italien, es ist vielmehr ein Regierungs-System, welches überall von den Staaten eingeführt wird.

es kam irgend ein Wesen, vor dem die Krähen sich fürchteten, von Norden her durch den Wald geschlichen, und zwar so ziemlich in gerader Richtung auf meinen Standort zu. Ich kletterte so eilig wie möglich nieder und pürschte mich vorsichttg auf die Gegend zu, vor- sichtig immer meine Fährte zerstörend.

Dabei erreichte ich ein ganz undurchdringlich scheinendes Buchendickicht, in welches ich mich hinein­arbeitete. Hier legte ich mich zur Erde nieder und wartete. Nicht lange, so kam es geschlichen, nicht hörbar, sondern lautlos wie Gespenster: ein, zwei, drei, fünf, sechs Indianer schritten an meinem Versteck vor­über, Einer nach dem Andern. Ihre Füße berührten nicht den kleinsten Theil eines abgebrochenen und zu Boden gefallenen Aestchens; es war als ob ihre Füße die Erde gar nicht berührten.

Das waren die Späher. Sie trugen die Kriegs- farben.

Kaum warm sie vorüber, so huschte ich hervor. Es war klar, daß sie dm dichtesten Wald aufsuchen würden; auch mußtm sie jeben Schritt breit untersuchen, ehe sie vorwärts drangen. Das hielt sie auf. Ich aber konnte dm geraden Weg einschlagen, die lichtestm Stellen benutzen und ohne Sorge vor Entdeckung heim­kehren. Ich mußte ihnen also einen bedeutenden Vor­sprung abgewinnen. Im elligsten Laufe kehrte ich

