JV 238.
Mittwoch, den 15. Oktober 1890.
17. Jahrgang
Für die Rcdaction verantwortlich: Ludwig Deibel in tfulba.
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Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (B. Diklmann).
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K Gin bedeutender Dichter der Gegenwart aus Fulda.
Die älteren Fuldaer erinnern sich noch sehr wohl des kühnen Redakteurs der „Wacht auf", eines demokratischen Blättchens, das anno 1848 bis 51 wöchentlich einmal in Fulda erschien und durch seine blitzenden und donnernden Artikel nicht geringes Aufsehen erregte. Unter der stehenden Rubrik „Tölpel merk's" pflegte es zahlreiche Püffe auszutheilen. Doch erfreute es sich wegen seines muthvollen Tones zahlreicher Sympathieen. Eine vollständige Sammlung dieses für die Kulturgeschichte Fulda's nicht unwichtigen Blattes ist für die Nachwelt auf der hiesigen Landesbibliothek aufbewahrt. Der Redakteur desselben, Adam Trabert, geboren zu Fulda 1822, wurde wegen Majestätsbeleidigung des Kurfürsten zu Festungsstrase verurtheilt, vertrat später die demokratischen Interessen als Abgeordneter im kurhessischen Landtag zu Kassel bis zur Entthronung des Kurfürsten, begab sich nach der Annexion Kurhessens nach Oesterreich und lebt jetzt zu Wien als Beamter der Generaldirektion der österreichischen Staatsbahnen. Bekannt ist, wie der entthronte Kurfürst zur Zeit, wo er in Böhmen wohnte, mit Trabert in Wien ein Stelldichein hielt, und hier seinem ehemaligen Gegner anerkennend die Hand reichte Trabert war früher in seiner Sturm- und Drang-Periode dem Glanben entfremdet, hat sich aber in seinem geklärten und vollreifen Alter entschieden dem Glauben zugewendet und ist jetzt für die katholische Sache eifrig thätig, wie wir dies aus einem Berichte von Heinrich Keiler in der neuesten Nummer (510) des Literarischen Handweisers in Münster erfahren. Auf diesen Bericht fußend, kann ich Ihnen die Ihren Lesern interessante Thatsache mittheilen, daß Trabert sich in seinen alten Tagen entschlossen hat, 'feine Gedichte herauszugeben. Dieselben sind in drei Bändchen zu Frankfurt a. M. bei Wendel erschienen.
I. Band: Schwertlieder eines Friedsamen.
II. Band: Ein Menschenleben.
III. Band: Trost - Einsamkeit.
Mit dieser Sammlung tritt er sogleich in die vorderste Reihe der katholischen Dichter Deutschlands. Wie schon erwähnt, ist Trabert in religiöser Beziehung nicht mehr der alte, seine jetzige Weltanschauung beruht auf katholischen Grundsätzen und weiß den lebhaften Freiheitsdrang mit der Liebe zur staatlichen Ordnung zu vereinigen, so daß sie lebhafte Sympathie einflößt. Das erste Bändchen enthält eine Reihe wohl- gelungener Balladen und Romanzen. Das zweite Bändchen ist gewissermaßen eine Art Selbstbiographie und zeigt den Entwickelungsgang des Dichters von der Fugend bis zum reiferen Alter. Dem über seinespätere Umwandlung staunenden Leser ruft er zu: „blüht nicht die Rebe schon, wo einst die Lava brannte."
„Ave Maria."
Reiseerlebnisse aus dem „wilden Westen" Nordamerikas von Carl May.
(15. Fortsetzung.)
„Das ist allerdings unmöglich. Und übrigms kann Euch an seiner Bestrafung allein doch nicht gelegen sein. Die andern Railtroublers sind nicht weniger schlecht als er. Ich will Euch sagen, Fred, daß ich mich auf allen meinen Streifzügen möglichst gehütet habe, einen Menschen zu tobten, denn Menschenblut ist die kostbarste Flüssigkeit, welche es gibt. Ich habe lieber großen Schaden getragen, ehe ich zur tödtlichen Waffe griff, und wenn es doch geschehen mußte, so geschah es sicherlich im äußersten Grade der Noth- wehr. Und selbst da habe ich lieber den Feind kampfunfähig gemacht, als daß ich ihm das Leben nahm —"
„Ah," meinte der Dicke, „da feid Ihr grad wie Old Shatterhand. Dieser soll auch nur in der größten Noth einen Indianer tobten. Das Wild schießt er in das Auge; aber wenn ihn der Feind zur Gegenwehr zwingt, so zerschmettert er ihm entweder das rechte Bein oder den rechten Arm, oder er schlägt ihm einfach die Faust an den Kopf, daß er zusammenbricht und stundenlang liegen bleibt."
