J\£ 240. Freitag, den 17. Oktober 1890. 17. Jahrgang
Fuldaer Zeitung.
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deutschen Bürger auf Freizügigkeit ein allgemeines ist, gestattet das Jesuitengesetz nicht nur analog dem Sozialistengesetz den Behörden, Deutsche, die Mitglieder des Jesuitenordens sind, aus ihrer Heimath auszuweisen, sondern geht noch darüber hinaus mit der Bestimmung, daß den Jesuiten ein beliebiger Wohnsitz angewiesen werden kann, den sie bei Strafe nicht verlassen dürfen, fügt also noch zu der Ausweisung die mittelalterliche Strafe der „Verstrickung".
Ein derartiges Gesetz kann nicht schnell genug beseitigt werden. Von derVernunft und der Gerechtigkeit hat es sein Urtheil längst erhalten und auch vor der Vertretung des deutschen Volkes wird es nicht länger bestehen können. Die Frucht ist reif; es bedarf gar nicht erst der Agitation, um dies festzustellen; das Centrum braucht nur zu thun, was Pflicht und Ehre von ihm fordern."
Daß die Centrums-Fraktion ihre Schuldigkeit thun wird, darauf kann die ,Franks. Ztg.' sich verlassen.
Deutsches Keich.
Berlin, 15. Oktober.
* Der Hirtenbrief der preußischen Bischöfe über die soziale Frage wird, wie man der,Germania' mit- theilt, in Rom sehr gelobt. ,Osservatore' und ,Boce' brachten eine italienische Uebersetzung desselben und sagten, es sei ein Aktenstück, das nicht nur für die Deutschen, sondern für alle Völker höchst belehrend sei.
* Ueber Schutzzoll und Mc. Kinley-Gesetz schreibt die ,Köl. Vztg.,: Die freisinnigen und freihändlerischen Organe befinden sich in Verlegenheit. Das Urbild eines in großem Stile ausgearbeiteten Freiheitsstaates, in welchem die Menschen schier thun und lassen können, was sie wollen, ist in Bezug auf seine materiellen Interessen gar arg bockbeinig und will von dem „Laissez tairo-System" nichts wissen. Und die Brüder Iankees jenseits des Ozeans, um welche es sich hier handelt, lassen sich in diesem Treiben durch allerlei Phrasen von der individuellen Freiheit nicht irre machen. Das ärgert nun baß unsere freisinnigen Phrasendrescher, und flugs sind ,sie auch an der Arbeit, um die „nationale" Wirthschaftspolitik des Deutschen Reiches hierfür verantwortlich zu machen. Tante Voß und der Börsen- Courier sind darüber eben so empört, wie einig, daß dasjenige, „was in Nordamerika jetzt geschieht, eigentlich nur eine Ausführung desjenigen wirthschaftlichen Programms ist, zu welchem sich Fürst Bismarck zuletzt bekannt hat". Mit andern Worten: Fürst Bismarck hat mit seinem nationalen Wirthschafts-System die Amerikaner so lange geärgert, bis sie endlich die Geduld verloren, ihre freiheitlichen Ansichten über Bord geworfen und sich dem Schutzzoll er
geben haben. Es wäre kindisch, wollte man auf solch' ungeheuere Verdrehung der Thatsachen antworten. Der Börsen-Courier überhebt uns übrigens auch einer solchen Arbeit; er selbst ist es, der in dem diesen Gegenstand behandelnden Artikel: „Wirkung des Schutzzolles" sich selbst auf das nachdrücklichste ad absurdum führt. „Die Vereinigten Staaten von Nordamerika", so berichtet das genannte Organ, und es berichtet in diesem Punkte Thatsächliches, „welche seit dem Successionskriege schutzzöllnerisch waren . . ., haben die schutzzöllnerische Politik nicht bloß fortgesetzt, sondern noch gesteigert." Diese Steigerung ist bekanntlich eingetreten, obschon seit Jahren die Zolleinnahmen der nordamerikanischen Union bedeutend größer sind, als der Staatsbedarf. Und angesichts solcher Thatsachen, daß nämlich die Amerikaner seit einem Vierteljahrhundert bereits Schutzzöllner sind, und daß sie das Schutzzoll-L-ystem geradezu als Sport betreiben, unbekümmert darum, was die übrige Welt dazu sagen möge, entblödet sich der Börsen- Courier nicht, seinen Lesern das Ammenmärchen aufzubinden, als ob die Amerikaner erst durch die in Deutschland 1879 eingeführte Wirthschaftspolitik Geschmack an ihrem System gefunden und eine weitere Steigerung in demselben vorgenommen hätten. Gelegentlich der Debatten über die Abschaffung der Todesstrafe sprach sich ein Gegner dieser Abschaffung dahin aus, „die Herren Mörder möchten doch gefälligst den Anfang machen." Nun, mögen denn also die Ämeri- kaner, die doch das Schutzzoll-System absolut nicht mehr uöthig haben, mit der Abschaffung desselben den Anfang machen. Wir haben in Deutschland das Schutzzoll-System nicht erfunden, wohl aber gefunden, daß es thöricht sein würde, wollten wir gestatten, daß ein übermäßiger Wettbewerb sich unseres Innern Marktes bemächtige und unsere heimische Industrie zu Grunde richte, die anderseits wiederum von der Gewinnung wichtiger Absatzgebiete zurückgeschreckt würde.
