JM 237.
Dienstag, den 14. Oktober 1890.
17. Jahrgang
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Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
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* Moderne Erziehung.
Fast in der ganzen Welt klagt man über den sittlichen Niedergang der jungen Generation. Die Hauptursachen desselben sind ohne Zweifel der Staat mit der religionslosen Schule und die Familienväter selbst; von diesen beiden Ursachen ist die letztere die schlimmste wegen der größeren Macht ihres Einflusses.
Der Fehler der Famili enh äupte r ist der, daß sie ihre Kinder in der Luft der schlecht verstandenen Freiheit aufwachsen und sich bewegen lassen, ohne ihrer wilden Natur Zaum und Zügel anzulegen kraft der Autorität, die Gott den Eltern als seinen Stellvertretern verliehen hat. Leider kennen viele Eltern gar nicht die große Würde und Macht, welche ihnen innewohnt.
Die Eltern nehmen in gewissem Sinne Theil an Gottes Vaterschaft, indem sie so zu sagen mit dem Schöpfer zur Erzeugung vernünftiger Wesen mitwirken. Deßhalb sind sie mit höherer Autorität ausgerüstet und herrschen in der häuslichen Gesellschaft wie der Fürst im Staate, wie der Papst in der Kirche. Was Geist und Herz in jedem einzelnen Menschen sind, das sind Vater und Mutter in der Familie: Der Vater lenkt und regiert die Glieder, die Mutter gibt ihnen den Antrieb der Liebe. Wo die Eltern ihre Autorität wahren, da herrscht Ordnung, Eintracht, Liebe; wo sie aber unter dem Vorwand der Freiheit oder des modernen Fortschritts das süße Joch ihr?r elterlichen Autorität den Kindern, nicht auflegen, da ist ein Leib. ohne Haupt, ein Schiff ohne Steuer, ein Staat ohne Regierung; da ist Unordnung und Anarchie. Denn die Vollkommenheit jedes Körpers besteht in der Zurückführung der vielen Thcile zur Einheit. Dieses einende Prinzip in der Familie ist die Autorität, welche die Glieder dem Haupte unterordnet, ihre verschiedenen Handlungen zu einem Ziel, der Wohlfahrt der Familie hinlenkt.
So ist die moderne Familie ein Abbild der heutigen politischen Gesellschaft, wo man vielfach dem Gesetze nicht mehr gehorcht, die öffentliche Ordnung umzustoßen trachtet und dem Egoismus und der Leidenschaft den Frieden und das Staatswohl opfert.
Dahin kommt es, wenn die Eltern vergessen, daß sie Stell vertreterGottes sind: daß die Kinder, wenn auch nicht Sklaven, so doch auch nicht Herren sein sollen, sondern Untergebene, die sich der von Gott kommenden Autorität unterwerfen.
Damit nun die Autorität der Eltern ihre ganze sittliche Kraft ansübe, muß sich uothwendig das gute Beispiel mit ihr verbinden. Die Eltern sollen Hirten und Führer sein; sollen den Weg nicht bloß zeigen, sondern vorangehen; andernfalls werden die Eltern in den Augen der Kinder verächtlich, weil sie den rechten Weg zeigen, aber ihn selbst nicht gehen. Bei der großen
„Ave Maria."
Reiseerlebnisse aus dem „witden Westen" Nordamerikas von Carl May. !
(14. Fortsetzung.)
Ich gelangte nur Zoll für Zoll vorwärts, doch hatte ich die Lust gegen mich und brauchte daher keine Sorge vor den Pferden zu haben, welche die Annäherung eines Fremden immer mit einem lauten Schnauben zu verrathen pflegen. , In dieser Beziehung hatte Winnetou mehr Schwierigkeiten zu überwinden als ich.
So war weit über eine halbe Stunde vergangen, ehe ich die zweihundert Schritte zurückgelegt hatte. Nun lag ich unmittelbar hinter dem Büffelhautzelte des Häuptlings, und die Männer, welche am Feuer saßen, befanden sich höchstens acht Ellen vor mir. Sie unterhielten sich sehr lebhaft in englischer Sprache mit einander, und als ich es wagte, den Kopf ein wenig vorzustrecken, um sie sehen zu können, bemerkte ich, daß es fünf Weiße und drei Indianer waren.
Diese Letzteren verhielten sich ruhig. Nur der Weiße wird am Lagerfeuer laut, während der einsilbige und vorsichtige Indianer mehr durch Zeichen als durch Worte rebct Auch das Feuer brannte hell und nicht nach indianischer Weise. Der Weiße nämlich legt das Holz so zu, daß er eine helle, iebernbe Flamme bewirkt ; ber Jnbianer aber bildet mit den Holzscheiten
Nachahmungssucht der Kinder wird es selten vorkommen, daß sie ihr Leben nicht nach dem Vorbild des Vaters oder der Mutter modeln.