„Uff!"
Gewiß freut es alle wohlgesinnten Fuldaer, daß da, wo einst die Lava eines heftigen Temperamentes und umstürzenden Thatendranges ihre glühenden Linien zog, jetzt die Rebe einer geläuterten, Herz und Geist erquickenden Gesinnung blüht und fruchtet.
Das dritte Bändchen enthält epische, lyrische und satyrische Gedichte und Sprüche. Der erwähnte Bericht rühmt den Gedichten Tiefe der Empfindung, Originalität der Auffassung, Schönheit der Sprache und Feinheit der Form nach und bezeichnet sie als hervorragende Erzeugnisse auf dem Gebiete der schönen Literatur. Möge eine berufenere Feder Mehreres und Ausführlicheres über diese Dichtungen zur Kenntniß seiner Fuldaer Landsleute bringen. Wir beglückwünschen den Dichter von Herzen zu seiner glücklichen Umwandlung und begrüßen freudig den ruhigen, lichten Sonnenschein, der das schreckliche Dunkel des tobenden Ungewitters vor seinem Lebensabende verscheucht hat. Wir rufen ihm zu: „Jetzt bist du ein echter Sohn der Bonifatiusstadt Fulda!"
Deutsches Deich.
Berlin, 13. Oktober.
* In mittelparteilich en Blättern wird geschrieben: „Gegenüber der mit Aufbietung aller Kräfte in Scene gesetzten ultramontanen Agitation für Wie- derzulassung der Zcsuiten hält es die ,Nationall. Corr.' für angebracht, daß an den Reichstag auch Petitionen um Aufrechterhaltung des Jesuitengesetzes gelangten, sonst könnten über die vorherrschende öffentliche Meinung in dieser Frage schiefe Urtheile entstehen. Im Jahre 1872, als die Jesuitenfrage behandelt wurde, lagen dem Reichstage 3000 Petitionen für und wider vor. Diejenigen für das Verbot überwogen aber bei weitem. Bei der Mehrheit des deutschen Volkes, zumal (!) bei der protestantischen Bevölkerung, ist in der Ueberzeugung von der verderblichen Wirksamkeit des Orden- seitdem gewiß keine Aenderung eingetreten." Nun, wenn das nationalliberale Organ die damaligen Petitionen als Maßstab für die „Ueberzeugung" des deutschen Volkes gelten läßt, dann hat dasselbe mit ungeheurer Mehrheit sich damals gegen die Vertreibung der Jesuiten ausgesprochen. Es ist unwahr, wenn das Blatt oben das Gegentheil sagt. Die Petitionen zu Gunsten der Jesuiten hatten weit mehr als das Zehnfache der Unterschriften der Gegner. Auch jetzt wird man bei der katholischen Bevölkerung auf 100 Katholiken noch nicht eine Stimme gegen die Jefniten anfbriugen, und auch bei den Protestanten wird man keine Volksbewegung gegen sie zu Stande bringen. Das Volk hat ganz andere Sorgen, das Volk respektirt auch andere religiöse Ueberzeugungen besser, das Volk achtet im Durchschnitt die Freiheit
Diesen gedämpften Ruf der Verwunderung stieß der Apache aus. Er merkte erst jetzt, daß Walker noch gar nicht wußte, daß ich selbst Old Shatterhand sei. Ich nahm von diesem Rufe keine Notiz und fuhr fort:
„Dennoch aber kann es mir nicht einfallen, einen Bösewicht ober gar eine ganze Schaar solcher Kerls ruhig laufen zu lassen. Das hieße ja, ihr Mitschuldiger werden und diese Rotte gegen brave Leute loszulassen. Herausholen können wir diesen Williams nicht; aber es wäre mir ein Leichtes gewesen, ihn vorhin unschädlich zu machen, indem ich ihn niederschoß. Doch will ich kein Mörder sein, und gegen das, was er verbrochen hat, wäre so ein schneller Tod ja geradezu eine Belohnung gewesen. Ich meine vielmehr, daß wir auch seine Helfershelfer fassen müssen, und das kann nur dann geschehen, wenn wir sie ruhig nach dem Cannon ziehen lassen."
„Und wir?"
„Da gibt es Nichts zu fragen! Wir kommen ihnen zuvor und warnen die Leute, welche überfallen werden sollen."
