17. Jahrgang
Mittwoch, den 8. Oktober 1890
Für die Rcdaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
Tie ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, S,nn- und Feiertage ausgenommen.
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Fuldaer Zeitung
Gemeinsames Hirtenschreiben der Fuldaer DischofsKonferen; über die soziale Frage.
(Schluß.)
Endlich nennt der heilige Vater als ein überaus wirksames Mittel zur Milderung und Heilung der sozialen Nebel bte Hebung und Weiterbildung des christlichen Ve re ins lebens.
’ Wie wichtig für den christlichen Glauben und bte christliche Sitte bas Vereinsleben ist, beweist bie Geschichte. Schon in den ersten Jahrhunderten, zur Zeit der ältesten Christenverfolgungen, hat das religiöse und kirchliche Leben in genossenschaftlichen Formen sich bethätigt. Wie segensreich in der christlich-germantschen Zeit das religiöse und volksthümliche Leben in schönem Bunde mir einander in Vereinen und Genossenschaften blühte, ift allbekannt. Auch bas christliche Bereinsleben unserer Tage ist im Geiste unseres Volkes unb im Geiste des Christenthums tief begrünbet. Dasselbe fördern und gegen etwaige Gefahren schützen, ist daher eine heilige Pflicht, insbesondere auch der Seelsorge, welche an gar vielen Orten dieses Hülfsmittels nicht entbehren kann. Wohlverdient ist das Lob, welches der heilige Vater in dieser Beziehung unserm Clerus und Volke spenden konnte; wir stimmen mit freudiger Anerkennung in dasselbe em, zugleich von dem festen Vertrauen beseelt, daß beide diesen Ruhm sich bewahren werden, indem sie die bereits bestehenden und bewährten Vereine erhalten, wo nothwendig neu beleben und sie auch nach solchen Orten, wo sie noch nicht vorhanden, aber ein Bedürfniß sind, verbreiten. Das muß unsere nächste Aufgabe 1 Aber auch neue Vereine, zumal an Orten, wo eine zahlreiche und durch die Strömungen der Zeit religiös und sittlich gefährdete Arbeiter-Bevölkerung sich findet, sind nothwendig und an nicht wenigen Orten bereits entstanden oder im Entstehen begriffen. Dabei dars nicht übersehen werden, daß die Bedürfnisse Verhältnisse, der Volkscharakter an verschiedenen Orten verschieden sind. Eine geivisse Freiheit der Gestaltung und Bewegung ist daher hier nothwendig, weshalb wir uns darauf beschränken, nur wenige allgemeine Grundsätze anzudeuten.
Sollen solche Vereine gedeihen, sollen sie vor Abwegen bewahrt, sollen sie fruchtbar werden, so müssen sie wahrhaft ch r i st- lich und wahrhaft praktisch sein.
Sie müssen vor Allem wahrhaft christlich sein. Gewi» können und sollen sie nicht überall, wie die, auch in bürgerlicher und sozialer Beziehung nicht hoch genug zu schätzenden, alten Bruderschaften und Sodalitäten, ausschließlich und vorzugsweise der Pflege des religiösen Lebens oder besonderer kirchlicher Andachten gewidmet sein. Allein sie müssen alle die Religion, aufrichtiges und lebendiges Christenthum zur Grundlage und das religiöse Sittengesetz zur Regel haben. Wo dieses fehlt, wird jeder Verein nicht nur unfruchtbar sein und zerfallen, sondern auch leicht ausarten und das Nebel ärger machen. Daher ist es besser, mit einer kleinen Zahl wahrhaft religiöser Mitglieder zu beginnen und allmählig zu wachsen, als um eines äußeren Aufschwunges willen durch irgend welche Nachgiebigkeit gegen den Weltgeist den Keim des Verderbens in den Verein zu legen. Daher ist ferner unter allen Umständen darnach zu streben, daß die Mitglieder eines jeden Vereines ihre religiösen Pflichten erfüllen, und ist die Feier des einen oder anderen kirchlichen Festes, sowie die Hebung eines bestimmten Vereinsgebets zu empfehlen. ..
Ferner sollen kurze undl» gehaltvolle Vorträge stattstnden; das Glück eines wahrhaft christlichen Lebens, die Empfehlung der nothwendigen Standestugenden, der Geist und das Vorbild unseres göttlichen Heilandes werden stets deren Hauptgegenstand
„Ave Maria."
