¥ 233.
Donnerstag, den 9. Oktober 1890
17.Iahrgang
Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).
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ist die heilige Lehre des Erlösers so außerordentlich Was die ^Rot'hhaut" jetzt ist, unschuldig an seinem Untergange. Alle die wahrhaft Bleichgesicht geworden. Da
frommen Männer, welche als wirkliche Glaubensboten unter den Indianern wirkten, haben die Rechte dieser Nation anerkannt. Diejenigen aber, welche nur von der Habsucht und Eroberungslust hinübergetrieben
* Das Hirtenschreiben der preußischen Dischöse über die soziale Frage
hat, wie eine vielverbreitete Berliner Centrumskorrespondenz hervorhebt, in der gesammten deutschen Presse Beachtung und nur in der liberalen eine abfällige Kritik gefunden. Darauf konnte man gefaßt sein, denn nicht was gesagt wird, sondern wer es sagt, ist für viele Leute der Ausgangspunkt des Urtheils, und da die liberale Presse nun einmal keine katholischen Bischöfe leiden kann, so kann unmöglich die Meinungsäußerung dieser Bischöfe über die katholische Frage taugen. Die freisinnige „Lib. Korr.' wußte freilich wenig genuc eigenen Urtheils zu dem Hirtenschreiben beizubringen; sie griff daher zu den abgestandenen Beispielen Belgien und Kirchenstaat. Diese sollen beweisen, daß die Kirche dort, wo sie herrsche, zur Lösung der sozialen Frage nichts zu leisten vermöge, sondern die schlimmsten Zustände dulde. Die auch bei orthodoxen Pastoren sehr beliebte Beweisführung ist zwar oft genug im Parlamente, in der Presfe und in wissenschaftlichen Schriften zerpflückt worden, allein dem denkfaulen Fortschrittsphilister imponirt sie immer noch.
Die nationalliberalen Blätter wittern in dem Hirtenschreiben „Herrschaftsgelüste". Sie vermögen sich auf Grund philosophischer Selbstbeobachtung offenbar nicht in den Gedanken zu finden, daß man einen erheblichen Zweck auch verfolgen kann, ohne das eigene persönliche Interesse dabei im Auge zu haben. Daß die Schule bei Lösung der sozialen Frage eine Aufgabe zu erfüllen habe, wird jetzt allseitig mit großem Eifer anerkannt. Warum sollen denn nun nicht die Bischöfe die Nothwendigkeit gesicherter religiöser Erziehung der Jugend betonen dürfen, ohne gleich den albernen Vorwurf auf sich zu laden, sie strebten „die Herrschaft der Kirche über die Schule" an? Die soziale Bedeutung des Ordenswesens ist für jeden Katholiken sonnenklar und wird von ruhig denkenden Protestanten gleichfalls anerkannt. Wie kann man nun von katholischen Bischöfen verlangen, sie sollten in einem Hirtenschreiben über die soziale Frage von den Orden und der ihnen noth- wendigen Freiheit gar nicht reden? Hätten sie am Ende gar feine bestimmten Vorschläge machen, sondern sich mit allgemeinen erbaulichen Redewendungen begnügen sollen? Wie wegwerfend würde aber dann erst das liberale Urtheil gelautet haben! Die ,Nat. Ztg.' weist mit besonderer Genugthuung darauf hin, daß der ,Reichsanzeiger' in seinen Auszügen aus dem Hirtenbriefe die Sätze über Schule, Ordenswesen u. s. w. fortlasse. Da er nur Auszüge gibt, läßt er manches andere auch fort. Sollte der Gedanke der ,Nat. Ztg.' aber in dem vorliegenden Falle maßgebend gewesen sein, so würde damit nur bewiesen sein, daß die
an die kaiserlichen Worte ganz besonders zu Herze» nehmen. Aber freilich, diese Leute brauchen nur vo» „Machtmitteln", „Herrschaftsgelüsten" u. s. w. der katholischen Kirche hören oder träumen, sofort werden sie „wild" und keine soziale Frage, keine religiöse Nothlage der Massen kann sie vom Toben gegen die katholische Kirche abhalten. Der Haß gegen Rom geht allem vor-- ihm wird sogar das öffentliche Wohl zum Opfer gebracht.
dem alle Lüge, Hinterlist und Verstellung fern liegt. ° m das ist sie durch das
„ Das Christenthum möchte
diese reichbegabte Rasse gern vom Untergange retten, aber es ist--zu spät! Nur eins ist den Boten
Gottes möglich: das Abscheiden des Indianers zu einem stiedlichen zu machen. Aber wird dies ge-
Jn dem von dem Konflikt zwischen Staat und Kirche am schwersten betroffenen preußischen Staate hat seitdem eine Re-
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Deutsches Keich.
Berlin, 7. Oktober.