„Well! Diesen Gedanken lasse ich mir gefallen. Vielleicht gelingt es uns, diese Raubmörderbande lebendig zu fangen. Aber werden sie uns nicht zu zahlreich fein?“
„Wir sind ihnen zu Dreien gefolgt, ohne uns zu
mehr. Wie 1872, würden es auch jetzt Bourgeois' Büreaukrat en und Professoren fteimaurerischer, protestantischer und altkatholischer Färbung sein, welche gerne eine Bewegung gegen die Jesuiten hätten, ihre Gefolgschaft würde aber nur in einigen vom Evangelischen Bunde verhetzten Gegenden etwas bebeuten. Wollen jene Herren es also versuchen, die Jesuiten vom deutschen Boden fern zu halten, nachdem die Sozialdemokraten wieder Freiheit der Bewegung erhalten haben, so mögen sie es thun. Desto allgemeiner und stärker würde die katholische Bewegung werden, und daß diese überhaupt oben bleibt, dafür übernehmen wir die Garantie. Von jenen Vertretern einer Pro- scriptionS-Politik aber würde es in der Geschichte heißen, sie hätten selbst in sozialrevolutionär erregter Zeit Nichts gelernt und Nichts vergessen!
* Der Besuch der sozialdeuwkratischeu Versammlungen läßt jetzt viel zu wünschen übrig. Die vielen Versammlungen mit fast immer derselben Tagesordnung haben die Arbeiter müde gemacht und so kommt' es, daß man in den Lokalen stets ganze Reihen leerer Tische vorfindet. Von den in der ersten Hälfte der vergangenen Woche einberufenen 18 Versammlungen mußten 2 wegen Mangels an Besuch vertagt werden. Am vorigen Dienstag sollte in Sanssouci eine große Versammlung der Bäcker stattfinden. Da aber nach stundenlangem Warten erst 32 Personen erschienen waren, wurde sie verlegt. Mittwoch Abend war nach dem gleichen Lokal von dem sozialdemokratischen Gast- wirth Gründe eine Kommunal - Wähler - Versammlung einberufen, in welcher das Vorgehen der Mehrheit der Stadtverordneten in Sachen der Sanitätswachen und der Feuerwehr proteftirt werden sollte. Nach ungefähr einer Stunde waren erst 120 Personen erschienen. Da nach halbstündiger Vertagung die Zahl der Erschienenen dieselbe war, wurde beschlossen, in nächster Woche mehr in Mitte der Stadt eine Versammlung zu veranstalten und dafür zu sorgen, daß an diesem Tage keine anderen Versammlungen 'stattfinden.
* Die Steuerreform-Gesetzentwürfe sind seitens des Finanzministers fertiggestellt. Sie dürften zusammen mit dem Entwürfe über die Landgemeindeordnung schon an einem der nächsten Tage das StaatSmini- sterium von Neuern beschäftigen. Da über den wesentlichen Inhalt der Entwürfe schon vor einiger Zeit Uebereinftimmung erzielt ist, so stände der königlichen Genehmigung zur Einbringung derselben an den Landtag nichts im Wege. Man kann daher mit einiger Sicherheit annehmen, daß nach der Genehmigung auch der formulirten Entwürfe im Staatsministerium die Einberufung des Landtages zu einer Herbstsession bald erfolgen wird.
* Ein Kongreß der eingeschriebenen sowie auf Grund landesrechtlicher Vorschriften errichteten Hilfs
fürchten, und werden sie noch weniger fürchten, wenn wir in Echo-Cannon Verbündete gefunden haben."
„Wir werden nicht viele finden. Die größte Anzahl dieser Leute wird sich auf der Verfolgung befinden."
„Wir werden dafür sorgen, dvß sie von dem Stande der Dinge benachrichtigt werden und schleunigst zurückkehren."
„In welcher Weise?"
„Ich schreibe einen Zettel und befestige ihn an einen Baum, an welchem die Spur, der sie folgen, vorüberführt."
„Werden sie es glauben? Es könnte daS ja auch eine List der Railtroublers sein, um sie von der Verfolgung abzubringen."
„Sie werden von unferm Zugpersonale gehört haben, daß zwei ausgestiegen sind, und auch unsere Fährten gesunden haben. UebrigenS werde ich die Warnung so abfaffen, daß sie geglaubt werden muß. Ferner werde ich sie bitten, den Greenfork und Painter- hill zu vermeiden, da am ersteren Orte die getheilten Sioux sich wieder treffen sollen und an dem zweiten die Kundschafter verweilen. Diese Letzteren dürfen die zurückkehrenden Eisenbahnen keineswegs bemerken, und daher werde ich mit notiren, daß die Heimkehr nach dem Cannon vom Süden her geschehen muß."