Reiseerlebnisse aus dem „wilden Westen" Nordamerikas von Carl May.
(10. Fortsetzung.) ;
Das also war der Mann, dessen Name an jedem Lagerfeuer lebte, dessen Ruf von dem einen Meere bis zum andern reichte, und dessen Thaten in jedem Munde waren. Verehrt von den Freunden, war er zugleich geachtet und gefürchtet bei den Feinden. Er hatte noch niemals einem Gegner den Rücken gewandt, aber er war fern jedem Blutdurste, und Gerechtigkeit leitete alle seine Handlungen.
Wie er jetzt vor uns stand, so hatte ich ihn auch gesehen, als er mir zum ersten Male begegnete, nett und sauber in seiner ganzen Erscheinung, ritterlich und gebieterisch in dem ganzen Eindrücke, den er machte, jeder Zoll an ihm ein Mann, ein Held.
Der dicke Fred war jedenfalls am meisten darüber überrascht, daß an diesem Jndsmann Alles glänzte und flimmerte, daß an ihm nicht die leiseste Spur eines Fleckes zu entdecken war, und der Blick der kleinen Aeuglein flog so sprechend zwischen mir und Winnetou hin und her, daß ich errieth, welche Parallele er zwischm uns zog.
„Meine Brüder mögen sich niedersetzen, um die Pfeife des Friedens mit mir zu rauchen", fagte der Apache.
Deutsches Keich
geistlichen unb ber weltlichen. Kommet willig allen Anorb- imngen entgegen, welche zu Euerm Schutze und Euerm Wohle getroffen werben. Jnsbefonbere aber verlieret nie aus ben Augen, baß Euer unb Euerer Familien Wohlergehen immerbar gepflegt unb geschützt werben muß bnrch Arbeitsamkeit unb Sparsamkeit, durch Nüchternheit unb Sittenreinheit, sowie durch Bermeibung jener unheilvollen Vergnügungssucht, welche die Jugend verdirbt, die Familien zerrüttet unb einen bauerhaften Wohlstanb nicht aufkommen läßt. Erinnert Euch stets, baß wir unfern Himmel unb unsere Glückseligkeit hienieben nicht finden können, baß wir vielmehr für die Ewigkeit bestimmt sind, unb ber Lohn für all' unsere Mühen unb Kämpfe uns im Jenseits hinterlegt ist. Beherzigen wir oft bie Mahnung des göttlichen Meisters, wenn er spricht: „Suchet vor Allem bas Reich Gottes unb seine Gerechtigkeit unb alles klebrige wird Euch hinzugegeben werden." (Matth. 6, 33.)
Indem wir aus innerstem Herzen ben Segen Gottes aus Euch Alle herabflehen, schließen wir mit ben Worten des hl. Paulus: „Uebrigens Brüber, seib voll Frenbigkeit! seib vollkommen; ermahnet einanber; seid gleichgesinnt; seib sriebsam, unb ber Gott bes Friedens und der Liebe wirb mit Euch sein." (2 Kor. 13, 11).
Fulda, ben 23. August 1890.
t Philippus, Erzbischof von Köln, t Johannes Christian, Erzbischof von Freiburg, f Georg, Fürstbischof von Breslau, f Wilhelm, Bischof von Hilbesheim. t M Felix, Bischof von Trier, t Franz Kaspar, Bischof von Paberborn. ff Vernarb, Bischof von Osnabrück, ff Andreas, Bifchos von Ermland. ff Paulus Leopold, Bischof von Mainz, ff Karl, Bischof von Limburg, ff Leo, Bischof von Culm. ff Joseph, Bischof von Fulda, ff Johannes, Titularbischof von Philadelphia, ff Hermann, Bischof von Münster, ff Eduard, Titularbischof von Aureliopolis, Weihbischof und Kapitular-Vikar von Posen. Karl Kraus, Kapitular-Bikar upd Administrator der Erzdiözese Gnesen.
53erIin, 6. Oktober.
* Der ,Reichsanzeiger' veröffentlicht amtlich, daß Kriegsminister v. Verdy du Vernois auf sein Ansuchen von seinem Amte entbunden und der Kommandeur der 2. Garde - Infanterie - Division Generallieutenant v. Kaltenborn-Stachau zum Kriegsminister ernannt worden ist.