Manche Eltern sind sehr nachsichtig mit Büchern und Zeitungen und Zeitschriften. Die Kinder, wie alle Menschen, neigen zum Verbotenen! Vor mehreren Jahren brachten die Pariser Zeitungen die entsetzliche Nachricht, daß die Tochter einer reichen Familie sich in Abwesenheit der Eltern selbst entleibt habe. Man fand neben ihr ein Briefchen mit den Worten: „Ein Buch aus der Bibliothek meines Vaters hat mich belehrt, daß Unschuld. Glaube und Unsterblichkeit Erfindung sind. Mein Leichnam soll nicht über die Schwelle einer Kirche getragen werden."
Sehr oft dürfen die Kinder bei jedem Besuch, bei jeder Unterhaltung zugegen sein. Die Kinder sind aufmerksam, wiederholen Alles, sprechen von gewissen Dingen wie alte Leute, daß sich die Eltern entsetzen. Wer ist Schuld?
Leider überlassen viele Eltern ihre Kinder unzuverlässigen Dienstboten, Mädchen; lassen dieselben auf die Straße, zu allen Spielen, allen Kameraden und denken nicht an die Verantwortung, die ihnen daraus entspringt. Man schickt Söhne und Töchter in die Schulen, ohne sich zu vergewissern, was da gelehrt wird; welche Religion, welche Naturgeschichte, welche Philosophie? Welche Bücher gelesen werden; auf welchen Plätzen die Kinder sich aufhalten, was sie thun fern vom Hause?
Möch'7uM7^Dke Ettern müssen nicht-nur alle-diese Uebel verhüten bei ihren Kindern, sondern sie auch stärken gegen dieselben, und ihr sittliches und religiöses Gefühl mit allen Mitteln ausrüsten.
Die erste Idee von Gott, der Same der Tugend, muß von den Eltern schon in's Kinderherz gelegt werden. Das „Vater unser" und das Beten überhaupt muß die Mutter es lehren. Die Kenntniß der Pflicht, die Furcht Gottes, die Achtung vor der Religion, den Ekel vor dem Laster müssen die Kinder mit der Milch einsaugen. Spater müssen gute Lehrer die erste Saat der Eltern weiter pflegen; aber gute Lehrer und Schulen, nicht Schulen und Lehrer ohne Gott und christliche Gesittung. "Lieber einen gelehrten Sohn weniger im Hause, als einen Verächter Gottes und der Eltern.
Da nun trotz Allem die Leidenschaft der Kinder zu Fehlern führt, so haben schließlich die Eltern kraft ihrer Autorität das Recht und die Pflicht, dieselben zu bestrafen. Doch die moderne Erziehung erlaubt das nicht mehr. Für die von Gott abgefallene Welt gelten nicht mehr die Worte des hl. Geistes, der die Bestrafung der Sünden an den Kindern verlangt. Um dem Vater- und Mutterherzen nicht weh zu t jun, um
einen Stern, dessen Strahlen von dem Feuer aus nach Außen gehen. Auf diese Weise brennen die Scheite immer nur an dem einen Ende und werden nach Bedarf immer weiter in die Flamme geschoben, welche klein und niedrig bleibt. Lodert sie ja einmal zu hoch empor, so legt der besorgte Wilde sicher sofort feuchtes Gras auf, nm die Gluth sogleich zu dämpfen, die ihn verrathen könnte.
Einer der Weißen war ein langer, bärtiger Mensch, welcher eine Schmarre, die von einem Mesferschmtte herzurühren schien, auf der rechten Wange trug. Er schien das große Wort zu führen, und die Art und Weise, wie die andern sich zu ihm stellten, ließ ver- muthen. daß er eine Respektsperson sei. Ich konnte ein jedes Wort hören, welches von den Leuten gesprochen wurde.
„Und wie weit wird es sein von hier bis Echo- Cannon? frug der Eine.
„Ungefähr hundert Meilen," antwortete der Lange. „In drei Tagemärfchen ist es sehr leicht zu erreichen."
„Aber wenn unsere Berechnung falsch ist, wenn man uns nicht verfolgt hat und die Leute dort also vollzählig sind?"