Wir antworten, biefe Erscheinung bestätigt nur Unsere Aus­sagen über bie Absicht unb Thätigkeit ber Freimaurerei in Italien. Allerdings, jenes System wirb überall bort eingeführt unb befolgt, wo immer bie Freimaurerei ihre unselige, gottlose Wirksamkeit entfaltet, unb ba sie eine weitere Verbreitung be­sitzt, so finbet benn auch jenes antichristliche System reichliche Anwenbung. Aber biefe Anwendung erfolgt schleuniger unb geht rücksichtsloser bis zu ben äußersten Grenzen vor in jenen Ländern, bereu Regierungen sich mehr unter bie Macht ber Loge gestellt haben unb welche bereitwilliger die Interessen der­selben fördern. Zu diesen Ländern gehört nun leider das neue Italien. Zwar nicht erst in ber Gegenwart ist Italien ber ver- hängnißvollen Einwirkung bet Geheimbünde preisgegeben; aber feit einiger Zeit sind biefe Wirklich zu einer absoluten Herrschaft unb Uebermacht gelangt unb ttjrannijiren das Land nach Willkür. In Italien hängt bie öffentliche Entwicklung, so weit bie Reli­gion in Betracht kommt, ganz unb gar von ihren Wünschen ab; ihre Tendenzen finden an ben Trägern ber öffentlichen Gewalt erklärte Gönner unb gefügige Werkzeuge. Die kirchenfeindlichen Gesetze unb Maßnahmen werben zuerst im Schooße ber Sogen» Versammlungen vorgeschlagen unb beschlossen, und es braucht ein Schritt nur irgend einen Schein von Gehässigkeit gegen die Kirche ober Schädlichkeit für dieselbe an sich zu tragen, um so­fort begünstigt unb durchgeführt zu werden. Unter ben neuern Thatsachen weisen Wir hin auf bie Annahme des Strafgesetz­buches ; von diesem wurden gerade jene Attikel mit ber größten Hartnäckigkeit unb allen Gegengründen zum Trotze durchgesetzt, welche ihre Spitze gegen den Klerus wenden, denselben gewisser­maßen einem Ausnahmegesetze unterwerfen und sogar fo weit gehen, hochheilige Pflichten seines Amtes als strafwürdige Hand­lungen zu erklären. Das Gesetz ferner über bie frommen Stif­tungen unb Vermächtnisse hat das ganze Patrimonium christ­licher Liebe, welches Glaube und Frömmigkeit ber Vorfahren int Schatten und unter der Hut ber Kirche angefammelt hat, jeher Thätigkeit, jebem Eingreifen der Kirche entzogen. Dieses Gesetz war mehrere Jahre vorher in ben Zusammenkünften des Ge­heimbundes vorbereitet worden, gerade um mittels desselben ber Kirche eine neue Beleidigung zuzufügen, ihr soziales Wirken zu hemmen und mit einem Schlage eine große Zahl von Ber- mächtmflen für Kultuszwecke zu Nichte zu machen. Eine ent­schieden freimaurerische Unternehmung gesellte sich hierzu in ber Errichtung des Monumentes zu Ehren des berüchtigten Aposta­ten von Nola; sie wurde mit ber Hülfe und Gunst ber Regie­rung vorbereitet, beschlossen unb durchgeführt von ber Loge, welche sich nicht entblöbete, bnrch ben Mund ihrer angesehensten Sprecher und Organe Zweck unb Bebeutung ber That zu ver­künden : Zweck war, dem Papstthum eine Schmach zuzufügen; bie Bebeutung ist: An bie Stelle des katholischen Glaubens hat schrankenloseste Freiheit bes Gebankens, ber Forschung unb des Gewissens zu treten. Man weiß recht wohl, was im Munde ber Loge eine solche Sprache bebeutet. Das Siegel auf alles bies setzten bann die formellen öffentlichen Erklärungen des Leiters ber Regierung, welche folgendermaßen sich vernehmen ließen: Die Regierung beansprucht bas Verdienst, bie Tragweite bes Kampfes richtig erfaßt zu haben; er vollzieht sich zwischen Glaube und Kirche einerseits und freier Forschung unb Ver­nunft anberseits; möge bie Kirche nur fortfahren mit ihrer Reaktion, möge sie streben, bie Oberhand zu behalten unb Ver­nunft unb Freiheit in Ketten zu legen; bie Regierung steht, was sie betrifft, in biefent Kampfe rückhaltlos auf Seiten ber Vernunft gegen ben Glauben; sie betrachtet es als ihre be- fonbere Aufgabe, bie Dinge bahin zu führen, baß ber italienische Staat ein vollenbeter Ausdruck dieser Vernunft und Freiheit werde. Wir haben vor kurzem auf's neue von ber gleichen Seite unb unter ähnlichen Umstänben biefe herausfordernden Versicherungen gehört.

Angesichts solcher Thatsachen unb Erklärungen enthebt es

zurück, und es war kaum eine Viertelstunde vergangen, so glitt ich die steile Wand des Cannons hinab und auf mein Lager zu.

Da unten herrschte ein regeres Leben als vorher und ich bemerkte sofort, daß neue Seute angekommen waren. Eben schritt ich über die Schienenstrecke, als ich zu meinem größten Erstaunen Winnetou bemertte, welcher von der Höhe herabgeklettert kam. Ich erwar­tete ihn und frag, als er herangekommen war:

„Mein rother Bruder kommt zu gleicher Zeit mit mir! Hat er Etwas gesehen?"

„Winnetou kommt, weil er nicht mehr zu Watten braucht," antwottete er. „Mein Bruder Schar-lih hat ja die Späher entdeckt!"

„Ah! Woher weiß dies Winnetou."

„Winnetou saß auf einem Baume uud nahm sein Rohr zur Hand. Da erblickte er weit im Westen einen andern Baum. Das war die Gegend meines Bruders, und weil mein Bruder klug ist, so wußte Winnttou, daß er diesen Baum ersteigen werde. Dann nach lan­ger Zeit erblickte Winnttou viele Punkte am Himmel. Das waren Vögel, welche vor den Spähern flohen. Mein Bruder muß dies auch bemerken und nun die Späher beobachten. Darum kehrte der Häuptling der Apachen zum Lager zurück, denn die Späher find da."

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