* Heute hat hier die Konferenz der Landeszentralbehörden, der Zentral-Postbehörden und Jn- validitäts- und Altersversicherung-Versicherungsanstalten zur Berathung über die Ausführung des Alters- und Jnvaliditätsverficherungsgesetzes ihren Anfang genommen. . .
* Der von Deutschland zu zahlende Entschadl- gungsbetrag für die Abtretung der ostafrikanischen Küste Seitens des Sultans von Sansibar wurde bereits auf 4 Millionen angegeben. Der ,Köln. Ztg.' zufolge wird wahrscheinlich die deutsche ostafrikanische Gesellschaft die Schuld übernehmen und dafür den ganzen Werth der Zolleingänge erwerben. X
* Jüngst wurde von einem angeblichen Plan be-
Jch gab die Pfeife an Walker, der ebenso wie wir vorher den Rauch nach den sechs Richtungen ausstieß und dann gelobte:
„Ich sehe den großen Winnetou, den herrlichsten Häuptling der Mescaleros, Mimbrenjos und Apachen; ich trinke den Rauch seiner Pfeife und bin sein Bruder. Seine Freunde sind meine Freunde und seine Feinde meine Feinde, und nie soll dieser Bund gebrochen werden!" , ,
Er nahm dann wieder Platz und gab dem Apachen die Pfeife zurück, welcher diese weiterrauchte. Jetzt war der Sitte Genüge gethan, und wir konnten uns besprechen.
„Mein lieber Bruder Schar-lrh mag mir erzählen, was er gethan hat, seit er von mir geschieden ist, und wie er aus die Fährte der Sioux-Ogellallah gekommen ist," bat jetzt Winnetou.
Ich folgte diesem Wunsche so kurz wie möglich und forderte ihn dann auf:
Mein Bruder Winnetou sage mir, was er erlebt hat, "seit ich ihn nicht sah, und wie er so entfernt von dem Wigwam seiner Väter auf das Jagdgebiet der Sioux kommt!" ,
Er that einen langen, bedächtigen Zug aus dem Calummet und antwortete dann:
„Das Wetter stürzt das Wasser aus den Wolken herab, und die Sonne trägt es wieder empor. So ist es mit dem Leben des Menschen. Die Tage kommen
bilben müffen. Von Zeit zu Zeit abgehaltene Vorbereitungen auf ben Empfang ber hh. Sakramente werben bas wirksamste Mittel zur Erneuerung bes Geistes unb bes Eifers Unter solcher Pflege, besten finb wir gewiß, wirb bie Kraft bes Chnsten- thums unb ber religiöse Geist unseres Volkes bie liebet ber Zeit überroinben. ,, ,
Eben so wesentlich müssen bie Vereine praktisch fein, m- bem sie bestimmte Ziele verfolgen unb ihren Mitgliebern wahre, ihrem Staube entsprechenbe Vortheile für bas Leben bieten. Daburch haben bie Gesellen- unb Lehrlingsvereine mit einfachen Mitteln so Großes geleistet unb eine unzerstörbare Lebenskraft sich bewahrt. Dasselbe gilt nicht weniger von vielen ber später entftanbenen Arbeiter- unb Arbeiterinnen-Vereine. -schon ber Umstanb, baß sie ben Mitgliedern, zumal ber Jugend, einen vor den Gefahren bes Straßen- unb des Wirthshauslebens schützenden angenehmen Aufenthaltsort unb in freien Zeiten entsprechende Unterhaltung bieten, ist eine große Wohlthat. Aber mehr noch als bnrch berartige Annehmlichkeiten werben bie Mitglieber an» gezogen unb festgehalten werben, wenn sie burch Erfahrung sich überzeugen, baß sie in bem Vereine wahrhaft Nützliches lernen unb ihnen bie Wege für ihr Lebensglück bereitet werden. Dazu führt nicht weniger auch Gewöhnung an Opferwilligkeit für bte Vereinsaufgaben; wofür man felbft Opfer bringt, bas schätzt man, bem bleibt man treu.
’ Nicht unkrwähnt bürfen wir auch lasten, welch große,Gefahr bie heutige bnrch zahllose Feste gesteigerte Vergnügungssucht bereitet. Unsere Vereine sollen bieses liebel nicht sördern, vielmehr in zweckmäßiger Weise zu heilen suchen.
