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Sonntag, den 19. Oktober 1890

17. Jahrgang

Fuldaer Zeitung

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen.

Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer­lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Zur gefälligen Beachtung!

Die sämmtlichen Geschäftslokale der Fuldaer Actiendruckerei, die Re­daction und Expedition der,Fuldaer Zeitung', sowie die Expedition des ,Bonifatiusbote' befinden sich von jetzt ab im katholischenVereinshause „Harmonie", Petersgasse 177.

Deutsches Keich.

Berlin, 17. Oktober.

* Mit Rücksicht auf ein Anfang nächsten Jahres am Kaiserlichen Hofe erwartetes freudiges Familien- ereigniß werden die Hoffestlichkeiten dieses Winters eine erhebliche Einschränkung erfahren.

* Zwischen der Kaiserlichen Regierung und dem Sultan von Sansibar ist ein Einverständniß dahin er­zielt worden, daß der Letztere sich verpflichtet hat, seine Hoheitsrechte über den der ostafrikanischen Gesellschaft verpachteten Küstenstrich gegen eine Entschädigung von 4 Millionen Mark abzutreten.

* Es mehren sich die Stimmen von rechts und links, welche die Beseitigung des Zesuitengcsetzes als unumgänglich betrachten. Das Deutsche Tageblatt be­streitet den Nationalliberalen die Berechtigung, gegen die Aufhebung des Ausnahmegesetzes betreffs der Je­suiten zu sein, da sie sogar für die Sozialdemokraten Rechtsgarantieen, Milderung des Gesetzes u. s. w. ver­langt hätten. „Die Agitation für die Aufhebung des Jesuitengesetzes", sagt das Blatt, „hat jetzt eine Basis gewonnen, welche sie früher nicht hatte und welche ihr ein ganz anderes Gesicht gibt; es wäre Thorheit, sich darüber zu täuschen. Die Centrumspresse hat denn auch den Angriffspunkt richtig erfaßt und baut ihre Forderungen auf den Satz auf, daß man den deutschen Jesuiten nicht verweigern könne, was man den Sozial- Demokraten zugestehe, daß Abschaffung des Sozialisten­gesetzes und Aufrechterhaltung des Jesuitengesetzes ein innerer Widerspruch wäre." Sogar die sonst so ver­bissene kulturkämpferische ,Vossische Zeitung' gesteht im Namen der Rechtsgleichheit die Aufhebung des Jesuitengesetzes zu. Sie hält die Chancen für die Aufhebung als äußerst günstig. Von der freisinnigen Partei würde der größere Theil für die Aufhebung stimmen. Ebenso wie beim Sozialistengesetz würde

„Ave Maria."

Reiseerlebnisse aus dem „wilden Westen" Nordamerikas von Carl May.

(19. Fortsetzung.) '

Winnetou hörte lautlos zu. Es war ein liebe­volles Netzauswerfen nach einer Seele, die werth war, aus den Banden der Finsterniß erlöst zu werden. Als ich geendet hatte, saß er noch lange da, in tiefes Schweigen versunken. Ich störte die Nachwirkung meiner Worte durch keinen Laut, bis er sich langsam erhob und mir die Hand entgegenstreckte.

„Mein Bruder Schar-lih hat Worte gesprochen, welche nicht sterben können", sagte er tief aufathmend. „Winnetou wird nicht vergessen den großen, gütigen Manitou der Weißen, den Sohn deS Schöpfers, der am Kreuz gestorben ist, und die Jungfrau, welche im Himmel wohnt und den Gesang der Settler hört. Der Glaube der rothen Männer lehrt Haß und Tod; der Glaube der weißen Männer lehrt Liebe und Leben. Winnetou wird nachdenken, was er erwählen soll, den Tod oder das Leben. Mein Bruder habe Dank. Howgh!"

Wir kehrten nach dem Blockhause zurück, wo man um uns beinahe besorgt geworden war. Man hatte stch von den Railtroublers und Ogellallahs unterhalten. Ich bemerkte den Leuten, daß sie ihr Settlement als

beim Jesuitengesetz nicht Rücksicht auf die Betroffenen, sondern auf die Rechtsgleichheit im Staate maßgebend sein. Mit Polizeimaßregeln könne man den Jesuitis- mus nicht bekämpfen.