* Für die Einberufung des preußischen Landtages liegt noch kein definitiver Beschluß des Staatsmmi- stermms vor, indessen sind, den ,Berl. Pol. Nachr.' zufolge, die Arbeiten für die Vorlagen der Reform der direkten Steuern sowohl wie für die Landgemeindeordnung jetzt so weit gefördert, daß in dem Stande dieser gesetzgeberischen Arbeiten ein Hinderniß für die Einberufung im Herbste nicht mehr vorhanden sein würde.
* Die von der Kölner Katholiken-Versammlung beschlossene Petition an den Reichstag zur Beseitigung des Jesuitengesetzes hat folgenden Wortlaut:
! „Seit mehr als 18 Jahren steht nunmehr das Gesetz in Kraft, durch welches der Orden der Gesellschaft Jesu und „die ihm verwandten Orden und ordensähnlichen Kongregationen" vom Gebiete des deutschen Reiches ausgeschlossen wurden.
Dieses Gesetz bezeichnete den Beginn jenes unglückseligen Kampfes, welcher so viel Unheil und Verbitterung im deutschen Baterlande zur Folge gehabt hat und lediglich den zersetzenden Bestrebungen der Gegenwart zu Gute gekommen ist. Das Gesetz wurde erlassen gegen den entschiedenen Einspruch der ihrer Kirche treuen katholischen Bevölkerung des deutschen Reiches welche auch später keine Gelegenheit versäumt hat, diesen ihren Einspruch zu erneuern.
wurde nicht beachtet; der Indianer muß einfach weichen, wurden, legten die christliche Propaganda nur als
mufj fierten, muß verschwinden und untergehen. Das Maske vor, um ihr häßliches Angesicht hinter der-
r- * I^Ech, daß es der Rothhaut Bildung selben zu verbergen. Hunderte von, besonders katho- und Gesittung bringe, und daß der „Judsman" nur fischen, Missionen sind noch heut in Mittel- und Süd- deshalb untergehe, Weiler diese Bildung nicht annehme, amerika in segensreicher Thätigkeit; sie berücksichtigen Aber hatte der Rothe den Weißen nicht mit einem die Eigenart und die Menschenrechte des Indianers Vertrauen, einer Gastfreundlichkeit und einer Hochach- und dieser verehrt in den frommen Vätern nicht nur tuug und Ehrerbietung ausgenommen, wie man sie von die Verkündiger eines selig machenden Gottesglaubens ewem gebildeten" Manne nur verlangen kann? Hat sondern auch die leiblichen Wohlthäter seiner Rasse, der Weiße jemals Lust gezeigt, die wahlberechtigte Eigen- Es wird sehr viel über den rachsüchtigen, mord- art des Rothen zu berücksichtigen? Hat er ihm jemals lustigen, hinterlistigen Charakter des Indianers ge-
gelassen oder ihn durch eigenes Beispiel veranlaßt, sprachen und geschrieben; aber man bedenke seinen
diese Gesittung nach ihrem Werthe anzuerkennen? Stellt Bildungsgrad, man bedenke ferner, daß er aus einer
er sich ihm in allen seinen Anforderungen nicht so Reservation in die andere gedrängt wird, daß er
gegenüber, daß dem Rothen nur übrig bleibt, Jahrhunderte lang weichen und immer wieder zurück-
's 9 r£n ober von der Erde zu ver- weichen mußte, obgleich er seine Heimath ebenso liebt
schwinden. wie wir, und man wird gerechter von ihm denken.
. "iw was ist das Traurigste, das Allertraurigste Man gehe hinüber in seine Wigwams und gewinne bei diesem furchtbaren Prozeß einer vollständigen sein Vertrauen, so wird man ihn als den uneigen- Rassenvermchtung? Daß der Indianer die Religion nützigsten und aufopferndsten Freund kennen lernen, der^Liebe, das Christenthum hassen lernt! Und doch dem alle Lüge, Hinterlist und Verstellung fern liegt.
Reiseerlebnisse aus dem „wilden Westen" Nordamerikas von Carl May.
(ll.Fottsetzung.)
Als die Mongolen sich auf die Kaukasier warfen, ertönte durch ganz Europa und Westasien ein einziger Schrei der Entrüstung und alle die Millionen „Blaßgesichter" hielten sich vor göttlichen und menschlichen Gesetzen nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet, die Dschingiskhans und Timurlenks mit bluttgen Köpfen zurüüttnweisen. Und als dann kurze Zeit später diese „Bleichgesichter" ihre Völkerwanderung über den Ozean begannen, da räumten sie den „Rothhäuten" weder Rechte noch Pflichten ein und gestatteten ihnen höchstens großmüthig, sich zurückzuziehen. Der Indianer mußte seine Heimath, seine Weide- und Jagdgründe aufgeben, und wenn er eine neue Heimath gefunden HE, so kam das Bleichgesicht und machte ihm mit den Waffen in der Hand erklärlich, daß er sich eine dritte Heimath suchen müsse. So ist er von Heimath ju Heimath getrieben worden, bis zuletzt in diejenige Heimath, aus welcher ihn glücklicher Weise kein spekulativer und selbsffüchtiger Daukee mehr vertreiben kann — in die „ewigen Jagdgründe".