Daß das christliche Vereinsleben nur gedeihen kann, wenn bie Seelsorger demselben rechte Liebe zuwenden, barm find Alle einverstanden. Aber daß die Geistlichen allein bie Last tragen, ist weder möglich noch wünschenswerth. Die Besorgung unb Förderung ber Vereinsangelegenheiten wird hauptsächlich die Sache erwählter tüchtiger Vereinsvorstänbe aus dem Laieustanbe sein. Ihnen werben auch alle Bereinsmitglieber, namentlich bie- jenigen aus bem Lehrerstanbe, helfenb unb schützenb zur Seite stehen. Der Geistliche soll wo möglich mehr ber treue unb opferwillige Freund unb- Berather, als ber unmittelbare Verwalter ber einzelnen Vereinsangelegenheiten sein. Die wahre Hirtenliebe, bie ben Diener des Gottessohnes erfüllen muß, wirb auch hier ihn leiten, ihm die rechten Wege zeigen unb ihm bas erforderliche Ansehen geben.
Ehrwürdige Mitbrüder, liebe Diözesanen! Höret auf die Mahnungen des obersten Lehrers _ der Kirche, bte Euere Oberhirten in seinem Namen unb Auftrage Euch "n s Herz legen. Vernachläffiget nicht bie großen Aufgaben unserer Zett sonbern wenbet ihnen Euere thätige unb in Geduld ausharrende Liebe zu.
Ihr, die Gott mit den Gütern der Erde gesegnet hat, und in deren Diensten oft Hunderte und Tausende Euerer Mitmenschen stehen, seid Gott stets dankbar für die bevorzugte Stellung, die Ihr in der Gefellschast einnehmet, und seid zugleich stets eingedenk.der Pflichten der christlichen Gerechtigkeit, der christlichen Liebe und Barmherzigkeit, die Euere Stellung Euch auferlegt. Verkennet nicht die Zeichen der Zeit und entzieht Euch nicht den ernsten und dringenden Anforderungen, welche die Gegenwart auf sozialem Gebiete an Euch stellt.
Ihr aber, Männer aus dem Arbeiter- und Handwerkerstände, Genossen jenes Standes, den Christus, der Sohn Gottes in besonderer Weise sich auserwählt und geheiligt hat, hebet Euern Stand und erfüllet treu Eure Standespflichten. Laßt Euch nicht verführen durch gleißnerische Versprechungen bte nimmer erfüllt werben können. Laßt Euch nicht von falschen Lehren bethören und folget nicht den Eingebungen ber Selben» schäften. Vertraut vielmehr benen, welche wahrhaft Euer wirkliches Wohl erstreben. Habet Achtung vor ber Obrigkeit, ber
Er fetzte sich gleich da, wo er stand, in das Gras, langte in den Gürtel und zog ein kleines Quantum Tabak, welcher mit wilden Hanfbättern vermischt war, hervor, mit dem er fein mit Federn gefchmücktes Calummet stopfte. Wir nahmen neben ihm Platz. Die Ceremonie der Friedenspfeife war unumgänglich nothwendig, denn sie besiegelte das Bündniß, welches wir gefchlosien hatten, und ehe sie nicht geraucht war, hätte Winnetou sicher kein einziges Wort über unfern Plan gesprochen.
Als er den Taback in Brand gesteckt hatte, erhob er sich und stieß einen Mund voll Rauch grab zum Himmel empor und ebenso einen grad zur Erde nieder; dann verneigte er sich nach den vier Himmelsgegenden, indem er vier Züge aus der Pfeife that und den Rauch nach der betreffenden Richtung blies. Hierauf setzte er sich nieder und gab mir die Pseife mit den Worten:
„Der große Geist hört meinen Schwur: meine Brüder sind wie ich und ich wie sie; wir sind Freunde!" ,
Ich ergriff das Calummet, erhob mich, that wie er und fagte dann: , , r
„Der große Manitou, den wir verehren, beherrscht die Erden und die Sterne. Er ist mein Vater und Dein Vater, o Winnetou; wir sind Brüder und werden uns beiftehen in jeder Gefahr. Die Pfeife des Friedens hat unfern Bund erneut."