* Auf dem sozialdemokratischen Parteitage in Halle behalten die Fraktions-Gewaltigen mit leichter Mühe gegen die Opposition der Werner und Genossen die Oberhand und nutzen ihr Uebergewicht gleich in der rücksichtslosesten Weise aus. Die „Radaumacher" sollen vollständig tobt gemacht werden; das wird um so leichter erreicht, als sie selbst gründlich dafür sorgen. Benehmen sie sich doch so ungeschickt, daß man ihrem „Führer" zum Hohne das Wort über die geschäfts­ordnungsmäßige Zeit hinaus beließ, damit er „sich so gut blamire, wie er könne." Die Herren Singer und Bebel gaben ihm hierauf noch einige Fußtritte und die Versammlung war sehr erbaut davon. Herr v. Voll- mar, der doch auch zu den Jungen gehört, sprang diesem nicht bei, ob in der Erkenntniß, daß doch nichts auszurichten sei oder aus anderen Erwägungen der Klugheit, muß dahin gestellt bleiben. Unter diesen Umständen ist an einen „Krach" weniger als je zu denken. Auch die Kommission zur Untersuchung der Beschwerden gegen die Fraktion wird mit der Oppo­sition leichtes Spiel haben, sodaß die schmutzige Wäsche schwerlich weiter vor der O-.ffentlichkeit gewaschen wer­den wird. Ziemlich heiß scheint es bei Berathung des Organisations - Entwurfs hergegangen zu sein; indeß wird derselbe ebenfalls zu einer ernstlichen Spaltung schwerlich Anlaß aeben; entweder die Opposition ist unbedeutend in der Zahl, dann geht man ohne Gefahr über sie zur Tagesordnung über, oder sie besitzt eine beachtenswerthe Macht, dann ändert man eben den Entwurf. Der Hauptkampf wird wieder hinter den Kouliffen der Kommission ausgefochten werden. Er­heblich Neues haben uns int Uebrigen die Verhand­lungen nicht zu melden gewußt. Was aus dem Wust von Gezänk und Andeutungen über die nächsten Ab­sichten der Partei herausgefischt werden kann, haben wir vorher bereits wiederholt gehört. Daß gegen den „Ultramontanismus" der Kampf eröffnet, die Agitation auf's Land getragen, die Bergarbeiterschaft und die polnische Bevölkerung kräftig in Angriff ge­nommen, die Gewerkschafts-Bewegung ausgenutzt wer­den soll u. s. w., wußte man aus den Reden wie den Thaten der Partei längst.

* Frhr. v. Schorlemer-Alsi hat namens des Vor­standes des Westfälischen Bauern-Vcreins an alle Mitglieder desselben folgende Mahnung gerichtet: „Die Führerder Sozialdemokratie haben neuer­dings wiederholt erklärt, in nächster Zeit vorwiegend ihre Thätigkeit dahin zu richten, die ländliche Be­völkerung für ihre verderblichen Ziele zu gewinnen.

einen so weit vorgeschobenen Posten eigentlich hätten befestigen sollen. Sie sahen dies ein und beschlossen, das Versäumte baldigst nachzuholen. Es war klar, daß ihre Niederlassung nur wegen ihrer außerordent­lich abgeschiedenen Lage den Späherblicken der Wilden bisher entgangen war. Kam ein einziger Indianer in die Nähe, so war es um ihre Sicherheit geschehen. Die vierzehn Männer des Settlements waren zwar mit guten Waffen und hinreichender Munition ver­sehen, und auch die Frauen und größeren Kinder be­saßen Muth und Uebung genug, ein Gewehr abzu­schießen ; aber was war das gegen eine Heerde wilder Gesellen, die zu Hunderten erscheinen tonnten! An Stelle dieser Leute hätte ich die Blockhäuser nicht an ihrer gegenwärtigen, exponirten Stelle, sondern hart am Ufer des Sees errichtet, so daß dieselben nur von der Landseite angegriffen werden konnten.

Die Richtung, welche die Railtroublers einschlagen wollten, führte jedenfalls in weiter Entfernung von hier vorüber, dennoch aber bat ich die Settler, auf ihrer Hut zu sein und besonders ihre noch mangel­haften Fenze (Umzäunungen) zu verstärken.