Der Lange lachte in wegwerfender Weise und antwortete:
„Unsinn! Man wird uns verfolgen, das ist sicher. Wir haben ihnen ja die Fährte deutlich genug gemacht.
dem Kinde eine Thräne zu ersparen, wird nicht gestraft, und nach zehn, nach zwanzig Jahren, was dann? Wenn dein Kind einen Giftbecher trinken will, hältst du es nicht ab, auch wenn es daraufhin weint? Und ein Arzt schneidet an seinen Patienten doch auch trotz alles Stöhnens. O, wie viel Kummer und Thränen hat diese falsche Zärtlichkeit schon so vielen Eltern gekostet !
Eltern, die in der rechten Weise strafen, werden von ihren Kindern Liebe und Dank ernten; wenn sie es unterlassen, das Gegentheil. Unter anderen Beispielen haben wir das eines Jünglings, welcher, zum Tode verurtheilt, vor dec Hinrichtung sagte, er verzeihe Allen, nur nicht seinem Vater, man solle ihm berichten, daß sein Sohn ihn noch im Augenblicke des Todes verflucht habe.
Estern können nicht oft genug über ihre heilige Pflicht der Erziehung nachdenken. Schon die natürliche Liebe zwingt sie dazu, denn wenn sie wirklich ihren Kindern wohl wollen, dann werden sie im Kinde nicht nur das körperliche, sinnliche, natürliche, sondern noch vielmehr das geistige und übernatürliche Wohl zu fördern suchen. Wenn sie christliche Liebe zum Kinde haben, so werden sie das Ebenbild Gottes in dessen Seele zu bewahren suchen und das Kind zu seiner ewigen Bestimmung hinleiten. Wenn sie endlich Liebe zum Vatcrlande haben, dessen Fundament die Familie ist. so dürfen sie ihren Kindern nicht eine solche Erziehung geben, daß dieselben ihrem Vaterlande einstens Wunden schlagen und es zu einem Staate ohne Gott und Religion unb Sittengesetz machen helfen.
Deuilches Keich.
Berlin, 11. Oktober.
* Das Resumö der amtlichen Berichte über das diesjährige Ernte-Erzebiliß in der preußischen Monarchie lautet: Wenn auch nach den vorliegenden Nachrichten die diesjährige Ernte den im Monat Juli gehegten Erwartungen in vielfachen Beziehungen nicht entsprochen hat, so ist das Ergebniß derselben verhältuißmäßig noch immerhin als ein günstiges zu bezeichnen. Bezüglich der Halmfrüchte ist vorweg der erfreuliche Umstand zu erwähnen, daß, im Gegensatz zu dem Ernte-Ausfall im Vorjahre, übereinstimmend aus allen Landestheilen reicher Strohertrag gemeldet wird. — Das Ergebniß in Körnern läßt sich int Allgemeinen als ein mittleres bezeichnen. Beim Roggen ist zwar in dem östlichen Theile der Monarchie vielfach ein weniger befriedigendes Resultat erzielt worden, doch wird dieser Ausfall durch das bessere Ergebniß der übrigen Getreidearten, insbesondere des Hafers und der Gerste, wieder einigermaßen ausgeglichen. Nach den Mittheilungen aus den
Es sind ungefähr gegen dreißig Menschen mit dem Zuge umgekommen, und wir haben eine schöne Beute gemacht; das wird man nicht hingehen lassen, ohne wenigstens den Versuch zu machen, uns einzuholen."
„Wenn das stimmt, so muß der Coup gelingen", sagte der Andere. „Wie viele Leute sind in Echo- Cannon beschäftigt, Rollins?"
„Gegen hundertfünfzig", sagte der indianische Späher, „alle gut bewaffer. Außerdem gibt es dort einige wohlgefüllte Stores, mehrere Trinksalons, und daß wir eine volle Bau- und Verwaltungskasse finden, darüber brauchen wir keine Sorge zu tragen. Ich habe gehört, daß diese Kasse alle zwischen Green-River und Promontory vorkommenden Ausgaben zu bestreiten hat. Das ist eine Strecke von über zweihundertund- dreißig Meilen und es läßt sich also vermuthen, daß da viele Tausende vorhanden sein müssen."
„Heigh-day, das läßt sich hören! Unb Du glaubst baß wir die Verfolger von unserer Spur wegbringen?"
„Auf jeden Fall. Ich kalkulire, daß sie morgen am Nachmittag hier sein werden. Wir brechen mit dem Morgengrauen auf, gehen erst eine Strecke nach Norden und theilen uns dann nach verschiedenen Richtungen in so viele Trupps, daß sie nicht wissen, welcher Spur sie folgen sollen. Später verwischt ein jeder Trupp seine Spur auf das Sorgfältigste, und wir kommen da unten am Greenfork wieder zusammen.