* Die Einfuhr lebender Schweine von Steinbruch und Bielitz - Biala darf nunmehr auch nach Breslau, Kosten und Hirschberg erfolgen.
* Zur Revision des Krankenkassen-Gesetzes schreibt die ,Voss. Ztg.': „Es haben sich bei uns zahlreiche Arbeiter gefunden, die sich zu freien Hilfs lassen vereinigt haben. Ein Arbeiter, der einer freien Hilfskasse beitritt, erklärt damit: „Ich erlasse dem Arbeitgeber die Beiträge, die er eigentlich für den Fall meiner Krankheit zahlen sollte; aber um diesen Preis will ich ihn auch von der Verwaltung dieser Kasse ausschließen und diese Kasse mit meinen Genossen allein verwalten." Das Opfer, das der Arbeiter bringt, indem er einer freien Hilfskaffe beitritt, ist ein gewaltiges; aber indem er diesen hohen Preis zahlt, zeigt er am
* Das Jesuitengesetz wird und muß fallen!
Zu diesem Schluß gelangt ein lesenswerther Artikel der demokratischen .Franks. Ztg.', worin es heißt:
„Gegen den Antrag auf Aufhebung des Jesuitengesetzes werden die Kartell-Parteien stimmen, insge- sammt etwa 130 Abgeordnete, für den Antrag das Centrum mit Polen, Welfen und Elsässern, die Sozialdemokraten — deren Partei-Organ dies bereits in bestimmtester Form erklärt hat — und die Volkspartei. Gegen die 130 Nein ständen somit schon 180 Ja, bis auf etwa 20 Stimmen die Mehrheit des vollbesetzten Hauses. Von der gegen 70 Mitglieder zählenden freisinnigen Partei wird, nachdem die Kulturkämpfer aus ihr geschieden sind und der 1872 stark verblaßt gewesene demokratische Gedanke, der alle Ausnahme-Gesetze perhorreszirt, wieder Kraft gewonnen hat, unzweifelhaft der weitaus größere Theil für Abschaffung des Jesuitengesetzes seine Stimme abgeben; wir glauben nicht fehl zu gehen, wenn wir annehmen, daß solchem Votum an der. Einstimmigkeit nicht viel fehlen wird, so daß auf Annahme des Centrums-Antrages mit etwa 250 gegen 150 Stimmen zu rechnen ist. Jedenfalls aber wird die Entscheidung, soweit sie bei der freisinnigen Partei liegt, zu Gunsten des Antrages erfolgen; darüber können die Nationalliberalen, die es lieben, auf die Bedeutung der Abstimmung des Freisinns hinzuweisen, ganz ohne Sorgen oder richtiger ganz ohne Hoffnung sein.
Bei dieser Lage der Dinge wäre es nicht zu verstehen, wenn das Centrum auch nur einen Augenblick zögern würde, die Sache an den Reichstag zu bringen. Es hat sich vom Kampfe gegen die Maigesetze nie durch die Erwägung abhalten lassen, daß der Angriff an der Mehrheit des Abgeordnetenhauses scheitern werde, und es sollte Angesichts der Sicherheit des parlamentarischen Erfolges irgend welche Bedenken tragen, den Kampf gegen das schlimmste aller Ausnahme-Gesetze, die das System Bismarck gezeitigt hat, mit voller Kraft zu eröffnen? Man mag über Wesen und Macht des Jesuitenthums denken wie man will, das Jesuitengesetz ist und bleibt unter jedem Gesichtspunkt ein schwerer Eingriff in die Sphäre der Rechtsgleichheit. Während die preußische Verfassung in ihrem SIrtifef 30 allen Bürgern das Recht verbürgt, sich zu solchen Zwecken, die den Strafgesetzen nicht zuwiderlaufen, in Gesellschaften zu vereinigen, verbietet das Reichsgesetz vom 4. Juli 1872 alle Niederlassungen der Jesuiten und verwandter Orden im Gebiete des Reiches, ohne daß jemals der Beweis geführt oder auch nur versucht worden ist, daß diese Orden in ihren Zwecken und Bestrebungen mit den Strafgesetzen in Kollision gekommen sind. Während das Recht der
„Ave Maria."