Es war spät, als wir nach (Entfernung der übrigen Gäste uns zur Ruhe legten. Wir ruhten in den weichen Betten Hillmann's, die uns gafffreundlich überlasten worden waren, und schieden am anderen Morgen mit herzlichem Danke gegen die braven Leute,

Damit wird uns ein schon länger vorauszusehender Kampf aufgedrungen, den wir als Christen, als treue Untertanen, in Vertheidigung des Grundbesitzes, der Familie und der gesellschaftlichen Ordnung aufnehmen müssen und wollen. Die Sozialdemokratie verwirft das Christenthum, die christliche Familie, das Eigen- thum; sie erstrebt den Umsturz des Thrones und der Monarchie, um ihre Ziele zu verwirklichen, und erhofft den Sieg, wenn es ihr gelingt, auch die ländliche Be­völkerung in ihre Netze zu ziehen. Ohne Furcht, festen Auges wollen wir der drohenden Gefahr ent­gegentreten, die zu überschätzen unmännlich, die zu unterschätzen sträflicher Leichtsinn wäre. Ist auch und bleibt das, was die Sozialdemokratie erstrebt, unaus­führbar, so kann und wird doch ein auch nur theil- weiser Sieg derselben unendliches Unheil, Elend, Blut und Thränen über das Vaterland bringen und an die Stelle der heutigen Ordnung eine Welt voll Trüm­mer und Ruinen setzen. Der Wesff. Bauer wird in einer nächsten Nummer die schlechten Grundsätze und Ziele der Sozialdemokratie, insbesondere mit Rücksicht auf die dem Grundbesitze, der Erhaltung unserer Höfe seitens derselben drohenden Gefahren näher darlegen. Aber schon heute richten wir an alle unsere Mitglieder, insbesondere an die Vorstands- und Ausschußmitglieder die Bitte, die angekündigte Agitation der Sozial­demokraten in den ländlichen Bezirken im Auge zu behalten, und wo sich dieselbe geheim oder öffentlich zeigt und geltend macht, gleich darüber an uns zu berichten, damit wir rechtzeitig entgegen­wirken können."

* Ueber den Fürsten Bismarck wird der ,Voss. Ztg.' aus Varzin gemeldet, derselbe empfange täglich viele Besuche aus der Umgegend und sehe gewöhnlich einige zwanzig Gäste bei sich zu Tische. Seit dem 1. Oktober ist in Varzin eine großartige Dampf­molkerei errichttt. Professor Schweninger befindet sich jetzt ebenfalls in Varzin.

* Düsseldorf, 13. Okt. Der sattsam bekannte Reichstags-Abgeordnete Dr. Böckel machte gestern Abend vor einem aus 400—500 Personen bestehenden Publikum den Versuch, für den Antisemitismus Propaganda zu machen. Seine anderthalbstündige Rede bot nichts neues; er erging sich in den bekannten Anklagen, Phrasen und Forderungen, welche hinläng­lich bekannt sind. Zu dem Vortrage waren „alle staatserhaltenden Parteien" eingeladen. Laute Zwi­schenrufe bei einzelnen Ausfällen des Redners gegen die Sozialdemokratie bewiesen, daß auch letztere stark vertreten war. Ein Redner, der Hrn. Böckel zu wider­legen versuchte, wurde niedergebrüllt und vom Vor­sitzenden zum Schlüsse gedrängt. Eine lahme Erwide­rung des Hrn. Böckel, der es nicht an persönlichen die uns noch eine Strecke begleiteten und denen wir versprechen mußten, wieder bei ihnen einzukehren, falls uns unser Weg wieder in die Nähe führe.

Ehe sie Abschied nahmen, traten die acht Sänger nochmals zusammen, um dem Apachen das Ave Maria zu singen. Als sie geendet hatten, reichte er Allen die Hand und sagte;

„Winnetou wird die Töne seiner weißen Freunde nie vergessen. Er hat geschworen, von jetzt an nie mehr den Scalp eines Weißen zu nehmen, denn die Weißen sind die Söhne des guten Manitou, der auch die rothen Männer liebt!"

Dieser Entschluß war die erste Frucht unserer gestrigen Unterredung, und nun hatte ich die lieber« jeugung, daß meine Worte auch noch weiter wirken würden. Das Wort Gottes ist das Senfkorn, dessen Keimen im Verborgenen vor sich geht; hat es aber einmal die harte Kruste durchdrungen, so wächst es im Lichte schnell und fröhlich weiter.

Unsere Pferde hatten sich von dem gestrigen an« gestrengten Ritte vollständig wieder erholt; sie griffen so aus, daß es eine Freude war- Die Bewohner von Helldors-Settlement, welches seinen Namen nach dem bayerischen Dorfe führte, aus welchem diese Leute stammten, waren öfters in Echo-Cannon gewesen und hatten uns den kürzesten Weg genau beschrieben, so daß wir bei der Schnelligkeit unserer Pferde hoffen