Auch über die weiten Fernen Nordamerika's ist ein Schrei der Entrüstung erschollen, aber dieser Schrei
Redaktion des .Reichsanzeigers' von dem Kern der sozialen Frage ebensowenig versteht wie die ,Nat. Ztg.' und ihre nationalliberalen Gesinnungsgenossen. Daß die Redaktion noch ziemlich Neuling in diesen Dingen ist, hat sie auch vor ein paar Tagen gezeigt, als sie das alte sozialdemokratische Programm von 1875 zum Ergötzen der Sozialdemokraten als etwas ganz neues den Lesern des .Reichsanzeigers' vorsetzte.
Eine wohlverdiente Abfertigung läßt den liberalen Kritikern die ,Nordd. Allg. Ztg.' zu Theil werden Das Blatt kann zwar im Allgemeinen nicht als zu Vertheidiguug der Bischöfe berufen gelten, allein je heftiger es früher gegen die Bischöfe getobt hat, um so schwerer wiegt jetzt seine Vertheidigung derselben. Es verweist auf das Wort des Kaisers, daß alle Deutschen ohne Unterschied der Konfession gegen die Elemente des Umsturzes kämpfen sollen, und findet, daß die Bischöfe „in richtiger Erkeuntniß, daß die Bekämpfung der umwälzenden Elemente nicht bloß dem Staate und dessen Organen überlassen bleiben darf, auch den Einfluß der Kirche und deren Machtmittel" in den Dienst der Sache gestellt haben. „Erkennen die Bischöfe durchaus an, daß das Zusammengehen zwischen Staat und Kirche nothwendig sei und erstarke, wie auch, daß Alles, was die Eintracht stört, ferngehalten werden müsse, so ergibt sich von selbst aus I ihrer hierarchischen Stellung, daß sie sich beim Hinwirken auf dieses Ziel der größeren und kleineren Machtmittel bedienen, von denen sie die Ueberzeugnng haben, daß sie ihren Dienst nicht versagen werten." Wie nothwendig.die Erhaltung möglichster Eintracht | zwischen den Konfessionen sei, gehe besonders aus der neuerdings bethätigten Kriegserklärung der Sozialdemokratie gegen die Religion hervor. Dadurch sei die Dringlichkeit der vollen Entfaltung der kirchlichen SÄp Erziehungssegens be- Vision der kirchenpolitischen^setzg^ d'er"70e7"Jahr7>t°tt-
1 S^gt. Die Bischöfe haben ihrerseits an gefunden, welche zwar einen dauernd befriedigenden Zustand nicht
oer richtigen Stelle Hand angelegt! mögen Andere hergestellt, aber doch die mit dem Rechte und der Freiheit der ihnen nacheifern. Es erscheine wenig angemessen, wenn katholischen Kirche unverträglichsten Bestimmungen beseitigt und
gegeben werde, daß e§ den Bischöfen weniger auf die derungen vorgenommen, namentlich ist das Priesterausweisunqs- Lofung der sozialen Frage, als auf die Ausbeutung gesetz nach wiederholten dahingehenden Beschlüssen des Reichstags derselben zu kirchlichen Machtzwecken ankomme. „Eine enbh* aufgehoben worden.
möglichste Stärkuna ibrer Machtmittel ru orrielen ist . ?tnt? bcr schlimmsten Ueberbleibsel aus einer Kampfes- hnS mttP Z S “<£■ l * l ' T Periode, deren völligen Abschluß alle Freunde des Vaterlandes
oas gute Recht der Bischöfe. Die berufenen und nur herbeisehnen können, ist das Gesetz vom 4. Juli 1872.
unberufenen Kritiker sollten lieber am nämlichen Werke Durch dasselbe werden Orden vom deutschen Reiche ausge- mitthnn. — Das sind im Ganzen durchaus vernünftiae welche sich des größten Ansehens unter der katholischen
Worte, wenn einzelnes aucb scbies mtWnfif werten Bevölkerung erfreuen, deren Mitglieder durch wissenschaftliche,
konnte mtr rmrO s;„ Ker » seelsorgliche und soziale Thätigkeit im deutschen Reiche wie in
tonnte. Mochten nur auch die Konsequenzen daraus den auswärtigen Missionen reiche Verdienste sich erworben haben
gezogen und die Forderungen der Bischöfe in Bezug und deren Wiederzulassung gerade unter den gegenwärtigen
auf Orden und Schule als berechtigt anerkannt werden Verhältnissen von den wohlthätigsten Folgen sein würde.
Möchten ferner die aewerbrnäkiaen fnrtfeffinttpffon < < Es'st uns nicht unbekannt, daß in einem Theil der nicht
Ketzer mtf m . .'Onsesstoneuen katholischen Bevölkerung ein künstlich erzeugtes und geflissentlich
Hetzer ans protestantischer Seite sich die Erinnerung genährtes Borurtheil gegen die hier in Rede stehenden Orden
Fuldaer Zeitung
Für die Rcdactton verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. — rn Druck u. Xrrtaa hör stmhoor /or _____