Reiseerlebnisse aus dem „wilden Westen" Nordamerikas von Carl May.
(17. Fortsetzung.) >
Sämmtliche Settlers hatten vorher in Chicago gewohnt. Sie waren aus dem bayerischen Fichtelgebirge nach Amerika gekommen, hatten in Chicago treu zusammengehalten und fleißig gearbeitet, um sich das Geld zu einer Farm zu verdienen. Das war allen fünf Familien gelungen. Als sie sich entscheiden sollten, in welcher Gegend sie sich eine Heimath gründen wollten, gab es eine schwere Wahl. Da hörten sie einen alten Westmann von den Tetons erzählen und von den Reichthümern, welche in jenen unerforschten Gegenden aufgestapelt liegen. Er hatte ihnen zugeschworen, daß da oben ganze Felder von Chalce- donen, Opalen und Achaten, Carneolen und anderen Halbedelsteinen zu finden seien. Hillmann war eigentlich Steinschneider, und dieser Bericht begeisterte ihn. Seine Begeisterung bemächtigte sich auch der Andern, und so wurde beschlossen, nach jenen Gegenden zu gehen. Aber die vorsichtigen Deutschen waren cklug genug, nicht ihr ganzes Vertrauen auf jene Reich- khümer zu setzen. Sie beschlossen sich in der Nähe der Berge einen für Farmereibetrieb passenden Ort zu suchen, sich dort als Squatters niederzulassen und erst
dann, wenn die Farm in Gang gebracht sei, nach den Steinfeldern des alten Westmaunes zu forschen. Der alte Hillmann war mit noch Zweien auf die Suche gegangen und hatte den prächtigen Thalkessel mit dem See gefunden. Dieser Ort paßte für ihr Vorhaben; man holte die andern nach, und nun, nach drei arbeitsreichen Jahren, konnten sich die braven Leute die erste Ruhe gönnen.
„Und sind Sie schon einmal droben bei den Tetons gewesen? fragte ich.
„Mein Willy und Bill Meinert, der Sie von Chicago aus kennt, haben es einmal versucht, hinauf zu gelangen, das war im vorigen Herbste; sie sind aber nur bis hinauf zum John Grays See gekommen; dann ist es ihnen zu wild und bergig geworden. Sie konnten nicht weiter fort."
„Daran sind sie leider selbst schuld", bemerkteich: „sie sind keine Westmänner."
„O, Herr, ich denke doch!" meinte Willy.
„Nehmt mir's nicht übel, wenn ich trotzdem bei meiner Behauptung bleibe. Selbst bei einem drei Jahre langen Urbarmachen einer Wildniß wird man nur ein Settler, aber kein Westmann. Sie haben die Tetons von hier aus in schnurgerader Linie erreichen wollen, und ein Westmann weiß genau, daß dies ganz unmöglich ist. Das wird selbst in einem halben Tausend von Jahren noch nicht möglich sein, viel we
niger jetzt, wo Alles noch in dichter Wildniß liegt. Wie wollen Sie undurchdringliche Urwälder, die von Bären und Wölfen bevölkert sind, Abgründe und Schluchten, in denen kein Fuß einen Halt findet, Cannons, wo hinter jedem Felsen ein Jndsman lauschen kann, überwinden? Sie hätten von hier aus den Salt-River oder John Grays River zu erreichen suchen sollen. Beide münden unweit von einander in den Snake-River, den Sie dann aufwärts verfolgen mußten. Dann bekamen Sie zur Linken zunächst die Snake River Mountains, dann die Teton Paß Mountains, nachher den Teton Paß selbst und endlich die ganze Tetons Range in einer Länge von über fünfzig englischen Meilen. Aber zu Zweien läßt sich eine beschwerliche und gefahrvolle Entdeckungsreise nicht ausführen. Haben Sie Steine gefunden?"
„Einige Moosachate, weiter nichts."
„So lassen Sie einmal sehen! Winnetou kennt jeden Winkel des Felsengebirges. Ich will ihn einmal fragen."
Da ich wußte, daß ein Indianer über die Gold- unb anderen Schätze des Westens nur selten und höchst ungern spricht, so stellte ich meine Frage in der Sprache der Apachen. Ich war aber trotzdem überzeugt, daß er jede Auskunft verweigern werde.
„Will mein Bruder Schar-lih Gold und Steine suchen?" meinte er ernsthaft.